Fetisch Arbeit

Der Mann liegt im Bett. Kein Wecker klingelt. Gut so. Er dreht sich um und verkriecht sich in die Kissen. Arbeitszeit = Schlafenszeit. Der Einstieg von Konstantin Faigles Dokumentarfilm „Frohes Schaffen“ ist eine Absage an eben dieses: das eigentümliche Massenvergnügen, sich in mehr oder weniger sinnlosen Tätigkeiten zu verlieren, die im gemeinen Sprachgebrauch als „Arbeit“ daherkommen. Deswegen trägt er auch den Untertitel „Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“…” Artikel von Jürgen Kiontke in der DGB-GEGENBLENDE 21: Mai/Juni 2013 externer Link. Es handelt sich um eine Empfehlung des Kinofilms „Frohes Schaffen“. D 2012. Regie: Konstantin Faigle. Kinostart: 2. Mai 2013

Um die großen Veränderungen unserer Zeit zu verstehen, braucht man keine Zukunftsforschung und kein soziologisches Kolloquium. Ein Hamsterkäfig und ein Walt-Disney-Taschenbuch tun es auch. Der Hamster ist bekanntlich ein sehr beliebtes Haustier. Er ist aber auch ein Symbol, ein Wappentier, der für etwas ganz Bestimmtes steht, so wie der Doppeladler für die k.u.k. Monarchie oder der Löwe in zahlreichen Schilden als Symbol des Mutes und der Noblesse. Der Hamster steht dafür, immer so weiterzumachen wie gewohnt. Jeder, der schon einmal einen der possierlichen Nager gesehen hat, weiß, dass sie in ihren Käfigen unermüdlich im sogenannten Hamsterrad laufen. Das tun die kleinen Wichte bis zur Erschöpfung, oder wie man heute sagen würde: Bis das Burnout kommt. Doch mit Leistungsdenken und Ehrgeiz hat der Fleiß, der hier an den Tag gelegt wird, wenig zu tun: Es ist blinder Eifer, der keinen Zweck verfolgt, keinen Sinn macht und nie endet. Der Hamster läuft und läuft – und kommt nie an. Der Hamster eignet sich als Wappentier hervorragend für eine durch und durch aktionistische Gesellschaft, in der Arbeit der Arbeit wegen überhöht wird. Nicht was dabei rauskommt und welchen Zweck die Arbeit verfolgt, ist gefragt, sondern dass man sie macht, dass man fleissig ist. Mögen wir uns kurz an die alte Weisheit erinnern: Blinder Eifer schadet nur?…” Artikel von Wolf Lotter vom 24.04.2013 in DIE FURCHE – Die österreichische Wochenzeitung. Seit 1945 externer Link

Marianne Gronemeyer:  Wer arbeitet, sündigtErziehungswissenschaftlerin Marianne Gronemeyer hat eine steile These: “Wer arbeitet, sündigt” heißt ihr neues Buch, in dem sie beschreibt, warum Erwerbsarbeit heute unbefriedigend sei und nichts Gutes daraus entstehen könne. Welche Art von Arbeit sie empfehlen würde, erläutert sie im Interview bei youtube externer Link . Siehe dazu: Wer arbeitet, sündigt…: Ein Plädoyer für gute Arbeit.Einer Nachrichtenmeldung des ZDF zufolge sind in Deutschland 9 Millionen Menschen erkrankt, weil sie sich ihren Berufs-und Alltagsanforderungen nicht mehr gewachsen fühlen. Die Krankheitssymptome werden unter dem Begriff »Burn-out« zusammengefasst. Unsere Arbeit macht krank. Aber vielleicht ist Burn-out eine ›gesunde‹ Reaktion auf unzumutbare Arbeitsanforderungen? Belastend ist oft nicht nur das Zuviel an Arbeit, sondern mehr noch das unterschwellige Gefühl ihrer Sinnlosigkeit. Gute Arbeit gibt es nicht mehr, jedenfalls nicht auf dem Markt. Aber Menschen wollen und brauchen gute Arbeit. Was ist überhaupt gute Arbeit? Über eine kleine Phänomenologie des Arbeitens erschließt das Buch zunächst die verschütteten Bedeutungshorizonte, die unsere Sprache dazu in sich trägt, bevor es sich mit der Frage auseinandersetzt, was Arbeit in unserer Gesellschaft ist und was sie bedeutet. Marianne Gronemeyer legt hier eine provokative Zeitdiagnose und zugleich ein flammendes Plädoyer vor...” Informationen und Leseprobe zum Buch von Marianne Gronemeyer externer Link (Primus Verlag, Darmstadt, 1. Aufl. August 2012) bei Kritisches-Netzwerk)

