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Veranstaltung
im IG-Metall-Haus, Freitag den 1. Dezember 2000 um 17 Uhr:
1300
Entlassungen nach Streik im VW-Werk Uitenhage in Südafrika
Hintergründe,
Zusammenhänge und Schlussfolgerungen des Konflikts
Anfang
Februar entließ der deutsche Konzern Volkswagen in Uitenhage, Südafrika
1300 Arbeiter, weil sie nach einem Streik ein Ultimatum zur Arbeits-
aufnahme nicht befolgt haben. In diesem Konflikt wurden zentrale
Fragen in Bezug auf Globalisierung, Arbeitnehmerinteressen und das
Verhalten von Gewerk- schaften in diesem Spannungsfeld kontrovers
beurteilt (siehe unten).
Wir
wollen
- Vollständige Informationen
über die Vorgänge und die aktuelle Situation in Uitenhage vermitteln
- Die Aufgaben von
Gewerkschaften und Konzern- / Weltbetriebsräten im Rahmen der
Globalisierung beleuchten
An
der Veranstaltung werden teilnehmen:
Stefan
Krull Sprecher
des AK-Südafrika und Mitglied des Betriebsrats bei VW
Wolfsburg
Manfred
Reck Sekretär
der IGM-Verwaltungsstelle Wolfsburg, verantwortlich für Inter-Soli-Arbeit
Thorsten
Wenderoth Mitglied
der IGMetall-Vertrauenskörperleitung bei VW in Kassel
Wilfried
Dreßler IGMetall-Vertrauensmann
bei VW in Salzgitter
Beatrix Sassermann
Vertrauensfrau der IG-BCE
in Wuppertal
Die
drei Letztgenannten haben im Mai 2000 die Schlichtungs- verhandlung
inSüdafrika beobachtet)
Ort:
Großer Saal (5.Stock) im IG-Metall-Haus, Alte Jakobstraße 148,Berlin-Kreuzberg,
U-Bahn Hallesches Tor
Auszüge
aus verschiedenen Stellungnahmen:
Aus
der Stellungnahme des GBR von VW , April 2000:
Dem
Werk Uitenhage von Volkswagen in Südafrika ist ein großer Schritt
nach vorne gelungen: Der Standort sicherte sich nun langfristig
den Auftrag zum Bau von jährlich 30.000 Golf für den Export. Diese
gute Nachricht stieß nicht nur bei den Beschäftigten und deren Familien
auf Erleichterung, sondern landesweit auch bei Gewerkschaften und
Politikern. Schließlich verzeichnet die Region Uitenhage/Port Elizabeth
eine Arbeitslosenquote von über 50 Prozent.
Noch
vor wenigen Wochen hatte es gar nicht so gut ausgesehen für dieses
ehrgeizige Vorhaben von Volkswagen, das auch ein Signal setzen kann
gegen die weit verbreitete Armut im Südafrika. Hintergrund für die
Probleme war ein Konflikt innerhalb der Gewerkschaft NUMSA:
Eine oppositionelle
Minderheit war offenbar entschlossen, auch unter Umgehung demokratischer
Regeln die bestehenden Tarifverträge und Gesetze zu brechen und
bestimmenden Einfluss zu bekommen. ... Dr. Schuster (Leiter des
Zentralen Personalwesens des Konzerns) berichtet, dass sich die
Oppositionsgruppe von anderen Vertrauensleuten isolierte und Vereinbarungen
zur Produktivitätssteigerung torpedierte, die im Konsens der Arbeitnehmer
getroffen worden waren. "Eine geschlossene Vertretung der Arbeitnehmerinteressen
war nicht mehr möglich", bestätigt Hans-Jürgen Uhl, Generalsekretär
des Weltkonzernbetriebsrats von Volkswagen, der sich zusammen mit
Dr. Schuster auch vor Ort für eine Lösung der Probleme einsetzte.
... Dr. Schuster: "Die Gruppe ersetzte die zurückgetretenen
Vertrauensleute ohne Beteiligung der Belegschaft durch Gefolgsleute
und wollte allen anderen Gewerkschaftsvertretern verbieten, das
Werk zu betreten." Uhl betont: "Das widersprach auch dem
hoch entwickelten und sehr arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsrecht
in Südafrika." Die NUMSA habe daraufhin die 13 Oppositionellen
ausgeschlossen und Volkswagen aufgefordert, sie nicht mehr zu beschäftigen.
...
