Gesundheit trotz(t) Arbeit

stop inhuman working conditions in road transportDer Job macht auf Dauer auch so manch harten Kerl mürbe. Der Arbeits- und Gesundheitswissenschaftler Dr. Wolfgang Hien hat sich mit den Arbeitsbedingungen im Transportgewerbe auseinandergesetzt. Er glaubt, daß eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen nur durch das konsequente Einfordern besserer Standards durch die Betroffenen erreicht werden kann.” Wolfgang Hien im Video von DerKilometerfresser vom 30.04.2019 bei youtube externer Link – siehe dazu auch:

  • [17 August 2019 in Langenhagen] Veranstaltung mit Dr. Wolfgang Hien der Kraftfahrerkreise Hannover – Hameln New (weiterlesen »)

Für eine gesetzliche Personalbemessung im GesundheitswesenDruck, Stress und Burn-Out: Der Alltag in deutschen Klinken macht die Beschäftigten krank. Es gibt kaum noch Zeit für die Patienten, dafür umso mehr Papierkram zu erledigen. In Bayern versuchen Mediziner, ihren Kollegen beizustehen. (…) „Es gibt im Moment, aus guten Gründen würde ich behaupten, viel zu wenig Pflegekräfte im Krankenhaus“, sagt Hoffmann. „Mit zwei Maßnahmen versucht man dem Problem einigermaßen Herr zu werden. Erstens: Man holt aus dem Pflegepersonal, das da ist, das Letzte raus. Wenn man dann das Letzte herausgeholt hat, stellt man fest, noch mehr geht nicht, dann muss man eben die Zahl der Patienten reduzieren, damit das unterbesetzte Team halbwegs durch den Tag kommt.“ Ein Graus für jeden renditeorientierten Klinikmanager. Leere Betten bringen kein Geld. Die Rechnung geht immer seltener auf. (…) Pausen? Mittagessen? Kurz durchatmen? Fehlanzeige. Ärzte, die Halbgötter in Weiß? Das war einmal. Man fühle sich nur wie das Mittel zum Zweck der Gewinnmaximierung, kritisiert der Neurologe Zeno Gänsheimer. Junge Assistenzärzte würden zeitweise, wie selbstverständlich, die Intensivstationen wuppen, ohne Facharzt oder gar Chefarzt: „Vom Personal her waren wir immer chronisch unterbesetzt, das war auch bekannt, aber es hat keine Nachbesetzungen gegeben, aus welchen Gründen auch immer, höchstwahrscheinlich aus finanziellen Gründen, weil jeder Assistent so und so viel kostet, und das will man sich einsparen, wenn es irgend geht. Dementsprechend konnte man das Arbeitszeitgesetz in keinem Dienst in den zwei Jahren einhalten, die ich dort war. Es konnten keine Pause genommen werden, es wurden Überstunden gemacht, die nicht bezahlt wurden. (…) Lange wurde vernachlässigt, dass auch Klinikpersonal an seine Grenzen kommt. Die Folgen: Burnout 20 Prozent, Sucht zehn bis 15 Prozent, bis zu sechsmal höhere Suizidrate im Vergleich zur Normalbevölkerung…” Beitrag vom 05.08.2019 von Susanne Lettenbauer beim Deutschlandfunk Kultur externer Link – mit einigen Beispielen zur individuellen (!) Stressprävention statt Personalaufbau…

