Island

Frauenstreikplakat Island 24.10.2016Am 24. Oktober um 14 Uhr 38 beendeten viele Tausend Frauen auf Island ihren Arbeitstag. Das war als jener Zeitpunkt jeden Tag berechnet worden, ab dem die Frauen für umsonst arbeiten, im Vergleich zu den Männern. Dabei ist Island angeblicher Vorreiter – hier beträgt der durchschnittliche Unterschied „nur“ 16%, weniger als in jedem anderen europäischen Land, nur: Was solls? Die bürgerliche Propaganda versteifte sich darauf, dass der Unterschied abnehme. Was die Organisatorinnen des Frauenstreiks insofern bedachten, als sie in früheren Jahren etwa zum Streik ab 14 Uhr 03 oder 14 Uhr 15 aufgerufen hatten. Und indem sie unterstrichen, dass sie auch wüßten, wenn der Prozess der Angleichung so weiter gehe, im seligen Jahr 2068 Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit Realität geworden sei. Auf der Kundgebung in der Hauptstadt unterstrich eine Rednerin, dass sie diese Forderung zwar durchaus auch, aber keineswegs nur für ihre Enkelinnen erheben würden. Siehe dazu zwei aktuelle Beiträge und einen Hintergrundartikel: (weiterlesen »)

1. Mai 2016 in Island - Plakat für die radikale MaidemoDie Tradition von eher langatmigen Feierlichkeiten zum 1. Mai ist durch die Entwicklungen der letzten Wochen etwas verändert worden: Neben den Gewerkschaften riefen so viele linke und alternative Gruppen wie noch nie zur Beteiligung am radikalen 1. Mai auf. Die Zahlen der TeilnehmerInnen waren denn auch nach verschiedenen Berichten deutlich höher, als in den letzten Jahren. Siehe dazu zwei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Panama Papers (ICIJ)Die Panama Papers haben ihr erstes Opfer gefunden. Gestern noch erklärte der isländische Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson, er würde wegen seiner Verwicklung in eine von ihm gegründete und für einen Dollar an seine Frau verkaufte Briefkastenfirma auf den britischen Jungferninseln nicht zurücktreten. Es sei alles in Ordnung, entschuldigen müsse er sich lediglich für sein Verhalten bei dem Interview. Während des gefilmten Interviews brach er dieses ab und ging davon, als er nach der Briefkastenfirma gefragt wurde und ins Stottern kam…“ – aus dem Beitrag „Islands Regierungschef tritt zurück“ von Florian Rötzer am 05. April 2016 in telepolis externer Link, worin auch noch zwei Minister als Firmeninhaber in Panama Gegenstand der Berichterstattung sind. Siehe dazu auch aktuelle Beiträge vor allem über die Massenproteste und ihre Auswirkungen – den “wackeligen” Rücktritt müssen wir abwarten…
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Demonstration der isländischen Gewerkschaft der Behördenangestellten am 1. Oktober 2015Die Streikbewegung im Sommer 2015 in Island gehörte zu den grossen Bewegungen in der Geschichte des Inselstaates, auch weil aus vielen Branchen – vor allem, aber nicht nur des Öffentlichen Dienstes – gleichzeitig gestreikt wurde. Wobei die Krankenschwestern im Zentrum der Bewegung standen, auch weil hier die Regierung von Beginn an eine Art “ihr bringt uns in den Notstand” Kampagne machte und faktisch per Gesetz einen Tarifvertrag diktierte. Was Kritiker als Streikverbotsgesetz bezeichneten, wie auch im folgenden Beitrag: “Unter dem Druck des Streikverbotsgesetzes unterzeichnete die FIH am 23. Juni einen Tarifvertrag, der Lohnerhöhungen um 18,6% bis 2018 vorsieht. Die Schließung der geschlechtsabhängigen Gehaltslücken, Arbeitszeitfragen und die höhere Wertung der Bildungsabschlüsse in der Berufsausbildung fielen unter den Tisch. Diese Themen können nach Ablauf des Tarifvertrags, in 4 Jahren, erneut diskutiert werden. Die Pfleger_innen zeigten dem Tarifvertrag die kalte Schulter. Bei der Urabstimmung am 15. Juli sprachen sich 88,4% dagegen aus” – aus dem Artikel “Gesetz beendet Arbeitskampf in Island” von Nepomuk Diener in Direkte Aktion 231 externer Link, Ausgabe September/Oktober 2015. Siehe dazu auch einen Beitrag über den Tarifabschluss in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes: (weiterlesen »)

