Gewerkschaften

Bei einem Treffen Anfang Dezember haben die andalusische Basisgewerkschaft SAT und die baskische Mehrheitsgewerkschaft LAB eine kontinuierliche und enge Zusammenarbeit vereinbart. Der Bericht LAB y SAT se comprometen a reforzar relaciones en una reunión realizada en Andalucía externer Link am 04. Dezember 2013 bei der SAT

Arbeiter_innenautonomie

Spanien: Arbeiter_innenautonomieDokumentarfilm über die autonomen Arbeiter_innenkämpfe in Spanien in den Jahren des Übergangs zur Demokratie. In diesem Film aus dem Jahr 2008 kommen Arbeiter zu Wort, die an diesen Kämpfen teilgenommen haben. Der Film handelt auch von der politischen Erinnerungsarbeit gegen Parteien und Gewerkschaften, die wollten, dass diese Geschichte verloren geht. Video (cast. mit franz. und dt. UT | 74 min | 2013) bei labournet.tv externer Link

Aktionstag alternativer Gewerkschaften in Spanien am 24. Oktober 2013Mit einem gemeinsamen Manifest  gegen Erwerbslosigkeit, Reformen der Arbeitsgesetzgebung und Rentenreform haben mehrere alternative spanische Gewerkschaften zu einem landesweiten Aktionstag am 24. Oktober aufgerufen. CGT, Co.Bas, Confederación Sindical, Intersindical de Aragón, Solidaridad Obrera und die Coordinadora Sindical de Clase legen mit diesem Manifest ein Programm alternativer Gewerkschaftspolitik vor, das von der Auffassung ausgeht, dass diese langandauernde Krise speziell in Spanien nicht mehr im Rahmen des heutigen Kapitalismus gelöst werden kann und fordern deswegen unter anderem die Verstaatlichung der Banken und der Schlüsselindustrien unter demokratischer Volkskontrolle. Sie verstehen den Text als seine Grundlage für die Entfaltung eines wirklichen Generalstreiks.  Das Manifest Contra el desempleo, la reforma laboral y la de las pensiones “El camino es unificar las luchas hacia la huelga general” externer Link wurde am 22. Oktober 2013 bei rebelion.org dokumentiert

Am Abend des 20. Oktober wurde der Sprecher der andalusischen Arbeitergewerkschaft SAT, Diego Canamero auf dem Heimweg von einer Veranstaltung festgenommen – zwei Streifenwagen und ein Mannschaftswagen wurden für die Festnahme aufgeboten. Der Grund: Die Gemeinde El Coronil (bei Sevilla) hat Anzeige erstattet wegen Schäden, die ein von der SAT organisierter Streik angerichtet habe. Zu Beginn des Jahres streikten die Müllwerker von El Coronil 71 Tage lang, unter anderem mit der Forderung der Wiedereinrichtung der Arbeitsbörse am Ort, die zuvor geschlossen worden war. Diese und weitere Forderungen konnten dank der Entschlossenheit der Streikenden erreicht werden. Die Gemeinde sucht seitdem die Korrektur auf dem Justizweg. Canamero hatte sein Erscheinen vor Gericht mit der Begründung abgelehnt, es sei das gute Recht und die Pflicht der Gewerkschaft einen Streik zu organisieren, wenn die Lage es erfordere. Dies ist weder die erste Festnahme eines SAT Aktivisten wegen gewerkschaftlicher Aktionen, noch insgesamt in dieser spanischen Austeritätsdemokratie eine Besonderheit: Zahlreiche AktivistInnen waren unter anderem nach dem Generalstreik im vergangenen November festgenommen worden, Prozesse stehen noch an. Es ist aber das erste Mal, dass der Sprecher einer Gewerkschaft festgenommen wird. Die Meldung La Guardia Civil detiene al portavoz del SAT Diego Cañamero externer Link am 21. Oktober 2013 im naiz.info

