AnkaraKatliami und die Folgen

Bombenanschlag auf Friedenskundgebung in Ankara am 10.10.2015 (Foto: HDP)

So war das sicher nicht geplant: Die türkischen Tageszeitungen Cumhuriyet und Evrensel sind in den Besitz des Vorberichts zur den Ermittlungen zum Bombenanschlag auf die Friedenskundgebung am 10. Oktober 2015 in Ankara gekommen, und so können nun alle lesen: Der Geheimdienst hatte die Polizei über bevorstehende Anschläge informiert, hatte konkret von mehrfachen Selbstmordattentätern und politischen Kundgebungen als deren Ziel gesprochen. Das genaue Datum war nicht bekannt, die Warnung an das eigene Personal jedoch durchgegeben. Das hielt sich, wie bereits im Oktober mit entsprechenden Kommentaren zur Kenntnis genommen, der Friedenskundgebung in Ankara bis zum Eintreffen der Katastrophe entsprechend fern. Bevölkerung oder wenigstens Kundgebungsteilnehmer/innen waren über die Bedrohung nicht informiert worden, 100 Menschen verloren ihr Leben. Siehe dazu den Beitrag “October 10 Report: Security Knowing All Except Time of Attack Warned Only Personnel” bei bianet vom 14. April 2016 externer Link (weiterlesen »)

Let's be arms and legs together - #ProjectLisaIn den fünf Monaten vorm Wahltermin am 1. November 2015 hat es in der Türkei drei schwere Bombenattentate auf linke Großveranstaltungen gegeben: In Diyarbakir Anfang Juni, dann in Suruc und zuletzt in Ankara. Mehrere hundert Menschen haben in diesen Monaten ihr Leben verloren, mehrere hundert wurden bei den Anschlägen verletzt. Manche Wunden können heilen, doch viele der Schwerverletzten werden mit bleibenden Schäden leben müssen. Das türkische Frauenfilmkollektiv Filmmor hat eine Fundraisingkampagne für die medizinische Versorgung dieser Menschen ins Leben gerufen: “Let’s be arms and legs to each other” – lasst uns für einander Arme und Beine sein. In einem ersten Schritt wollen sie 125.000 Euro für zwei Beinprothesen aufbringen – beide für Lisa Calan, 28 Jahre, Bühnenbildnerin und angehende Filmemacherin, Teilnehmerin der HDP-Kundgebung in Diyabarkir vom 5. Juni 2015, wo ihr die Bombe beide Beine abgerissen hat. Wir bitten um Unterstützung. Das Spendenkonto: Kurdistan-Hilfe e.V., Verwendungszweck: #ProjectLisa, IBAN: DE40 20050550 1049222704, BIC: HASPDEHHXXX (Hamburger Sparkasse). Siehe dazu: (weiterlesen »)

Porträtsammlung der Toten von AnkaraDie KollegInnen vom LabourNet Türkei, Sendika.org, haben kurze Lebensläufe von 100 der Todesopfer des mörderischen Anschlags von Ankara zusammengestellt, inklusive Fotos und ihrer politischen und sozialen Organisationen. Wenig überraschend, dass viele von ihnen in der HDP aktiv waren, oder aber eben auch in den Volkshäusern oder Emep, der Partei der Arbeit, wie auch aus der CHP. In dieser Zusammenschau der Opfer “Ankara Massacre: 100 stories for 100 martyrs” am 22. Oktober 2015 bei sendika.org externer Link wird auf diese Weise sehr deutlich, dass der feige mörderische Anschlag der Linken in der Türkei galt, die ihr Engagement für eine bessere Welt mit hohem Blutzoll bezahlen mußte. Frauen, Männer, Kinder – zwischen 9 und 70 Jahren – das sind die, aus allen Ecken des Landes kommenden Opfer einer Tat, die Kapitalismus und Bürgerkrieg verteidigen soll – in direkter Konfrontation mit einer Friedensdemonstration. Die Zusammenstellung geschah unter Mithilfe zahlreicher Organisationen. Siehe dazu auch unsere Dossiers zum Anschlag von Ankara: “Nach dem Massaker: Proteste und Generalstreik” bis zum 16. Oktober 2015 im LabourNet Germany und “Bombenanschlag auf Friedenskundgebung in Ankara: “Sie meinen nicht nur die HDP, sie meinen uns alle”” bis zum 13. Oktober 2015 im LabourNet Germany

