Redebeitrag des Arbeitskreis Internationalismus
der Berliner IG-Metall auf der Demonstration gegen den Krieg am
22.09.2001
Ich spreche hier als Gewerkschafterin und
Vertreterin des AK Internationalismus der IG Metall Berlin und wie
ihr alle wisst hat der DGB letzte Woche gemeinsam mit den Unternehmerverbänden
zu fünf Schweigeminuten für die Opfer des Terrors in New
York und Washington aufgerufen. Dem sind viele Beschäftigte
gefolgt und unsere Trauer gilt den Opfern dieser Anschläge,
sowie unsere Solidarität und unser Mitgefühl den Angehörigen.
Dies gilt für alle Opfer von Gewalt,
sei es von terroristischer Gewalt oder von Gewalt, die von Staaten
gegen andere Völker oder gegen das eigene Volk ausgeübt
wird.
Wir lehnen Terror als Mittel der Politik
ab. Terror kann aber auch nicht durch Gegenterror bekämpft
werden, sondern nur dadurch, dass die Ursachen des Terrors beseitigt
werden.
Eine Ursache des Terrors ist die ungerechte
Weltordnung die auch von der Politik der USA verkörpert wird.
Und ich hoffe nicht - in dem ich das hier sage, - in eine terroristische
Ecke gedrängt zu werden.
Ich glaube die UNO-Zahlen sprechen für
sich: Eine Milliarde Menschen leben im Wohlstand bzw. unter akzeptablen
Bedingungen, das sind wir hier. Eine weitere Milliarde Menschen
lebt im schrecklichsten Elend und vier Milliarden Menschen leben
am Rande des Existenzminimums.
Die weltweite Produktion von Grundnahrungsmitteln
übersteigt den Bedarf auf der Welt um 10%, dennoch verhungern
jährlich 30 Millionen Menschen und 800 Millionen Menschen leiden
an Unterernährung. 300 Millionen Kinder müssen unter brutalsten
Bedingungen arbeiten.
Gleichzeitig übertrifft das Vermögen
der 360 reichsten Menschen wertmäßig das zusammengefasste
Jahreseinkommen von 45% der Weltbevölkerung.
Dabei wird der Abstand zwischen Armen und
Reichen immer größer: Heute verfügen 20% der Weltbevölkerung
über das 82-fache Einkommen der Ärmsten - 1960 war es
"nur" das 30-fache.
Die Beschleunigung dieser Entwicklung ist
auch Teil der Globalisierung wie wir sie alle schon längere
Zeit erleben und auch dagegen richtete sich die Kritik der Globalisierungsproteste
in Göteborg, Genua und anderswo. Doch diese Kritik an den herrschenden
Verhältnissen wird mit der momentanen Kriegsrhetorik so gut
wie mundtot gemacht bzw. in die Nähe des Terrorismusverdachtes
gestellt.
Es ist erstaunlich wie schnell es gelungen
ist mit Hilfe eines Großteils der Medien, die Betroffenheit
der Menschen und die Solidarität mit den Opfern in eine Identifizierung
mit der Supermacht USA und ihren kriegerischen Zielen umzuwandeln.
Von einem "Kreuzzug" der "zivilisierten" gegen
die "unzivilisierten" der Welt ist die Rede,
ebenso von einer Schlacht des "GUTEN"
gegen das "Böse". Die Welt wird rassistisch aufgeteilt
und wer anders ist wird ausgegrenzt.
Und es gibt auch schon die ersten Opfer dieser
Rhetorik zu beklagen: In den USA wurden deswegen schon zwei Menschen
umgebracht. Viele Menschen anderer Herkunft in den USA und auch
hier haben Angst vor weiteren Übergriffen, dieser Gewalt müssen
wir uns stellen und wir müssen sie verhindern.
Die ganze Kriegsrhetorik ist ausgerichtet
auf eine Militarisierung der Gesellschaften, d.h. die militärische
innere Sicherheit wird zum Allheilmittel gegen den internationalen
Terrorismus erhoben, dabei zeigen gerade die selbstmörderischen
Anschläge in den USA, dass es eine Sicherheit die auf militärische
Stärke beruht, nicht geben kann. Mit dem Abbau demokratischer
Rechte nach innen und der Ausgrenzung nach außen wird die
ungerechte Weltordnung weiter verschärft, mit der Gefahr eines
dritten Weltkrieges.
Dabei gilt es auch religiösen Fanatikern
und Faschisten, den Zugang in die Herzen und Köpfen der Menschen
nicht zu ermöglichen. Ihre Ideologie heißt Frauenunterdrückung
und lässt das Töten von Menschen zu. Frauen werden gesteinigt
wenn sie sich nicht verschleiern, Frauen wurden gezwungen ihre Arbeit
aufzugeben mit der Folge zu betteln oder zu verhungern. Und Männer
haben ein uneingeschränktes Recht über die weiblichen
Familienmitglieder.
Das wir gegen solche reaktionäre Regime
sind, steht überhaupt nicht in Frage.
Unser Protest und Widerstand richtet sich
heute gegen die mörderische Erpressung von Präsident Bush:
Wer nicht bedingungslos für uns ist, ist gegen uns und hat
mit entsprechenden Maßnahmen zu rechnen. Die Operation "Infinite
Justice" ist als Drohung des grenzenlosen Gegenschlags und
des unbegrenzten Krieges zu verstehen.
Dieser Logik müssen wir uns wiedersetzen
und insbesondere unsere KollegInnen in den Betrieben und den Gewerkschaften
für den Widerstand gewinnen.
Aus vielen Gewerkschaften gibt es bereits
Beschlüsse und Erklärungen gegen die Kriegspläne,
wie z.B. vom Verdi-Vorstand in Baden Württemberg und dem DGB
Landesbezirk Niedersachsen. Auch in der IG Metall Berlin wird heftig
über dieses Thema diskutiert. Und ich zitiere den Schlusssatz
aus einer Erklärung gegen den Krieg vom letzten Donnerstag:
"Wir sehen unsere Gewerkschaft als Teil einer globalen Bewegung,
die für die Zivilisierung der Außenpolitik kämpft,
Chancen für eigenständige wirtschaftliche Entwicklung
weltweit einfordert und interkulturell Solidarität in unserer
Organisation und darüber hinaus praktiziert und durchsetzt."
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