Arbeitszeitverkürzung

“… Seit langem schmelzen sichere Arbeitsplätze wie Schnee an der Sonne und in den kommenden 20 Jahren wird jeder zweite Job in Europa und den USA verschwinden, weil künstliche Intelligenz und Roboter das viel besser und billiger können. Aber warum macht uns das eigentlich Angst? Es wäre doch vielmehr Freude angesagt. Schließlich träumen Menschen seit Jahrtausenden davon, ihr Leben mit Angenehmerem verbringen zu können als ausgerechnet mit Arbeit…” Beitrag und Audio vom Vortrag von Lothar Galow-Bergemann vom 24. November 2015 bei emanzipation & frieden externer Link Audio Datei (Audiolänge: 42:30)

Initiative "Arbeitszeitverkürzung jetzt!"Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat für die rund 3.500 Beschäftigten der DHL Hub Leipzig GmbH einen Tarifabschluss erzielt. Mit ihm verkürzt sich die wöchentliche Arbeitszeit von derzeit 40 Stunden in zwei Stufen bis zum 1. Januar 2018 auf dann 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich. (…) Im Einzelnen wurde eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf zunächst 39 Stunden zum 1. Oktober 2016 und dann auf 38,5 Stunden zum 1. Januar 2018 vereinbart. Dies entspricht bei Teilzeitbeschäftigten einer Lohnerhöhung von 3,9 Prozent. Überdies erhalten die Beschäftigten über die Laufzeit des Tarifvertrages bis zum 31. Dezember 2018 in den  beiden kommenden Jahren drei Einmalzahlungen von insgesamt 1.500 Euro. Auch wird das bisherige leistungsbezogene variable Entgelt für die vier unteren Entgeltgruppen in eine für alle betroffenen Beschäftigten  feste Jahressonderzahlung umgewandelt. Diese wird erstmals im November 2016 ausgezahlt. (…) Die DHL Hub Leipzig GmbH ist für den internationalen Warenumschlag am DHL Luftdrehkreuz Leipzig zuständig.” ver.di-Pressemitteilung vom 19.02.2016 externer Link

Dossier

Marx21: Solidarität mit den Streikenden bei der PostDer Tarifkonflikt zwischen ver.di und der Deutschen Post AG spitzt sich zu. Ab 1. April [2015] will ver.di ihre Mitglieder bei der Deutschen Post AG zu bundesweiten Warnstreiks aufrufen. „Die Beschäftigten erwarten, dass der Arbeitgeber ihre Interessen ernst nimmt und konstruktiv über unsere Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich verhandelt. Weitere Nebelkerzen am Verhandlungstisch brauchen wir nicht“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. ver.di fordert für die rund 140.000 Tarifkräfte des Unternehmens eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die entsprechenden tarifvertraglichen Regelungen sind zum 31. März 2015 gekündigt…“ Ver.di Pressemitteilung vom 30.03.2015 externer Link. Dazu die Chronik des Tarifkonfliktes zwischen ver.di und der Deutschen Post AG externer Link bei ver.di sowie die Adresse für Protestschreiben: Deutsche Post AG z.H. Herrn Frank Appel, Charles-de-Gaulle-Str. 20, 53113 Bonn, Email: F.Appel@DeutschePost.de und neu: [Auch] DPVKOM ruft zu unbefristeten Streiks bei der Deutschen Post auf! Siehe hier zur ver.di-Tarifrunde und darüber, wie die Post den Streik zu unterlaufen versucht: mit Bargeld, Einsatz von Privatmenschen, Taxen und leeren Paketautos…:

Befürworter der Arbeitszeitverkürzung bei ver.di sehen in ihr ein Instrument gegen Arbeitslosigkeit. Skeptiker halten sie für nicht mobilisierungsfähig. Ein neues Konzept versucht, beide Lager zu vereinen.
Wenn die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Ende September in Leipzig ihren Bundeskongress abhält, wird auch das Thema Arbeitszeitverkürzung eine Rolle spielen. Erstmals seit Langem liegt in diesem Jahr ein ausgearbeitetes Konzept vor, wie das Thema zukünftig angegangen werden kann
…” Artikel von Jörn Boewe und Johannes Schulten in Neues Deutschland online vom 14.08.2015 externer Link (weiterlesen »)

Dossierpad-Broschüre "Arbeitszeitverkürzung jetzt! 30-Stunden-Woche fordern!"

