Arbeitskämpfe

Die Belegschaft von Marmotex Tunesien beim Übernahmebeschluss im März 201621 Jahre lang haben – zuletzt – 65 Arbeiterinnen für die Textilfirma Mamotex in Mahdia (im Osten des Landes) malocht, bis im Januar diesen Jahres der Unternehmer selbstherrlich verkündete, das Unternehmen sei ab sofort geschlossen. Aber: Der Privatdiktator hatte sich getäuscht. Die Kolleginnen beschlossen, die Sache ohne ihn weiter zu führen, und besetzten den Betrieb. Der Hintergrund für diese Aktionsbereitschaft ist natürlich vielschichtig, zwei Dinge allerdings sind dabei von besonderer Wichtigkeit: Erstens ist in Mahdia eigentlich die Fischerei der wichtigste Wirtschaftszweig, allerdings seit längerem in tiefer Krise, weshalb die Frauen in den zahlreichen Textilbetrieben oft die ganze Familie ernähren. Und zweitens wurden sie in ihrem Beschluss massiv vom Gewerkschaftsbund UGTT unterstützt(was, wie etwa viele Schlecker-Frauen wissen, nicht bei jeder Gewerkschaft der Fall ist), der auch entsprechende Treffen mit dem Provinzgouverneur und der „Mutterfirma“ Sodrico organisierte. In dem ausführlichen Bericht „Made in Tunisia: Women textile workers resist poor working conditions“ am 01. August 2016 bei The Dawn externer Link (zu dem auch ein kurzes Video gehört) werden die Schwierigkeiten deutlich, die auf diesen Beschluss folgen (etwa der Materialboykott durch die sogenannte ehemalige Mutterfirma) – und die Kraft zum erfolgreichen Weitermachen

Züge stehen in TunisAlles Anarchisten – so ungefähr der Tenor der tunesischen bürgerlichen Medien über den Streik der Eisenbahner, der sich seit letzten Donnerstag, 14. Mai, allmählich auf die großen Linien im ganzen Land ausgeweitet hat. Am Freitag hatte das Transportministerium einen Erlass herausgegeben, mit dem die streikenden Eisenbahner gezwungen werden sollten (und damit laut Gesetz – § 390 des Arbeitsgesetzes bis zu 1 Monat Gefängnis und 500 Dinar Geldstrafe drohen), die Arbeit wieder aufzunehmen – ohne Erfolg zunächst. Sowohl die Eisenbahnergewerkschaft als auch der Gewerkschaftsbund UGTT haben sich gegen den Streik gewandt, weil er illegal (d.h. ohne sie) sei – und erst als sie sich am Sonntag bequemten, sich mit den Streikenden zu versammeln und ihre Forderungen zu übernehmen, gab es ab Montagfrüh wieder – allmählich wachsenden – Verkehr, wird in dem (schäumend geschriebenen) Artikel “L’UGTT prend les choses en main” von Ahmed NEMLAGHI am 19. Mai 2015 in Le Temps externer Link über “4 Tage wilder Streik” geschrieben

neue lehrerstreiks tunisBereits seit mehreren Monaten verschärfen sich die Auseinandersetzungen um verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen in verschiedensten Bereichen der tunesischen Gesellschaft. Neben mehreren Aktionen im öffentlichen Nahverkehr waren es auch immer wieder die Beschäftigten im Erziehungswesen, die – zuletzt im Februar – mit Streiks eine Verbesserung ihrer Lage erreichen wollten – einer Lage die vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass es auch hier große Unterschiede gibt, je nach Ort an dem man arbeitet, aber auch je nach Fach, das man unterrichtet. Der Artikel „Teachers strikes rock Tunisian government“ von Geraldine Boechat am 06. März 2015 bei Medafrica externer Link macht deutlich welches die Gründe für diese Streikbewegung sind – und dass neue Streiks „in der Luft“ liegen

DossierSolidarität mit Latelec Belegschaft

Zwei Arbeiterinnen von Latelec – dem Zulieferer unter anderem des Airbus – aus dem Werk Fouchana touren durch Frankreich, um ihren Kampf für Gewerkschaftsfreiheit darzustellen und für Solidarität zu werben – auch und gerade bei Airbus-GewerkschafterInnen (keineswegs nur jenen aus Frankreich). Das Unterstützungskomitee wirbt mit dem Beitrag Latelec-Fouchana (Tunisie) : une lutte exemplaire, une répression pour l’exemple externer Link am 08. September 2013 bei europe solidaire für die Teilnahme. Siehe dazu:

