Geschichte der Arbeiterbewegung

[Ausstellung 3. April bis 8. Oktober 2019] Das Reichsarbeitsministerium 1933–1945: Beamte im Dienst des NationalsozialismusDer Name Franz Seldte sagt heute wohl nur noch Spezialisten etwas, obwohl der Magdeburger Fabrikantensohn von 1933 bis 1945 dem Reichsarbeitsministerium vorstand. Welche Rolle dieses im Dritten Reich spielte, zeigt die neue Sonderausstellung in der Berliner “Topographie des Terrors”. Sie dokumentiert die Funde und Erkenntnisse einer Historikerkommission, die seit 2013 die Geschichte des Ministeriums erforscht. In sechs Kapiteln geht es um Struktur und Personal der Behörde, die Rentenversicherung, den Arbeitsmarkt, die Arbeitsverwaltung im Krieg, die Rekrutierung von Arbeitskräften in der besetzten Ukraine und um die Nachkriegszeit. (…) Ausführlich zeigt die Ausstellung, wie der freie Arbeitsmarkt zugunsten staatlicher Lenkung eingeschränkt wurde. Dabei spielten die 1935 eingeführten Arbeitsbücher ebenso eine Rolle wie die von Hitler persönlich ernannten “Treuhänder der Arbeit”, die in den Betrieben die “Volksgemeinschaft” herzustellen hatten…” Artikel von Jens Bisky vom 3. April 2019 in der Süddeutschen Zeitung online externer Link, siehe weitere Informationen zur Ausstellung im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin: (weiterlesen »)

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Rote Hilfe Zeitung 1/2019“Die Auseinandersetzung mit der eigenen linken Geschichte ist ein schmerzhafter Prozess. Zu einfach ist es, oberflächliche Bekenntnisrituale oder Distanzierungen zu verlauten: Die (libertär-)kommunistische Idee von heute habe mit der kommunistischen Idee von früher nichts mehr zu tun. Die Fehler, falschen Annahmen und Verbrechen der widersprüchlichen linken Geschichte nichts mit der eigenen. Will man als gesellschaftliche Bewegung jedoch lernen, kommt man um eine Aufarbeitung nicht herum. Dies kann aber nur gelingen, wenn man die gesamte linke Geschichte, ihre Versuche, Siege und Niederlagen, als Teil der eigenen begreift. Was bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Und trauern zu können, um neue Kraft zu schöpfen. Die linkspluralistische Solidaritätsorganisation »Rote Hilfe« stellt sich derzeit dieser Verantwortung – und stößt dabei auf eigene Widersprüche und offene Fragen. Die aktuelle Ausgabe 1/19 der »Rote Hilfe«-Zeitung hat Repression gegen linke Oppositionelle in der DDR zum Thema. Laut dem Redaktionskollektiv eine »Herausforderung«. Vorausgegangen sei der Veröffentlichung eine längere Debatte, »teils sehr emotional, nicht immer solidarisch«. (…) Ungeachtet der anhaltenden Auseinandersetzungen erklärte das Potsdamer »Rote-Hilfe«-Mitglied aber auch: »Eigentlich ist es ja gut, wenn unterschwellige Konflikte mal ans Tageslicht kommen und endlich offen diskutiert werden.« Dem kann man sich nur anschließen und der »Roten Hilfe« wünschen, dass sie den schwierigen Prozess der Aufarbeitung solidarisch weitergeht. »Ohne den Gang durch die Geschichte der revolutionären Versuche wird es keine revolutionäre Versuchung mehr geben«, schrieb die linke Historikerin Bini Adamczak. »Trauer, Traum und Trauma, von denen das dritte sich um den zweiten schließt und nur durch die erste jemals sich wieder zu öffnen erweicht werden könnte.«” Beitrag von Sebastian Bähr bei neues Deutschland vom 12. März 2019 externer Link und die Rote Hilfe Zeitung 1/2019 externer Link – siehe dazu kritische wie solidarische Reaktionen sowie eine erste Reaktion der Roten Hilfe:

  • Die Wahrheit ist unsere Stärke! Offener Brief an Mitglieder und Freund_innen der Roten Hilfe New (weiterlesen »)

100 Jahre ILO“Die Internationale Arbeitsorganisation (englisch: International Labour Organization, ILO) hat sich seit Langem zu einer der wichtigsten Unterorganisationen der UNO entwickelt. Ihre Geschichte ist allerdings bedeutend älter als die UNO und ein Ergebnis der Versailler Verhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Erstmals wurden die Unternehmer für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in die Pflicht genommen und das Ziel verankert, weltweit geltende arbeitsrechtliche Standards zu erarbeiten. Gegenüber allen anderen UNO-Unterorganisationen – WHO, UNESCO u.a. – ist die ILO durch die Besonderheit einer tripartistischen Struktur geprägt, in der neben Regierungsexperten auch Vertreter der Arbeitgeber und Gewerkschaften mit gleichem Stimmrecht sitzen. Konflikte waren damit vorprogrammiert. Auch wenn das Wirken der ILO in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande nur eine Nebenrolle spielt, zeigen ihre ausgehandelten Standards und Veröffentlichungen durchaus Wirkung – insbesondere in den Ländern des globalen Südens. (…) Das Jubiläumsjahr der ILO bietet die Chance, eine größere öffentliche Resonanz für das Wirken, aber auch die sich abzeichnenden Risiken dieser Institution zu gewinnen. (…) Zusätzliche öffentliche Resonanz verspricht auch der zum Jubiläumsjahr vorgelegte Bericht einer »Globalen Kommission zur Zukunft der Arbeit: Für eine bessere Zukunft arbeiten« zu bekommen, in dessen Mittelpunkt die Auswirkungen des digitalen Umbruchs in der Arbeit stehen. (…) Die Debatte über diese Thesen zur Zukunft der digitalen Arbeit könnte die zukünftige Bedeutung der ILO-Standards unterstreichen.” Artikel von und bei Klaus Pickshaus aus Sozialismus, Heft 4-2019 externer Link , siehe zum Hintergrund das ILO-Special zu The ILO Centenary externer Link

 

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Bergarbeiter-InfoIm Dezember 2018 endet mit der Stillegung der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop nun endgültig die mehr als 1.000-jährige Geschichte des Ruhrbergbaus. Eine wahre Flut von Veranstaltungen, Ausstellungen, Projekten und Aktionen soll dafür sorgen, dass dieses Finale kein stiller Abschied wird. Die Museen des Ruhrgebiets zeigen Kunst zum Thema Kohle, das Ruhrmuseum auf Zollverein die Sonderausstellung »Das Zeitalter der Kohle«. Die RAG Aktiengesellschaft (ehemals Ruhrkohle AG), RAG-Stiftung, Evonik und die IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie) starten für 30 Millionen Euro die Initiative »Glückauf Zukunft!« und die WAZ veröffentlicht das Panini-Sammelalbum »Schwarzes Gold«. Gedacht wird der Epoche prägenden großen Industrien und ihrer Helden der Arbeit. Einmal mehr wird der Mythos Ruhrgebiet zelebriert. Der Schmerz und der Dreck, die zerstörten Leben, spielen in dieser Erzählung allenfalls am Rand eine Rolle. Eine explizite Nachfrage ist notwendig um sie aus dem kollektiven Gedächtnis des Ruhrgebiets hervorzuholen…” Beitrag vom 31. Mai 2018 bei DER BLOG VON RECHT AUF STADT – RUHR externer Link, siehe dazu:

  • [Kumpel für AUF] Demo für die Zukunft der Jugend in Essen am 16.03.2019 New (weiterlesen »)

