Streiks im Bergbau

Reifen brennen auf den Straßen: Polnische Bergarbeiter wehren sich weiterDer üble Deal wurde direkt zwischen dem Management, der Regierung und den Gewerkschaften ausgehandelt. Seit zwei Wochen befanden sich die Bergleute in mehreren Bergwerken des Unternehmens im Streik, nachdem das Management eine Reihe von Gesamtarbeitsverträgen für beendet erklärt und Sparmaßnahmen angekündigt hatte. Künftig sollten die Kumpel sechs anstatt fünf Tage pro Woche arbeiten, zum selben Lohn. Darüber hinaus sollten Einmalzahlungen und Zulagen gekürzt werden“ – aus dem Artikel „Polen: Gewerkschaften beenden Streik der Bergarbeiter“ von Markus Salzmann am 18. Februar 2015 bei wsws externer Link , worin es zu den gesellschaftlichen Bedingungen des Streiks auch noch heisst „Hauptsächlich wird aber eine Ausweitung der Proteste befürchtet. Im Januar begehrten bereits Teile der Ärzteschaft gegen die niedrigen Honorare des Gesundheitsministeriums auf. Am Mittwoch fuhren Hunderte von Bauern mit ihren Traktoren nach Warschau, wo sie die Hauptzufahrtsstraßen blockierten. Sie verlangen unter anderem Entschädigung für Regierungsmaßnahmen im Milch- und im Schweinefleischmarkt. Die westpommerschen Bauern fordern darüber hinaus einen Verkaufsstopp der staatlichen Grundstücke an ausländische Investoren. In Pyrzyce beispielsweise wurden nach Schätzungen bereits 60 Prozent aller Grundstücke an ausländische Investoren veräußert“. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Logo des Bergarbeiterstreiks in PolenDer kurze Bericht „Infos fin de grève à JSW“ von Jan Malewski vom 18. Februar 2015  ist auf französisch – gerichtet an das Internationale Gewerkschaftliche Netzwerk für Solidarität und Kampf. Die Bilanz die der Autor zieht ist vor allem geprägt von den Ergebnissen, dass die ursprünglich Entlassenen wieder eingestellt werden und die Forderung nach Rücktritt des Topmanagers erfüllt wurde. Ansonsten bleibt einiges auszuhandeln, auch wenn es etwa die Erfüllung der – ursprünglich abgelehnten – Forderung nach Auszahlung des 14. Monatsgehalts in höchstens zwei Raten gab. Der Polizeiüberfall am Ende einer Kundgebung ist noch nicht aufgeklärt – und es sind wohl noch angebliche Aggressoren in Haft – einiges muss da noch geklärt werden.

Polnische Bergarbeiter (blockieren Eisenbahn)Die ersten Stellungnahmen kamen von Unternehmensleitung und Regierung – von innergewerkschaftlichen Reaktionen auf die Aussetzung des Bergarbeiterstreiks ist noch nichts bekannt, weshalb erst einmal manches mit Vorsicht zu geniessen sein mag. Die Gewerkschaften hätten demnach wesentliche Forderungen der Gegenseite akzeptiert, während sie dafür den lange geforderten Rücktritt des Topmanagers bekommen, so etwa der Tenor in dem Bericht „Miners suspend strike at JSW coal company“ am 16. Februar 2015 bei The Warsaw Voice externer Link , worin allerdings, wie betont, nur das Unternehmen zu Wort kommt

