Das Massaker von Marikana

Das Massaker in der Lonmin-MineBrigadier Adriaan Calitz, der Einsatzleiter beim Massenmord von Marikana hat während des Einsatzes für die 225 Schnellfeuergewehre, die die Polizei vor Ort hatte, 4.500 zusätzliche Patronen angeordnet. Sagt sein direkter Untergebener. Stimmt gar nicht, sagt  Brigadier Adriaan Calitz, er wusste von nichts – schon gar nicht, dass zu diesem Zeitpunkt schon 16 Menschen gestorben waren. Er hatte Probleme mit seinem Funkgerät… Der Bericht Flaws in Marikana plan – Budlender externer Link von Jonisayi Maromo am 28. November 2013 bei den iol news

Marikana-MassakerWofür es immer wieder deutliche Anzeichen gegeben hat – am bekanntesten wurde die fordernde Mail des früheren Gewerkschaftsvorsitzenden und heutigen Geschäftsmannes Cyril Ramaphosa – ist nun durch Akten der offiziellen Farlam-Kommission eindeutig geworden: Es war keineswegs eine Häufung von Zufällen oder Fehlern, die zu dem Massaker geführt haben, wie die Polizeiführung stets behauptete. Öffentlich wurde nun die Mitschrift eines Treffens eben dieser Polizeiführung mit der Unternehmensleitung von Lonmin, während dem offen davon gesprochen wurde, dass harte Maßnahmen zu ergreifen seien. Der Bericht Marikana massacre: SAPS, Lonmin, Ramaphosa & time for blood. Miners’ blood externer Link von Greg Marinovich und Greg Nicolson am 24. Oktober 2013 im Daily Maverick (weiterlesen »)

Das Massaker in der Lonmin-Mine…waren die, die das Marikana Unterstützungskomitee – nicht zuletzt aus jenen Rechtsanwälten bestehend, die die Opfer in der Untersuchungskomission vertreten – für Regierung. ANC und die NUM reserviert hatte. Alle denkbaren Kirchen, sozialen Organisationen und politischen Oppositionsparteien waren da – und da waren vor allem rund 15.000 Bergarbeiter mit ihren Familien. Der Bericht Marikana healing, sans government, the ANC or NUM externer Link von Khadija Patel am 19. August 2013 im Daily Maverick lässt vor allem Bergarbeiter zu Wort kommen, die den Veranstaltungsboykott durch die Regierenden keineswegs als Zufall betrachten (weiterlesen »)

Das Massaker in der Lonmin-MineWährend die Farlam-Komission immer noch tagt (die das Massaker untersuchen soll) und die Opfer aktuell vor allem beklagen, dass sie keinerlei Unterstützung für Anwaltskosten bekommen, gibt es zum Jahrestag der blutigen Vorfälle eine ganze Serie von Veröffentlichungen. Lesenswert ist unter anderem Aftershocks of the miners’ revolt externer Link von David Whitehouse am 14. August 2013 bei Works in Theory, vor allem weil er ausführlich versucht, die Entwicklung der zahlreichen Streikbewegungen im südafrikanischen Bergbau in diesem Jahr danach zusammenzufassen und sie in Verbindung mit dem Marikana-Massaker zu sehen, als das Ereignis, das die politische Landschaft Südafrikas verändert habe. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Verschiedener Kritiker der Arbeit der Untersuchungskomission zum Marikana-Massaker (Farlam Commission) haben immer wieder darauf verwiesen, dass die Aussagen der verschiedensten Polizisten koordiniert wirken – was nicht schwer zu glauben ist, allerdings offensichtlich nicht immer funktioniert: So wurden jetzt die Aufnahmen, die ein Captain Ryland mit seinem handy gemacht hatte zum Gegenstand sowohl der Komission, als auch der internationalen Medien – mit ihnen wird deutlich, dass fliehende Streikende erschossen wurden, was der offiziellen “Notwehr” Begründung die Glaubwürdigkeit nimmt, falls das noch geht…Der Bericht “Marikana massacre: shocking new footage raises fresh questionsexterner Link am 29. Januar 2013 im Guardian Africa Network weist darauf hin, dass diese Wirkung der Videoaufnahmen erzielt werde, obwohl deutlich werde, dass die Aufnahmen gründlich editiert worden seien.