MAG: Mediathek für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung“Der Arbeitgeber kann grundsätzlich einem Beschäftigten nicht vorschreiben, was er in seiner Freizeit tut. Das gilt auch für den Sport. Dabei muss er auch in Kauf nehmen, krankheitsbedingte Fehlzeiten zu vergüten. Doch es gibt Grenzen (…) Das BAG gesteht den Beschäftigten zu, dass sie sich im üblichen Umfang bewegen und tätig sind. Die Arbeitnehmerin muss sich nicht mit dem Argument abspeisen lassen, dass ohne Sport die Verletzung nicht passiert wäre und daher selbst verschuldet sei. Ein eigenes Verschulden liegt nach dem Maßstab des BAG dann vor, wenn die Mitarbeiterin in grober Weise und leichtsinnig gegen die Regeln einer Sportart verstößt. Also wenn er vorgeschriebene Sicherungen wie Protektoren, Helme, Schienbeinschoner oder ähnlicher nicht trägt. Aber auch, wenn der Beschäftigte sich weit über seine Kräfte und Fähigkeiten hinaus sportlich betätigt. Etwa wenn ein Skianfänger gleich die „schwarze“ Piste befährt oder ein Wanderer sich nicht ohne vorheriges Training im Felsklettern versucht. (…) Darüber hinaus gibt es gemäß der Rechtsprechung des BAG Sportarten, die schon an sich besonders gefährlich sind, so dass allein das Ausüben ein Verschulden darstellt. Verletzungen, die bei diesen Sportarten auftreten, sind nicht von der Entgeltfortzahlung erfasst. Das Verletzungsrisiko ist bei diesen Sportarten so groß, dass auch ein gut ausgebildeter Sportler trotz sorgfältiger Beachtung aller Regeln das Verletzungsrisiko nicht vermeiden kann. Bislang hat die Rechtsprechung nur Kickboxen als derart gefährliche Sportart eingeordnet, nicht aber Moto-Cross-Rennen, Amateurboxen oder Drachenfliegen…” Rechtsinfo von Till Bender vom DGB Rechtsschutz bei der IG Metall vom 1. August 2019 externer Link

MAG: Mediathek für Arbeitsschutz und GesundheitsförderungDer Arbeitswissenschaftler und Medizinsoziologe Wolfgang Hien im Gespräch mit Peter Nowak bei neues Deutschland vom 28. Juli 2019 externer Link “über Erfolge und Hindernisse eines modernen Gesundheitsschutzes in der Arbeitswelt (…) Zentral waren meine eigenen Erfahrungen als Auszubildender bei BASF in den 1960er Jahren. Meine Vorstellungen von Menschenwürde fand ich dort nicht wieder. Man wurde auf die Fabrik konditioniert. Dagegen kämpfte ich an. (…) In vielen Betrieben in der gesamten BRD gründeten sich Initiativen, die die Gesundheit am Arbeitsplatz zum Thema hatten. (…) Verstärker für unsere Arbeit waren die Gesundheitstage, wo sich die Impulse und Kräfte aus der Umwelt- und Gesundheitsbewegung gebündelt trafen. Der erste Gesundheitstag fand 1980 in Westberlin statt, 1981 in Hamburg und 1984 in Bremen. Dort kamen Menschen aus allen Teilen Deutschlands zusammen, darunter auch viele Kollegen aus unterschiedlichen Betrieben, aus den Gewerkschaften, auch viele kritische Mediziner und Wissenschaftler. (…) Viele unserer Forderungen wurden im Arbeit-, Gesundheits- und Umweltschutz umgesetzt, nicht zuletzt auch deshalb, weil viele von uns haupt- oder ehrenamtlich den »Marsch durch die Institutionen« antraten. Es gibt vor allem in der Großindustrie viele Verbesserungen. Gleichzeitig werden Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung heute oft im Sinne einer leistungssteigernden Managementtechnik genutzt. Nicht die Arbeitsbedingungen sollen humanisiert, sondern die Menschen an die schlechten Arbeitsbedingungen angepasst werden. (…) Wir erleben gegenwärtig ein Nebeneinander von einigermaßen guten Bedingungen in manchen Stammbelegschaften großer Betriebe und Verwaltungen und geradezu himmelschreienden Bedingungen in den Randbelegschaften, bei Leiharbeitern, bei der wachsenden Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Und insgesamt nimmt der psychische Druck in der gesamten Arbeitswelt erheblich zu. Aber heute sind die Beschäftigten oft vereinzelt, was Initiativen für mehr Gesundheitsschutz erschwert.”

