Philippinen

Facebook: "Freunde" in und als GefahrWer sorgt dafür, dass Gewaltvideos und Pornobilder von Facebook und anderen Plattformen verschwinden? Oft sogenannte „Commercial-Content-Moderatoren“ – die digitale Müllabfuhr arbeitet etwa von Manila aus. Doch die Billigzensoren leiden.
Gewalt, Pornos und Perversion – auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken sieht der normale Nutzer davon meist nichts. Algorithmen können aber oft nicht unterscheiden, welche Bilder oder Videos gerade noch tolerierbar sind und welche nicht. Das übernehmen Menschen. Acht Stunden täglich müssen sogenannte Content-Manager, die oft von den Philippinen aus arbeiten, sich durch teils verstörende Inhalte kämpfen, wie der Theaterregisseur Moritz Riesewieck aufgedeckt hat. Die jungen Arbeiter in Manila leiden. Oft erkranken die Content-Manager an Paranoia, Depressionen oder Impotenz, wie Riesewieck im Rahmen einer szenischen Lesung bei der Heinrich-Böll-Stiftung erzählt hat. Mittlerweile soll es sich eingebürgert haben, die Mitarbeiter nach zwei Jahren zu entlassen, um möglichen Zusammenbrüchen vorzubeugen. In der kommenden Woche wird Riesewieck die Ergebnisse seiner Recherchen auch auf der re:publica vorstellen
…” Artikel von Jörn Brien vom 29.04.2016 bei t3n externer Link. Siehe dazu: (weiterlesen »)

Solimarsch auf Manila 15.4.2016Der Polizeimord an demonstrierenden Bauern in Kidapawan Anfang April bewegt die öffentliche Meinung auf den Philippinen zunehmend mehr – trotz der anstehenden Präsidentschaftswahl. Zumal die ähnlichen Proteste von Bäuerinnen und Bauern und LandbewohnerInnen, die von der Trockenheit zum Hungern gezwungen werden, sich weiter ausbreiten. Neben Versprechungen aller Art ist die Reaktion der Regierung aber stets auch, möglichst irgendwelche Verdächtigungen über Verbindungen der Landbevölkerung zum „Terrorismus“ (also zu maoistisch orientierten Gruppierungen) in die Welt zu setzen. Dazu und wie das Problem der Trockenheit zustande kam, folgende Beiträge: (weiterlesen »)

Plakat des Gewerkschaftsbundes KMU zur Verantwortung der regierung der Philippinen am Bauernmod am 1.4.2016Am heutigen Freitag (8.4.16) finden in zahlreichen Städten Protest – Demonstrationen statt, die die Freiheit der seit dem Polizeiüberfall auf demonstrierende Bauern vor einer Woche in einer Sporthalle gefangen gehaltenen Opfer der uniformierten Schlägerbanden fordern. Auch zahlreiche Organisationen aus anderen gesellschaftlichen Bereichen beteiligen sich daran, wie auch viele Prominente des Landes und in vielen Städten rund um die Welt die migrantische Community. In dem Bericht „Protests mark week since Kidapawan violence“ am 08. April 2016 bei Interaksyon externer Link wird hervorgehoben, dass einerseits viele der festgehaltenen Menschen (darunter auch schwangere Frauen) mit der Polizei mitgegangen waren, weil ihnen gesagt wurde, sie würden nach Hause gebracht. Und andererseits versucht die Polizei wieder einmal, die Sache umzudrehen und will gegen zwei der Inhaftierten Anklagen wegen versuchten Mordes erhoben sehen. Die beiden Männer, 72 und 66 Jahre alt, wurden ins Gefängnis überführt. Siehe dazu auch weitere aktuelle Beiträge – auch zu weiteren Gewalttaten gegen soziale Proteste und Arbeitskämpfe (weiterlesen »)