LAB im Interview

“CC.OO und UGT haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr auf den »sozialen Dialog« eingelassen – aber es war weder ein »Dialog« noch war er »sozial«, sondern lediglich die Unterwerfung unter die Interessen der Arbeitgeber oder diverser Regierungen. Das hat dazu geführt, daß einem großen Teil der spanischen Arbeiterklasse der Schneid abgekauft wurde. Beide Gewerkschaften sind außerdem von staatlichen Subventionen abhängig, sie unterschreiben daher alle Vereinbarungen, mit denen soziale – und Arbeiterrechte abgebaut werden. Ein Beispiel dafür ist, daß sie mit der früheren PSOE-Regierung eine Vereinbarung unterschrieben haben, nach der das Eintrittsalter für die Rente von 65 auf 67 Jahre hochgesetzt werden soll – im restlichen Südeuropa hat es so etwas nirgendwo gegeben” – aus dem Interview “Wir sind eine sehr kämpferische Gewerkschaftexterner Link von Angel Ferrero mit Igor Urrutikoetxea vom Exekutivkomitee des LAB am 11. Juni 2013 in der jungen welt über den Generalstreik vom 30. Mai, die gesellschaftlichen Ziele des LAB sowie über die (abermalige) Nichtbeteiligung der beiden grossen spanischen Verbände am Generalstreik im Baskenland

Der Pakt von Moncloa nach dem Ende der Francodiktatur war ein Einschnitt in die Geschichte der Gewerkschaften in Spanien – von der Linken wird in der Regel kritisiert, dies sei der entscheidende Schritt zu ihrer gesellschaftlichen Einbindung in das kapitalistische System gewesen. Kommt es nun zu einer Art Moncloa II? Zum dritten Mal seit seinem Regierungsantritt trafen sich Donnerstagabend die Vorsitzenden von CCOO und UGT mit Premierminister Rajoy (und den Unternehmerverbänden) – und es gehe dabei um eine Art “Notstandskatalog”. Der UGT-Vorsitzende meinte, es gehe darum zu beweisen und zu realisieren, dass der “Kampf gegen die Verschuldung und der Kampf gegen Erwerbslosigkeit” keine Gegensätze seien. Eine heftige Kritik an diesem Treffen und den Positionen in “Nuevo balón de oxígeno al gobierno y los empresariosexterner Link am 16. mai 2013 bei kaosenlared.

Siehe dazu auch:

  • ¿Podrían desaparecer UGT y CCOO?externer Link von Luis Osorio am 09. April 2013 bei rebelion.org, worin der frühere Ökonom der UGT eine Bilanz der beiden grossen Verbände (die zusammen bei den letzten Gewerkschaftswahlen 75% der Stimmen erhielten) in den Krisenjahren zieht:

“Mehrere hundert Mitglieder der Andalusischen Arbeitergewerkschaft (SAT) sind am Samstag kurzzeitig auf das Gelände der in der Provinz Sevilla gelegenen Finca Las Turquillas eingedrungen. Schon am 1. Mai hatten die Gewerkschafter das Gelände, das der spanischen Armee gehört, vorübergehend okkupiert, waren aber nach wenigen Stunden von der Polizei geräumt worden. Am Samstag verzichteten sie darauf, Auseinandersetzungen zu provozieren und zogen sich bereits nach wenigen Minuten wieder vom Gelände zurück. Statt dessen haben sie vor den Zugängen der Finca ein Protestcamp errichtet” – so beginnt der Bericht “Andalusische Nadelsticheexterner Link von Carmela Negrete am 06. Mai 2013 in der jungen welt

Siehe dazu auch:

SAT: Marsch gegen Repression

Muss man bis nach Kolumbien gehen, um Gewerkschaften zu finden, die noch heftiger der Repression ausgesetzt sind, als die andalusische SAT in Spanien? Serienweise Gefängnisurteile, Geldstrafen, Demonstrationsverbote werden verhängt – jetzt antwortet die SAT mit einem “Marsch gegen die Repression” durch Andalusien. In dem Beitrag “Arruinad al Sindicatoexterner Link von Bonifacio Canibano am 11. Januar 2013 bei den blogs.publico wird das Ausmaß der Repression verdeutlicht

Vor mehr als drei Jahren, im Oktober 2009, gab es einen landesweiten Protesttag der Landarbeiter, an dem sich in Sevilla die andalusische SAT führend beteiligte, unter anderem durch eine versuchte Blockade der Schnelltrasse Sevilla-Madrid und eine Besetzung der regionalen Medienanstalt RTVA. Nun soll deswegen Diege Canamero, Generalsekretär der SAT angeklagt werden: Das Innenministerium betreibt eine Anklage die für zwei Jahre Gefängnis plus Geldstrafe plädiert, wird in dem kurzen Bericht “Represión en Andalucía: La Fiscalía pide dos años de cárcel para Cañamero” externer Link hervorgehoben.