„Diagnose: Kapitalismus – Therapie: Pause.““… In Deutschland fehlte im vergangenen Jahr jeder 18. Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung im Job. Ausgehend von den Daten der DAK-Gesundheit waren damit hochgerechnet 2,2 Millionen Menschen betroffen. Seit 1997 hat sich die Anzahl der Fehltage, die von Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, mehr als verdreifacht. Am häufigsten fehlen Arbeitnehmer mit der Diagnose Depression. Fehltage wegen Anpassungsstörungen stiegen in den vergangenen Jahren besonders deutlich an. Das sind zentrale Ergebnisse des Psychoreports 2019 der DAK-Gesundheit. Der aktuelle DAK-Psychoreport ist eine Langzeit-Analyse, für die das IGES Institut die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet hat. Demnach erreichten die Krankschreibungen von Arbeitnehmern aufgrund von psychischen Leiden im Jahr 2017 mit 250 Fehltagen pro 100 Versicherte einen Höchststand. 2018 gingen sie erstmals leicht um 5,6 Prozent auf 236 Fehltage pro 100 Versicherte zurück. Seelenleiden lagen damit im vergangenen Jahr bundesweit auf dem dritten Platz der Krankheitsarten…” DAK-Pressemeldung von Jörg Bodanowitz vom 25. Juli 2019 externer Link mit Link zum kompletten Report sowie ein Beitrag zur Studie: (weiterlesen »)

Ab in die Hängematte!Die Zahl der Krankheitstage durch Hitze und Sonnenlicht hat sich im Zeitraum von 2008 bis 2017 verdoppelt. Zudem werden mittlerweile jährlich Tausende Fälle von Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt. Hitzschlag, Sonnenstich, Krämpfe, Ödeme, Probleme durch Salz- und Wasserverlust – das sind einige der Gesundheitsschäden, die durch Hitze und Sonnenlicht ausgelöst werden können. Und solche Symptome haben in den vergangenen Jahren zu deutlich mehr Krankschreibungen geführt. Wie aus Angaben der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, gab es 2017 etwa 40.000 Arbeitsunfähigkeitstage “auf Grund von Schäden durch Hitze und Sonnenlicht”. Knapp zwei Drittel entfielen auf Männer, ein Drittel auf Frauen. (…) Ob sich die Arbeitsunfähigkeitstage vor allem auf Menschen bezieht, die im Freien arbeiten, geht aus den Angaben nicht hervor. Allerdings sind diese insbesondere von Hitze betroffen. (…) Derzeit herrschen aber auch in Deutschland große Hitze und hohe UV-Strahlung. Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte Hitzepausen. “Arbeitgeber sollten es aus Fürsorge für ihre Mitarbeiter ermöglichen, dass bei extremer Hitze das Tempo gebremst wird”, sagte der Präsident der Bundesärztekammer der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Die Industriegewerkschaft BAU beklagt, es gebe zwar Regelungen, diese würden aber von zahlreichen Bauunternehmern gebrochen…” Beitrag von Patrick Gensing und Wulf Rohwedder vom 23.07.2019 bei tagesschau.de externer Link

postmodern times. Grafik der FAU Mannheim“… Flexibilität muss mit der Belegschaft abgestimmt werden und passgenau auf die Arbeitnehmer zugeschnitten sein. Diese Herangehensweise ist eine notwendige, nicht aber eine ausreichende Bedingung für eine gesunde Arbeitswelt. (…) Flexible Arbeitszeitmodelle erfordern oft mehr Verantwortungsbewusstsein seitens der Mitarbeiter und bedürfen deshalb auch vorbereitender und unterstützender Maßnahmen. Flexible Arbeitszeiten machen aber auch ein effektives Selbstmanagement notwendig, um Berufs- und Privatleben in Einklang miteinander zu bringen. Auch in diesem Fall müssen Mitarbeiter geeignete Werkzeuge an die Hand bekommen, um die Herausforderungen erfolgreich meistern zu können. Diese Betrachtungen zeigen, dass flexible Arbeitszeiten nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine methodische Komponente mit sich bringt. Die gesundheitlichen Auswirkungen hängen maßgeblich davon ab, wie mit diesen methodischen Komponenten umgegangen wird. (…) Der 5-Stunden-Tag wird nicht überall umsetzbar sein, jedoch erlaubt er eine andere Perspektive auf das Thema Arbeitszeit. Nicht die Zahl der Arbeitsstunden ist entscheidend, sondern die tatsächliche Leistung. (…) In der Vergangenheit wurde das Gesundheitsmanagement in Betrieben vernachlässigt. Erst in den letzten Jahren hat es wirklich an Bedeutung gewonnen. (…) Unsere moderne Arbeitswelt stellt Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor große Herausforderungen. Die beschriebenen Aspekte zeigen auf, dass eine gesunde Arbeitswelt an vielen verschiedenen Stellen geschaffen werden muss. Es ist eine Gestaltungsaufgabe, die eines ganz deutlich macht: Die Arbeit muss den Menschen und ihren Bedürfnissen dienen und nicht umgekehrt. Dieser Leitsatz ist die Bedingung für eine gesunde Arbeitswelt. Denn ohne Gesundheit ist alles nichts.” Beitrag von Adrian Sonder vom 10. Juli 2019 bei Zukunft der Arbeit externer Link