Plakat des Gewerkschaftsbundes KMU zur Verantwortung der regierung der Philippinen am Bauernmod am 1.4.2016Kidapawan ist eine Stadt in der Provinz Nord-Cotabato – eine Gegend, die besonders in den letzten Jahren unter Naturgewalten zu leiden hatte – jetzt ist es Trockenheit. Die Gouverneurin versprach notleidenden Familien einen Sack Reis – den sie nicht zu sehen bekamen, weswegen sie sich zum Protest auf einer Straße versammelten, die somit blockiert war. Mit einer Methodistenkirche als Zentrum der Organisierung. Der massive Polizeieinsatz, den es statt der versprochenen Nahrung gab, stieß seinerseits auf massiven Widerstand – bis die Polizei das Feuer eröffnete und (mindestens) drei Menschen tötete, Schwerverletzte gibt es auch noch: „Die Opferzahlen des Polizeiangriffs auf demonstrierende Bauern ist höher als zuerst gemeldet. Es sind drei Leute erschossen worden, insgesamt 116 wurden verletzt. Mindestens 78 Bauern (45 Männer, 33 Frauen) sind festgenommen worden. Die Polizei “vermutet”, dass “militante Aktivisten” hinter der Aktion stehen und hat zu diesem Zweck das Kirchengelände durchsucht, auf dem die Bauern Zuflucht gefunden haben. Waffen oder andere Beweise wurden aber nicht gefunden. Der Strom zum Kirchenanwesen wurde abgestellt. Heute blockierte die Polizei in Kidapawan 300 andere Bauern, die Reis (der ihnen versprochen war) abholen wollten“ so die Kurzmeldung „Kugeln statt Reis“ am 01. April 2016 bei Asien Aktuell externer Link (die auch schon vorher berichtet hatten). Siehe dazu auch vier weitere aktuelle Beiträge, darunter sowohl gewerkschaftliche Stellungnahmen, als auch ein Dokumentationsvideo: (weiterlesen »)

Nachts im Callcenter: Out of the dark

Please hold the line - Call Center FantasienWenn die Amerikaner aufstehen, geht man auf den Philippinen schlafen. Manche aber sitzen im Callcenter und sagen: „Welcome“. (…) Zahlreiche US-Firmen lagern ihre Call Center nach Asien aus, der Kosten wegen. Angie Rodriguez etwa verdient 370 Euro im Monat. Zunächst befanden sich die meisten Call Center in Indien. Seit einiger Zeit aber sind die Philippinen weltweit die Nummer eins. Etwa eine Million Menschen arbeiten in der Branche. Die Philippinen sind hervorragend geeignet, Telefondienstleistungen für US-Firmen zu übernehmen, ein regelrechtes Outsourcing-Paradies, wie manche sagen. Denn es gibt viele motivierte junge Filipinos, die vergleichsweise gut ausgebildet sind. Sie können sich hervorragend auf Englisch ausdrücken…” Artikel von Malte E. Kollenberg vom 26.12.2015 in der taz online externer Link

Angehörige der toten Kentexarbeiter am 20. Juli 2015 vor dem Ombudsmann für Arbeitsfragen - sie fordern HandlungenZwei angebliche Unfälle innerhalb weniger als zwei Monaten fordern 21 Menschenleben – weil die Arbeitssicherheit bei der Modernisierung des Kapitalismus auf den Philippinen genauso behandelt wird, wie überall auf der Welt: Stört die Profitmacherei. Der Kern der Sache wird von Angehörigen der Todesopfer und Gewerkschaften auf den Punkt gebracht: Die von jedem Reaktionär dieser Welt so heißgeliebte Flexibilisierung, sprich: Kontraktarbeit. Die Pressemitteiliung “Kentex fire shows contractualization rules should be junked” des Gewerkschaftsbundes KMU bereits vom 25. Juni 2015 externer Link – also kurz nach der Brandkatastrophe bei der Schuhfabrik Kentex, die 12 Todesopfer forderte – unterstreicht, dass die Grundforderung der militanten Gewerkschaft die Abschaffung des Subunternehmen-Wesens ist, das für die ArbeiterInnen weltweit tödlich sei. Siehe dazu auch weitere Berichte, auch über Proteste: (weiterlesen »)

