Arbeitskämpfe in der Logistik

Landesweiter Logistik-Streik in Italien: 29./30.Oktober 2015Nur wenige Tage, nachdem die italienische Regierung (Begründung: Expo) den Eisenbahn-Streik der Basisgewerkschaften CUB und CAT faktisch verboten hat (LabourNet Germany berichtete und dokumentierte) ruft die Basisgewerkschaft SI Cobas zum Streik im Logistikbereich. Zwei Besonderheiten hat dieser Streikaufruf: Zum einen ist SI Cobas in diesem Bereich durchaus stark organisiert, zum Anderen hat die Gewerkschaftsopposition in der CGIL massiv öffentlich die Unterstützung des Streiks bekundet. Der Beitrag “il sindacato è un’altra cosa sostiene lo sciopero nazionale della logistica il 29/30 Ottobre” vom 25. Oktober 2015 bei den SI Cobas externer Link vermeldet diese Unterstützung, die in der öffentlichen Eindeutigkeit durchaus als Neuerung in der italienischen Gewerkschaftslandschaft bezeichnet werden kann. Siehe dazu neu:

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Streik von ADL Cobas bei italienischer Logistik-Kooperative im Mai 2015Zunächst einmal mag ja die Bezeichnung Kooperativen manchen ganz gut in den Ohren klingen, wozu folgende Erläuetrung eine Aufklärung leistet: “Entlassungen und Wiedereinstellungen zu schlechteren Konditionen und lange Werkvertragsketten sind nicht außergewöhnlich für die italienischen Logistik-Kooperativen, deren Prinzip sich anhand der COMPOSAD gut illustrieren lässt. Denn COMPOSAD, die immerhin Aufträge für Großkunden wie IKEA, die schweizerische MIGROS oder JYSK/Dänisches Bettenlager bearbeitet, stellt die Lagerarbeiter_innen nicht direkt ein, sondern vergibt die eigenen Aufträge per Werkvertrag an die Firma ManHandsWork, die wiederum den Auftrag an ein Konsortium namens ALBATROS vergibt, das mit der Kooperative LSA zusammenarbeitet, die letztlich die Mehrheit der Beschäftigten unter Vertrag nimmt. Zusätzlich kommen Zeitarbeiter_innen tage- bis wochenweise von einer externen Zeitarbeitsfirma. Selbst bei langjähriger Arbeit an einem Ort erhalten die Beschäftigten keinen vertraglichen Arbeitsschutz oder garantierte Entlohnung, da sie ständig entlassen und bestenfalls neu eingestellt werden” – aus dem Beitrag “Eine Frage der Würde” von Sabrina Apicella am 18. August 2015 in analyse&kritik externer Link (Nr 607) worin über Arbeit und Kampf der Basisgewerkschaft ADL Cobas in dieser Branche berichtet wird

Cobas-Streik in BresciaDie SDA, Logistiktochter der Poste Italiane hat den Kooperativen (wie ihre Subunternehmen genannt werden) nach Streiks der Cobas Gewerkschaften grünes Licht gegeben für Betriebsvereinbarungen die eine Reihe Forderungen der Streikenden erfüllen – und ein bisheriges Abkommen mit den traditionellen Gewerkschaften ersetzen. Das Unternehmen selbst aber weigert sich, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil es die Basisgewerkschaften nicht anerkennen will, unter anderem auch weil der traditionell bei der Post führende Gewerkschaftsbund CISL sein Veto dagegen erhoben hat. Dazu der kurze übersetzte Mailbericht “Landesweiter Streik gegen das Logistikunternehmen SDA” vom 25. April 2015. Und weitere aktuelle Berichte und Stellungnahmen, worin auch die Drohung des Unternehmens bekannt wird, auf den § 146 – Streikverbot im Öffentlichen Dienst, zu plädieren: (weiterlesen »)

der italienischen Basisgewerkschaft SI Cobas Roberto Luzzi bekam am 30. März viel Applaus im Streikzelt der Amazon-Beschäftigten in Leipzig. Er hat im Rahmen einer Delegation der italienischen Basisgewerkschaft SI Cobas den Streikenden einen Solidaritätsbesuch abgestattet und Grüße überbracht. Bei einer Veranstaltung und einem Workshop in Berlin berichteten die SI-Cobas-Gewerkschafter, wie sie in den letzten Monaten im italienischen Logistikbereich erfolgreich Beschäftigte organisieren und Tarifverschläge abschließen konnten, die ihnen Lohnerhöhungen und weniger Arbeitshetze garantieren…” Artikel von und bei Peter Nowak vom 10.04.2015 externer Link. Siehe dazu weitere Berichte (weiterlesen »)