Die Lage wurde
unhaltbar. Um Lieferverpflichtungen zu erfüllen, hätte bei einer
Fortführung des Ausstandes das komplette Exportvolumen aus dem Werk
abgezogen werden müssen. Eine offenbar illegal agierende Gruppe
hätte damit die Existenz von tausenden Beschäftigten und deren Großfamilien
aufs Spiel gesetzt. Dem Unternehmen blieb keine andere Wahl, als
eine erneute Frist zu setzen:
Nur diejenigen
Arbeitsverträge behielten ihre Gültigkeit, die von den Mitarbeitern
mit Beginn der Frühschicht am 3. Februar erneut unterzeichnet würden.
Die überwältigende Mehrheit der rund 6000 Beschäftigten ergriff
diese Chance. Dass dennoch knapp 1300 Mitarbeiter dieses Angebot
nicht nutzten, bedrückt Hans-Jürgen Uhl sehr. Aber weder die IG
Metall noch der Konzernbetriebsrat von Volkswagen sahen sich in
der Lage, den VW-Vorstand aufzufordern, die Entlassungen zurückzunehmen.
Diese Gruppe hat die Aufrufe der Gewerkschaft, der demokratischen
Regierung und des VW-Managements sabotiert und trägt die Verantwortung
für die Arbeitslosigkeit von 1300 Kollegen." Das unterstreicht
Uhl nach Beratungen auch im Weltkonzernbetriebsrat, der IG Metall
und dem Internationalen Metallgewerkschaftsbund, dem die südafrikanische
NUMSA angehört. Die Verantwortung für die schlimme Entwicklung müsse
die Oppositionsgruppe tragen. ...
Aus
einem Brief von Bonisile Mzeku,
Uitenhage-Krisen-Komitee,
April 2000:
...Wir
hatten darum gebeten, dass die Organisatoren der VK-Versammlung
in Kassel, die für den 03. April angesetzt war, uns erlauben würden,
daran teilzunehmen, so dass wir unsere Angelegenheit und Haltung
zu dem Konflikt bei VW in Südafrika persönlich darlegen und alle
Missverständnisse klären könnten. ... Die Organisatoren haben unsere
Teilnahme, sogar unsere Anwesenheit als Beobachter abgelehnt. ...
Wir
sind enttäuscht und empört, dass wir an der Versammlung vom 03.April
nicht teilnehmen konnten, besonders deshalb, da die Angelegenheit
der Entlassungen in Südafrika auf dem Treffen diskutiert werden
sollte. Das grundlegende demokratische Prinzip der Gewerkschaftsbewegung
ist es, dass es Dir erlaubt sein muss, Deinen Fall persönlich vorzutragen,
und nicht, dass ein anderer eine eigene Version in Deiner Abwesenheit
darlegt. ...
Wenderoth,
Dreßler, Sassermann
nach
ihrer Rückkehr aus Uitenhage:
...
Sie und andere hatten die Arbeit niedergelegt, um ihre Solidarität
mit 13 Shopstewards (Mittelding aus Betriebsrat und Vertrauensmann/frau),
die von ihrer Gewerkschaft ein Funktionsverbot (Suspendierung) erhalten
hatten zu schützen. Sie wollten ihre demokratisch gewählten Vertreter
nicht fallen lassen, die ihrer Kritik an Vereinbarungen zwischen
ihrer Gewerkschaft und dem Arbeitgeber Ausdruck verliehen.
Seit
Februar haben die Vertreter der Entlassenen Briefe an deutsche Betriebsräte
und Vertrauensleute geschickt, um die Solidarität deutscher VW-Kollegen
einzufordern. Es kam sogar der Kollege James Bonisile Mzeku nach
Deutschland, um persönlich die Sicht der Betroffenen vorzutragen.
Die offiziellen Vertreter der deutschen VW-Arbeiter taten sich schwer
mit internationaler Solidarität. Nur an der Basis rührte sich Protest
gegen das Vorgehen der Firmenleitung. Es gab vielfach den Wunsch,
die Ereignisse besser zu verstehen, Widersprüchen nachzugehen und
unterschiedliche Darstellungen zu klären. Die Unterzeichner sind
daher nach Uitenhage gereist, um soviel direkte Information wie
möglich zu erhalten. ...
Die
Auseinandersetzung bei VW hatte somit auf der einen Seite als Ursache
die Angriffe des Unternehmens auf Errungenschaften der Arbeitnehmer
im Rahmen der Globalisierung. Zum anderen gab es die Unzufriedenheit
eines bedeutenden Teils der Belegschaft über die Zugeständnisse
ihrer Gewerkschaft und deren Umgang mit dem Mitgliederwillen. Der
Unmut machte sich z.B. bei der Neuwahl der Shopstewards im letzten
Jahr Luft. Eine ganze Reihe derjenigen, die den Mitgliedern zu kompromissbereit
waren, wurden zugunsten von kritischeren Vertretern abgelöst. Dies
war weder dem Unternehmen noch der Gewerkschaft angenehm. ..."
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