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Quelle: amerika21.de / 09.09.2010
Colom spricht von "Genozid"
Präsident Guatemalas übernimmt
Verantwortung für Völkermord und bittet Überlebende
um Verzeihung
Von Malte Daniljuk
Guatemala. Präsident Álvaro Colom
übernimmt im Namen des guatemaltekischen Staates erstmals die
Verantwortung für die Staatsverbrechen während des Bürgerkrieges.
In einer am Montag verbreiten Erklärung bittet Colom die Familien
der Überlebenden um Verzeihung. Während des Bürgerkrieges
in dem mittelamerikanischen Land wurden annähernd 200.000 Menschen
Opfer der staatlichen Aufstandsbekämpfung.
"Nach Jahren der Teilnahmslosigkeit
bitte ich Sie im Namen des Staates um Verzeihung für die Qualen
und den Schmerz, verursacht während des internen bewaffneten
Konfliktes." erklärte der Regierungschef. Gegenwärtig
plant die Regierung ein Programm, das Opfer des Bürgerkrieges
auch finanziell entschädigen soll. Bisher sind über tausend
Familien als Betroffene gemeldet.
Der Bürgerkrieg begann 1960, kurz nachdem
die Regierung Arbenz in einem von den USA unterstützen Putsch
gestürzt worden war. Arbenz hatte versucht, einen Teil des
Besitzes der United Fruit Company im Zuge einer Agrarreform zu enteignen.
Seit Ende der 1970er bekämpfte die damalige Militärregierung
die in der URNG organisierten Aufständischen durch einen breit
angelegten Krieg gegen die Zivilbevölkerung.
Die UNO machte in einem Bericht die guatemaltekischen
Streitkräfte für 93 Prozent der begangenen Verbrechen
verantwortlich, in vier Prozent der Fälle konnte die Verantwortung
nicht mehr nachvollzogen werden und für drei Prozent wurden
die Aufständischen verantwortlich gemacht. Da es sich bei den
Opfern größtenteils um Angehörige der Maya-Bevölkerung
handelt, stuften Völkerrechtler das Vorgehen des Staates als
Völkermord ein.
Dieser Einschätzung schließt sich
nun erstmalig auch ein guatemaltekischer Präsident an: Colom
räumt in seinem Brief ein, dass damals ein Genozid stattfand.
Politische, religiöse und indigene Führungspersönlichkeiten
seinen "systematisch zerstört" worden.
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