Immer noch in Japan: Zu Tode arbeiten.... Foto von Coal Miki/Flikr.“… Die Lebenserwartung in Deutschland steigt, schon seit langem. Die Hälfte der Männer, die 1960 geboren sind, wird, sofern sie die 65 überschritten hat, voraussichtlich 86 Jahre alt werden, bei den Frauen sind es sogar 90 Jahre. Bei der Generation zuvor waren es noch fünf Jahre weniger. Arbeitgeber und einige Wissenschaftler fordern deshalb, das Rentenalter weiter anzuheben, nach dem Motto: Wer länger lebt, kann auch länger arbeiten. Doch das geht an der Realität vorbei. Denn die Lebenserwartung steigt nicht für alle gleichermaßen an: Menschen mit niedrigem Einkommen und starken Belastungen gewinnen kaum an Lebenszeit, während diejenigen, die ohnehin auf der Sonnenseite des Lebens stehen, deutlich älter werden und damit den Durchschnitt insgesamt nach oben ziehen. (…) Eine neue Studie, die der DGB in Auftrag gegeben hat, hat nun untersucht, wie sich die Belastungen während des Berufslebens auf die Lebenserwartung auswirkt. Dafür wurde untersucht, wie lange jemand, der das 65. Lebensjahr erreicht hat, voraussichtlich noch zu leben hat. Zentrales Ergebnis: Wer in seinem Arbeitsleben hohen Belastungen ausgesetzt war, stirbt früher als andere. Schlechte Arbeitsbedingungen beeinflussen also nicht nur das unmittelbare Wohlbefinden, sondern wirken über das Erwerbsleben hinaus – und führen dazu, das die Betroffenen kürzer und damit weniger Rente bekommen…” DGB-Pressemitteilung vom 2. Juli 2019 externer Link mit Link zum kompletten IAQ-Report 06/2019 von Martin Brussig und Susanne Eva Schulz “Soziale Unterschiede im Mortalitätsrisiko. Das frühere Arbeitsleben beeinflusst die fernere Lebenserwartung”

gute arbeit fuer uns alle - auch im knastDer Gefangene aus der JVA Rosdorf, dessen Knie seit einem Sportunfall im November 2018 gemäß einem externen fachärztlichen Guachten schwer verletzt und trotzdem bis heute nicht behandelt worden ist, soll nun trotz anhaltender Verletzung und Schmerzen wieder arbeiten gehen. Das verfügte der Anstaltsarzt der JVA Rosdorf. Seit über sieben Monaten leidet der Gefangene unter extremen Schmerzen. Er kann nur auf Krücken gehen und nimmt das harte Schmerzmittel Tilidin. Grund dafür ist eine schwere Verletzung des Knies: Er hat einen schweren Knorpelschaden, Mikrofrakturen (kleine Brüche) sowie Knochenabsplitterungen im Kniegelenk. Eine Behandlung, die wohl auf eine OP hinauslaufen würde, wird ihm bis heute verwehrt. Dies haben zwei von drei Anstaltsärzten so mit anschließender Reha-Maßnahme angezeigt; die entsprechenden ärztlichen Atteste liegen vor. Nun hat der Anstaltsarzt verfügt, dass der Gefangene nur noch von ihm behandelt werden dürfe. Als dieser sich in der Sprechstunde vorstellig machte, zog der Arzt fünf Zeugen hinzu. Er begutachtete das Knie nicht und schaute sich auch die Akte nicht an, sondern erklärte kurzerhand, dass der Gefangene nicht mehr krankgeschrieben werde und zur Arbeit gehen solle. Nach § 38 des Niedersächsischen Justizvollzugsgesetzes unterliegen Gefangene der Arbeitspflicht. Eine Verweigerung der Arbeit wird bestraft. (…) Als Solidaritätsgruppe Jena der Gefangenen-Gewerkschaft protestieren wir gegen diese grundsätzliche Verletzung der Gefangenenrechte (…) Wir rufen dazu auf, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen. Schreibt sie an und unterstützt die Forderung nach sofortiger Freilassung des Gefangenen zwecks unverzüglicher Behandlung des schwerverletzten Knies…” Aufruf mit Protestadressen vom 2. Juli 2019 von und bei Gefangenensolidarität Jena externer Link

