Wirtschaft

Putzfraun in Barcelona gegen den UGT Tarifvertrag mit Outsourcing

Rund 18 Millionen Beschäftigte werden in Spaniens Arbeitsstatistik gezählt. Beinahe ein Drittel von ihnen, knapp 5,5 Millionen arbeiten in der Tourismusbranche. Davon wiederum arbeiten 1,7 Millionen im Hotelwesen – mit einem Durchschnittsverdienst von etwas über 13.000 Euro im Jahr. Die etwa 100.000 Putzfrauen davon verdienen je gereinigtem Zimmer sage und schreibe 2,15 Euro. Als ganz wesentlicher Bestandteil des Kapitalismus in Spanien ist dieser Bereich gekennzeichnet von zahllosen Überstunden bei oftmals befristeten Verträgen und besonders schlechter Bezahlung. Kein Zufall, dass es zwei Besonderheiten gibt: Den weit überdurchschnittlichen Krankenstand – und eine jährlich anwachsende Tendenz zur Selbstorganisation, da bis vor kurzem – gerade eben die Selbstorganisation hat hier zur Veränderung beigetragen – die großen Gewerkschaftsverbände hier nicht besonders viel unternahmen. Siehe zur Situation und Entwicklung von Beschäftigung und gewerkschaftlicher Tätigkeit im Tourismus-Sektor drei Beiträge, die einen Überblick geben:

(weiterlesen »)

CGT Plakat gegen betriebliche EntlassungspläneEine ganze Welle von angekündigten Entlassungen beschäftigt im Sommer 2015 viele Menschen in Spanien, weil sie betroffen sind. Auch die vielgelobte Indra, das grösste spanische Unternehmen für Informatik-Dienstleistungen, das weltweit 40.000 Menschen beschäftigt, die Hälfte davon in Spanien, hat nun quer durchs Land die Entlassung von rund 10% der Belegschaft angekündigt. Wer bleibt, muss Lohnkürzungen mit Mehrarbeit ausgleichen – wenn es nach dem Willen der Unternehmensleitung geht. In einer Vollversammlung der rund 1.000 Beschäftigten in Katalonien, die in Barcelona stattfand, beschlossen die Anwesenden nun, ab Ende Juli in den Streik zu treten, wird in der Pressemitteilung “INDRA inicia un ERE para despedir 1.850 trabajadores” des Gewerkschaftsbundes CGT vom 08. Juli 2015 externer Link bekannt gemacht – ein Streik, der sich sowohl gegen die Entlassungen als auch gegen die weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen richtet – und der, wenn er stattfindet, der bisher grösste Streik in Spaniens Informatikwirtschaft wäre und eine neuerliche Auseinandersetzung (neben der noch nicht endgültig beendeten Auseinandersetzung bei Telefonica) in der einstigen “Wunderbranche” neue Medien