Tafeln und Vertafelung

Wohltätigkeit statt Sozialstaat – der Traum der Neoliberalen

Tafeln und VertafelungDie Notwendigkeit von Tafeln ist genau so ein Armutszeugnis für die Gesellschaft wie die Notwendigkeit der Spendensammelei für die Geflüchteten. Hier wird sogar die verfassungs- und sozialrechtlich gebotene Existenzsicherung für die Menschen ausgehebelt. Nicht nur das Dach über dem Kopf und die Ernährung, auch die Bekleidungserstausstattung, auch jahreszeitbezogen, und die laufende Ergänzung gehören zum rechtlich gebotenen Muss, ebenso wie die angemessene medizinische und therapeutische Versorgung, einschließlich nicht verschreibungspflichtiger Medikamente und therapeutischer Hilfsmittel, Bildung, soziale Teilhabe … . Alles zehn Jahre lang politisch wie wissenschaftlich durchdiskutiert am Beispiel Hartz IV.
Sicherlich ist es sehr erhebend, viel für andere Menschen tun zu können. Für die aber kratzt es an der Menschenwürde. Irgendwann muss damit Schluss sei, sonst ist es mit der Würde der Helfenden auch nicht weit her. Aus Wohltätigkeit muss Freundschaft werden, auf Augenhöhe, ohne Almosengewährung
.”
(Norbert Hermann)

Video zum Thema

20 Jahre Tafeln sind genug! Werbeclip zur Kampagne des “Kritischen Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln”

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'Immer mehr Rentner stehen bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel an. Nach Angaben des Dachverbandes hat sich die Zahl der bedürftigen Senioren binnen zehn Jahren verdoppelt. Im Interview mit unserer Redaktion sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln in Deutschland: „Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen.“ 2007 seien noch gut 12 Prozent der bedürftigen Senioren gewesen. Brühl appellierte an die Politik, Armut ernsthaft zu bekämpfen…” Interview von Dirk Fisser vom 21.12.2017 bei der Osnabrücker Zeitung online externer Link

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'“… Die Tafel in Bottrop wollte den Hilfsbedürftigen der Stadt zum dritten Advent eine Freude machen: Bürger der Stadt spendeten Geld, damit die Helfer der Tafel kleine Geschenkpäckchen für Bedürftige zusammenstellen können. Als diese Weihnachtsgeschenke Sonntagmorgen verteilt werden sollten, brach das Chaos aus. Die Tafel wollte ihre Pforten erst um 10 Uhr öffnen, doch um 5 Uhr kamen schon die ersten Bedürftigen. Laut einem Polizeisprecher warteten bereits 250 Menschen vor der verschlossenen Tür und begannen so zu drängeln, dass die Polizei mit zwei Streifenwagen anrücken und für Ordnung sorgen musste…” Meldung vom 17. Dezember 2017 bei Welt N24 externer Link

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'“Lebensmittel nach Lust und Laune einkaufen? Das ist für viele Menschen ein Privileg. Allein in NRW werden etwa 400.000 Menschen von Tafeln versorgt. (…) Laut dem Landesverband der Tafeln versorgen 170 Tafeln in Nordrhein-Westfalen aktuell mehr als 400.000 Bedürftige, Tendenz steigend. Allein 2016 ist die Zahl um ein Drittel gestiegen. (…) Befürchtungen, dass das Konzept der Tafeln missbräuchlich ausgenutzt werden könnte, müsse man nicht haben, sagt der Betriebsleiter der Dortmunder Tafel, Ansgar Wortmann. “Ich glaube, dass das Einkaufen hier nicht ein solcher Genuss ist, dass man sich das antut.” Im Gegenteil: Er glaubt, eine hohe Schamgrenze bei seinen Kunden zu bemerken. Schließlich müssten sie vor dem Einkaufen draußen in der Kälte Schlange stehen.” Beitrag vom WDR 5 Morgenecho – Westblick am Morgen vom 11. Dezember 2017 externer Link Audio Datei (Audiolänge: 3:50 Min.)