„Diagnose: Kapitalismus – Therapie: Pause.“Die Zahl der Krankmeldungen aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen in deutschen Unternehmen ist in den zehn Jahren zwischen 2007 und 2017 um fast 50 Prozent angestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Demnach fielen 2017 insgesamt 150 Millionen Krankheitstage mit dieser Begründung an. Im Jahr 2007 waren es dagegen erst gut 103 Millionen Krankheitstage. Arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen sind häufig Verformungen und Schmerzen in der Halswirbelsäule, im Rücken, in den Händen und Handgelenken oder in der Schulter. Diese Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen. Über ein Fünftel aller Produktionsausfallkosten würden durch sie verursacht, heißt es in der Antwort. Zugleich werden nach Auskunft der Bundesregierung aber die Richtwerte für die Personalausstattung bei den Arbeitsschutzbehörden unterschritten, die die internationale Arbeitsorganisation den Industrieländern vorgegeben hat. Gefährdungsbeurteilungen werden der Antwort zufolge auch nur in der Hälfte der deutschen Betriebe durchgeführt…” Meldung vom  24. Juni 2019 bei der Rheinischen Post online externer Link, siehe dazu:

  • Initiative der IG Metall “Runter mit der Last”: Körperliche Belastung am Arbeitsplatz bleibt hoch New (weiterlesen »)

„Diagnose: Kapitalismus – Therapie: Pause.“Sie arbeiten häufig im Schichtdienst, haben eine hohe körperliche und psychische Belastung und leiden oft unter engen Dienstplänen aufgrund von Personalnot: Kein Wunder, dass der Nachwuchs in der Pflegebranche fehlt. Rund 40.000 Stellen sind derzeit unbesetzt, Fachkräfte werden händeringend gesucht. Doch wie geht es den Pflegenden in Deutschland wirklich? Geht es ihnen tatsächlich schlechter als den Berufstätigen in anderen Branchen? Der Gesundheitsreport 2019 zeigt: Ja, es geht ihnen schlechter. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Menschen in Pflegeberufen überdurchschnittlich oft und auch länger krankgeschrieben…” Meldung der Techniker Krankenkasse vom 26.06.2019 externer Link zum neuen Gesundheitsreport mit diesem und weiteren Infos

Mag Wompel: Jagd auf Kranke - Rückkehrgespräche auf dem VormarschDie Anweisung des Arbeitgebers an eine Arbeitnehmer“ sich unverzüglich zwecks Untersuchung an den medizinischen Dienst Ihrer Krankenversicherung … zu wenden und mir eine Stellungnahme zum Untersuchungsergebnis vorzulegen“, geht ins Leere, da gemäß § 275 SGB V der Arbeitgeber den medizinischen Dienst nur über die Krankenkasse einschalten kann. Die Weigerung der Arbeitnehmerin, einer solchen Anweisung Folge zu leisten, erscheint daher als wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung nicht geeignet. Leitsatz des LAG Köln, 21.06.2018 – 7 Sa 768/17 – juris (…) Der Arbeitgeber muss, wenn er diesen Beweiswert erschüttern möchte, nachvollziehbare Zweifel darlegen. Diese können zum Beispiel bei auffällig häufigen, insbesondere kurzen Erkrankungen entstehen oder wenn die Arbeitsunfähigkeit von einem Arzt festgestellt wird, der durch die Häufigkeit der von ihm ausgestellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auffällig geworden ist. Auch die häufige Erkrankung jeweils am Montag und Freitag und an Brückentagen kann entsprechende Zweifel begründen. Zutreffender Weise hat das LAG Köln aber festgestellt, dass sich – selbst wenn diese Voraussetzungen gegeben sind – der Arbeitgeber ausschließlich an die ihm durch die Abführung der Sozialversicherungsbeiträge bekannte Krankenkasse des Arbeitnehmers zu wenden hat, um diese dazu zu bewegen, eine Überprüfung der Arbeitsunfähigkeit durch den MdK einzuleiten. Falls die Krankenkasse sich entscheidet, den MdK einzuschalten, was oftmals nicht der Fall ist, da die Krankenkassen schon aus den ihnen vorliegenden weiteren Behandlungsdaten die Arbeitsunfähigkeit als gegeben ansehen können, wird dieser in der Regel nach ärztlicher Untersuchung entscheiden. Der MdK teilt dem Arbeitgeber über die Krankenkasse danach lediglich mit, ob Arbeitsunfähigkeit besteht oder nicht. Auch in diesem Zusammenhang erfährt der Arbeitgeber keine Diagnosen…” Bell & Windirsch-Mandanteninfo vom Juli 2019 zum wichtigen Urteil, siehe auch deren Fazit: (weiterlesen »)