Krankenschwester in Island nach dem streik im Juni 2015Die Erhöhung der Gehälter um 18,6% in den nächsten vier Jahren zusätzlich Sonderzahlungen und entsprechende Erhöhungen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld – das ist das Ergebnis des Abkommens, das die Gewerkschaft der isländischen Krankenschwestern unterschrieben hat und ihrer Mitgliedschaft zur Abstimmung vorlegt. Damit wäre die Wirkung des ab 1. Juli geltenden Streikverbotsgesetzes aktuell hinfällig – es sei denn, was niemand wiess, die Mitgliedschaft entscheide anders. Wobei allerdings die Frage diskutiert wird, ob das Gesetz auch im Falle einer Ablehnung greift, denn eigentlich ist nur bestimmt, dass die Zwangs-Schiedkomission zusammentritt, wenn es gar kein Abkommen gibt. Der Artikel “Nurses And Government Strike Deal” von Paul Fontaine am 24. Juni 2015 im Grapevine externer Link unterstreicht ferner, dass es bereits eine Fußbastimmung gibt, denn rund 200 der etwa 2.100 Krankenschwestern haben von sich aus gekündigt, um in anderen skandinavischen Ländern zu arbeiten – mit einer Annahme in der Urabstimmung wäre die isländische Streikbewegung erst einmal beendet, die in dieser Art seit langen Jahren

Logo isländische Krankenschwesterngewerkschaft FIHDas Parlament Islands hat in der Tat das Streikverbotsgesetz gegen die streikenden Krankenschwestern mehrheitlich verabschiedet – obwohl laut Verfassung ein Grundrecht. Der Artikel ” Parliament crushes strikes – reactions” am 15. Juni 2015 im Iceland Monitor externer Link dokumentierte die ersten Reaktionen auf diesen erstmaligen Schritt: Beide Gewerkschaften (die noch streikenden akademischen Beschäftigten und die Krankenschwestern) sehen die Verfassung Islands verletzt und wollen neben Protesten organisieren auch das Oberste Gericht anrufen, während der oberste Krankenhausmanager die Gesetzgebung wenig überraschenderweise begrüsst. Siehe dazu weitere Beiträge zum Streikverbotsgesetz – und zur Situation der Streikbewegung insgesamt: (weiterlesen »)

Streikbeginn Uniangestellte Island im April 2015Ob es besonders klug war, eine ganze Reihe je einzelner Abschlüsse zur Erhöhung des Mindestlohns in bestimmten Branchen zu unterschreiben, wird eine Frage sein, die die GewerkschafterInnen in Island zu diskutieren haben werden, ebenso die Aussetzung eines beschlossenen 6-Tage-Streiks in mehreren Branchen aufgrund “vielversprechender Verhandlungen”, Fakt ist: Es streiken noch die Krankenschwestern und die Akademikergewerkschaft – und insbesondere den Streikenden in den Krankenhäusern versucht die isländische Regierung ein neues, faktisches Streikverbotsgesetz aufzuzwingen. Der Artikel “Government Creates Bill to Force Strikes to Stop” von Alëx Elliott am 12. Juni 2015 in der Iceland Review externer Link berichtet von der Parlamentsvorlage, die Aussetzung des Streiks und Zwangsschlichtung bis zum 1. Juli vorsehe. Siehe dazu auch weitere Artikel zum Streikverbot-Gesetz (weiterlesen »)

