Gewerkschaften

38.000 afrikanische Flüchtlinge sollen am 1.4.2018 entweder abhauen - oder ins Gefängnis...Die rassistische Massenvertreibung, die die israelische Rechtsregierung vorbereitet hatte, ist – zumindest zunächst einmal – gescheitert. Ihre ganze menschenfeindliche Propaganda („Eindringlinge“, die gefährlicher seien als „Terroristen“) hat zwar ihre eigene Basis mobilisieren können, viele also, ist aber andererseits auf sehr massiven Widerstand gestoßen: Piloten, die sich weigerten Opfer auszufliegen (in Länder, in denen sie noch nie gewesen waren), Lehrerinnen und Lehrer, die an Schulen Proteste organisierten, mehrere Großdemonstrationen mit für Israel gewaltigen Zahlen von Beteiligten – und dann auch noch Nachbarschaftsvereinigungen und ähnliche Gruppierungen anderer benachteiligter Gruppen, die nicht in Hasskonkurrenz traten, sondern wussten, wer Täter und wer Opfer ist – das alles war zu viel, dann musste gar der Oberste Gerichtshof gegen die Regierung eingreifen. Auch alternative Gewerkschaftsgruppierungen beteiligten sich daran (wir berichteten, siehe den Verweis am Ende des Beitrages) – während von den großen israelischen Verbänden dröhnendes Schweigen zu vernehmen war. In dem Artikel „Israeli unions silent over deportation of asylum seekers“ von Assad Adiv seit 10. April 2018 in englischer Übersetzung bei Global Labour Column externer Link wird nicht nur dieser Fakt heftig kritisiert, sondern vor allem auch nach den Gründen für dieses reaktionäre Verhalten gefragt. Das nicht nur die Staatsgewerkschaft Histadrut an den Tag legte, sondern auch die alternative Koach La Ovdim beließ es bei einer papiernen Erklärung. Dass die National Histadrut, zweitgrößter Verband,  als Transmissionsriemen der Regierungspartei deren Politik unterstützte, ist leider naheliegend. Was aber auch rund zwei Drittel der israelischen Bevölkerung taten, worin auch einer der Gründe gesehen wird, weswegen die Gewerkschaften sich dann auch nicht trauten… (weiterlesen »)

Israel: WAC-MAAN says No to the Israeli deportation of 37,000 Eritrean and Sudanese refugees to RwandaWährend der offizielle Gewerkschaftsbund Israels, die Histadrut, angesichts der Massendeportation afrikanischer Flüchtlinge aus Israel weitgehend stumm bleibt (trotz massiver Proteste „seiner“ Mitgliedschaft etwa an Schulen oder auch von Piloten), entwickelt die alternative WAC-Maan-Gewerkschaft umfangreiche Aktivitäten zur Stärkung dieses Widerstandes. In der Erklärung „WAC-MAAN says No to the Israeli deportation of 37,000 Eritrean and Sudanese refugees to Rwanda“ vom 04. Februar 2018 externer Link auf ihrer Webseite, die jetzt auf Englisch vorliegt, unterstreicht die Alternativgewerkschaft, dass sie sich an der Organisation des Widerstands beteilige – und alle gewerkschaftlichen Organisation ebenfalls dazu aufrufe. Dies eben, weil es das Prinzip ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit sei, Gerechtigkeit für alle einzufordern, unabhängig davon, wer sie seien. Die in Vorbereitung befindlichen Aktionen zum Internationalen Frauentag am 8. März etwa sollen einen entsprechenden Schwerpunkt bekommen. Siehe dazu auch den Verweis auf den letzten unserer bisherigen Beiträge gegen die Massendeportation: (weiterlesen »)

Israel: Maiplakat 2016 von Wac MaanSelbst der Gewerkschaftsbund Histadrut, einstige zentrale Säule Israels, sah sich irgendwann gezwungen, die Verweigerung der Mitgliedschaft für arabische Werktätige aufzugeben. Die Motoren für eine Überwindung der Spaltung zwischen jüdischen und arabischen Israelis aber sind neue gewerkschaftliche Ansätze, die in den letzten Jahren wachsenden Zulauf erhielten, eben gerade weil sie diese Politik verfolgen. In dem Artikel „In Israel, a New Tide of Labor Activism Is Fighting Inequality“ von Miriam Berger am 09. Juli 2017 beim Pulitzer Center externer Link (ursprünglich in The Nation) wird diese Entwicklung ausführlich dargestellt, auch bezüglich der mit einer Arbeitserlaubnis in Israel arbeitenden PalästinenserInnen. Dass neue Ansätze wie der kleine, aber wachsende Gewerkschaftsbund Koach La Ovidim (Demokratische Arbeiterorganisation) und WAC-Maan Organisationen sind, die ganz unterschiedliche Menschen zu mobilisieren in der Lage sind, ist eine Entwicklung, die hier sehr konkret berichtet wird – und die darauf abzielt, auch die politische Konfrontation zu überwinden. Zaghafte Entwicklungen in dieser Richtung werden auch von der Histadrut berichtet, die ihre Position als zentrale Säule des israelischen Staates endgültig in den 90er Jahren verloren hatte, abgedrängt durch die eigene Haltung und durch die massive Privatisierungswelle vor allem zur Regierungszeit Yitzhak Rabins…