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'“… Noch vor gut einem halben Jahr waren die Tafeln überfordert, es gab zu viele bedürftige Flüchtlinge und zu wenig Spenden. Das ist jetzt nicht mehr so, sagten am Dienstag (27.07.2017) die Tafeln in Südwestfalen. Dafür kämen aber jetzt viel mehr ältere Menschen. Beispielsweise in Siegen. “Von Woche zu Woche haben wir mehr Menschen, die von Altersarmut betroffen sind”, berichtet Sybille Klein von der Siegener Tafel. “Und die Schicksale belasten uns wirklich sehr. Ich denke hier ist die Politik gefordert”…” Meldung vom 28. Juni 2017 bei den WDR-Nachrichten externer Link

Tafeln und Vertafelung“Tafeln und Vesperkirchen lindern Armut, aber bekämpfen sie nicht, sagen Sozialforscher und -arbeiter. In Stuttgart läuft noch bis nächsten Samstag die 23. Ausgabe der jährlichen Massenspeisung für Arme – doch das findet längst nicht jeder gut. Hermann Rupprecht macht Schluss. Endgültig. Am Dienstag legt der Vorstandsvorsitzende des Vereins Nürnberger Tafel sein Ehrenamt nieder. (…) Zuletzt fiel in der Vereinsversammlung sein Plan durch, ein Wohlfahrtsunternehmen als Träger ins Boot zu holen. Eine Mehrheit wollte, dass die Tafel rein ehrenamtlich bleibt. (…) 60 000 Freiwillige unterstützen mit Lebensmittelspenden bis zu 1,5 Millionen bedürftige Menschen, darunter viele Arbeitslose, Geringverdiener, Rentner, Alleinerziehende und Migranten. (…) „Die Tafeln sind ursprünglich angetreten, das Überflüssige zu verteilen. Diese pragmatische Idee haben sie schleichend ersetzt durch das Ziel, das Fehlende zu ersetzen“, erklärt Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen. Darin liege eine „systematisch eingebaute Überforderung“, die sich auch in der Nürnberger Tafelkrise zeige. Mit anderen Worten: Die Tafeln fressen das Ehrenamt auf. (…) Der Staat müsse die Grundsicherung endlich armutsfest ausgestalten, unterlasse dies aber auch deshalb, weil er auf die Nothilfe der Mitleidsökonomie zählen könne. Knecht: „Wenn jemand mittellos im Jobcenter steht, dann kriegt er zu hören, er könne ja zur Tafel gehen oder in die Vesperkirche.“ Beitrag von Willi Reiners vom 25. Februar 2017 bei den Stuttgarter Nachrichten online externer Link. Wir finden diesen Beitrag sehr wichtig, wobei ein häufiges Argument uns schon besonders nervt: Das Argument, es würde ja niemand hungern müssen, weil er nur die Angebote der Mitleidsökonomie in Anspruch nehmen müsste; wer das ablehnt, sei schlicht zu anspruchsvoll…

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'In Deutschland sind immer mehr Menschen arm, obwohl sie arbeiten, meist sind es Teilzeitjobs. In der Statistik werden diese Jobs als Erfolg gefeiert, aber die Tafeln zeigen ein anderes Bild: Dort holen sich immer häufiger Berufstätige Essen…Beitrag von Tamara Anthony vom 18.02.2017 bei der Tagesschau online externer Link

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'“Der Andrang bei den Tafeln wird größer. Auch Studenten und Geringverdiener sind zunehmend auf die günstigen Lebensmittel angewiesen. Vom Staat fühlen sich die Organisatoren im Stich gelassen. (…) „Der Bedarf ist unverändert hoch“, sagt auch Michaela Hofmann, Geschäftsführerin im Arbeitsausschuss Armut der Freien Wohlfahrtspflege. Dort beobachtet man das anwachsende und sich verdichtende Tafel-Netz allerdings auch mit Sorge – denn eigentlich müsste der Staat ein Existenzminimum der Menschen sichern, betont Hofmann. „Und das wird nicht erfüllt. Wenn dem so wäre, bräuchte man in der Form und Masse die Tafeln nicht.“…” Beitrag von Stephan Müller vom 5. Januar 2017 bei der Welt online externer Link. Siehe dazu auch:

  • Personal an der Grenze. Zu viel Andrang: Aufnahmestopp an Tafeln in NRW
    (weiterlesen »)

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'“Jetzt werden die Youngsters zur “jungen Tafel” gebeten, nachdem sie sich an der Willkommensfront so verausgabt hatten, wie früher die Heilige Johanna der Schlachthöfe in den Armen-Suppenküchen der Heilsarme.  Oder wird die mit zwei e geschrieben? Heilsarme klingt aber auch nicht schlecht! Denen kann man dann auch Beine machen, wenn man sie mit der ARGE zur Ehrenamts- oder Dumpinglohn-Arbeit abkommandiert. Hinführt mit dem Arbeitsdienst zum zweiten, farblich passenden grauen Arbeitsmarkt.  Fördern durch Fordern, Aufstocker-Ordern! Kriegen eigentlich nicht-bio-deutsche HARTZ4er Kindergeld, das der Paradieswächter & Erzengel Gabriel jetzt einsparen kann?…” Beitrag vom 20. Dezember 2016 von und bei Hartmut Barth-Engelbart externer Link. Siehe dazu das durchaus ernsthaft gemeinte Projekt: “Junge Tafel”: (weiterlesen »)

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'“… Die Tafeln werfen Politik und Verwaltungen in Deutschland vor, die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich nicht ausreichend zu bekämpfen: „Wir haben das Gefühl, als wenn sich die eigentlich Verantwortlichen auf der Arbeit unserer 60.000 Ehrenamtlichen ausruhen. Das darf nicht sein“, sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag). Wer wissen wolle, was in Deutschland schief laufe, müsse bei den Lebensmittelausgaben der Tafeln vorbeischauen: Etwa 1,5 Millionen Menschen würden hier regelmäßig Lebensmittel beziehen. „Der Staat versagt und überlässt die Unterstützung der Armen ehrenamtlichen Initiativen.“ Die Arbeit der Tafeln sei kein Grundwert, sondern ein Mehrwert, betonte Brühl.” Argenturmitteilung vom 7. November 2016 bei Epoch Times externer Link

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'Manfred Baasner verteilt Essen, das sonst im Müll landen würde. Immer mehr Alte, Arme und Flüchtlinge kommen zu ihm. Der Verteilungskampf am unteren Ende der Gesellschaft eskaliert. Ein Besuch bei Deutschlands größter Tafel…” Artikel von Rolf-Herbert Peters vom 29. Mai 2016 beim Stern online externer Link und eine Frage, die hoffentlich nicht nur uns bewegt… (weiterlesen »)

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'

Die Tafeln versorgen Bedürftige mit kostenlosen Lebensmitteln. Der Flüchtlingsandrang stellt sie vor große Herausforderungen – zu große? In Deutschland versorgen die Tafeln immer mehr Flüchtlinge mit kostenlosen Lebensmitteln. Die etwa 250.000 Flüchtlinge, die derzeit zusätzlich zu den Tafeln kämen, stellten die ehrenamtlichen Initiativen bundesweit vor eine große Herausforderung, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Tafeln, Jochen Brühl, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. „Wir können natürlich nur das verteilen, was wir haben. Das heißt, kommen mehr Menschen zu uns, bekommen die Gruppen derer, die zu den Tafeln kommen, insgesamt weniger.“ Der Tafel-Vorsitzende kündigte an, dass es Lebensmittel-Obergrenze geben könne. Weiter räumte Brühl ein, dass es bei den Tafeln zu Spannungen komme: immer wenn neue Gruppen dazukämen, gebe es Konflikte…” Artikel vom 06.02.2016 bei der FAZ online externer Link

(weiterlesen »)