Im Gespräch: Gegen den Jobverlust durch Roboter können Gewerkschaften was tun, sagt der Wirtschaftsprofessor Heinz-Josef Bontrup. Sie sollten für ein Ende der 40-Stunden-Woche kämpfen. Interview von Felix Werdermann veröffentlicht durch den pad-verlag (Eine gekürzte Fassung des Interviews erschien in der gedruckten Ausgabe des freitag Nr. 35, 28.8.2014, S. 7) Aus dem Text: “… [Frage] Vielleicht wollen viele Beschäftigte aber gar nicht weniger arbeiten, weil sie dann weniger verdienen? [Antwort] Es muss natürlich einen vollen Lohn- und Personalausgleich geben. Dies geht verteilungsneutral. Keiner verliert, alle gewinnen. Selbst die Unternehmer können ihre Gewinne steigern. Wenn ich das in meinen Vorträgen vorrechne, dann ist der ganze Saal immer erstaunt und kann es kaum fassen. [Frage] Wie funktioniert das? [Antwort] Nehmen wir an, die Produktivität steigt um zwei Prozent. Dann kann ich mit dem gleichen Aufwand ein Produkt herstellen, das zwei Prozent mehr wert ist. Ich kann also den Arbeitern zwei Prozent mehr Lohn zahlen und gleichzeitig zwei Prozent mehr Gewinn einstreichen. Das wäre dann verteilungsneutral, es gibt keine Umverteilung von Kapital zur Arbeit oder umgekehrt…” Siehe die darauf folgende Debatte:

  • Dritte Replik zur Flassebeck-Erwiderung: die Dritte: Das Knappheitsargument gilt!
    Je gelehrter umso verkehrter? – Modellrechnungsblasen und parallele Scheinwelten jenseits der ökonomischen Realität.
    Das freitag-Interview von Heinz-J. Bontrup („Wenn ich das vorrechne, sind alle erstaunt“) löste mit der darin begründeten Notwendigkeit einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich einen Ökonomen-Streit mit Heiner Flasbeck und Friederike Spiecker aus. Sie wurde einseitig vor allem auch von den NachDenkSeiten weiter verbreitetet und gipfelte in drei Beiträgen in dem Vorwurf, Arbeitszeitverkürzung sei ungeeignet das Problem der Massenarbeitslosigkeit zu beseitigen. Heinz-J. Bontrup hat in mehreren Erwiderungen die Kritik an der beschäftigungsfördernden Wirkung der Arbeitszeitverkürzung zurückgewiesen. In seinem „Last Word“ erinnert er noch einmal an die in der Vergangenheit sträflich versäumte Arbeitszeitverkürzung, die jetzt nur noch als “gesamtgesellschaftliches Projekt” durchsetzbar sei. „Flassbeck und Spiecker argumentieren in einer neoklassischen Modellwelt, die mit der wirtschaftlichen Realität nicht übereinstimmt.“ – Das freitag-Interview ist dieser Pressemitteilung in ungekürzter Fassung beigefügt. Die Zusammenhänge von Produktivitätsentwicklung, Beschäftigung und Verteilung erschließen sich bereits über die Anwendung der Grundrechenarten. Neoklassischer Modellstreit erweckt da eher den Eindruck einer Debatte über das Loch in der Hose des Kaisers, der keine Kleider anhat
    .” Pressemitteilung des “Projektbüro Ökonomisches Alphabetisierungsprogramm” beim pad-Verlag zur dritten Replik von  Heinz-Josef Bontrup am 13.10.2014 
    (weiterlesen »)

Arbeitskampf um die 35-Stunden-WocheVor 30 Jahren streikten Beschäftigte in der Metallindustrie sieben Wochen für die Einführung der 35-Stunden-Woche. In der Druckindustrie streikten die Beschäftigten für dieselbe Forderung 12 Wochen lang. Im Ergebnis setzten die IG Metall am 28.6.1984 und die IG Druck und Papier am 6.7.1984 in einem ersten Schritt die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durch. „Dieser Arbeitskampf brachte einen ersten Durchbruch für die Gewerkschaften auf dem Weg zur 35-Stunden-Woche“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, der Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI)…” WSI-Tarifarchiv erinnert am 25.06.2014 an „Meilenstein der Tarifgeschichte“ externer Link. Siehe dazu die Tabelle im WSI-Tarifarchiv: Wochenarbeitszeit 1990 bis 2013 (in Stunden) externer Link

