Kirgisistan

gold_kirgisistanBeinahe 400 der 600 Beschäftigten des chinesischen Full Gold Mining Gold-Bergwerkes sollten auf einen Schlag entlassen werden, weil sie einen „Sparplan“ des Unternehmens (auf ihre Kosten, versteht sich) nicht hinnehmen wollten. (Siehe dazu den Verweis auf unseren ersten Bericht am Ende dieses Beitrages). 400 von 600 bedeutet im Prinzip: Alle fest angestellten Bergarbeiter. Denn die restlichen 200 Beschäftigten sind Zeitarbeiter und „Sicherheitskräfte“. Nachdem die Belegschaft begann, Protest zu organisieren, konnte die Mining and Metallurgical Trade Union of Kyrgyzstan (MMTUK) in Verhandlungen mit dem Unternehmen die Entlassungen verhindern. In dem Artikel „370 Kyrgyz miners reinstated after mass layoffs“ am 17. Januar 2018 bei IndustriAll externer Link wird dazu unterstrichen, dass nicht nur die Entlassungen zurück genommen wurden, sondern auch die „Sparmaßnahmen“ auf Kosten der Belegschaft gestrichen wurden. Siehe zum Hintergrund unseren ersten Beitrag zum Thema: (weiterlesen »)

gold_kirgisistanIshtamberdi heißt die Goldmine in der Region Jalal Abad an der westlichen Grenze zu Usbekistan, die seit 2011 von einer chinesischen Gesellschaft betrieben wird. Gold ist ein wesentlicher Faktor der kirgisischen Wirtschaft – die etwa 250 Minen im Lande bedeuten einen wesentlichen Teil der Exporterlöse, grob 50%. Zumeist werden diese Minen – die größeren jedenfalls – in Gemeinschaft mit ausländischen Unternehmen betrieben, oder gehören ihnen zur Gänze. So war etwa die Goldmine von Kumtor, in kanadischem Besitz (Centerra), immer wieder Schauplatz von Streiks und Protesten der Belegschaft. Die Full Gold Mining aus der VR China hat eine 20jährige Lizenz für Ishtamberdi erworben und sich nun mit einem Schlag „berühmter“ gemacht, als alle anderen ausländischen Investoren: Sie hat knapp 400 Bergarbeiter entlassen. Der Grund: Sie wollten die ihnen vorgelegten neuen Arbeitsverträge nicht unterschreiben – ihre bisherigen Zeitverträge (deren Legalität fraglich ist) endeten am 31.12. Mit diesen neuen Verträgen sollte das Einsparprogramm des Unternehmens umgesetzt werden. Lohnsenkungen um ein Drittel und Kürzungen bei den Prämien (insbesondere für Berufserfahrung) waren die beiden wesentlichen Diktate, die die Bergarbeiter nicht hinnehmen wollten. Natürlich wird die Erpressung begründet: Mit der schlechten Gewinnsituation des Unternehmens. Problem für das Unternehmen: Insbesondere die Kürzung der Prämien  verstößt gegen das Gesetz. Siehe zur Auseinandersetzung um die Goldmine zwei aktuelle Beiträge und zwei Hintergrundbeiträge zur Bedeutung der Goldförderung in der kirgisischen Wirtschaft: (weiterlesen »)

Frauendemonstration in der kirgisischen Haupstadt März 2017Die Folgen der neoliberalen Schocktherapie für die kirgisische Wirtschaft und den Staatshaushalt des zentralasiatischen Landes sprechen für sich. 1996 hatte Kirgisistan die zweithöchste Pro-Kopf-Schulden-Rate aller post-sowjetischen Staaten. Die Schulden beliefen sich bereits im ersten Jahrzehnt der Unabhängigkeit auf mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Bereits im Jahr 2002 nahm die kirgisische Regierung  Verhandlungen mit dem Pariser Club zur Schuldentilgung auf  und Experten schätzten ein, dass das Land in die Kategorie der Hochverschuldeten armen Länder (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC) fiel. Die wirtschaftsliberale Politik von Akajew  führte unter anderem dazu, dass das Land nach 15 Jahren Unabhängigkeit die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller zentralasiatischen Staaten vorwies. Diese Auswirkungen hatten jedoch weiterhin nicht die Folge, dass auf eine andere Politik umgeschwenkt worden wäre“ – aus dem Abschnitt zur kirgisischen Wirtschaft in dem Beitrag „Kirgisistan und Tadschikistan – Konflikte und Konfliktpotenziale in der zentralasiatischen post-sowjetischen Peripherie von David X. Noack, die IMI-Studie Nummer 14/2017 von 07. November 2017 externer Link die für beide Staaten wichtige Grundinformationen zusammen fasst. Unter anderem auch zur wirtschaftlichen Bedeutung einer einzigen riesigen Goldmine im Lande – und zum wenig segensreichen Wirken bundesdeutscher Akteure in dem zentralasiatischen Staat.