Arbeitskämpfe

norwegen_fischkonzernbelegschaftNach 35 Streiktagen im letzten Herbst hat Norse Production endlich einen Tarifvertrag für den fischverarbeitenden Sektor unterschrieben. Norse Production war ein Subunternehmen von Sekkingstad AS, einem großen Unternehmen, das Lachs an mehr als 100 Einzelhändler und weiterverarbeitende Firmen in der ganzen Welt verkauft. Der Umsatz des Unternehmens belief sich 2017 auf über zwei Milliarden Norwegische Kronen (0,21 Milliarden EUR).  Dann haben die Besitzer von Norse Produktion Insolvenz angemeldet. Wenige Tage später hat Sekkingstad AS ein neues Subunternehmen gegründet, Sund Laksepakkeri, am gleichen Ort und mit fast exakt dem selben Management. Keine*r der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten von Norse Production wurde in der neuen Firma eingestellt, und der Tarifvertrag ist vom Tisch. Die Insolvenz von Norse Production und die Gründung eines neuen Unternehmens waren geplante Aktionen von Sekkingstad AS um die organisierten Beschäftigten und den Tarifvertrag loszuwerden. Das ist union busting und wir können das nicht akzeptieren. Senden Sie Ihren Protest an die Besitzer und Manager von Sekkingstad und Sund Laksepakkeri“ – so der Solidaritätsaufruf „Sekkingstad und Sund, stoppt das union busting!“ seit dem 08. Juli 2018 bei Labourstart externer Link, wo diese Kampagne gemeinsam mit der norwegischen Nahrungsmittelgewerkschaft NNN und der IUF-Föderation geführt wird, eine Petition, die in zwei Tagen von rund 6.500 Menschen unterzeichnet wurde…

Seit dem 8.9.2017 im streik: Polnische und litauische Arbeiter in Norwegen FischindustrieSekkingstad AS ist die Muttergesellschaft der Norse Production, die seit dem 08. September 2017 von den rund 120 Beschäftigten bestreikt wird. Die zumeist aus Polen und Litauen stammenden Beschäftigten sind in der Nahrungsmittelgewerkschaft NNN organisiert – wenn sie sich denn trauen, denn das Unternehmen hat verschiedentlich mit Entlassung bedroht, wer sich gewerkschaftlich organisiert. Die Belegschaft, die etwa Arbeitszeiten hat wie fünf Wochen am Stück arbeiten und dann drei Wochen frei, fordert einen Tarifvertrag zur Regelung dieser Bedingungen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben Norwegens. In der Meldung „NNN on strike for rights and recognition at fish processor Norse Production“ am 25. September 2017 bei der IUF externer Link wird darüber informiert, dass das Unternehmen sich auch geweigert habe, Schlichtungsergebnisse zu akzeptieren. Andere Gewerkschaften haben sich an Solidaritätsaktionen beteiligt, auch weil es bei dieser Auseinandersetzung um das grundsätzliche Verhalten gegenüber Migranten in der Arbeitswelt handelt.

flieger norwegianNach 11 Tagen wurde der Pilotenstreik in Norwegen am Dienstag den 10. März beendet – auch wenn am Mittwoch noch über 160 Flüge ausfielen, weil nach dem Vollstreik Zeit gebraucht wurde. Der Plan der Fluggesellschaften, allen voran der norwegischen Billigfluglinie Norwegian Air Shuttle, ein Konzept – auch in der BRD bekannt – mit billigeren Piloten durchzusetzen ist erst einmal gescheitert, mindestens auf 2017 verschoben, so die Meldung “Norwegian cancels 160 flights despite strike deal” am 11. März 2015 bei The Local Norge externer Link in der auch deutlich wird, dass es sowohl die überraschend grosse Solidarität keineswegs nur in Norwegen, als auch der Druck der vielen gestrandeten Passagiere war, die das Unternehmen zum Einlenken zwangen – noch am 7. Streiktag hatten sie den streikenden Piloten ein Ultimatum gestellt, das grandios scheiterte. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Schon vor den Sommerferien hatten die Lehrer und Lehrerinnen der Schulbezirke ausserhalb Oslos (die Hauptstadt ist ein eigener Bezirk und dort gab es auch keine Mehrheit für einen Streik) beschlossen, in den Streik zu treten, der nun seit Schulbeginn am 18. August zuerst auf 5.500 und seit Mitte letzter Woche auf 7.700 streikende LehrerInnen an 201 Schulen ausgeweitet wurde. Sie wehren sich gegen eine Offensive der regionalen und lokalen Schulbehörden, die festlegen wollen, dass alle LehrerInnen täglich 7,5 Stunden an der Schule zu sein haben: Die pädagogische Wahnsinnstat würde bedeuten, dass in Lehrerzimmern korrigiert werden müsste und ähnliche Errungenschaften. Teacher strike continues; 100 000 students affected externer Link ist der redaktionelle Kurzbericht über das Scheitern eines Schlichtungsversuchs und die Fortsetzung des Streiks am 24. August 2014 in der Norway Post

“Mit einer Zwangsschlichtung hat Norwegens Regierung in letzter Minute die drohende Blockade der Gas- und Ölförderung durch einen Arbeitskampf gestoppt. Norwegen ist nach Russland der zweitwichtigste Lieferant von Erdgas nach Europa.” Meldung in der FAZ vom 10.07.2012 externer Link. Siehe zu den Hintergründen:

  • Streik in Norwegen: Statoil will den Ölhahn zudrehen
    Auf den norwegischen Bohrplattformen streiken die Arbeiter, die Verhandlungen mit den Arbeitgebern sind gescheitert. Sie drohen damit im Gegenzug, per Ausperrung die komplette Förderung lahmzulegen. Artikel von Kathrin Werner und Frank Bremser in der FTD vom 06.07.2012 externer Link. Aus dem Text: “(.) Der Verband der norwegischen Ölindustrie (OLF), dem Statoil angehört, hat angekündigt, die Mitglieder verschiedener Gewerkschaften ab Montagnacht von der Arbeit auf den Offshore-Plattformen auszusperren. Der Drohung war ein zwölftägiger Verhandlungsmarathon mit den Gewerkschaften vorausgegangen. Um Druck auf die Gewerkschaften Industri Energi, die Organisation der Energiemitarbeiter (SAFE) and die Norwegian Organisation of Managers and Executives (Lederne) auszuüben, will OLF als Gegenmaßnahme zum Streik die Gewerkschaftsmitglieder nicht mehr zu ihren Arbeitsstätten lassen. “Jetzt ist es Sache der Gewerkschaften, darauf zu reagieren”, sagte ein Statoil-Sprecher.