[29./30. März 2019 in Berlin] Symposium "Die unvollendete Revolution 1918/19"Über hundert Jahre sind vergangen, seit die deutsche Arbeiterbewegung versucht hatte, die Ursachen der Barbarei des I. Weltkrieges zu beseitigen. Über alle politischen Differenzen der Arbeiterorganisationen (SPD, USP, Spartakusbund) hinweg hatte der erste allgemeine Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte 1918 mit überwältigender Mehrheit gefordert: die Beseitigung des Militarismus, die Sozialisierung der großen Schlüsselindustrien und deren unmittelbare Einleitung durch die Enteignung des Bergbaus. Diese Forderungen konnten nicht durchgesetzt werden. Der Einfluss der alten monarchistischen Kräfte und der besitzenden Klassen, der Unternehmer und des preußischen Landadels auf die Verwaltung der Weimarer Republik und auf das Militär blieben erhalten. Das waren die Kräfte, die den Aufstieg der Nationalsozialisten förderten und dem Faschismus 1933 zur Macht verhalfen. Damit wurden auch alle sozialen Errungenschaften der Weimarer Republik, wie beispielsweise die Anerkennung der Gewerkschaften als Tarifpartner und das Betriebsrätegesetz, beseitigt. (…) In den fast drei Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung mussten wir erleben, wie die sozialen, gewerkschaftlichen und demokratischen Regelungen der alten BRD in Frage gestellt und abgebaut wurden. (…) Auf unserem Symposium wollen wir Rückschau halten und aktuelle Fragen aufwerfen. Wie lassen sich die sozialen und demokratischen Rechte, die auf die Novemberrevolution zurückgehen, heute verteidigen? Welche nicht erfüllten Erwartungen und Forderungen haben auch heute noch ihre Bedeutung, wo gibt es Ansätze für eine breite soziale Bewegung, um die Übermacht des Kapitals heute zurückzudrängen? Welche Bedeutung kommt den Beschäftigten, den Betriebsräten und den Gewerkschaften dabei zu?” Das Symposium findet am 29. und 30. März im Großen Saal des IG Metall-Hauses Berlin – siehe Details und Anmeldung auf der Homepage der Koordination ›Unvollendete Revolution 1918‹ externer Link – siehe auch: Hundert Jahre Novemberrevolution. Rede von Bodo Zeuner bei der Kundgebung “November 2018 – 100 Jahre unvollendete Revolution” am 8.11.2018 in Berlin

AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-WestAngesichts der Fülle der von uns gesammelten Dokumente haben wir uns entschlossen, diese Seite zu einem Internet-Archiv von Dokumenten sozialer Kämpfe in Ostdeutschland gegen die Privatisierungspolitik der Kohl-Regierung und ihrer Treuhandanstalt auszubauen. Wir werden nach und nach solche Dokumente und Artikel zu diesem Thema an dieser Stelle veröffentlichen…” Archivseite des ak geschichte sozialer bewegungen ost-west externer Link mit Beiträgen zum Bündnis Kritischer GewerkschafterInnen Ost-West, zur Initiative Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte, Personalräte und Vertrauensleute sowie zur Zeitungsrecherche über Streik und Protest 1990-1994. Siehe dazu auch Dokumente des Bündnisses kritischer Gewerkschafter/innen Ost West (BKG) 1990 bis 1997 sowie Streiks und soziale Proteste in Ostdeutschland 1990 – 1994

AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-WestStreiks und soziale Proteste in Ostdeutschland zwischen 1990 und 1994, dem Zeitraum der Existenz der Treuhandanstalt, kommen in der Geschichtsschreibung bisher kaum vor. Dies gilt unabhängig von der politischen Proveniènz und Zielrichtung. Sie waren wesentlich von der Treuhandpolitik bestimmt, die in kürzester Zeit eine ganze Volkswirtschaft stilllegte oder an private UnternehmerInnen aus dem Westen verkaufte. (…) Die in den Jahren zwischen 1990 und 1994 massenhaft stattfindenden Streiks und betrieblichen Proteste in Ostdeutschland, richteten sich vor allem gegen deren Politik. (…) Die in der hier vorgelegten Studie angeführten Proteste, Demonstrationen, Blockaden, Besetzungen, politischen und wirtschaftlichen Streiks zwischen 1990 und 1994 in Ostdeutschland sind zumeist vergessen (…) Es scheint, als sei die Zeit günstig, sie wieder dem Vergessen zu entreißen, da gerade in diesem Jahr 2018 ein deutliches Interesse an der Darstellung der Treuhandanstalt und den Geschehnissen der 1990er Jahre in Ostdeutschland insgesamt festzustellen ist…” Eine Zeitungsrecherche von Dietmar Dathe als Broschüre vom Dezember 2018 externer Link im Auftrag des Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West. Siehe dazu auch Dokumente des Bündnisses kritischer Gewerkschafter/innen Ost West (BKG) 1990 bis 1997 sowie das Archiv sozialer Kämpfe in Ostdeutschland nach 1990

Buch "Nothing in common? Differänzen in der Klasse" von Torsten Bewernitz bei Edition Assemblage“… Eine ganz entscheidende Weiterentwicklung dieser Position, die Feminismus und Klassenkampf zusammendenkt, ist aus der italienischen Gruppe „Lotta Feminista“ hervorgegangen. 1973 erschien Mariarosa Dalla Costas „Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft“ auf deutsch im Merve-Verlag. Mariarosa Dalla Costa und Silvia Federici waren aktiv in der Kampagne für einen Lohn für Hausarbeit, in dem es nicht so sehr um den Lohn ging, sondern letztlich darum, die Hausarbeit als reproduktive Arbeit zu dekonstruieren und von der männlich konnotierten Lohnarbeit ununterscheidbar zu machen. Wenn wir uns also fragen „Wat is eene Hex‘?“, ist die Antwort schlicht: die aktive Frau in der Öffentlichkeit. (…) Die Geschichte hat die Anführerinnen unsichtbar gemacht, aber in den ketzerischen Bewegungen waren Frauen Anführerinnen, bei den Kämpfen gegen die Einhegung der Allmende in England gab es zahlreiche weibliche Captains. „Passiv“ wurden Frauen immer erst, wenn sie mit Gewalt dazu gezwungen wurden. In der offiziellen Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung tauchen kaum Frauen auf – wie auch, wenn sich diese Geschichtsschreibung auf die Industriefabriken konzentriert, aus denen Frauen meist und mehrheitlich ausgeschlossen wurden? Die Ausnahme des Crimmitschauer Textilarbeiter*innenstreiks wurde zwar aufgenommen, aber der erfolgreiche wilde Streik für einen gleichen Lohn von 1.600 migrantischen Arbeiterinnen (bei insgesamt 2000 Streikenden) 1973 bei Pierburg/Neuss fehlt meist immer noch (…) Wenn der Klassenkampf wahrgenommen wird als Kampf männlicher Arbeiter in Fabriken, sind Frauen selbstverständlich unsichtbar. Folglich ist dies eine völlig verkehrte Wahrnehmung des Konflikts von Kapital und Arbeit. Denn wie wir gesehen haben, ist die Konstruktion der Frau ein Fundament des Kapitalismus. Und eingedenk der fortgesetzten ursprünglichen Akkumulation, die immer auch eine Akkumulation des – vor allem weiblichen – Körpers ist und deren Gewaltförmigkeit in Krisensituationen wie der aktuellen eskaliert, wird deutlich, dass die  Geschlechterdifferenz in der Krise besonders bedeutsam wird…” Aus dem Kapitel “Kriege, Krisen, Klassenkampf – Fragen des Feminismus”  des Buchs “Nothing in common? Differänzen in der Klasse” von Torsten Bewernitz. Das Buch ist bereits im Dezember 2015 bei Edition Assemblage erschienen (978-3-942885-84-3 | 973), siehe weitere Informationen beim Verlag externer Link, dem wir für die Freigabe des Kapitels danken!