Protest in Izmir wegen Anakara Massaker 15. Oktober 2015Überall – und erst recht in der BRD – werden bedauert: Die Opfer und die Regierung der Türkei. Der Anschlag von Ankara aber steht in der Türkei selbst im Zentrum der Debatten – beziehungsweise die Frage, ob die Regierung dabei eine Rolle gespielt hat, und wenn ja, welche. Unsere aktuelle Materialsammlung “Solidarität mit den progressiven Kräften in der Türkei” vom 19. Oktober 2015 hat genau darin ihren Schwerpunkt: Die Reaktion eben dieser progressiven Kräfte auf den Massenmord, mit der Frage nach der Rolle der Regierung im Zentrum (weiterlesen »)

Dossier

Turkey up in arms against Erdoğan!Die Schreckensbilanz bisher: 128 Tote, mehr als 500 teils schwer Verletzte. (Siehe dazu unser Dossier Bombenanschlag auf Friedenskundgebung in Ankara: “Sie meinen nicht nur die HDP, sie meinen uns alle”) Bereits am Samstag kam es in Folge des doppelten Bombenanschlags auf eine Friedenskundgebung in Ankara in verschiedenen türkischen Städten zu Protesten, die von Zusammenstößen mit der Polizei begleitet waren. Am Sonntag morgen versuchte die Polizei in Ankara, mit Absperrungen, Tränengas, Gummigeschossen und Knüppeleinsatz ein öffentliches Gedenken an die Opfer am Platz des Geschehens zu verhindern. Trotz allem gelang es den Anwesenden, in den abgesperrten Bereich vorzudringen und dort Blumen niederzulegen. Anschließend setzte der Zug die Route fort, die eigentlich für die Demonstration am Samstag vorgesehen gewesen war. Am Sonntag abend kam es bei Protesten in Antalya ebenfalls zu Zusammenstößen mit der Polizei, vier Personen wurden festgenommen. Für den 12. und 13. Oktober ist zum Generalstreik aufgerufen, auch Schüler und Studenten sowie verschiedene Zeitungen folgen diesem Aufruf. Gleichzeitig versucht die türkische Regierung weiter, den Informationsfluss zu behindern. Die Webseite unserer Kolleg*innen von Sendika.org etwa wird regelmäßig zensiert. Unsere Kolleg*innen reagieren damit, dass regelmäßig eine neue Domain aufgemacht wird: Waren sie am Freitag noch unter http://sendika1.org erreichbar, sind sie inzwischen bei http://sendika4.org externer Link angelangt, die nächsten Webseiten sind vorbereitet… Siehe dazu:

  • Statt Aufklärung des Verbrechens: Kriminalisierung der Selbsthilfe
    Leerstehende Polizeiautos darf man nicht für Krankentransporte verwenden, auch nicht wenn gerade zwei Bomben innerhalb einer Friedensdemo explodiert sind, der Schlüssel steckt, die Polizei weit und breit nicht zu sehen ist, der Krankenwagen nicht durchkommt und man sich direkt bei der nächsten auffindbaren Polizistengruppe zu erkennen gibt. Die nimmt einen dann erst einmal in Gewahrsam. Und man darf auch nicht zu Blutspenden aufrufen, wenn die Regierung schon beschlossen hat, dass es kein Problem gibt. Bei solch fahrlässiger Chaotisierung des Gesundheitswesens sorgt dann schon schon der Gesundheitsminister persönlich beim Staatsanwalt dafür, dass Ermittlungen eingeleitet werden. Jedenfalls in der Türkei, wo zum Glück Recht und Ordnung herrschen und den Behörden bekannte angehende Selbstmordattentäter selbstverständlich nicht einfach mit präventiven Maßnahmen zu rechnen haben, solange ihre Bombe noch nicht in einer Menschenmenge explodiert ist. Siehe dazu unsere Übersetzung des Beitrags “Hallelujah! Turkish state caught the bloody criminals: Those trying to find blood for the wounded!”, den Mehmet Bayram am 14. Oktober 2015 bei Sendika.Org News veröffentlicht hat
  • WorkWeekRadio: Turkey Attack On Labor
    Interview beimWorkWeek Radio vom 15. Oktober 2015 externer Link Audio Datei (englisch) unter anderem mit einem Journalisten der Hürriyet, der als Gewerkschafter auf der Demo in Ankara am letzten Samstag anwesend war – über das Fehlen von Sicherheitskontrollen im Vorfeld der Demo, die Polizeiübergriffe im Anschluss an die Detonationen, und darüber, dass ein Reporter der Hürriyet wegen unliebsamer Twitter-Meldungen am 1. Oktober 2015 von AKP-Hooligans vor seinem Haus krankenhausreif geschlagen wurde. Die Schläger hätten später erklärt, sie wären für diesen Übergriff von einem ehemaligen Mitglied der Spezialeinheiten der Polizei bezahlt worden.

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Ankara: 10.10.2015, 10:04Die Schuldigen, wird uns von staatlichen Stellen erzählt, seien diejenigen, die vollkommen unnötiger Weise zu Blutspenden für die Verwundeten aufgerufen hatten! Schon früher war berichtet worden, dass die Regierung versuchte, Blutspenden zu unterbinden. Es bestände kein Bedarf an zusätzlichen Blutkonserven, hatten sie verbreitet. Übersetzung des Beitrags “Hallelujah! Turkish state caught the bloody criminals: Those trying to find blood for the wounded!”, den Mehmet Bayram am 14. Oktober 2015 bei Sendika.Org News externer Link veröffentlicht hat
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Logo DIDFNach dem Bombenanschlag auf die Friedensdemonstration vergangenen Samstag, die von Gewerkschaften und Berufsverbänden organisiert wurde und bei der 105 Menschen ihr Leben verloren haben, ist die Türkei nun auf den Straßen. Die Gewerkschaften haben für Montag und Dienstag zu einem Generalstreik aufgerufen. In allen 4 Ecken der Türkei haben die Arbeiter ihre Arbeit niedergelegt, die Schüler und Studenten boykottieren die Schule und die Universität. Wir dokumentieren die Stellungnahme von DIDF externer Link zum Stand der Dinge vom 13. Oktober 2015

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Dossier

Bombenanschlag auf Friedenskundgebung in Ankara am 10.10.2015 (Foto: HDP)

50.000 Menschen hatten sich am Morgen des 10. Oktober 2015 in Ankara versammelt, gemeinsam und nachdrücklich wollten sie ein Zeichen setzen gegen Erdogans Militäreinsatz in den kurdischen Gebieten. Kurz bevor der Demonstrationszug sich in Bewegung setzen wollte, detonierten die zwei Bomben, die wohl von Selbstmordattentätern gezündet wurden. 70 Menschen getötet, 120 verletzt, waren die Zahlen vom frühen Samstagnachmittag. Inzwischen ist von 128 Toten und über 500 teils schwer Verletzten die Rede. (Siehe weitere Hintergründe unten)
Unsere KollegInnen von LabourNet Türkei/ Sendika.org war mit auf der Demo – “wie alle Oppositionsgruppen”, schreiben sie uns, und: “Sie meinen nicht nur die HDP, sie meinen uns alle”. Wer “sie” sind, weiß dabei keiner so ganz genau, aber dass staatliche Stellen nichts gewusst haben wollen, daran glaubt niemand… Für die laufende Berichterstattung (samt Bildern) sei auf Sendika.org externer Link verwiesen (englisch). Siehe auch:

  • Die Anschläge von Ankara: Die Hintermänner sitzen im Präsidentenpalast und im Regierungsamt
    Am letzten Samstag starben in Ankara bei zwei Bombenanschlägen auf eine Friedensdemonstration nach derzeitigem Stand über 120 Menschen und Hunderte wurden verletzt. Wir verurteilen diese feigen Anschläge und trauern mit den Hinterbliebenen mit. Wir erklären uns solidarisch mit der Demokratiebewegung in der Türkei, die eine friedliche Lösung in der kurdischen Frage und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in Freiheit und Demokratie fordern. Die Anschläge zeigten aufs Neue, dass Menschen in der Türkei nicht nur politische Verfolgung und Repressionen, sondern auch den Tod in Kauf nehmen müssen, wenn sie sich für den Frieden und ein Ende der Kriegspolitik der AKP-Regierung und Erdogans einsetzen…” DIDF-Erklärung vom 12. Oktober 2015 externer Link
    Darin: “… Die demokratische Öffentlichkeit in Deutschland rufen wir zur Solidarität mit der Demokratie- und Friedensbewegung in der Türkei auf. Senden Sie bitte Protestschreiben an die türkische Regierung und fordern Sie die Bundesregierung auf, die politische Unterstützung sofort zu beenden. Die Menschen in der Türkei fordern nichts anderes als Demokratie und Frieden. Die Versuche der Herrschenden, sie gegeneinander ausspielen, konnten sie von ihrem Kampf für ein gleichberechtigtes Zusammenleben in Frieden und Freiheit nicht abbringen. Lassen wir sie dabei nicht im Stich!
    Die KollegInnen von DIDF wollen am Mittwoch (14. Oktober) um 14:00 Uhr vor der Türkischen Botschaft in Berlin mit VertreterInnen einer Delegation, die kürzlich in der Türkei waren, vor der türkischen Botschaft eine Presseerklärung abgeben und danach einen Protestbrief an den Botschafter abgeben.

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sedika.org: Uniboykott nach dem Massaker in AnkaraAm heutigen Sonntag morgen wollten Demonstranten ihrer ermordeten Freunde gedenken. Am Ort des Ankara-Massakers vom 10. Oktober aber trafen sie Barikaden der Polizei. Trotz zweier Angriffe mit Tränengas, Gummigeschossen und Schlägstöcken gelang es den Demonstranten schließlich, die Barrieren zu überwinden und zum Schauplatz des Massakers vorzudringen. Übersetzung des Beitrags “Gas, truncheons and barricades fail to stop commemorations: ‘We are legion – if you’ve got the stomach, kill us’”, der am 11. Oktober 2015 bei Sendika.Org externer Link erschienen ist. Für Infos und Hintergründe siehe unser Dossier: Bombenanschlag auf Friedenskundgebung in Ankara: “Sie meinen nicht nur die HDP, sie meinen uns alle”

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Sendika.org: Ankara Massacre 10-10-2015Zwei Bomben detonierten inmitten von Demonstrant*innen kurz vor dem geplanten Start der Demonstration für Arbeit, Frieden und Demokratie vorm Bahnhof von Ankara. Mindestens 97 Menschen wurden getötet, hunderte verletzt. Vor den Explosionen war von der Polizei nichts zu sehen, direkt nach dem Angriff aber erschien sie mit einem gepanzerten Wasserwerfer und schoss mit Tränengas wahllos auf die Toten und Verwundeten. Übersetzung des Beitrags “Wrap-up of the 10 October Ankara Massacre”, der am 11. Oktober 2015 bei Sendika.Org erschienen ist externer Link. Für Infos und Hintergründe siehe unser Dossier: Bombenanschlag auf Friedenskundgebung in Ankara: “Sie meinen nicht nur die HDP, sie meinen uns alle”
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