Artikel von Herbert Schedlbauer vom 11.6.2014Heinz-J. Bontrup, Foto von Herbert Schedlbauer

Die Repräsentanten der Einzelgewerkschaften tun sich bei der Kampagne für die Umsetzung einer Arbeitzeitverkürzung schwer. Trotz zahlreicher Beschlüsse. Mittlerweile gibt es deshalb verstärkt Diskussionsbedarf bei den Mitgliedern. In Düsseldorf fand auf Initiative der  ver.di Ortsvereinsvorstände Düsseldorf und Linker Niederrhein im Fachbereich 8, Medien Kunst und Industrie, eine zweite Veranstaltung zum Thema statt. Am 4. Juni gab es durch Professor Dr. Heinz-J. Bontrup starke Argumente für eine Arbeitszeitverkürzung. Bontrup, der an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen-Bottrop-Recklinghausen unterrichtet,  gehört zu den Herausgebern und 100 Unterzeichnern eines offenen Briefes vom Frühjahr 2013. Er hält es für unverzichtbar, eine breite Diskussion für eine 30-Stunden-Woche, bei vollem Lohn- und Personalausgleich, anzukurbeln. (weiterlesen »)

Kongress: »Arbeitszeitverkürzung – ein Weg aus der Krise?« Immer länger und schneller arbeiten? Nein Danke! Diskutieren wir eine neue Definition des Arbeitsbegriffs, die Abkehr vom Wachstumszwang und die Verkürzung der Vollzeit auf eine 30-Stunden-Woche. Kongress am 10. Mai 2014 in Hamburg (in der Angerstraße 7 (Gewerbeschule 1), Einlass: 09:00 Uhr – Beginn: 10:00 Uhr. Eintritt frei, Anmeldung erbeten). Siehe aktuelle Infos auf der Kongress-Seite externer Link und hier:

  • Umverteilung der Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung ist das Gebot der Stunde. Eine deutliche Arbeitszeitverkürzung in großen, schnellen Schritten, bei vollem Lohn- und Personalausgleich.
    Der Kongress “Arbeitszeitverkürzung – ein Weg aus der Krise?” mit ca. 200 Teilnehmenden verabschiedete am Schluss unter großem Beifall die beiliegende Erklärung. Zuvor hatten die Anwesenden an einem abwechslungsreichen Programm aus Podiumsdiskussionen und Workshops mitgewirkt. Basisaktive unterschiedlichster Herkunft und Motivation hatten diesen Kongress als einen Kongress von unten organisiert.” Abschlusserklärung des Kongresses am 10. Mai 2014 in Hamburg externer Link . Aus dem Text: “… Der Kongress appelliert daher an alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Mitglieder von Sozialverbänden, politischen Organisationen und Parteien, an Interessenvertretungen und sozial engagierte Menschen: Tragt die Diskussion um die Umverteilung der Arbeitszeit in alle Winkel unserer Gesellschaft, mit dem Ziel, daraus eine breite, solidarische Bewegung entstehen zu lassen.(weiterlesen »)

Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche1984 forderten die Gewerkschaften IG Druck und Papier und IG Metall die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich für alle. Drei Ziele standen im Mittelpunkt: Arbeitsplätze sichern und neue schaffen; Arbeitsbelastungen senken und Arbeit menschlicher machen – »mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen«…” Artikel von Otto König  und Richard Detje vom 25. Mai 2014 bei der Zeitschrift Sozialismus externer Link. Aus dem Text: “…Obwohl die Arbeitszeitverkürzung als Mittel zur Beschäftigungssicherung nach wie vor aktuell ist – dies hat sich erst wieder in der Wirtschaftskrise 2008/2009 gezeigt –, zeichnet sich ab, dass zur künftigen Strategie der IG Metall keine generelle Reduzierung der tariflichen Arbeitszeiten gehören wird. Stattdessen wird die Flexibilisierung zentrales Thema sein. »Bislang ging es um flexible Arbeitszeiten aus Sicht der Arbeitgeber, jetzt geht es um Flexibilität für die Arbeitnehmer, die sie für Familien-, Bildungs- oder Pflegezeiten brauchen. Arbeitszeit wird ein Megathema der nächsten Jahre«, so der IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel (Der Tagesspiegel, 4.5.2014)…”