Damals wie heute: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“… Viele von denjenigen, die mit Sicherheit etwas über die Vernichtung der rund sechs Millionen Juden und über den tödlichen Terror gegen andere Minderheiten wussten, behaupten bis heute, davon damals nichts gehört zu haben. Auschwitz war weit weg, irgendwo im Osten. Die Wirklichkeit ist aber auch hier noch eine andere. Die meisten Menschen wurden nicht in Auschwitz, sondern in einem der vielen anderen Lager umgebracht. (…) Doch bis heute hält sich die Verdrängung. Viele wollen weiter schweigen. So wie einige Anwohner, die wir befragten (…) Dreißig KZs und Vernichtungslager gab es in Deutschland, dazu 1.300 Außenlager. Weitere 2.300 Lager, etwa Arbeitserziehungslager und Vernichtungslager für Behinderte. (…) Auch die Judenverfolgung wurde nicht nur von oben angeordnet. Henny Brenner, eine Holocaust-Überlebende, wuchs in Dresden auf und musste damals den Judenstern tragen. Ihr Albtraum waren nicht nur die Nazis, sondern ganz normale Deutsche: “Es sind hinterhergelaufen ganze Schulklassen: Judenschwein, Judensau, guckt mal. Es hat eine Frau in der Bosbergstraße – ich kann Ihnen die Ecke zeigen – immer auf mich gewartet, regelmäßig, und mich angespuckt: Runter vom Bürgersteig.” Wie ihr ging es vielen anderen. Die meisten überlebten die Niedertracht ihrer Mitbürger nicht. (…) Rassenwahn und Massenmord. Viele beteuern noch heute: Wir wussten von nichts. Die Wahrheit ist eine andere weiß Gellately: “Die Deutschen wussten sehr viel, die wussten es sehr früh, und die haben sehr viel mehr erfahren können, als wir vielleicht manchmal denken.”…” Bericht von Volker Steinhoff bei Panorama vom 10. Mai 2001 externer Link (Videolänge: 12:15 Min., mit Manuskript der Sendung) – immer noch aktuell!

Damals wie heute: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“Rechtspopulismus will die Verantwortung für die Vergangenheit und die Solidarität für heute Hilfsbedürftige abschaffen. Das kann er nur, wenn wir uns nicht mehr daran erinnern, welche Folgen das hat. (…) Für historisch denkende Menschen ist das Vergessen keine Option. Historisch denkende Menschen haben meist – durchaus nicht immer – ein gutes Gedächtnis, aber vor allem ist Geschichte für sie nicht vergangen. Ähnlich einem Raum, dessen Wände mit Bildschirmen gepflastert sind, erfahren sie Momente der Geschichte und Gegenwart parallel. Gegenwart ist dann niemals nur Gegenwart, Gegenwart ist dann immer auch Vergangenheit. Denn Geschichte prägt uns, ist unser Referenzrahmen und verantwortlich für unsere Identität – auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. “History is not the past, it is the present. We carry our history with us, we are our history”, schrieb der afroamerikanische Literat und Vertreter der Bürgerrechtsbewegung James Baldwin: “Geschichte ist nicht Vergangenheit, Geschichte ist Gegenwart. Wir tragen unsere Geschichte in uns, wir sind unsere Geschichte.” (…) Rechtspopulisten machen ein perfides Angebot: Sie befreien kollektiv und pauschal von jedweder Verantwortung, von der Last der Vergangenheit ebenso wie von der Solidarität für Hilfsbedürftige im eigenen Land oder an den Grenzen Europas. In Österreich verlangt der Kanzler für Sozialleistungen fortgeschrittene Deutschkenntnisse und der Innenminister stellt öffentlich die Europäische Menschenrechtskonvention in Frage. Im Gegenzug für diese “Entlastung” geben immer mehr Menschen in autoritären Staaten Europas ihr demokratisches Mitspracherecht auf und lassen sich von den von ihnen selbst gewählten Vertretern in eine voraufklärerische Unmündigkeit zurückversetzen. Vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Massenmordes forderte der französische Philosoph Albert Camus eine solidarische Revolte, einen gewaltfreien, zivilgesellschaftlichen Widerstand, dessen Akteure sich nicht als Richter und Henker aufspielen. In Abwandlung des berühmtes Descartes-Satzes “Ich denke, also bin ich” schrieb Camus “Ich revoltiere, also sind WIR” – ein “Wir”, das niemanden ausschließt.” Gastkommentar von Mirjam Zadoff vom 27. Januar 2019 bei Spiegel online externer Link