[Buch] Kampf um die Armut. Von echten Nöten und neoliberalen MythenEs ist ein erbitterter Kampf ausgebrochen in Deutschland. Vordergründig geht es um Defnitionen und wissenschaftliche Methoden – tatsächlich aber um knallharte Interessenpolitik. Es ist die Armut in unserem Land, um die so verbissen gestritten wird. Je größer sie wird, umso hartnäckiger das Leugnen derer, die ihren Reichtum oder ihre Macht bedroht sehen und umso härter ihre Schläge gegen alle, die sich mit der sozialen Spaltung in Deutschland nicht abfinden wollen. Einige der prominentesten und renommiertesten Kritiker dieses neuen neoliberalen Mainstreams vereint dieser Band mit brillianten Analysen, entlarvenden Erzählungen und engagierten Plädoyers gegen Ausgrenzung und für eine Gesellschaft, die keinen zurücklässt.” Klappentext zum Buch von Ulrich Schneider (Hg.)(ISBN: 978-3-86489-114-4, 208 Seiten, EUR 14.99) beim Westend Verlag, mit Beiträgen von Ulrich Schneider, Christoph Butterwegge, Friedhelm Hengsbach SJ, Rudolf Martens und Stefan Sell. Siehe dazu Informationen und Bestellung beim Westend Verlag externer Link, Leseprobe von Rudolf Martens und Besprechung von Albrecht Goeschel: (weiterlesen »)

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'Die Tafeln in Deutschland werden wegen ihres Engagements für Flüchtlinge zunehmend verbal angegriffen. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln: „Uns schlägt zunehmend Wut entgegen. Wir werden beschimpft und beleidigt dafür, dass wir uns für bedürftige Menschen einsetzen.“ Seinen Angaben zufolge würden Tafeln derzeit auch 150.000 Flüchtlinge täglich mit Lebensmitteln unterstützen. „Das ist eine Steigerung der Tafelnutzer um zehn Prozent, in manchen Städten sogar um bis zu 50 Prozent“, so Brühl. Täglich kämen weitere Flüchtlinge an den 2000 Ausgabestellen in Deutschland hinzu…” Artikel von Dirk Fisser vom 15.10.2015 in der der »Neuen Osnabrücker Zeitung« online externer Link. Das kommt davon, wenn menschenwürdige Existenzsicherung kein einklagbares Menschenrecht ist, sondern auf das vermeintliche Null-Summen-Spiel der Barmherzigkeit angewiesen ist!

das 'Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln'

Die Armut im Land steigt weiter rasant an. Anstatt hiergegen jedoch wirksam vorzugehen, werden die bestehenden Verhältnisse entweder geleugnet, schön geredet oder einfach so organisiert, dass die Armen sich für ihre Armut auch ja selbst verantwortlich fühlen und der unsichtbaren Macht, die sie in dieser hält, im Idealfalle für ihre Almosen sogar noch dankbar sind. Derlei Selbstunterwerfung unter ein menschenverachtendes System wird dabei nicht nur mittels der Hartz-IV-Ideologie, sondern auch und vor allem durch die Tafeln im Lande besorgt – während die Wirtschaft das Elend der Armen bereits als neues Geschäftsfeld [PDF] zu erschließen begonnen hat. Jens Wernicke sprach mit Tafelkritiker Stefan Selke über das „Schamland“ Bundesrepublik…” Interview vom 4. September 2015 bei den Nachdenkseiten

Seit 10 Jahren gibt es in Dortmund die Tafel. Seit 10 Jahren gibt es die Hartz IV Gesetze. Seit 10 Jahren hat sich auch in Dortmund eine Parallelgesellschaft weiter herausgebildet, deren Mitglieder in den „Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbearf“ leben. (…) Seit 10 Jahren hat sich in Dortmund eine Szenerie entwickelt, die durch Benefiz-Veranstaltungen, Charity-Galas und Sammlungen ganz viel „stiftet“, spendet und möglichst öffentlichkeitswirksam sich selbst vermarktet. Seit 10 Jahren hat sich ein riesiger Markt der karitativen Arbeit und Barmherzigkeit ausgebreitet. Seit 10 Jahren hat sich der Staat immer mehr aus seiner sozialstaatlichen Verantwortung zurückgezogen und vieles dem bürgerschaftlichen Engagement überlassen…” Beitrag vom 16. Februar 2015 beim Gewerkschaftsforum Dortmund externer Link