Karoshi“… Die Arbeitswelt ist von zahlreichen technologischen, organisatorischen und sozialen Veränderungen gekennzeichnet. In nahezu allen Gesellschaftsbereichen nutzen Menschen ihre Zeit intensiver, für viele entsteht der Eindruck, die Zeit sei knapper geworden. Zwar ist die Diskussion um Arbeitsintensivierung keineswegs neu, seit einigen Jahren wird sie aber verstärkt in den Zusammenhang mit Veränderungen in der Arbeitswelt gebracht. (…) Die Befunde der WSI-Betriebsrätebefragung 2018 zeigen, dass 80% der Betriebsräte in den letzten zwei Jahren eine gestiegene Arbeitsintensität in den Belegschaften wahrnehmen –besonders im Dienstleistungsbereich (Erziehung, Gesundheit, aber auch Banken und Versicherungen). Die hohe Bedeutung in den Betrieben zeigt sich vor allem darin, dass die Arbeitsintensivierung in 89%der betroffenen Betriebe bereits Gegenstand von Verhandlungen mit dem Arbeitgeber war und in 62% auch auf Betriebsversammlungen diskutiert wurde. Die Arbeitsintensivierung bleibt für die Belegschaften offenbar nicht folgenlos: 77% der Befragten sind der Auffassung, dass dadurch die Anzahl der gesundheitlichen Probleme zugenommen hat und in 68% hat sich in Folge der Arbeitsverdichtung das Betriebsklima verschlechtert. Dass auch die Qualität der Arbeitsergebnisse darunter leide, vermuten 47% der Betriebsräte. (…) Die meisten Betriebsräte in nahezu allen Branchen geben an, dass die zu bewältigende Arbeitsmenge (Quantität der Arbeit) gestiegen sei (81%), besonders häufig sind Kreditinstitute und Versicherungen sowie Verkehr/Lagerei und das Gastgewerbe betroffen. Eine steigende Arbeitsmenge könnte zunächst lediglich auf ein „Mehr des Gleichen“ verweisen. Darüber hinaus beobachten die Betriebsräte –auch branchenübergreifend –gesteigerte Leistungserwartungen an die Beschäftigten (76%) und eine höhere Komplexität in der Arbeit (71%). Multitasking wird hier genannt, also die gestiegene Notwendigkeit, parallele Arbeitsprozesse gleichzeitig umzusetzen (74%). Dazu gehören auch gleichzeitig zu bearbeitende Termine oder Projekte (65%) sowie gesteigerte Kooperations- oder Abstimmungsanforderungen mit Kunden oder Kollegen (66%). Damit verweisen die Betriebsräte auf einen Anstieg quantitativer und qualitativer Arbeitsanforderungen…” aus Policy Brief Nr. 33 WSI 05/2019 von Elke Ahlers und Serife Erol vom Mai 2019 externer Link