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RLS: Heft 3/18 der Zeitschrift Luxemburg – Gesellschaftsanalyse und linke PraxisRosa Luxemburg war keine Feministin, sagen viele. Dabei wusste die Sozialistin schon vor über 100 Jahren, was wir im Kampf für eine gerechtere Gesellschaft brauchen: Das Zusammendenken von Sexismus, Rassismus und Klassismus. (…) Zudem erkannte Rosa Luxemburg schon Jahrzehnte bevor der Begriff der Intersektionalität in die feministische Theorie Einzug erhielt, dass verschiedene Formen der Ausbeutung von Menschen untrennbar miteinander verbunden sind: Sexismus, Rassismus und Klassismus. Zentrale Bedeutung misst sie dabei der Kategorie Klasse zu. Luxemburg wird deshalb in der Literatur immer wieder, unter anderem von der US-amerikanischen Rechts- und Politikwissenschaftlerin Drucilla Cornell, als eine sozialistische Feministin bezeichnet. Sozialistische Feminist*innen würden genauso wie liberale Feminist*innen heute für eine gesetzliche Verankerung des Rechts auf Abtreibung eintreten, diese aber mit Forderungen nach Krankenversicherung, Kinderbetreuung und gleichem Lohn für gleiche Arbeit verbinden – damit Frauen wirklich über ihre Reproduktion selbst bestimmen können. Der Kapitalismus ist für Luxemburg der Rahmen, in dem sich andere Unterdrückungsformen wie Sexismus und Rassismus entfalten können...” Artikel von Nina Monecke vom 15. Januar 2019 bei ze.tt der Zeit online externer Link, siehe dazu auch die Kommentierte Presseschau von Volker Bahl vom 15.1.2019 – wir danken! – und weitere Beiträge  (weiterlesen »)