1. Mai 2016 in Nazareth - die arabische Linke gibt es noch...Wie in jedem Jahr, so auch 2016: Am Vorabend des 1. Mai findet in Nazareth eine revolutionäre Maidemonstration statt. In der Stadt mit dem höchsten Anteil arabischer Bevölkerung in Israel ist dies eine Tradition, mit der deutlich gemacht werden soll, dass es die arabische Linke nach wie vor gibt – hier, wie an manchen anderen Orten auch, getragen von der Gewerkschaftsbewegung. Der Fotobericht „Drapeaux rouges à Nazareth à l’occasion du 1er Mai“ am 30. April 2016 bei Solidarité Ouvrière externer Link macht unter anderem deutlich, dass es in diesem Jahr eine ausgesprochen massive Teilnahme gab

Maiplakat 2016 Wac Maan IsraelDie unabhängige Gewerkschaft WAC-Maan wird den diesjährigen 1. Mai begehen unter dem Motto „Music and Workers“, wie in ihrem Aufruf vom 21. April 2016 externer Link betont wird. Und zwar, weil die MusiklehrerInnen von Rosh Ha’ayin, die erstmals einen Tarifvertrag errangen, gemeinsam mit anderen KollegInnen feiern werden, die ebenfalls im Laufe des vergangenen Jahres wichtige Erfolge erringen konnten, sei es mit eigenen Tarifverträgen oder mit dem durchgesetzten Recht auf gewerkschaftliche Organisierung und Vertretung. In der Maierklärung wird auch nochmals die Solidarität von Wac-Maan mit den palästinensischen LehrerInnen im Kampf um eine wirkliche Gewerkschaft unterstrichen. Siehe 1. Mai 2016 weltweit in unserem Dossier

Das betriebliche Aktionskomitee für WAC-Maan feiert im September 2015 seinen ErfolgBereits Anfang September willigte das Unternehmen Movilei Dror – eines der grössten israelischen Transportunternehmen – ein, mit der Alternativgewerkschaft WAC-Maan betriebliche Tarifverhandlungen zu führen. Das ist Ergebnis einer langen Auseinandersetzung, die vor allem vom betrieblichen Aktionskomitee der Fahrer geführt wurden, in dem rund 160 sowohl jüdische als auch arabische Fahrer an den vier Standorten aktiv sind. Der Grund für die massive Beteiligung der Belegschaft liegt vor allem darin, dass das Unternehmen alle Bestimmungen sowohl der Branche als auch allgemeiner Art bricht: Das Ergebnis ist, dass die Fahrer von MD nur etwa 70% des Durchschnittseinkommens der Branche erhalten. Der Artikel “A breakthrough for WAC MAAN after 5 years of Truckers organizing drive when “Movilei Dror” Company recognized it as a representative union” vom 28. September 2015 externer Link schildert die gesamte Auseinandersetzung, die sich über rund fünf Jahre hinzog, bis zum letztlichen Erfolg nunmehr aufgenommer Tarifverhandlungen. Auch die besonderen Schwierigkeiten mit den bei vielen Unternehmen üblichen Spaltungsversuchen – hier noch verschärft durch zahlreiche Fahrer. die frisch aus Russland kamen und kaum die Sprache sprechen werden berichtet.

Maiplakat 2015 für Gemeinsamkeit“Mayday event: Solidarity between Jewish and Arab workers” – so die Ankündigung am 27. April 2015 bei der Gewerkschaft WAC-Maan externer Link zu ihrer zentralen Maiveranstaltung die im Zeichen der Gemeinsamkeit aller ArbeiterInnen organisiert wurde

Nun liegt die Erklärung der unabhängigen Gewerkschaft WAC Maan zum militärischen Überfall auf Gaza auf englisch vor: “Stop the Gaza war!” externer Link vom 16. November 2012, in der eine Beendigung des Krieges, der Besatzung und eine 2 Staaten Lösung mit den Grenzen von 1967 gefordert werden.

Alternative zu Histadrut

Angesichts der Weigerung der Histadrut, die Rechte sozial schwacher Arbeitnehmer zu vertreten, die außerhalb von Tarifverträgen tätig waren, entstand Schritt für Schritt eine neue Arbeitnehmerorganisation. Sie setzte sich das Ziel, eine Plattform zu schaffen, um den genannten und vielen anderen Arbeitern zu ermöglichen, selbst ihre Arbeits- und Lebensbedingungen mitzubestimmen. Dieses Defizit in der gewerkschaftlichen Vertretung und die allgemeine Schwächung der israelischen Arbeiterklasse führten im Jahre 2007 zur Gründung von Koach la-Ovdim – Irgun Ovdim Demokrati (Macht den Arbeitern – Demokratische Arbeiterorganisation). Koach la-Ovdim spiegelt in Struktur und Leitgedanken den Wunsch der bereits vorgestellten Gründungsaktivisten wider, die politische Realität in Israel durch radikale Demokratisierung des Arbeitsmarktes zu verändern” – aus “Koach la-Ovdim – «Macht den Arbeitern!»” externer Link von Assaf Bondi, Rosa Luxemburg Stiftung Istanbul im Newsletter Gewerkschaften Israel am 24. Oktober 2012.