  • Gewonnen!
    7 der 10 im März 2013 entlassenen GewerkschafterInnen beim Airbus – Zulieferer Latelec in Tunis werden wieder eingestellt, drei bekommen die geforderten Entschädigungen. Der erste Bilanzartikel zu diesem langem Kampf an dessen Ende der mehrwöchige Hungerstreik stand ist PREMIER BILAN DE LA LUTTE – VICTOIRE POUR LES LATELEC! externer Link am 16. Juli 2014 (korrigiert und erweitert am 22. Juli) beim Unterstützerkomitee Comité de soutien aux syndicalistes de SEA Latelec de Fouchana auf Facebook. Siehe dazu auch: Articles parus dans la presse sur la lutte des Latelec-Tunisie externer Link – ein erster Überblick über die (französischsprachige) Presse zu diesem Kampf, erschienen am 17. Juli 2014 bei Europe Solidaire (weiterlesen »)

Solidarität mit Latelec BelegschaftEin Zulieferer, der nicht richtig funktioniert – weil die ArbeiterInnen ihre Rechte wahrnehmen – ist für EADS kein guter Zulieferer, also gibt es Druck. Druck durch Solidarität brauchen aber auch die Gewerkschafterinnen, die sich seit nun schon über 2 Jahren in der Auseinandersetzung mit dem Unternehmen befinden (LabourNet Germany berichtete wiederholt). Deswegen gibt es jetzt eine (französische) Petition Pétition de soutien aux syndicalistes de la SEA LATelec Fouchana externer Link (die aber auch ohne Sprachkenntnisse leicht zu unterschreiben ist) die vor allem darauf abzielt, das normale Recht der gewerkschaftlichen Organisation und Tätigkeit gegen Kriminalisierungsversuche zu verteidigen. Siehe dazu neu: Latelec: Erneuter Streik am 22. Februar 2014. Die Belegschaft des Airbus-Zulieferers hat den Kaffee auf: Die UGTT Gewerkschaft beschloss einen betrieblichen Streik am 22. Februar nachdem ein Teilstreik von rund 50 Kolleginnen (der über 300) am 12. Februar trotz aller Einschüchterungen als positiv bewertet wurde. Aus diesem Anlass erinnern wir nochmals an die Solidaritätspetition!

“SEA Latelec, Tochtergesellschaft des französischen Konzerns Latécoère, Subunternehmer für Airbus hat 2005 einen Teil der Kabelproduktion von Frankreich nach Fouchana, einem Vorort von Tunis verlagert, um von den dortigen preiswerten und qualifizierten Arbeitskräften zu profitieren. Aber seit 2010 organisieren sich die Arbeiterinnen um ihre Rechte zu verteidigen. Sie fordern die Abschaffung von erzwungenen Überstunden, den Respekt ihrer Würde und den Respekt des Arbeitsgesetzes. Von da an werden sie systematisch Opfer einer antigewerkschaftlichen Repression: Dienstsuspendierungen, Korruptionsversuche, Beschimpfungen, ungerechtfertigte Strafen und Sanktionen, Isolation, sexistische Bemerkungen und Todesdrohungen“ – so beginnt der „Aurufu zur Solidarität mit der SEA-Latelec-Belegschaft“ vom 18. April 2013, der jetzt auch auf Deutsch zirkuliert, über eine Belegschaft, die seit der Offensive des Managements mit mehreren streiks Widerstand geleistet hat.

Siehe dazu auch:
Appel du Comité de soutien aux syndicalistes de Latelec – Fouchanaexterner Link eben vom 18. April – der ursprüngliche Aufruf bei SUD-Solidaires inklusive bisheriger UnterzeichnerInnenliste

Das Weltsozialforum in Tunesien findet sicher statt. Unsicher sind die Bedingungen: Die neue Regierung sieht sich mit Streikdrohungen konfrontiert, die auch den Besuchern des Forums vom 26. bis 30. März Unannehmlichkeiten bescheren könnten, so sie denn in Tunis ankommen. Artikel von Peter Schäfer im Neues Deutschland vom 23.03.2013 externer Link (weiterlesen »)

