Arbeitskämpfe

Kasachische Bergarbeiter besetzen Arcelor Zeche am 11.12.17Als im Dezember 2017 nach vier Tagen die Besetzung einer Zeche von Arcelor Mittal nach der Zusage einer Lohnerhöhung von 30% für Beschäftigte unter Tage beendet wurde – und der weiteren Zusage, auch den sonstigen Beschäftigten die Löhne zu erhöhen – war es Bestandteil der Vereinbarungen, dass das Unternehmen keine Schritte gegen die Streikenden unternehmen werde. Was sogar den kasachischen Behörden schriftlich zugesichert wurde. Das Versprechen des Unternehmens erwies sich aber nahezu sofort als leer. So wurden Zeitarbeiter, die sich an Streik und Besetzung beteiligt hatten, nach Ablauf ihrer Verträge zum Jahresende schlicht nicht weiter beschäftigt. Jetzt wurden zwei Gewerkschaften, die im Betrieb organisiert sind und eine Angehörigen-Organisation mit juristischen Klagen des Unternehmens überzogen. In dem Beitrag „ArcelorMittal prosecutes Kazakh unions after underground protest“ am 09. Februar 2018 bei IndustriAll externer Link wird unterstrichen, dass dieses Vorgehen für die betroffenen Gewerkschafter völlig überraschend gekommen sei, indem sie gerichtliche Vorladungen zum 13. Februar 2018 zugestellt bekamen, nachdem sie das Unternehmen angezeigt hatte, weil sie die Streikenden zur Fortsetzung ihrer Besetzung mobilisiert hätten. Die Internationale Föderation, der eine der beiden Betriebsgewerkschaften angehört, fordert die sofortige Beendigung dieser Angriffe des Unternehmens auf grundlegende gewerkschaftliche Rechte und unterstreicht, die Gewerkschaften hätten nichts anderes getan, als ihre Grundaufgaben wahr zu nehmen… Siehe dazu auch den Verweis auf unsere Berichterstattung im Dezember 2017: (weiterlesen »)

Kasachische Bergarbeiter besetzen Arcelor Zeche am 11.12.17Am Freitag, 15. Dezember 2017, verließen die letzten der rund 700 Bergarbeiter, die mehrere Arcelor-Zechen im Bergbaugebiet Karaganda besetzt hielten, die Zechen. Nachdem sie vom Unternehmen die Zusicherung erhalten hatten, einer Lohnerhöhung von 30% ab November zuzustimmen und auf jede Art Repressalien zu verzichten – Arcelor hatte auch juristische Schritte gegen die Besetzung unternommen, die nun offiziell zurückgezogen wurden. In der Meldung „ArcelorMittal Temirtau coal miners raised to surface“ am 16. Dezember 2017 bei IndustriAll externer Link wird der Wiederaufstieg der Besetzer ebenso berichtet, wie die Ergebnisse der Verhandlungen – und es wird an die kasachische Regierung appelliert, wie das Unternehmen auch auf repressive Maßnahmen gegen die Besetzer und den Streik zu verzichten. Siehe dazu auch den Verweis auf unseren ersten Beitrag zur Zechenbesetzung: „Kasachische Bergarbeiter besetzen Zechen von Arcelor“ am 13. Dezember 2017 im LabourNet Germany

Kasachische Bergarbeiter besetzen Arcelor Zeche am 11.12.17ArcelorMittal Temirtau ist ein Komplex in Kasachstan, der 8 Kohlezechen, 4 Eisenerz-Minen und eine Stahlhütte umfasst. Am Montag, 11. Dezember 2017, wurden 4 Kohlezechen von rund 200 Bergarbeitern besetzt: Um ihren Forderungskatalog durchzusetzen, dessen Kern eine Lohnerhöhung um 100% ist. Am Dienstag wurden dann die weiteren Zechen besetzt, an der Aktion beteiligen sich rund 700 Bergarbeiter, unterstützt von Kollegen oben und ihren Familien. Das Unternehmen hatte im September erklärt, es gäbe aktuell Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag, der demnächst unterzeichnet würde – mehr als 2 Monate danach gab es noch kein Ergebnis. Die Stadt Shakhtinsk, in der traditionellen Bergbau-Region Qaraghandy (Karaganda), in deren Umgebung die Kohlezechen liegen,  ist aber auch nicht weit entfernt von der Stadt Zhezqazghan (Jezkazgan), wo vor kurzem die Belegschaft der örtlichen Kupfermine mit einer Besetzungsaktion erfolgreich waren. Im Gegensatz zur blutigen Repression gegen Ölarbeiter hat das Regime der Freunde Berlins bisher nicht versucht, den Streik der Bergarbeiter mit Terror zu brechen. Die bisherigen Auftritte diverser Minister im Fernsehen beschränken sich (bisher?) darauf, über die Sachlage und den Stand der Verhandlungen zu informieren. Zur Besetzungsaktion der kasachischen Zechen zwei aktuelle Beiträge und ein Beitrag zu einem der Streikgründe: (weiterlesen »)

