IG Metall, Verwaltungsstelle
Berlin
13. Delegiertenversammlung am 22. März
2003
Vorlage-Nr.:
Antragsteller: Stadtteilgruppe Spandau
Betreff: Nein zum Krieg
Die Delegiertenversammlung möge (als
Antrag der Verwaltungsstelle an den 20. Gewerkschaftstag) beschließen:
Krieg als Mittel der Politik zur
Durchsetzung von Interessen ist grundsätzlich und vor allem
angesichts der derzeitigen globalen machtpolitischen Schieflage
abzulehnen. Über eine Abweichung von dieser Position der IG
Metall hat im Einzelfall ausschließlich ein Gewerkschaftstag
zu beschließen.
Begründung:
Nach dem Ende des Kalten Krieges hat der
Vater der jetzigen US-Präsidenten George W. Bush eine neue
Weltordnung ausgerufen, in der nun Kriege der Vergangenheit
angehören sollten. Die Gesellschaften sollten endlich in den
Genuss einer Friedensdividende kommen, die der Lösung
dringender sozialer und ökologischer Probleme zukommt. Doch
statt neue Anstrengungen zur friedlichen Lösung von Konflikten
zu unternehmen haben die Führer der neuen Weltordnung
vor allem das Kriegführen rehabilitiert. Die Abstände
der seit 1991 erfolgten Militärinterventionen wurden immer
kürzer und der permanente Ausnahmezustand mit allgegenwärtiger
Kriegsdrohung soll nun offensichtlich zur neuen Normalität
in den internationalen Beziehungen werden.
Die Bilanz der letzten Kriege zeigt, dass
die angeblichen militärischen Lösungen nicht
die Verletzung von Menschenrechten beendeten, sondern nur neue Verletzungen
hinzugefügt haben. Dafür stehen folgende Ergebnisse:
- Im Golfkrieg 1991 wurde absichtlich die
überlebenswichtige Infrastruktur stark zerstört und lebensbedro-
hende chemische und atomare Gifte freigesetzt. Im Zuge der Embargopolitik
wurde das Verhungern von 400.000 Kindern in Kauf genommen;
- Im Kosovokrieg wurden ebenfalls zivile
Einrichtungen bombardiert und durch die Zerstörung von Ar-
beitsstätten das Lebensniveau der arbeitenden Menschen noch
weiter ins Elend gedrückt. Statt Brü- cken der Verständigung
zu bauen wurde der Hass nur zementiert.
- Statt in Afghanistan Milliarden für
den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen bereit zustellen, die dieser
nach 20 Jahren Krieg gezeichneten Gesellschaft eine Zukunft ermöglichen,
hat der Bombenkrieg die Zahl der Terroropfer in New York durch eine
noch größere Zahl von zivilen Kriegstoten weiter erhöht.
Wir, die Delegierten des 20. Ordentlichen
Gewerkschaftstages, sind nicht bereit diese Politik zu akzeptieren
und zu unterstützen.
1995 hat der Gewerkschaftstag auf Antrag
der Verwaltungsstelle Weilheim den Beschluss gefasst: Krieg
darf nicht als Mittel der Konfliktbewältigung akzeptiert werden,
er bringt immer neues Leid und Elend. Und als Gegenstrategie
wurde empfohlen: Weiterentwicklung der gewerkschaftlichen
internationalen Aktivitäten der Solidarität arbeitender
Menschen.
Im Widerspruch dazu hat sich der Vorstand
der IG Metall bei den folgenden kriegerischen Konflikten lediglich
auf den Standpunkt zurückgezogen, dass Kriege vom UNO-Sicherheitsrat
zu billigen sind und die Verhältnismäßigkeit der
Kriegsführung angemahnt.
Demgegenüber steht jedoch die Erfahrung,
dass die Beschlüsse des Sicherheitsrats durch machtpolitische
Deals erkauft werden können und einseitig den Interessen der
sog. G8-Staaten folgen, die vor allem ein Interesse an der Aufrechterhaltung
der ungerechten Weltwirtschaftsordnung haben. Die Interessen der
arbeitenden Menschen an friedlicher Entwicklung werden durch eine
solche verkürzte Sichtweise nicht ausreichend vertreten.
Vielmehr ist im Sinne des 1995 beschlossenen
Antrags der öffentlich sichtbare Schulterschluss mit der Friedens-
und globalisierungskritischen Bewegung zu suchen.
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