Kündigungs“schutz““Schwerbehinderte Menschen haben einen besonderen Beschäftigungsanspruch. Dieser schützt sie nicht vor dem betriebsbedingten Wegfall ihres Arbeitsplatzes, entschied das BAG. (…) Das Bundesarbeitsgericht (BAG) nahm nun zum Verhältnis dieses Beschäftigungsanspruchs zur unternehmerischen Organisationsfreiheit des Arbeitgebers Stellung und entschied, dass die unternehmerische Entscheidung zum Wegfall des Arbeitsplatzes des schwerbehinderten Menschen führen könne (Urt. v. 16.05.2019, Az. 6 AZR 329/18). (…) Der im aktuellen Fall klagende, schwerbehinderte Arbeitnehmer war bei der beklagten Arbeitgeberin seit 1982 mit Hilfstätigkeiten in der “Kernmacherei” beschäftigt. Neben ihm gab es noch vier weitere Kernmacher. Am 29.03.2016 wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Arbeitgeberin eröffnet und Eigenverwaltung angeordnet. Aufgrund verminderter Arbeitsbelastung wurden nur noch vier Mitarbeiter in der Kernmacherei benötigt. Nach Zustimmung des Integrationsamts kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis des schwerbehinderten Arbeitnehmers. (…) Die Klage des Arbeitnehmers blieb in der ersten (Arbeitsgericht Hagen, Urt. v. 25.10.2016, Az. 4 Ca 881/16) und der zweiten Instanz (LAG Hamm, Urt. v. 05.01.2018, Az. 16 Sa 1410/16) ohne Erfolg. (…) Die Revision des Arbeitnehmers war am Donnerstag erfolglos. Das BAG entschied: Der Anspruch schwerbehinderter Menschen nach § 164 Abs. 4 S. 1 SGB IX auf Durchführung des Arbeitsverhältnisses entsprechend ihrer gesundheitlichen Situation gebe diesen keine Beschäftigungsgarantie. Der Arbeitgeber könne eine unternehmerische Entscheidung treffen, welche den bisherigen Arbeitsplatz des Schwerbehinderten durch eine Organisationsänderung entfallen lässt. Der Beschäftigungsanspruch sei erst bei Prüfung etwaiger Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten auf einem anderen freien Arbeitsplatz zu berücksichtigen…” Gastbeitrag von Wolfgang Schelling und Christian Kurz vom 17. Mai 2019 bei Legal Tribune Online externer Link, siehe dazu den Kommentar von Armin Kammrad vom 18. Mai 2019: (weiterlesen »)

ver.di: Amazon nur mit Tarifvertrag“… Ich denke, in Rheinberg haben wir es geschafft, auch mit Andersdenkenden respektvoll umzugehen. Aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass immer noch ganz viele Leute gegen unseren Weg sind. [Warum? Weil sie zufrieden mit den Arbeitsbedingungen sind?] Ja, das möchte ich gar nicht abstreiten. Wenn man überlegt, dass manche Leute aus einer langen Zeit der Arbeitslosigkeit kommen, dann sind die froh, wieder einen Job zu haben und pünktlich am Ende des Monats ihr Geld zu kriegen. Das bedeutet aber nicht, dass die vorherrschenden Arbeitsbedingungen innerhalb des Unternehmens in Ordnung sind. (…) Rheinberg gehört zu den am stärksten organisierten Standorten in Deutschland. Es geht voran. Im Moment ist auch der Weg das Ziel. Die Streiks haben die Kolleginnen und Kollegen verändert. In den Anfangstagen waren viele verschüchtert und ängstlich. Heute haben sie keine Angst mehr, mit einem Manager in die Diskussion zu treten oder für Streiks aus dem laufenden Betrieb herauszugehen. Das ist ja etwas völlig anderes, als morgens gar nicht erst am Arbeitsplatz zu erscheinen. Sie müssen Flagge zeigen und ihrem Vorgesetzten direkt ins Gesicht sagen: Ich beende meine Arbeit und streike. (…) Ich finde, beides ist gleichrangig. Auf jeden Fall fehlt es vielen Führungskräften an Respekt. Die Leute müssen jeden Tag unter großem Druck arbeiten und die Launen der Manager über sich ergehen lassen. Sie riskieren durch einen Streik, mit einer schwereren oder schlechteren Arbeit bestraft zu werden. Außerdem werden sie zu Einzelgespräche einbestellt. Dieser Druck macht krank. So ist der Krankenstand nach wie vor sehr hoch. Amazon geht auch massiv mit krankheitsbedingten Kündigungen gegen die Mitarbeiter vor…” Interview von Ines Wallrodt vom 13.05.2019 beim ND online externer Link