Kasachisches Regime läßt streikende Ölarbeiter von Militär niedermetzelnAm 28. Juli organisierten einige Hundert Ölarbeiter in Zhanaozen einen mehrstündigen Streik, der sich gegen eine – unbezahlte – Reduzierung der Arbeitszeit richtete. Bereits im Mai hatte es auch in anderen Regionen Proteste ähnlicher Art gegeben. Streiks der Ölarbeiter sind, allerspätestens seit dem Streik in Zhanaozen 2011, eine Art Staatsgeheimnis. Und während immer noch jene verfolgt werden, die die Morde der Regierung an den damaligen Streikenden zum Thema machen wollen, sei die verbreitete offizielle Reaktion auf den jetzigen Streik und die Maiproteste die gewesen, sofort Verhandlungen und Gespräche zu suchen. Der Artikel „Kazakhstan: Oil Workers Strike in Zhanaozen“ von Catherine Putz am 29. Juli 2016 in The Diplomat externer Link ist ein Überblick über Berichte zu diesen Entwicklungen, in dem auch nochmals die Bedeutung der Ölindustrie Kasachstans in den 25 Jahren der Unabhängigkeit hervorgehoben wird. Siehe dazu auch zwei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Streiks der Ölarbeiter

Dossier

Noch immer nicht aufgeklärt: Übergriffe auf Ölarbeiter in Kasachstan, Dezember 2011Repressive Gesetze und Menschenrechtsverletzungen durch die Regierung und Ölfirmen verletzen die Arbeiterrechte von Tausenden Arbeitern der boomenden Erdölbranche Kasachstans, diese wehren sich seit Jahren. Siehe dazu neu am 14. Dezember 2015:

  • Auch vier Jahre nach dem Massaker an kasachischen Ölarbeitern: Die Verantwortlichen sind in Amt und Würde…
    Vier Jahre nach (offiziell) 16 ermordeten und 60 verletzten streikenden Ölarbeitern im kasachischen Zhanaozen sind die Verantwortlichen für dieses Verbrechen immer noch in (zumeist: höheren) Ämtern und Würden. Die internationale Kampagne zur Aufklärung der Vorfälle und Solidarität mit den Ölarbeitern nimmt, wie jedes Jahr, auch 2015 am 16. Dezember den Jahrestag zum Anlaß, ihre Aktivitäten zu verstärken. In dem ausführlichen Artikel „Kazakhstan: who ordered the killings and tortures?“ am 13. Dezember 2015 bei People and Nature externer Link werden nicht nur die damaligen Ereignisse und die bisherigen Ergebnisse der Solidaritätsarbeit berichtet, sowie abermals Gerechtigkeit und Freiheit für Inhaftierte gefordert: Es wird auch eine ganz konkrete Liste von 8 Personen veröffentlicht, die zu ihrer Rolle bei dem Verbrechen befragt werden müssten, wenn jemand an einer wirklichen Aufklärung gelegen wäre. Darunter sind auch Exminister und Abgeordnete… Siehe dazu auch einen Beitrag über aktuelle Drohungen der Ölunternehmen gegen Proteste der Beschäftigten:

    • „Kazakhstan: oil companies threaten activists“ ebenfalls am 13. Dezember 2015 bei People and Nature externer Link ist ein Artikel der deutlich macht, dass die ganze Auseinandersetzung um das Massaker von 2011 keineswegs vor allem eine Frage historischer Aufarbeitung und Gerechtigkeit ist (das auch). Ölgesellschaften haben in diesen Tagen ihre Belegschaften vor Protesten zum Jahrestag gewarnt, wofür es zwei Gründe gibt: Zum einen die private Diktatur der Besitzenden, zumn anderen aber, seit Sommer 2015 eine neue Protestbewegung, die sich vor allem gegen diverse Entlassungspläne richtet

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In der Stadt Zhezkazgan in Karaganda versammelten sich seit dem 24. Juni Hunderte von Arbeitern des London basierten Unternehmens KazakMys – das in der Region noch andere Tochterfirmen hat – zusammen mit vielen Anwohnern des Ortes, da die örtliche Kupferchmelze mit rund 1500 Beschäftigten wohl zum 1. September geschlossen werden soll. Sowohl hier als auch in den Nachbarorten sind dies die jeweils wichtigsten Unternehmen und dementsprechend ist die Mobilisierung breit, zumal bereits früher “Verzicht” geleistet wurde. Weder der leitende Manager noch der stellvertretende Bürgermeister gaben den DemonstrantInnen in irgendeiner Weise befriedigende Antworten. Die Situation spannte sich weiter an, als der Vorsitzende der Betriebsgewerkschaft Torekozh Tlemisov faktisch die Aussagen seiner beiden Vorredner wiederholte. Nach langer Debatte beschlossen die protestierenden ArbeiterInnen die weitere Auseinandersetzung in die eigene Hand zu nehmen, wird in dem Bericht “Angry protests erupt in Zhezkazganexterner Link am 27. Juni 2013 bei der Campaign Kazakhstan unterstrichen – und auch eine Mailadresse für Soliadressen angegeben (weiterlesen »)

Ganz besonders interessant im LabourNet Archiv (1997-2012)