Streikende Krankenschwestern in Island im Mai 2015Waffeln backen! War am Freitag erstmals angesagt, in den Tagen danach noch mehrmals. Waffeln backen ist in Island das traditionelle Ende von Verhandlungen/Auseinandersetzungen – und diese Waffeln dürften jenen GewerkschafterInnen, die daran beteiligt waren, recht gut geschmeckt haben: Am Freitag haben die ersten vier Gewerkschaften, die an der Streikbewegung für die Erhöhung des Mindestlohns auf 300.000 Kronen beteiligt waren, ein Tarifabkommen abgeschlossen (und im Laufe des Wochenendes unterzeichnet) das – ohne das bisher genaues mitgeteilt wurde – laut aussagen beider Seiten gegenüber den Medien, den gewerkschaftlichen Forderungen nahe kommen beziehungsweise gar entsprechen. So wird es in dem Artikel “Strike called off: waffles time!” am 29. Mai 2015 im Iceland Monitor externer Link berichtet. Siehe dazu auch weitere aktuelle Beiträge – auch zur Drohung der Regierung, die Krankenschwestern zu Zwangsverpflichten: (weiterlesen »)

Streikkundgebung Island Mai 2015Wie genau die Angebote der verschiedenen Unternehmensverbände aussehen ist noch nicht klar, Tatsache aber ist, dass es verschiedene Angebote für verschiedene Bereiche gibt – die die Verwirklichung der geforderten 300.000 Kronen in verschiedenen Zeiträumen vorsehen. Diese Angebote kamen zu einem Zeitpunkt, da der Tag näher rückt, an dem die zahlreichen Streiktage der vergangenen Wochen zu einem Generalstreik zusammengeführt werden sollen – am 9. Juni. Offensichtlich hat die bisherige Entwicklung dieser Streikbewegung die Unternehmen davon überzeugt, dass die Gewerkschaften durchaus in der Lage sind, einen solchen Generalstreik zu organisieren, was zu Beginn nicht der Fall war. Der Artikel “Worker Wage Increase Demands Might Be Met” von Paul Fontaine am 28. Mai 2015 im Grapevine externer Link behandelt diese Änderung der Konstellation und berichtet auch etwas konkreter über die vorliegenden Angebote. Siehe dazu auch zwei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Streikdemonstration in IslandDie Streikbewegung für eine Erhöhung des isländischen Mindestlohns auf 300.000 Kronen wächst kontinuierlich an – und die Zustimmung in der Bevölkerung ebenfalls. Die verschiedenen Verlautbarungen der isländischen Politik und Behörden scheinen ungehört zu verhallen – auch die folgende, die sich auf den Beschluss der Gewerkschaft der Veterinäre bezieht, sich am Streik zu beteiligen, was bereits geschehen ist: “Iceland Is Running Out of Meat” von Jesse Hirsch am 14. Mai 2015 in Munchies externer Link berichtet die Entwicklung des Streiks aus der Sicht der Fleischesser: Das wird knapp. Island dürfte eines der Länder mit den genauesten Vorschriften für Lebensmittelkontrolle, speziell für Fleisch sein – alles muss von Veterinären geprüft sein. Die haben sich aber dem Streik für Mindestlohn angeschlossen. Der arme Verbraucher, an den man sich stets nur bei Streiks erinnert – scheint in Island auch nicht anders zu sein, als in der BRD – kann kein Fleisch essen, Hähnchen und Schweine werden Streikfans. Siehe auch weitere Artikel zu den Auswirkungen der Streikbewegung für die Erhöhung des Mindestlohns_ (weiterlesen »)

Angebot abgelehntAm Montag und Dienstag dieser Woche traten weitere Gewerkschaften der Streikbewegung für die Erhöhung des Mindestlohns auf 300.000 Kronen bei – etwa die Gewerkschaft der Krankenschwestern und die Einzelhandelsgewerkschaft – so dass an diesen beiden Tagen, geplant als erster wirklicher Höhepunkt der Streikkampagne, etwa 40% aller isländischen Beschäftigten sich im Streik befanden. Zuvor hatte die Gewerkschaft Federation of General and Special Workers ein Angebot des Unternehmerverbandes, den Mindestlohn um 23,5% zu erhöhen, abgelehnt und die Verhandlungen abgebrochen. “National strike action snowballs” heisst der Bericht von Chris Bolwig am 12. Mai 2015 bei den IceNews externer Link, worin sehr deutlich wird, dass zumindest die Beschäftigten entschlossen sind, diesen Streik erfolgreich zu führen. Siehe dazu auch