ikea KnoodWir fordern zusammen mit den restlichen Kollegen von IKEA-Piacenza die sofortige Wiedereinstellung der 24 gefeuerten Gewerkschaftsmitglieder!“ – so schliesst der Aufruf vom 16. Dezember 2014  zur Kundgebung vor IKEA in Berlin am Freitag, 19. Dezember um 18 Uhr vor IKEA, Sachsendamm 47, wobei es darum geht, dass von den rund 140 Streikenden im April 2014 gerade jene entlassen wurden, die Gewerkschaftsmitglieder sind und sich gegen die ungesetzlichen Arbeitsbedingungen bei Ikea in Italien zur Wehr setzten. Siehe dazu:

Italienische Logistikbeschäftigte kämpfen gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Einige Unternehmen machen Zugeständnisse, doch Ikea entlässt 24 Angestellte. Artikel von Peter Nowak in der Jungle-World vom 31.07.2014  externer Link »Vor zwei Jahren hatte unsere Gewerkschaft in Rom drei Mitglieder. Heute sind es 3 000«, sagt Karim Facchino. Der Lagerarbeiter ist Mitglied der italienischen Basisgewerkschaft S.I. Cobas sieht den rasanten Mitgliederzuwachs als Folge eines Arbeitskampfs, der auf die Selbstorganisation der Beschäftigten vertraut: »Wir haben keine bezahlten Funktionäre, nur einen Koordinator, doch sein Platz ist nicht am Schreibtisch eines Büros, sondern auf der Straße und vor der Fabrik.«…

ikea kill billy„Am 26. Juli 2014 findet ein internationaler Aktionstag gegen IKEA statt, in Berlin wird es eine Kundgebung bei IKEA Tempelhof, Sachsendamm 47 geben. Protestiert wird in Piacenza, Mailand, Bologna und anderen italienischen Städten, sowie in Berlin, und Hamburg. In Berlin und Hamburg wurde bereits am 25. Juni 2014 vor IKEA Filialen protestiert. Der Grund für den Aktionstag ist die Entlassung von 24 gewerkschaftliche aktiven Arbeitern im IKEA Warenlager in Piacenza im Juni 2014.
Die Entlassungen stehen in Zusammenhang mit einem erfolgreichen Arbeitskampf in Piacenza 2012, in dem die Lagerarbeiter die Einhaltung der nationalen Standards, die für die Logistikbranche vorgesehen sind, erzwingen konnten. Die Arbeitsbedingungen für die fast ausschließlich migrantischen Lagerarbeiter waren vor dem Streik durch illegale Praktiken gekennzeichnet, wie falsche Lohnabrechnungen, unbezahlte Überstunden, keine garantierten Arbeitszeiten, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und kein bezahlter Urlaub.
Unmittelbarer Anlass für die Kündigungen war ein spontaner Protest wegen der Suspendierung eines kämpferischen Kollegen im April 2014. Der von der Geschäftsführung angegebene Grund war, der Arbeiter habe Drogen konsumiert, und sei deshalb nicht einsetzbar. Diese Einschätzung wurde später durch eine ärztliche Untersuchung durch das Krankenhaus in Piacenza widerlegt.
Die Lagerarbeiter sind in einer kleinen Basisgewerkschaft S.I.Cobas organisiert und werden von politischen Gruppen in Italien unterstützt. Sie fordern die Wiedereinstellung der 24 entlassenen Arbeiter. Nach ihrem Dafürhalten möchte sich das Unternehmen der 24 allesamt in S.I.Cobas organisierten Mitarbeiter entledigen, um zu den früheren illegalen Geschäftspaktiken zurückkehren zu können, die im Bereich der Lagerarbeiter in Italien üblich sind.
Pressemitteilung von labournet.tv vom 21.07.2014 externer Link. (weiterlesen »)

Dossier

All-out strike and clashes at Ikea plantAm 25.06.2014 haben sich Kolleg_innen in Berlin und Hamburg mit den streikenden Logistikarbeiter_innen in Italien solidarisiert. Seit 2011 kämpfen in Italien die meist migrantischen Arbeiter_innen, die in der Logistikbranche unter erniedrigenden, illegalen Bedingungen ausgebeutet werden, für geregelte Arbeitsverhältnisse, die mindestens dem nationalen Tarifvertrag entsprechen“ – so beginnt der Bericht über die Soliaktionen Solidarität mit den Entlassenen von IKEA externer Link von Peter Nowak am 27. Juni 2014 im Freitag, in dem auch nochmals Hintergründe und bisheriger Verlauf der Auseinandersetzung zusammengefasst werden. Siehe dazu: (weiterlesen »)

