"Der Vorstand hat ein Recht zu Schweigen!!!"
zum Thema Folter und Mord bei Mercedes Benz Argentinien
- Bericht von der DC-Hauptaktionärsversammlung 2004 in Berlin -
| Seit einiger
Zeit unterstützt der Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall
Berlin die Bemühungen um Aufklärung im Fall der "Verschwundenen
von Mercedes Benz Argentinien" während der Militärdiktatur.
Anlässlich der diesjährigen DaimlerChrysler Hauptaktionärsversammlung
(DC-HV 2004) in Berlin am 07.04.04 waren auch Gäste aus Argentinien
von mehreren Organisationen eingeladen, um die Öffentlichkeit
hier zu informieren. In einer Podiumsdiskussion am Vorabend an der
Humboldt-Universität, wurde diese Gelegenheit von über 100
Menschen wahrgenommen. |
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Der Aufsichtsratsvorsitzende Kopper
sprach selbst das Thema Mercedes Benz Argentinien (MBA) schon in seiner
Einleitungsrede der DC-HV 2004 an, aber nach seinen Ausführung sollte
es damit abgeschlossen sein. DaimlerChrysler habe eine Untersuchungskommission
mit Unterstützung von Amnesty International eingesetzt, dieser Bericht
wurde im Dezember 2003 der Öffentlichkeit vorgestellt und damit sei
alles erledigt. In dem Bericht heißt es zusammenfassend, für
DaimlerChrysler kann keine strafrechtliche Beteiligung am Verschwindenlassen
von Beschäftigten in Argentinien während der Militärdiktatur
nachgewiesen werden.
Als erstes wurde das unbequeme Thema Mercedes Benz Argentinien von der Journalistin
Gaby Weber angesprochen, sie berichtete von ihren weiterreichenden Recherchen
in diesem Fall. Es gäbe Hinweise und Beweise, dass in MBA sowohl Nazigeld
gewaschen als auch Nazi-Leute gedeckt wurden. Weiter kam sie nicht, denn
Kopper drehte das Mikro ab und rief wütend in den Saal, dieses Thema
gehöre nicht hier her.
Mit Eduardo Fachal meldete sich ein argentinischer Betroffener zu Wort und
stellte nach seinem Bericht mehrere konkrete Fragen an den Vorstand von
DC und sprach eine Einladung nach Argentinien an den anwesenden Kollegen
Klemm (stellvertretender Aufsichtsratsvor-sitzender und Gesamtbetriebsratvorsitzender
von DC) aus, die Stimmung wurde immer aggressiver. Mittlerweile wurde eine
Pressemitteilung von Amnesty International bekannt, die den DC-Bericht ebenfalls
kritisieren, damit war Amnesty International als Feigenblatt für DC
nicht mehr haltbar. Im Gegenteil die "Verantwortung von DaimlerChrysler
für "verschwundene" Mitarbeiter in Argentinien bleibt bestehen",
forderte auch Amnesty International.
Der DC- Vorstandsvorsitzende Schrempp bemerkte nur "zu Argentinien
habe ich nichts zu sagen" und beantwortete keine einzige Frage. Auch
Helmut Frenz (ehemaliger Bischof in Chile) kritisierte deutlich in seinem
Redebeitrag den Tomuschat-Bericht, der sich meist mit der Täterseite
und nicht mit den Opfern auseinandersetzt und forderte den DC-Vorstand nochmals
auf, die Fragen der Gäste aus Argentinien zu beantworten.
Abschließend hält Kopper nur fest: "Der Vorstand hat ein
Recht zu Schweigen". Leider schweigen sich dazu auch die Arbeitnehmervertreter/Gewerkschafter
im Aufsichtsrat aus.
Spannt man einen Bogen über die drei Tage zum Besuch aus Argentinien,
so fällt auf:
Kollegen aus dem Werk Marienfelde berichteten nach ihrer Recherche zu
100 Jahren DC, dass es im Faschismus dort eine betriebliche Widerstandsgruppe
gab. 14 Menschen wurden deshalb vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt
und in Plötzensee hingerichtet. Während der Militärdiktatur
in Argentinien wurden im und um das Werk MBA 15 Menschen entführt
und ermordet und bis heute hat der DC-Vorstand zu beidem geschwiegen.
Bekannt wurde jetzt durch weitere Recherchen von Gaby Weber, dass sowohl
über Mercedes Benz in Argentinien Nazigeld gewaschen, als auch SS-
und Nazi-Leute versteckt und mit neuen Identitäten ausgestattet wurden.
Dieses Unternehmen hat auch eine blutige Tradition und schweigt, als ob
sich damit die Wahrheit verhindern oder unterdrücken lässt.
Aber auch die Arroganz der Macht hat ihre Grenzen, wenn wir sie weiterhin
zwingen Verantwortung zu übernehmen in Argentinien, in den USA und
eben auch hier in Deutschland.
Weitere Information:
http://www.labournet.de
-> DC Argentinien
http://www.kritischeaktionaere.de
-> DC Argentinien
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