…quer durchs Land: Streiks, Proteste, Demonstrationen: Die soziale Veränderung wird eingefordert. In der Meldung “Ben Arous – Les travailleurs des chantiers en colèreexterner Link am 03. Januar 2013 in La Presse (gespiegelt bei allafrica) wird von dem Sit-In von Bauarbeitern und Beschäftigten nach dem “mecanisme 16” (eine spezielle Form von Arbeitsbeschaffungsprogrammen) in Ben Arous berichtet, die vor dem Gouverneurspalast die Regularisierung ihrer Beschäftigung einforderten. Die Bauarbeitergewerkschaft in der UGTT fordert gemeinsam mit ihnen die systematische Abschaffung der Sonderbeschäftigungsformen (in der Regel zu Niedriglohn) – und dies war nur eine von mindestens vier entsprechenden Aktionen um die Jahreswende. Der Sitzstreik soll fortgesetzt werden, bis eine Antwort empfangen wurde (weiterlesen »)

taz: Am Mittwoch haben 90 Prozent der tunesischen Journalisten gestreikt, damit der unter der Übergangsregierung erarbeitete Medienkodex endlich umgesetzt wird. Der sieht einen Informantenschutz vor; außerdem, dass die Regierung keinen direkten Zugriff mehr auf die Besetzung der Chefsessel der Zeitungen hat. Die Journalisten haben erreicht, dass der von der islamischen Partei Ennahda eingesetzte Generaldirektor der Zeitungsgruppe Dar Assabah abberufen wird. Betrachten Sie den Streik als Erfolg? – Bochra Belhaja Hmida: Er kann zumindest Hoffnung geben. Die Intervention der Zivilgesellschaft, die gerade in Tunesien stattfindet, ist sehr wichtig. Die regierende Troika – also die stärkste Partei, die islamische Ennahda, sowie die säkularen Parteien CPR und Ettakatol – hat ihr Wort nicht gehalten, was die Umsetzung der Ziele der Revolution betrifft. Weder in den Medien noch der Justiz oder der inneren Sicherheit wurden bislang Demokratisierungsprozesse in Angriff genommen” – aus dem Interview mit der Anwältin Bochra Belhaj Hmida “Der Hass auf Frauen ist Sozialneid” externer Link von E. Kresta und R. Fisseler-Skandrani in der TAZ vom 21. Oktober 2012

Heute morgen um 8 treffen wir uns mit dem lokalen Gewerkschaftssekretär der UGTT von Ben Arous, einem Vorort von Tunis. Hier befindet sich ein Werk des deutschen Kabelbaum-Herstellers LEONI, zwei weitere befinden sich in anderen Landesteilen. Das Werk im Stadtteil Ezzahra soll geschlossen werden. Der Hintergrund ist eindeutig: Auch wenn die meisten hier nicht viel mehr als den Mindestlohn erhalten, ist das Lohniveau in dem Werk höher, als in den anderen LEONI-Werken. Zudem gibt es in Ben Arous eine starke Gewerkschaft. Das ist in dem Werk im mitteltunesischen Sousse nicht der Fall. Es geht der Geschäftsführung also auch darum, die Gewerkschaft zu schwächen. Im Werk selbst wurden wir sehr herzlich von den Arbeiterinnen und Arbeitern in Empfang genommen. Sie besetzen ihre Fabrik seit Juli, um die Verlagerung in das mitteltunesische Sousse zu verhindern…” – der Reisebericht und Aufruf “Solidarität mit den streikenden LEONI-Arbeiterinnen” externer Link von Christine Buchholz (DieLinke) auf ihrer Homepage, vom 21. September 2012 – und eigentlich müsste es in Nürnberg doch auch einen Betriebsrat geben, oder so… So oder so: Solidarität ist angesagt!

Streik in Sidi Bouzid

Quelle: Bericht “Tunisie : Grève générale à Sidi Bouzid” externer Link 

Am 14. August hatten zahlreiche Organisationen darunter vor allem der regionale Gewerkschaftsbund UGTT zu einem Streiktag in dem Städtchen, das als “Wiege der Revolution” gilt, aufgerufen: Es ging um Perspektiven für die Jugend im Allgemeinen – und um die Freilassung der festgenommenen Demonstranten der letzten Tage im besonderen. Der Bericht “Tunisie : Grève générale à Sidi Bouzid” externer Link von Youssf B am 14. August 2012 bei Europe Solidaire zeichnet eine erfolgreiche Aktion nach.

Siehe dazu auch: “Video der Kundgebung in Sidi Bouzid” externer Link  bei Youtube am 15. August 2012 eingestellt.