Antonio Petalcorin - ermordet am 2. Juli 2013Am Morgen des 2. Juli 2013 wurde der philippinische Gewerkschaftsführer Antonio Petalcorin von einem unbekannten Täter erschossen. Er war auf dem Weg zu seiner Arbeit, als ihn drei Schüsse vor seiner Haustür trafen. Jede Hilfe kam zu spät, er verblutete noch am Tatort. Er starb mit 56 Jahren und hinterließ Frau und Kinder. Es war bereits der dritte Anschlag auf Gewerkschaftsaktivisten, die in Davao im Süden der Philippinen auf der Insel Mindanao für Aufruhr sorgten. Im Januar 2013 wurde Emilio Rivera Opfer eines Anschlags. Im April konnte Toto Cirilo knapp zwei Anschlägen entrinnen; bis heute lebt er aus Angst versteckt unter Polizeischutz. Alle drei Männer waren engagierte Gewerkschaftsaktivisten in Davao City und kämpften gegen Korruption und faire Arbeitsbedingungen im Transportsektor” – so beginnt der Beitrag “2. Juli 2015 – Zum zweiten Todestag des ermordeten Gewerkschaftsführers Antonio „Dodong“ Petalcorin” von Regina Sonk (IPON e.V. – International Peace Observers Network) vom 02. Juli 2015 über den Kampf gegen die Straflosigkeit in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaftsföderation SENTRO: (weiterlesen »)

Sitzstreik der LehrerInnen in ManilaSeit Mai 2014 kämpfen zunehmend mehr LehrerInnen der Philippinen für eine Gehaltserhöhung – nun zum zweiten Mal mit einem landesweiten Sitzstreik mit Schwerpunkt in Manila, organisiert von der Alliance of Concerned Teachers einer gewerkschaftsübergreifenden Koordination. Die 500.000 LehrerInnen im Land sehen vor allem in den präsidialen Haushaltsverfügungen ihren Gegner, diese Planungen sehen für die insgesamt 1,6 Millionen Beschäftigten der Zentralregierung keine Lohnerhöhung vor. Der ausführliche Bericht „Public school teachers hold second sit-down strike“ von ANNE MARXZE D. UMIL am 25. Februar 2015 in Bulatlat externer Link zeichnet die bisherige Geschichte der Auseinandersetzung nach und fasst auch die reaktionäre Politik der Regierung zusammen. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Auch auf den Philippinen: Kampf um MindestlohnSeit Ende letzten Jahres hat sich aus verschiedenen Gewerkschaften und betrieblichen Gruppierungen ein Komitee „All Workers Unity“ gebildet, das sich den Kampf um die (faktische) Wiedereinführung des Mindestlohns zum Ziel gesetzt hat. Der Mindestlohn wurde in den letzten 25 Jahren durch seine Aufspaltung in zahlreiche regionale und branchenmäßige Gruppierungen faktisch abgeschafft oder zumindest ausgehebelt und ausgehöhlt – und gerade zur Jahreswende wird dies spürbar: Nahezu alle Grundversorgungsbestandteile sind mit dem Jahreswechsel teuerer geworden, weshalb das Komitee nun auch wesentlich stärker wird. Der Artikel „P16,000 minimum wage urged to avert more hunger, deprivation“ von Marya Salamat am 08. Januar 2015 bei Bulatlat  externer Link berichtet von einigen dieser Aktivitäten und lässt AktivistInnen zu Wort kommen

Philippinische WanderarbeiterinnenEin Film über Frauen, die in Hongkong und Malaysia, in Sri Lanka, Taiwan, Brunei und Namibia waren. Zuletzt haben sie in einer Textilfabrik in Sibiu, Rumänien gearbeitet. Ihre Hoffnung, in Europa Fuß zu fassen, war groß. Doch schon nach kurzer Zeit standen sie vor einer Entscheidung: Bleiben oder Gehen. Video bei labournet.tv externer Link (English mit dt.ut. | 4 min | 2014). labournet.tv zeigt hier die ersten 4 Minuten des Films, Berlin-Premiere ist am Samstag, 17. Januar 2015, 14:30 Uhr, im fsk – kino am oranienplatz, Segitzdamm 2, 10969 berlin

Wyeth (Nestlé): Beschäftigte wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit entlassenDer Fettmachfabrikant aus der Schweiz ist ja nicht nur in Kolumbien schon lange als ein Unternehmen aufgefallen, das vor nichts zurückschreckt um nicht von Gewerkschaften beim Profitmachen gestört zu werden. Wyeth ist eine Tochterfirma dieses Unternehmens und hat 87 Beschäftigte wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit entlassen, weil die darum kämpften, wie so viele Menschen in Asien, festangestellt zu werden – entlassen, wie das vor ihm schon so manche schräge global players getan haben, nur: Der Gewerkschaftsbund KMU, dem die 87 angehören ist nicht eben eine Vereinigung, die dann mal irgendwie darüber verhandelt – es gibt eine massive Kampagne Reinstate & Regularize Wyeth 87 seit dem 01. Dezember 2014 bei facebook externer Link zu verfolgen – und solidarisch zu beteiligen