[13.1.19 in Berlin] 100 Jahre – Streik, Rätemacht & Frauenkampf! Aufruf zum antifaschistischen-internationalistischen Block auf der Liebknecht-Luxemburg-DemonstrationNovember 1918: Die Mehrheit der Arbeiter*innen in Deutschland war es leid, für einen schier endlosen Krieg zu hungern, Waffen für das Morden zu produzieren oder sich damit zu arrangieren, dass ihre Familienangehörigen fürs Vaterland ins Gras beißen sollen. (…) Sowohl die sozialistische, als auch Teile der bürgerlichen Frauen*bewegung hatten spätestens seit der Jahrhundertwende in vielen Ländern für ein Wahlrecht für Frauen* gekämpft. Während letztere – wenn überhaupt – nur das allgemeine Wahlrecht einforderte, waren sich die Sozialistinnen bewusst, dass es für die Befreiung der Frau* und die Befreiung aller Menschen die Revolution brauchen würde, und nicht bloß das Frauen*wahlrecht als Zugeständnis durch die herrschende Klasse. Die kriegsbedingte Abwesenheit vieler Männer sorgte dafür, dass immer mehr Frauen* zu den alleinigen Ernäher*innen ihrer Familien wurden. Dadurch wuchs ihre Bedeutung auch für die Kriegswirtschaft, die im Bereich der Waffen- und Munitionsproduktion nun viele Frauen* beschäftigte. Die Belastung durch Lohnarbeit kam zusätzlich zu der bisher zu verrichtenden Reproduktionsarbeit: Frauen* übernahmen oft die alleinige Verantwortung für Familie, Hausarbeit und die wirtschaftlichen Versorgung unter den erschwerten Bedingungen des Krieges: die heute sogenannte »Zweite Schicht«. Die Arbeit in den Berieben führte allerdings auch dazu, dass Frauen*, die zuvor nur im Haushalt tätig waren, ihre Isolation überwinden konnten. (…) Weil der Kapitalismus und die bürgerliche Demokratoe eben nicht das Ende der Geschichte sind, ist es um so wichtiger aufzuzeigen, dass Revolution, Räte, Frauen*kämpfe und Streiks auch heute noch eine gesellschaftliche Alternative zum Bestehenden sind. Lasst uns also eigene Akzente setzen! Nehmen wir es selbst in die Hand!Aufruf zum antifaschistischen-internationalistischen Block auf der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration externer Link (13. Januar 2019 – Liebknecht-Luxemburg-Demo – Berlin: 10.00 Uhr | S/U-Bhf. Frankfurter Tor | Demonstration / 12.00 Uhr | Friedhof der Sozialist*innen | Gedenken am Revolutionsdenkmal (anschließend Rundgang zu den Gräbern gefallener Revolutionär*innen)). Siehe auch unser Dossier: Frauenstreik 2019: Einfach machen

RLS: Heft 3/18 der Zeitschrift Luxemburg – Gesellschaftsanalyse und linke Praxis“… Friedrich Ebert wollte sie nicht. Schon im Herbst 1918 soll er als MSPD-Abgeordneter zum Kanzler Max von Baden gegen die Rätebewegung gerichtet gesagt haben: »Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich; ich aber will sie nicht, ja, ich hasse sie wie die Sünde«. Im November 1918 wurde Ebert vom Kaiser, der abdankte und in die Niederlande floh, zum Reichskanzler ernannt. Und jetzt erklärte zuerst Eberts Scheidemann die Republik, zwei Stunden später tat es Karl Liebknecht – nun als sozialistische. Mit der doppelten Erklärung einerseits und der Existenz bewaffneter Arbeiter- und Soldatenräte sowie einem provisorischen Rat der Volksbeauftragten (einer Zwangsehe aus SPD und USPD) andererseits bestand nun ein Machtgleichgewicht. Es ging um unterschiedliche Wege hin zu den Beschlüssen des Reichsrätekongresses, die Sozialisierung von kriegswichtigen Industriezweigen sowie die demokratische Kontrolle der Armee vorsahen. (…) Für die Linke war die Ermordung von Liebknecht und Luxemburg ein Schock; und sie zeichnete die Geschichte Deutschlands bis 1933 vor. Haffner schreibt, die Mordtat habe »am Ablauf der politischen Ereignisse zunächst so gut wie gar nichts« geändert; »im Gesamtverlauf der Dinge (…) schien dieses Verbrechen damals nicht mehr als eine grelle Episode zu sein. – Heute sieht man mit Schrecken, dass diese Episode das eigentliche geschichtsträchtige Ereignis des deutschen Revolutionsdramas gewesen ist (…). Der Mord vom 15. Januar 1919 war ein Auftakt – der Auftakt zu den tausendfachen Morden in den folgenden Monaten der Noske-Zeit, zu den millionenfachen Morden in den folgenden Jahrzehnten der Hitler-Zeit«…” Artikel von Ingar Solty bei der jungen Welt vom 3. Januar 2019 externer Link (Vorabdruck aus dem neuen Heft 3/18 externer Link der Zeitschrift Luxemburg – Gesellschaftsanalyse und linke Praxis externer Link, siehe bei RLS auch das Dossier “Rosa Luxemburg und die Revolution in Deutschland” externer Link)