Polizei schiesst auf streikende Bergarbeiter im Süden PolensDie Auseinandersetzungen um die Zechenschliessungen und die daraus folgenden Streiks und Proteste sowie die Regierungsversuche zur Repression werden immer heftiger: Martialische Polizeigroßaufgebote gehen immer brutaler vor und scheuen sich auch nicht zu schiessen. Nun, da ein Gericht den Streik der Bergarbeiter für „illegal“ erklärt hat – entgegen der demokratischen Grundparole „Kein Streik ist illegal“ – werden dementsprechend noch weitergehende Befürchtungen laut. Der „Appell der polnischen Bergarbeiter: Schießt nicht auf Arbeiter! Missbraucht nicht staatliche Institutionen gegen Streikende!“ vom 12. Februar 2015   ist von Bogusław Ziętek, dem Vorsitzenden des Freien Gewerkschaftsverbandes „August 80“ unterzeichnet und ruft zu Solidaritätsadressen (inklusive Link) europaweit auf. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Reifen brennen auf den Straßen: Polnische Bergarbeiter wehren sich weiterZu heftigen Zusammenstößen zwischen streikenden Bergarbeitern und der Polizei sei es am Montag in Jastrzębie gekommen, berichtet in dem redaktionellen Beitrag „Strike at JSW coal company gets violent“ am 10. Februar 2015 The Warsaw Voice externer Link . Im weiteren wird in dem Beitrag davon berichtet, die Gewerkschaften hätten vergangenen Freitag bereits Konzession an den Forderungskatalog des Unternehmens gemacht, was „Kosteneinsparungen“ beträfe. Seit dem 28. Januar streiken die Beschäftigten des zweitgrössten Kohleunternehmens Polens sowohl gegen die Entlassung von Teilnehmer an Solidaritätsstreiks in den Wochen vorher, als auch gegen die Einführung der 6 Tage Woche und die Bindungs von Prämien ans Betriebsergebnis des Unternehmens

Seit dem 28. Januar streiken die Kumpel von Jastrzebska Spólka Weglowa in Polen„Farmers protest, miners strike, gov’t under pressure“ lautet die Überschrift der Meldung bei Warsaw Voice am 03. Februar 2015 externer Link , worin gleichzeitig über den erneuten Streik polnischer Bergarbeiter – seit Montag 2. Februar erweitert – und Protesten von Bauern berichtet wird – und gewertet wird, die polnische Regierung befinde sich unter Druck. Während im Osten des Landes Hunderte Bauern Straßenblockaden organisierten, streiken polnische Bergarbeiter seit letzte Woche und zunehmend mehr erneut seit diesem Montag und blockierten im Süden Schlesiens ebenfalls Straßen, gemeinsam mit AktivistInnen sozialer Bewegungen. Siehe dazu auch weitere Berichte und Hintergründe:

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Streikerfolg der polnischen BergarbeiterIn einem Interview mit Boguslaw Zietek, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Serpien 80 „Polonia: Victoria de los mineros, derrota gubernamental“ gibt Jan Malewski, hier am 26. Januar 2015 in spanischer Übersetzung bei Viento Sur externer Link dessen Einschätzung über den Streik der polniscghen Bergarbeiter Mitte Januar wieder – ein Sieg der Bergarbeiter, eine Niederlage der Regierung. Als Grund für seine Einschätzung nennt er vor allem die Mobilisierung der Bergarbeiter selbst – entgegen aller Spaltungsversuche der Regierung – und die breite Unterstützung sowohl innerhalb der Gewerkschaften als auch in der Gesellschaft überhaupt

Seit dem 28. Januar streiken die Kumpel von Jastrzebska Spólka Weglowa in PolenSeit dem 28. Januar streiken die Kumpel von Jastrzebska Spólka Weglowa, was in einer Urabstimmung an der sich 19.000 Bergleute (70% der Belegschaft) beteiligten mit 98% beschlossen worden war. Ein Streik der sich vor allem gegen das Vorgehen gegen Gewerkschafter richtet, die sich an den Solidaritätsaktionen mit dem Streik Mitte Januar richtet. Dies und weitere Hintergründe sowie eine Einschätzung des dort getroffenen Abkommens (als Erfolg der Regierung) in „Conflict in Polish mining industry escalates“ von Mateusz Trzeciak am 28. Januar 2015 in Political Critique externer Link worin auch noch über das Zustandekommen der Regierungsstrategie informiert wird