Rolando Pango: Neuer Mord auf Zuckerplantage in Philippinen Rolando Pango wurde am 29. November erschossen. Er war gerade dabei, auf der Hacienda von Manuel Lamata, dem Vorsitzenden des Unternehmerverbandes  United Sugar Producers Federation of the Philippines zu organisieren… Mit dem Aufruf Philippines sugar organizer murdered am 09. Dezember 2014 fordert die IUF externer Link dazu auf, gemensam mit ihr eine rasche Aufklärung zu fordern

10 Jahre Massaker von LuisitaMitte November 2004 wurden auf der Hacienda Luisita 7 Aktivisten der Landreform-Bewegung ermordet – und in den darauf folgenden Auseinandersetzungen auch noch ein Gewerkschaftsvorsitzender, ein Menschenrechtsanwalt und zwei weitere Aktivisten. Bis heute gab es keinen Prozess, keine wirkliche Untersuchung (siehe dazu auch eine Reihe von Berichten im LabourNet Archiv). Jetzt, zum 10. Jahrestag des Massakers von Luisita gab es ein große Gedenkveranstaltung, in der die RednerInnen die Straflosigkeit kritisierten: Der Clan der Conjuangcos, der das Land für sich beansprucht ist für seine mehr als rüden Methoden bekannt  – und aufs Engste verbunden mit Präsident Aquino, worin allgemein der Grund für die Straflosigkeit gesehen wurde. Der Bericht From Mendiola to Luisita – Farm workers, supporters commemorate Hacienda Luisita massacre von ANNE MARXZE D. UMIL am 17. November 2014 in Bulatlat externer Link unterstreicht, dass die Veranstaltunga auch dazu diente, öffentlich zu machen, dass der Kampf um Landreform trotz allem weitergehe

Am 26. September unterzeichneten Betriebsgewerkschaft und Betriebsleitung einen Tarifvertrag – der auch die Wiedereinstellung der 24 entlassenen GewerkschafterInnen umfasst, wie auch reale Verbesserungen des Einkommens. Ein Erfolg des Kampfes der Belegschaft und der breiten internationalen Solidarität, wird in der Pressemitteilung A victory of unity and collective action externer Link vom 30. September 2014 des Gewerkschaftsbundes Kilosang Mayo Uno (KMU) betont

philippinen npx24So der Titel des zweiten globalen Aktionstages am 2. Juli in Solidarität mit den wegen Gewerkschaftsaktivitäten entlassenen 24 bei holländischen Halbleiterfabrikant NXP. Der Videofilm dazu Bring Back NXP 24 externer Link (Global Day of Action – July 2, 2014) wurde am 15. Juni 2014 von der KMU bei youtube eingestellt

Siehe dazu auch:

  • Gewerkschafter entlassen
    Für ihren Kampf gegen Union busting wollen Arbeiter auf den Philippinen mit Internetkampagnen die Nutzer der Produkte, die sie herstellen, gewinnen. Artikel von Claudia Wrobel in der jungen Welt vom 15.07.2014 externer Link Aus dem Text: „(…) Der Gewerkschaftsbund wirft dem Management der NXP in Cabuyao auf den Philippinen vor, daß sie mit gezielten Maßnahmen Gewerkschafter und Arbeiter, die sich für Verbesserungen einsetzen, einschüchtern. Dieses Verhalten wird Union busting genannt. Momentan setzen sich die Arbeiter vor Ort für die Erneuerung einer tariflichen Absicherung ein, die im Dezember 2013 ausgelaufen ist. Eine der Kernforderungen der Arbeiter ist die Regulierung der Zeitarbeitsverträge. Nach Angaben der Gewerkschaft haben einige Arbeiter über zwei Jahre lang nur aufeinanderfolgende, befristete Verträge erhalten. NXP betreibt seine Firma mit über 5000 Beschäftigten in Cabuyao in einer Sonderwirtschaftszone. Auf den Philippinen sind diese nach Angaben von Industriall bekannt für das aggressive Vorgehen gegen gewerkschaftliche Organisierung. Außerdem sollen die dort ansässigen Unternehmen die Belegschaft spalten und die Organisation erschweren, indem sie in einem hohen Maße Subunternehmen gründen und Beschäftigte so auslagern…(weiterlesen »)