FDGB “Die Jahre 1989/1990 markieren das Ende des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds. Dass es letztlich zu einer gesamtdeutschen Arbeitnehmervertretung unter dem Dach des DGB kam, war damals nicht so selbstverständlich, wie es im Rückblick scheint. Im Mai 1990 gab sich der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), der Dachverband der Gewerkschaften der DDR, noch kämpferisch. Am 4. Mai beschloss der geschäftsführende Bundesvorstand des FDGB Kampfmaßnahmen gegen den geplanten Staatsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik und den zuvor verhängten Lohnstopp. (…) Während CDU und FDP nichts dabei fanden, sich mit den ehemaligen DDR-Blockparteien zu vereinen, mussten die DGB-Gewerkschaften mitten in der gesellschaftlichen Umbruchsituation vollkommen neue Strukturen schaffen. Der Zugriff auf das Vermögen des FDGB wurde ihnen verwehrt. Zwar beschlossen die Delegierten des letzten FDGB-Kongress die Übertragung des Vermögens auf den DGB. Letztlich kamen die Mitgliedsbeiträge, die die ostdeutschen Beschäftigten jahrzehntelang entrichtet hatten, aber nicht der gewerkschaftlichen Arbeit zugute, sondern fielen an die Treuhand. Erst 1993 erhielt der DGB einen Teil des FDGB-Vermögens. Den Hauptsitz des FDGB in Berlin bezog die Deutsche Bank. Ob die zügige Einverleibung der ostdeutschen Gewerkschaften durch den DGB als Erfolg bezeichnet werden kann, ist sehr fraglich. Auch knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Tarifbindung im Osten weitaus ­geringer als im Westen, auf gleiche Löhne in Ost und West warten die Beschäftigten noch immer und sowohl die Arbeitslosen wie auch die Armutsquote ist in den »neuen Ländern« weitaus höher als im Westen.” Beitrag von Stefan Dietl vom 20. Dezember 2018 bei Jungle World 2018/51 externer Link – siehe auch bei Gewerkschaftsgeschichte: Nach dem Ende des SED-Regimes – Der FDGB in Auflösung externer Link

Kundgebung "November 2018 - 100 Jahre unvollendete Revolution" am 8.11.2018 in BerlinKaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, Rückblicken und Dokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in Deutschland stattfand. Allerdings verfälscht die große Mehrheit dieser Beiträge das, um was es damals ging. Die tatsächlichen Errungenschaften der Revolution – Frieden, Frauenwahlrecht, demokratische Grundrechte – werden nicht ausreichend gewürdigt. Die tatsächlichen Ziele der Revolution – direkte Demokratie bzw. eine Kontrolle eines Parlamentes durch Räte, gewählt von der arbeitenden Bevölkerung, werden so gut wie nie erwähnt. Und die tatsächliche Gewalt, ausgehend von Freikorps, Reichswehr und frühen faschistischen Gruppen, mit der gegen diese berechtigten Forderungen und gegen die Arbeiterräte vorgegangen wurde, wird nicht nur verschwiegen. Meist wird die Wirklichkeit auf den Kopf gestellt und behauptet, die Revolution selbst sei gewalttätig gewesen. Wir bringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausführlichen Text von Winfried Wolf zur Novemberrevolution, zur Bayerischen Räterepublik und zur aktuellen Debatte über diese Ereignisse. Diesem Text lag ursprünglich ein in Kassel und Stuttgart gehaltenes Referat des Verfassers zugrunde, welches sich vor allem auf Klaus Gietinger, Der verpasste Frühling, auf Sebastian Haffner, Der Verrat und auf Richard Müller, Die Geschichte der Revolution stützt…” Vorbemerkung der Nachdenkseiten zur 3teiligen Serie: (weiterlesen »)