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Filmabend
zu Südafrika:
"Im Schatten des Tafelbergs"
Sonntag, den 04. Juli 2010 um 18
Uhr im Regenbogenkinoo
Lausitzer Str.22 B-Kreuzberg
In Anwesenheit von Romin Khan
Wenn sich in diesen Tagen undden nächsten Wochen
die Augen der Welt auf Südafrika richten, werden wir hoffentlich
abseits des grünen Rasens erleben können, wie dieses Land
im Zuge der Fußball-WM zusammenwächst und sich als wahre
Regenbogennation mit Zukunft präsentiert, die die Bürde
der Vergangenheit abgeschüttelt hat. Die Gegenwart jedenfalls
ist auch 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid nach wie vor für
einen Großteil der Bevölkerung düster, wie Alexander
Kleider und Daniela Michel in ihrem Dokumentarfilm Im Schatten
des Tafelberges - When the Mountain meets its Shadow zeigen.
Ihr Film zeigt die Realitäten des Landes und
deckt auf, wie sich das historische Unrecht auch gerade durch die
Fußball-Weltmeisterschaft nahezu nahtlos fortsetzt - lediglich
die Vorzeichen haben sich verschoben: "Früher war es nur
für Weiße', heute ist es nur für Reiche'",
so sagt einer der Protagonisten des Films. Was während der
Apartheid das rassistische Regime an Ungleichheit und Ungerechtigkeiten
manifestierte, wird heute zu die "Segnungen" der Privatisierung
der Wohnungswirtschaft und der Grundversorgung erledigt. Das Ende
der Rassentrennung hat die Slums nicht beseitigt - im Gegenteil.
Doch wer nun glaubt, dieses Unrecht würde die Menschen mutlos
machen, sieht sich gerade durch die Beispiele, die hier gezeigt
werden, eines Besseren belehrt.
Die Filmemacher begleiten unteranderem Ashraf und
Mne von der "Anti-Eviction-Campaign" (AEC), die nachts
durch die Straßen ziehen, um die Wassersperrungen in den Townships
zu beseitigen und sich und den anderen unerwünschten Bewohnern
ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen. Sie sind
wie viele andere der armen Südafrikaner von Zwangsräumungen
bedroht - und zwar vor allem deswegen, weil sich ihre Hütten
und Quartiere in der Nähe des Flughafens und am Rande des vor
allem von Touristen befahrenen Highway N2 liegen. So viel sichtbare
Armut könnte sich auf die allgemeine Feierstimmung und Euphorie
niederschlagen - und das möchte man von staatlicher Seite gerne
verhindern.
Zu den Schwierigkeiten der Gegenwart kommen noch
die Erinnerungen an die Erlebnisse in der unruhigen der Vergangenheit
hinzu, von den Ashraf und Mne erzählen und die sie wohl niemals
loswerden: Gemeint sind die zahlreichen Toten bei den Unruhen und
Aufständischen in den Siebzigerjahren, in denen sie miterleben
mussten, wie Polizei und Militärs nicht einmal vor den Erschießungen
von Kindern zurückschreckten. Doch das Unrecht, dass die beiden
erfuhren, kam keineswegs nur von den Staatsorganen, sondern durchaus
auch von den eigenen Leuten: Wer nach staatlicher Folter von den
Mitgliedern des ANC verdächtigt wurde, ein "informer"
des Apartheid-Regimes zu sein, wurde bei lebendigem Leib mittels
Autoreifen verbrannt - ein weiteres dunkles Kapitel in der Geschichte
des Landes, über das heute lieber der Mantel des Schweigens
gedeckt wird.
Neben den beiden Mitgliedern der Graswurzelbewegung
AEC zeigt der Film aber auch den Kampf weiterer Südafrikaner
gegen den festzementierten Status quo einer Gesellschaft, in der
die extreme Armut Vieler und der extreme Reichtum Weniger hart aufeinanderprallen.
Wie etwa bei Zoliswa, die selbst in einer ärmlichen Wellblechhütte
lebt und die bei ihrer Arbeit als Dienstmädchen in einer reichen,
überwiegend von Weißen bewohnten "gated community"
jeden Tag am eigenen Leibe erfährt, wie es ist, wenn man nicht
zu den Privilegierten im Lande gehört.
Wer denkt, dies alles sei weit weg und eben irgendwie
"typisch afrikanisch", sollte sich dabei nicht allzu sicher
sein. Schließlich klafft auch hierzulande die Schere zwischen
Arm und Reich immer weiter auseinander. In Sachen kreativer Widerstand
und Lebensmut können wir sicher einiges von den bewundernswerten
Menschen lernen, die in diesem Film zu Wort kommen.
(Joachim Kurz in Kino-Zeit.de)
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