Antrag zur Verbesserung der Internationalen Gewerkschaftsarbeit
Der Gewerkschaftstag möge beschließen:
- Zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit
der Gewerkschaften muss auch an der Basis die Zusammenarbeit mit den
KollegInnen in den anderen Ländern entwickelt werden. Die IG Metall
initiiert eigenständige Netzwerke der Belegschaften transnationaler
Unterneh-men. Sie stellt dafür finanzielle und personelle Ressourcen
bereit (z.B. für Übersetzung, Info-material, Reisekosten). Diese Mittel
müssen insbesondere auf der Ebene der Verwaltungsstel-len zur Verfügung
stehen.
- Der Aufbau von internationalen Strukturen unter
Vertrauensleuten, gewerkschaftlich Aktiven (und gewerkschaftlich Interessierten,
insbesondere unter Jugendlichen) muss vorangetrieben werden. Der notwendige
Aufbau von Euro-Betriebsrätestrukturen und die Forderung nach qualifizierten
Mitbestimmungsrechten für Eurobetriebsräte sind dafür kein Ersatz .
Begründung
- Die Erfahrung mit den Arbeits- sozialen
und Lebensbedingungen im anderen Land, das persönliche Kennenlernen
von KollegInnen dort, das Wissen um deren gleiche bzw. unterschiedliche
Schwierigkeiten, Kämpfe, Niederlagen oder auch Errungen-schaften,
sind Grundvoraussetzung, um grenzüberschreitendes Bewusstsein,
tragfähi-ge Vernetzungen und die Bereitschaft zu internationaler
Solidarität entwickeln zu können.
- Wir brauchen eine international ausgerichtete
Programmatik die gewerkschaftspoliti-sches Bewusstsein möglichst
breit vermittelt, die Fähigkeit, übergreifend Solidarität und
gesellschaftlichen Widerstand zu organisieren und Arbeitskämpfe
zur Durchset-zung gemeinsamer sozialer Interessen zu führen. Damit
wird gleichzeitig rechten, chauvinistischen und nationalistischen
Kräften jeder Art die Möglichkeit entzogen, persönliches und gesellschaftliches
Bewusstsein zu besetzen und zu prägen.
- Belegschaften in den unterschiedlichen
Standorten werden gegeneinander ausgespielt und durch die Konkurrenz
mit dem anderen Standort zu Zugeständnissen erpresst. Diese Logik
(und vielfache Erfahrung) konnte nur in wenigen Fällen durch län-derübergreifende
Solidaritätsaktionen durchbrochen worden (z.B. beim gemeinsamen
Kampf der Opel Belegschaften gegen die Werkschließung in Luton
oder bei der Or-ganisierung einer deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit
bei DaimlerChrysler, mit der Streikbrucharbeit verhindert wurde).
- Realität und Auswirkung von Standortkonkurrenz
zeigt eine Studie, die 1995/96 von der Universität Tübingen zusammen
mit der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht wurde. Diese hatte
ergeben, dass bei den gewerkschaftlich organisierten Jugendlichen
der Anteil von autoritären, nationalistischen und fremdenfeindlichen
Einstellungen überproportional hoch war. Es wurde festgestellt,
dass Rechtsradikalismus bei Jugend-lichen extreme Anpassung und
Unterordnung unter gesellschaftlich herrschende Nor-men und Ordnungsvorstellungen
bedeutet. Solche Einstellungen wurden besonders bei großen Industriebetrieben
der Metall-, Elektro- und Baubranche festgestellt, also ge-rade
dort, wo ein Schwerpunkt gewerkschaftlicher Arbeit liegt. Die
Autoren der Stu-die folgern daraus, dass wenn Gewerkschaften,
die unternehmerische Begründungs-zusammenhänge von Standortsicherung,
Leistungssteigerung, Konkurrenzfähigkeit und nationaler Arbeitsplatzsicherung
d.h. von Ausgrenzungsstrategien übernehmen, sie zu Förderern von
rechten und chauvinistischen Einstellungen werden.
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