Im Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche 1984 haben die Metallarbeitgeber eine halbe Million Beschäftigte ausgesperrt. Die meisten davon außerhalb der umkämpften Tarifgebiete Nordwürttemberg/Nordbaden und Hessen: “Kalte Aussperrung” – das hieß ohne Lohn wochenlang vor der Tür. Auch die Beschäftigten bei Daimler in Bremen waren kalt ausgesperrt. Der damalige Betriebsrat Jürgen Coors erinnert sich…” Interview vom 14.05.2014 bei der IG Metall externer Link

Vor 30 Jahren begann der Streik für die 35-Stunden-Woche. Seither haben die DGB-Spitzen den Kampf um Arbeitszeitverkürzung de facto aufgegeben…” Artikel von Daniel Behruzi in junge Welt vom 14.05.2014 externer Link. Aus dem Text: “… Spätestens seit dem halbherzig geführten – und von westdeutschen Betriebsratsfürsten sabotierten – Streik für die 35-Stunden-Woche im Osten ist Arbeitszeitverkürzung in den Beschäftigtenorganisationen nicht mehr von Bedeutung. Das zeigt auch der DGB-Kongreß in Berlin. Einen Antrag, der »Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung der Erwerbsarbeit (…) zu einem Schwerpunkt der gewerkschaftspolitischen Strategiediskussion« machen wollte, werteten die rund 400 Delegierten lediglich »als Material« – eine Beerdigung zweiter Klasse…”

Fast sieben Millionen Deutsche haben eine 45-Stunden-Woche. Trotz technischen Fortschritts gelingt es unserer Gesellschaft nicht, weniger zu arbeiten. Warum eigentlich?
Immer mehr Stress, immer mehr Konsum, immer mehr Wirtschaftsleistung – das ist das Prinzip, nach dem unsere Gesellschaft nach wie vor funktioniert. Nur: Richtig glücklich wird dadurch niemand. Dabei gäbe es einen ganz einfachen Weg zu mehr Wohlstand im Sinne von Lebensqualität. Man könnte einfach weniger arbeiten. Der technische Fortschritt macht’s möglich. Trotzdem klappt es nicht mit der Arbeitszeitverkürzung, und zwar schon seit Jahren. Der Widerstand kommt von allen Seiten: von Unternehmern, aber auch von Arbeitnehmern und nicht zuletzt auch von den Gewerkschaften. Und die Politik nutzt ihre Möglichkeiten ebenfalls nicht, kürzere Arbeitszeiten attraktiv zu machen
…” Artikel von Felix Werdermann vom 10.05.2014 im Freitag online externer Link (weiterlesen »)

35 Wochenstunden, 32 oder 30: In der Malocherrepublik Deutschland ist es keine Schande, weniger Arbeit zu fordern. Und das unabhängig von Kita-Zeiten. Die neue Arbeitszeitdebatte dreht sich um Sinn, Gerechtigkeit und Machtfragen…” Artikel von Matthias Kaufmann bei Spiegel online vom 01.05.2014 externer Link (weiterlesen »)

Zwei Stunden weniger Arbeit am Tag bei vollem Lohnausgleich – das praktizieren Firmen in Schweden und Norwegen. Jetzt soll das Modell in einem Pilotprojekt in Göteborg sogar für städtische Angestellte eingeführt werden…” Artikel von Niels Reise, Stockholm, im Spiegel online vom 25.04.2014 externer Link (weiterlesen »)

Initiative "Arbeitszeitverkürzung jetzt!"Die Initiative “Arbeitszeitverkürzung jetzt!” ist ein Zusammenschluss von Initiativen, Gewerkschaften, Einzelpersonen und weiteren Organisationen, die mit einer Low-Budget-Initiative aufzeigen, dass Arbeitszeitverlängerung kontraproduktiv ist. Es geht um “das gute Leben” – ein Leben ohne Existenzangst. Die neueste Kampagne ist die Forderung nach der 30-Stunden-Woche für Europa, bei vollem Lohn-und Personalausgleich. Siehe dazu: (weiterlesen »)

Arbeitszeitverkürzung im LabourNet Archiv (1997-2012)

Arbeit ohne Ende

Siehe auch im LabourNet Germany

Siehe im www

Das ABC der Arbeitszeitverkürzung