  • “Strikes Are Good For Us All” Kommentar von Paul Fontaine am 13. Mai 2015 im Grapevine externer Link der sich mit der (ja wohl auch in der BRD nicht unebkannten) Erscheinung befasst, dass bei jedem Streik die ach so armen Konsumenten, Passagiere was auch immer in den bürgerlichen Medien als hilflose Opfer wildgewordener Streikender gezeigt werden (dieselben ach so armen, die man sonst jeden Tag ausnimmt) – weswegen er unterstreicht, Streiks seien gut für alle – ausser Unternehmen&Co, versteht sich

Die erste Streikkundgebung in Islands Streik für MindestlohnDie Streikbewegung in Island – bisher mit Einzelstreiks bereits sehr präsent, ab Ende des monats soll zum Vollstreik gesteigert werden – fordert eine wesentliche Erhöhung des Mindestlohns. Dem schliessen sich nun laufend weitere Gewerkschaften an – unter anderem, wahrlich nicht überraschend, die Gewerkschaft der Friseure, aber auch die Mediengewerkschaft und die der Marineingenieure – alle gaben ihre Entscheidung bekannt, nachdem die erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmerverband gescheitert war und der Sprecher der Komission meinte, es habe einstweilen keinen Sinn, einen weiteren Termin abzumachen, da die Unternehmen nicht ernsthaft verhandeln wollten, berichtet in “Yet More Unions Join Strikes” Autor Paul Fontaine am 07. Mai 2015 im Grapevine externer Link der unterstreicht, dass nun insgesamt 70.000 Beschäftigte zum Streik aufgerufen werden können, ein Drittel aller irgendwie arbeitenden Menschen in Island und dies mit überwältigender Mehrheit an UnterstützerInnen in der Bevölkerung zu dem, was der grösste Streik der Geschichte in Island wäre. Siehe zum Hintergrund: Am Vorabend des 1. Mai beginnt in Island der große Streik um Mindestlohn

Demonstration für Mindestlohn in IslandUnd auch die Maikundgebungen standen ganz im Zeichen dieser Auseinandersetzung: Die Gewerkschaft Starfsgreinasamband Íslands (SGS) – auf englisch Federation of General and Special workers in Iceland – organisiert landesweit den Kampf um eine Erhöhung des Mindestlohn von 214.000 auf 300.000 isländische Kronen (aktuell wären das ganz grob 2.000 Euro). Die SGS ist ein Gewerkschaftsbund bestehend aus 19 Einzelgewerkschaften zumeist in der Privatwirtschaft, die rund 53.000 Mitglieder haben. Erste Streiks an den Universitäten gab es bereits seit Anfang April, am 30. April sind es nun 10.000 Streikende geworden (Island hat rund 325.000 EinwohnerInnen). Und diese Streikbewegung soll weiter gesteigert werden, wird in dem Bericht “10,000 People Likely to Go On Strike Today” von Alëx Elliot am 30. April 2015 in der Iceland Review externer Link unterstrichen. Siehe dazu auch drei weitere Berichte: (weiterlesen »)

Seit nunmehr zwei Wochen streiken die Lehrerinnen und Lehrer der technischen und höheren Schulen Islands – neben Lohnerhöhungen geht es dabei um die Bedingungen einer Schulreform, die 2015 in Kraft treten soll. Genaueres in dem Kurzbericht Iceland: No end in sight to ongoing strike externer Link am 27. März 2014 bei Education International. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

“Es geht auch anders: In Island beschirmt der Staat seine Bürger und nicht die Banken. Damit hat sich die Insel, die bankrott war, wieder hochgerappelt. Die “Kochtopf-Revolution” spielte dabei eine entscheidende Rolle. Eine Ortsbegehung” – so beginnt der Artikel “Wikinger-Wunderexterner Link von Dietrich Krauss am 18. März 2013 in Kontext