sicobas«Vor zwei Jahren hatte unsere Gewerkschaft in Rom drei Mitglieder. Heute sind es dreitausend», erklärt Karim Facchino. Er ist Lagerarbeiter und Mitglied der italienischen Basisgewerkschaft S.I. Cobas. Eine Delegation italienischer Gewerkschafter aus der Logistikbranche und Unterstützern aus der außerparlamentarischen Linken reiste vorige Woche durch Deutschland. Die Gruppe berichtete bei Veranstaltungen in Esslingen, Köln und Berlin über Arbeitskämpfe in der italienischen Logistikbranche, die sich schon über vier Jahre hinziehen und hierzulande bisher kaum bekannt sind. Diese Auseinandersetzungen sind auch der Grund für den rasanten Mitgliederzuwachs der S.I. Cobas, in der sich die Logistikbeschäftigten organisiert haben. «Die Gewerkschaft hat keine bezahlten Funktionäre, nur einen Koordinator, doch sein Platz ist nicht am Schreibtisch eines Büros sondern auf der Straße und vor der Fabrik», sagt Facchino…Artikel von Peter Nowak, zuerst erschienen im Neues Deutschland vom 23.05.2014, auf der Homepage des Autors externer Link

labournet.tv

Video von einer Blockade am 7. Mai 2014 bei IKEA in Piacenza – Vor zwei Jahren gab es einen erfolgreichen Streik bei IKEA, der eine große Dynamik unter den Logistikarbeiter_innen und in der Bewegung in Italien erzeugt hat. Der Streik wurde von der Basisgewerkschaft S.I.Cobas organisiert und unterstützt von vielen Student_innen und prekär Beschäftigten aus der radikalen Linken Italiens. Dass er so erfolgreich war, führte zu vielen weiteren Streiks in den Zentren der internationalen Logistikunternehmen in Italien. Im Mai 2014 ist der Kampf wieder aufgeflammt, weil das Unternehmen einen Gegenangriff gegen die aktiven Kolleg_innen gestartet hatte: 70 Disziplinarmaßnahmen und 30 Suspendierungen, alle gegen gewerkschaftliche aktive Arbeiter_innen, die Mitglied im S.I.Cobas sind. Bei den Blockaden am 9. Mai wurde ein Arbeiter schwer verletzt. Am 14., 16. und 18. Mai wird ein Lagerarbeiter aus Bologna in Esslingen, Berlin und Köln über den Kampfzyklus und die aktuelle Situation berichten. Das Video bei labournet.tv (italienisch mit dt.UT | 4 min | 2014) externer Link

labournet.tv

“Wenn wir Streikposten machen, dürften wir eigentlich weder Waren, noch Produktionsmittel noch Menschen blockieren. – Wir blockieren aber in der totalen Illegalität alles.” Die (meist migrantischen) Logistikarbeiter_innen in Italien haben es in den letzten vier Jahren geschafft, durch militante Streiks ihre menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern. Während sie früher nicht selten mit Stöcken traktiert und regelmäßig bei der Lohnabrechnung betrogen wurden, haben sie jetzt in vielen Unternehmen normale Bedingungen für sich erkämpft. Wegen dieser Erfolge organisieren sich immer mehr Arbeiter_innen in kleinen Basisgewerkschaften und setzen sich mit ihren Kolleg_innen zur Wehr. Sie haben es geschafft, sich italienweit zu organisieren und gegenseitig in ihren Kämpfen zu unterstützen, sodass auch Kämpfe in Warenhäusern gewonnen werden konnten, in denen zunächst nur ein kleiner Teil der Beleschaft in den Streik getreten war. Der Kampfzyklus hatte zudem eine integrative Kraft für die radikale Linke in Italien, die die Logistikarbeiter_innen tatkräftig unterstützt. – Hintergrundinterview mit einem Logistikarbeiter und zwei Aktivisten der Basisgewerkschaft S.I.Cobas, mit Hilfe derer sich viele der Logistikarbeiter_innen in Italien selbst organisiert haben. Im Mai wird einer der Interviewten nach Deutschland kommen, um über den Kampfzyklus der Logistikarbeiter in Italien zu berichten: 13.5. Stuttgart, 15. und 16.5. Berlin, 18.5. Köln – Genauere Informationen zu den Veranstaltungen folgen. Das Video bei labournet.tv (italienisch mit dt. UT | 61 min | 2014) externer Link