Die Corriente Sindical de Izquierdas de Asturias ist eine der grossen gewerkschaftlich-regionalen Alternativorganisationen. Am Wochenende hatte sie ihren 6. Kongress in Gijon, an dem etwas über 100 Delegierte teilnahmen – und Gastdelegationen der andalusischen SAT und des LAB aus Euzkadi unter anderen. Dort wurde unter anderem beschlossen, am 14. November für den europäischen Generalstreik zu mobilisieren. Dabei wurde unterstrichen, dass es nicht darum gehen könne, mit einem Generalstreik ein Referendum zu erzwingen, sondern dass dieser Streik das Ziel haben müsse, den ganzen Katalog der Austeritätspolitik vom Tisch zu wischen, wird in dem Bericht “Nosotros seguimos estando por la movilización continua, la manifestación y la barricada” externer Link von Miguel Arróniz am 29. Oktober 2012 bei rebelion.org unterstrichen.

Auch wenn man die Sprache nicht versteht – den Videofilm kann man gut verstehen, da wird in rund 25 Minuten deutlich, wie eine etwas andere Gewerkschaft den Kampf gegen die Eu-Austeritätspolitik führt. “La Marcha Obrera puso Andalucía en Pie” externer Link  wurde am 21. Oktober 2012 bei LaHaine publiziert.

Die SAT als Pol?

Sindicato Andaluz de Trabajadores, andalusische Arbeitergewerkschaft so heisst das Ding. Eine etwas andere Gewerkschaft, ganz ohne Krawatten (oder gar teutonischen Wampensakkos) – die nicht nur mit zahllosen Aktionen in den letzten Monaten Profil in der landesweiten (und teilweise europäischen) Öffentlichkeit gewonnen hat, sondern eben vor allem mit Aktionen “der anderen Art”. Kann sie ein Pol für eine neue linke Bewegung werden? Die Chronik über die “Marcha Obrera” durch Andalusien wird fortgestzt in dem Bericht “La Marcha Obrera – Andalucía en Pie llega a Almería” externer Link vom 10. September 2012 (hier bei kaosenlared, aber auch bei mindestens 40 anderen Websites zu finden, dieser Bericht der SAT Almeria).

Und: Als ein weiteres Beispiel der zahlreichen weiteren Soli- und Unterstützungsaktionen der Bericht”Más de 70.000 personas han firmado ya para pedir a los supermercados que entreguen diariamente productos a punto de caducar a ONG locales” externer Link vom 11. September 2012 bei kaosenlared – die Aktion der SAT zur Bereitstellung von Lebensmitteln wirkt landesweit…

Sowie: “Seit Beginn der Krise in Spanien macht die andalusische Gewerkschaft SAT (Sindicato Andaluz de Trabajadores – Andalusische Arbeitergewerkschaft) durch spektakuläre Aktionen des zivilen Ungehorsams auf die Situation der Beschäftigten in Andalusien aufmerksam” – so beginnt der Bericht “Spaniens Arbeiter im Widerstand gegen Sozialabbau” externer Link von Florian Wilde am 28. August 2012 bei der Rosa Luxemburg Stiftung über eine Veranstaltung mit und über SAT.

Quelle: Mit Miguel Sanz Alcántara von der SAT sprach Martin Ling im Neues Deutschland vom 16.08.2012  externer Link  

Das Sindicato Andaluz de Trabajadores (SAT) ist eine auf Andalusien begrenzte kleine, radikale und linke Gewerkschaft, die am 23. September 2007 gegründet wurde. Die SAT hat etwa 20 000 Mitglieder und arbeitet mit alternativen Gewerkschaften wie der Corriente Sindical de Izquierda (Linke Gewerkschaftsströmung) in Asturien, der baskischen Gewerkschaft LAB und anderen zusammen.