Dossier

Polnische Bergarbeiter (blockieren Eisenbahn)Kompania Weglowa beschäftigte vor 10 Jahren bei der Gründung als AG rund 65.000 Menschen – heute sind es etwa noch 47.000. Jetzt sollen von den 14 Zechen gleich vier geschlossen werden und die zehn anderen an andere Unternehmen abgegeben – eine langandauernde Absatzkrise, die durch die stark gefallenen Ölpreise weiter verschärft wurde. Der nach eigenen Angaben größte Kohleförderer Europas bzw die polnische Regierung haben offensichtlich nur ein Problem: Dass die Belegschaften ihren Beteuerungen, es würden nur wenige entlassen und die unter sozialen Bedingungen, die erträglich sind nicht glauben: Sonst würden sie kaum so entschieden sich zur Wehr setzen, wie sie es seit Donnerstag letzter Woche tun. Tausende sind „unten geblieben“ viele andere blockieren Eisenbahnen in Schlesien. Der Bericht „La grève des mineurs se durcit en Pologne“ von RFI am 13. Januar 2015 (hier dokumentiert bei SO) externer Link macht die Vielfalt der Kampfformen ebenso deutlich, wie die bisher zurückhaltenden Reaktionen der Regierung – die Premierminsiterin ist am 12. Januar zu Gesprächen mit den Gewerkschaften nach Katowice gereist – währenddessen haben neben den vier betroffenen Zechen inzwischen die Belegschaften von vier weiteren Zechen den Streik organisiert. Siehe dazu:

  • Nach dem Bergarbeiterstreik: Ein Erfolg der Einheit der polnischen Gewerkschaftsbewegung
    Bergarbeiterstreik im Januar 2015 in PolenWie auch immer das genaue Ergebnis des Bergarbeiterstreiks im Januar 2015 aussehen mag und bewertet werden wird: Erst einmal steht die Regierung Polens als Verlierer da. Gegenüber den Bergleuten, die die beschlossene Schliessung einstweilen verhindert haben – und gegenüber der polnischen Gewerkschaftsbewegung, die zum ersten Mal seit langer Zeit einen Erfolg verbuchen konnten. Denn: Es war nicht nur der Streik der vier Zechen von Kompania Weglowa – so begann es, dass die unmittelbar Betroffenen streikten. Dann waren es 8, dann 12, am Ende alle 14 Zechen des Unternehmens. Und dann auch noch die Tatsachen, dass in Bytom eine Demonstration für die Forderungen der Bergleute stattfand, an der sich über 10.000 Menschen beteiligten, von denen maximal ein Drittel Bergleute sein konnten, dass in Befragungen 68,5% aller PolinInnen sich für den Streik und seine Ziele aussprachen, dass Bürgermeister und Stadträte Petitionen an die Zentralregierung gegen die Schliessung verfassten, und vor allen Dingen: dass alle Gewerkschaften der Region öffentlich beschlossen hatten, ebenfalls in den Streik zu treten, war eine Demonstration der Einigkeit an der die neoliberale Politik der Regierung erst einmal gescheitert ist – so legt es der Artikel „The Spectre of the General Strike over Poland’s Coal Mining Industry“ von Mateusz Trzeciak und Michał Maleszka am 16. Januar 2015 in Political Critique externer Link nahe, worin auch noch berichtet wird, welche Herrschaften denn gerne ein paar Zechen aufkaufen würden. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Der kurze Bericht 200 Polish miners occupy company headquarters am 17. November 2014 bei IndustriAll externer Link handelt von der geplanten Auflösung der Kompania Weglowa S.A. – mit 46.000 Beschäftigten – und dem Widerstand dagegen, der sich eben – unter vielem anderen – auch in der Besetzung der Verwaltungszentrale ausdrückt