In Deutschland scheint eine Trendwende begonnen zu haben: Die Deutschen arbeiten weniger und faulenzen mehr – und geben das auch noch zu. Die Feierabend-Industrie boomt. Artikel von Anne Kunze im Handelsblatt online vom 27.01.2013 externer Link. Aus dem Text: (weiterlesen »)

Quelle:  Artikel von Alexander Dill in telepolis vom 06.11.2012 externer Link

Der Utopie des bedingungslosen Grundeinkommens steht eine Realität gegenüber, die hier in zärtlicher Ironie als grundloses Bedingungseinkommen beschrieben werden soll…“ Aus dem Text:

„… Ganze Apparate und Dienstleister haben sich darauf konzentriert, fiktive Kriterien auf sinnentleerte Tätigkeiten herabregnen zu lassen. Der Grundlosigkeit der Beschäftigung steht ein Overkill der Bedingungen für ihre Entlohnung gegenüber: Da sollen etwa Zeitkonten geführt, die Länge von Telefonaten protokolliert, Agendas für Meetings verfasst und Compliance-, Sustainability- und Governance-Kompendien studiert werden. Wie wäre es mit einer Selbsteinschätzung? Einem Schema der internen Prozessabläufe, bis das Produkt oder der Dienst das Büro verlässt? Benchmarks? Balanced Scorecard?
Glücklich jene, die nur mit dem Controlling ihrer eigenen Selbstorganisation beschäftigt sind, denn jener Teil der Beschäftigten, der tatsächlich mit Kunden, Kindern und Kranken, ausfallgefährdeter oder gar lebensgefährlicher Technik und hochproduktiver Wertschöpfung zu tun hat, muss die frei erfundenen Bedingungen der Leistungs- und Qualitätskontrolle meist noch zusätzlich erfüllen. (…) Dass selbst unter den Bedingungen des grundlosen Bedingungseinkommens Überstunden aufgebaut werden können, ist Ausdruck der verzweifelten Sinnsuche der Mitarbeiter. Erst die Überstunde erweckt in ihnen jenes Quentchen von Ehrgeiz und Leistungsbewusstsein, das sie für den fehlenden Sinn ihrer Position entschädigen könnte. (…) Die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens haben stets betont, dass aufgrund einer ständig steigenden Produktivität die Zahl sinnvoller Arbeitsplätze derart sinkt, dass immer mehr Menschen ohne abhängige Beschäftigung bleiben müssen. Allerdings ist es nicht gesichert, dass eine Produktivität, die auf der Herstellung von 85 Joghurtsorten, 412 Automodellen und 97 Shampoos basiert, wirklich über den Zustand eines grundlosen Bedingungseinkommens hinausgeht. Anders gesagt: Auch die Herzstücke unserer angeblichen Produktivität könnten zu einem erheblichen Teil ihren Sinn nur noch in den Bedürfnistheorien der Marktpsychologie finden
…“

Artikel von Mag Wompel vom 21.01.1999

Das Bündnis ist tot“, sagte DGB-Schulte am 23.4.1996 – das mit Kohl. Zurecht. Die selbst auferlegte Zurückhaltung bei den Lohnverhandlungen und die Bereitschaft Schultes zur Kürzung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe gegen die Halbierung der Arbeitslosenquote brachten uns jenes 50-Punkte-Programm ein, von dem selbst kritische Gewerkschafter meist nur die symbolische Kürzung der Lohnfortzahlung nennen. (weiterlesen »)

Ganz besonders interessant im LabourNet Archiv (1997-2012)

Die Faulheit (Gotthold Ephraim Lessing)

Fleiß und Arbeit lob ich nicht.
Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.
Ja, der Bauer selber spricht,
Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
Faul zu sein, sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht.
Bruder, las das Buch voll Staub.
Willst du länger mit ihm wachen?
Morgen bist du selber Staub!
Lass uns faul in allen Sachen,
nur nicht faul zu Lieb und Wein,
nur nicht faul zur Faulheit sein.