labournet.tv

Der Film eines in S.I. Cobas organisierten Logistikarbeiters bildet eine Woche in jenem Kampf ab, den sich Logisktikarbeiter_innen in Italien seit etwa 4 Jahren mit den großen Logistikkonzernen DHL, TNT, GLS, aber auch dem Milchriesen Granarolo liefern. Die Arbeiter_innen spielen ihre Macht aus, indem sie die Warenlager blockieren. Sie sind selbstorganisiert und Kolleg_innen aus verschiedenen Warenlagern unterstützen sich gegenseitig im Kampf. Zudem werden sie von der radikalen Linken, die in Italien um die sogenannten Centri Sociali herum organisiert ist, tatkräftig unterstützt. All dies führte dazu, dass die Logistikarbeiter_innen bisher alle ihre Forderungen durchsetzen konnten, so die Einhaltung des nationalen Tarifvertrages, ein Ende des Lohnraubes und einen garantierten Arbeitstag von 8 Stunden. Das Video bei labournet.tv  (italienisch mit dt. UT | 15 min | 2014) externer Link

Streiks bei norditalienischen Logistikzentren„…Anfang Mai wurden 41 ArbeiterInnen der Cogefrin Lagerhäuser im Interporto von Bologna und der Ctl bei Granarolo entlassen, nachdem sie gegen eine Lohnkürzung von 35 Prozent, die aufgrund eines angeblichen „Krisenzustands“ verhängt worden war, und für die Anerkennung des nationalen Tarifvertrags, gestreikt hatten. Weitere 10 wurden auf unbefristete Zeit freigestellt. Daraus entstand ein Seilziehen zwischen den ArbeiterInnen und der Sgb, in das auch Granarolo und Cogefrin als Auftraggeber und Legacoop, der Dachverband der Genossenschaften, hineingezogen wurden. Der Kampf dauerte über 70 Tage, mit Blockaden, Streikposten bei den zwei Betrieben, Angriffen der Polizei, Boykott-Initiativen, einer Demonstration in Bologna und vier Treffen mit dem Bürgermeister, der sich als Mediator zwischen den beiden Seiten eingeschaltet hat. Am 18. Juli wurde das Abkommen unterzeichnet. Die ArbeiterInnen sind zwar nicht ganz zufrieden, aber sie weisen auf das erreichte Resultat hin: „Die Monate, während denen wir ‘entlassen’ waren, werden rückwirkend bezahlt. Das heisst, sie bezahlen die Monate, in denen wir gekämpft haben,“ hebt Karim hervor, 25, aus Marokko, Unistudent in Statistik. Karim arbeitet in einem Lager des Interporto und hat aktiv an den Mobilisierungen teilgenommen…Artikel von Eleonora Bortolato und Anna Curcio aus il manifesto vom 14.08.2013 übersetzt auf Debatte Forum – Gegen Ausbeutung und Unterdrückung vom 26.09.2013 externer Link. Siehe zum Hintergrund im LabourNet Germany: (weiterlesen »)

Der vor allem in mehreren Regionen Norditaliens erfolgreiche Logistikstreik (meist migrantischer Beschäftigter) ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert: Eben weil es ein mehrheitlich migrantischer Streik war, aber auch weil es ein wirksamer Streiktag war, obwohl die grossen Gewerkschaften entweder abseits blieben oder aber gar sich ablehnend verhielten. In diversen Analysen wird einerseits darauf abgehoben zu unterstreichen, dass dieser Streik mitten in den bürgerlichen Regierungswirren eine andere Realität gezeigt habe, andrerseits betont, dass eine wichtige Charakteristik eben auch gewesen sei, dass etwa Streikposten bei Zentren soziale Aktionen gewesen seien, in denen die Streikenden massive Unterstützung verschiedenster Gruppierungen gehabt hätten. “Circuits of recomposition: towards and beyond the #22M logistics workers’ strikeexterner Link von ANNA CURCIO e GIGI ROGGERO am 26. März 2013 auf englisch bei Radio Nomade sieht in den Ereignissen eben Zeichen des Neuen

Am 22. März gab es bei zahlreichen Logistikzentren in norditalienischen Städten Streiks der (ganz überwiegend) migrantischen Beschäftigten, zu denen SI Cobas und ADL Cobas, Basisgewerkschaften also, unter anderem in Mailand, Bologna, Padua und Piacenza aufgerufen hatten. Diese hatten nach den Auseinandersetzungen bei IKEA und der (mit der offiziellen Linken verbundenen) Kooperativgesellschaft Coop ihren Einfluss erhöht und am vergangenen Freitag auch zu Streiks bei DHL und anderen grösseren Logistikfirmen der Region aufgerufen. Ein Bericht mit vielen Fotos und einer Tageschronologie ist der Beitrag “22 Marzo: Sciopero generale della #logisticaexterner Link bei clash cityworkers