Während der Arbeiten der Marikana Commission of Inquiry vernimmt gegenwärtig George Bizos, Hauptakteur der Rechtsanwälte der Bergarbeiterfamilien, den Leiter der Polizeiausbildung Brigadier Zephania Mkwanazi. Dieser unterstrich immer wieder, er sei an dem Polizeimassaker nicht beteiligt gewesen, und verweigerte Antworten auf zahlreiche Fragen, stimmte aber Bizos zu, dass das Statement von Bergbauministerin Suzan Shabangu, sie wolle keine Warnschüsse, sondern “shoot to kill” Polizisten im Einsatz “verwirren können”. Kein linksradikales Blättchen sondern aus der Meldung “Shabangu ordered Marikana cops to ‘shoot to kill’ externer Link” von Sphiwe Mkhize am 20. Dezember 2012 bei der South African Broadcasting Corporation Siehe dazu auch:

  • Offener Brief an den Vorsitzenden des DGB, Michael Sommer”  – verfasst von vier Mitgliedern der afa in der SPD, mit der Forderung: “Die Internationale Gewerkschaftsbewegung muss an die Seite der südafrikanischen Bergarbeiter -für die bedingungslose Verteidigung ihres Rechts auf unabhängige gewerkschaftliche Organisation und auf Tarifverhandlungen und Streik auf der Basis ihrer Forderungen!”. Die VerfasserInnen argumentieren dabei auch mit einem “einblick” Artikel von Monika Sommer (früher DGB, heute Deutsche Botschaft), worin die Lohnerhöhungen als zu hoch und die Arbeiter als wachsend gewaltbereit geschildert werden. Jetzt einmal die Frage ausgeklammert, worin die Qualifikation des Herrn Sommer für einen solchen Einsatz bestehen soll, bleibt bestehen, dass die erhobene Forderung die Politik des IGB konterkariert, und dass der “einblick” Artikel ein reaktionäres Machwerk ist.

Quelle:  Artikel von David Smith (Afrika-Korrespondent des Guardian) in einer Übersetzung von Holger Hutt auf DerFreitag vom 05.10.2012 externer Link

Der opferreiche Streik der Bergarbeiter von Marikana hat einen sozialen Aufstand in den Platin-, Gold- und Kohleminen des Landes ausgelöst.

Dossier

Das Massaker in der Lonmin-MineEin Abkommen ohne die Betroffenen: Funktioniert nicht – es wird weiter gestreikt…
Die Vertreter von Lonmin, der NUM und der (einst weissen, heute Techniker usw) Gewerkschaft Solidarity hatten – LabourNet dokumentierte den Bericht in der  Jungen Welt – Ende letzter Woche ein Abkommen unterzeichnet, das “den Frieden” wieder herstellen sollte: Alle gehen wieder arbeiten, dann wird in Ruhe über Lohnerhöhungen gesprochen. Klingt gut? Vielleicht in den Ohren von Unternehmern und einer bestimmten Sorte Gewerkschafter. Die Reaktion der Streikenden war aber auch klar…  Immer deutlicher wird: Der Massenmord von Marikana kann zu einem echten Wendepunkt der Nach-Apartheiszeit werden – aber eine Wende wohin?…

Unsere umfassende Artikelsammlung dokumentiert die Ereignisse und drei Materialsammlungen “Nach Marikana…” von Helmut Weiss ergänzen diese ausführlich…

  • Streikende Bergarbeiter nehmen Lohnerhöhung an. Streik vorbei, Kampf nicht… 
    Rund sechs Wochen nach Beginn der südafrikanischen Minen-Proteste mit 45 Toten haben die streikenden Kumpel in Marikana mit der Betreibergesellschaft Lonmin eine Einigung erzielt. Die Löhne würden um 22 Prozent erhöht und eine Einmalzahlung von 2.000 Rand (185 Euro) geleistet, sagte Bischof Joe Seoka, der zwischen beiden Seiten vermittelt hatte. Die Bergleute hätten im Gegenzug zugestimmt, am Donnerstag die Arbeit wieder aufzunehmen” – so beginnt die Meldung “Einigung zwischen südafrikanischen Bergleuten und Minenbetreiber” externer Link der dapd (hier bei Yahoo-Nachrichten) vom 18. September 2012. (weiterlesen »)