Arbeitskämpfe

Sechs Wochen lang hat die IWW in Sheffield mit der Belegschaft des Restaurants Greedy Greek zusammen gekämpft und eine öffentliche Kampagne gemacht, die sich neben vielem anderen vor allem um unbezahlte Mehrarbeit und einen entwürdigenden Umgangston handelt – jetzt haben die Betreiber nachgegeben. Was die IWW wiederum dazu gebracht hat, nun eine Kampagne für das gesamte Gastgewerbe vorzubereiten, wie es in dem Bericht IWW campaign at Sheffield restaurant Greedy Greek improves conditions and ends unpaid work der IWW Sheffield am 23. November 2014 externer Link unterstrichen wird

Streik im nationalen Gesundheitsdienst (NHS) – ein Streik auch um den NHSAm 24. November haben alle Gewerkschaften, die im National Health Service organisieren, gemeinsam zu einem 4 Stunden Warnstreik aufgerufen, ein Aufruf der massiv befolgt wurde. Am Freitag zuvor hatte das britische Parlament stark mehrheitlich einem Gesetzentwurf zugestimmt, der wesentliche Privatisierungsschritte eines Gesetzes der konservatiben Regierung von 2012 rückgängig machen sollte – zumindest war er so in der öffentlichen Debatte vertreten worden, wenn es auch kritische Stimmen gab, die meinten, das sei keineswegs so. Der Abstimmungserfolg im Unterhaus wurde allgemein als Erfolg der Gewerkschaften bewertet, die dadurch bestärkt am Montag eben zum Streik aufriefen. Der Artikel Unions hail ‘great victory’ as MPs vote on NHS bill am 21. November 2014 bei der Gewerkschaft Unite externer Link macht diese Ausgangslage deutlich. Siehe dazu auch weitere Artikel zum Streiktag und zur Situation des NHS: (weiterlesen »)

Unter dem Motto »Britain needs a payrise« (Großbritannien braucht eine Lohnerhöhung) zogen am 14. Oktober 100 000 Menschen durch die Innenstadt Londons. Aufgerufen hatte der Trades Union Congress (TUC), der größte Gewerkschaftsdachverband des Landes, der vor allem im öffentlichen Dienst etwa 6,5 Millionen Menschen vertritt, aber seit Jahrzehnten unter Mitgliederschwund leidet. Die Demonstration richtete sich in erster Linie gegen die Austeritätspolitik der Regierung des Premierministers David Cameron, einer Koalition der Konservativen mit der Liberaldemokratischen Partei. Der TUC erklärte, seit Beginn der Finanzkrise 2008 seien die Reallöhne in Großbritannien bei steigender Inflation kontinuierlich zurückgegangen, im Schnitt um 50 Pfund (63 Euro) pro Woche, während die Elite des Landes immer mehr Reichtum akkumuliere – das durchschnittliche Realeinkommen der »FTSE 100 CEOs«, der Chefs der 100 umsatzstärksten Firmen Großbritanniens, beträgt das 185fache eines durchschnittlichen Arbeiterlohns; 1998 war das Verhältnis noch 45 : 1. Überdies lebten 6,1 Millionen Menschen mit Arbeitsvertrag unter dem Existenzminimum, Tendenz steigend…” Artikel von Hamid Mohseni und John Malamatinas in der jungle-world vom 30. Oktober 2014 externer Link

Nein, der grosse Kampf sei nicht umsonst gewesen. Darin waren sich alle einig. Gewiss, er endete mit einer Niederlage. Aber er habe auch gezeigt, was Solidarität und Widerspruchsgeist bewirken können. Ein paar Fehler seien zwar gemacht worden, aber eine Chance auf Erfolg habe es angesichts der Kräfteverhältnisse nie gegeben, wie man heute wisse: die langfristige Planung der Tory-Regierung, das massive Vorgehen der Behörden und der Polizei, dann die Streikbrecher («Denen vergeben wir nie!»), dazu die abwartende Haltung der Labour-Partei und vieler Gewerkschaften…“ – so beginnt der Artikel «Jetzt hungern die Leute wieder – wie damals»  von Pit Wuhrer am 28. August 2014 in der WoZ externer Link in dem auch Paralellen zu heute gezogen werden

Streiktag 10. Juli 2014 in GB, Irland und WalesDie Beschäftigten des britischen öffentlichen Dienstes wollen am heutigen Donnerstag zeigen, was sie von der Kürzungspolitik der Regierung und den durch diese verursachten Niedriglöhnen halten. Bis zu zwei Millionen Beschäftigte in England, Wales und Nordirland sind von ihren Gewerkschaften zu einem 24stündigen Streik aufgerufen worden. Unter anderem werden Lehrer, Feuerwehrleute, Staatsangestellte und die Beschäftigten der Kommunen die Arbeit niederlegen“ – so beginnt der Artikel Arme Staatsdienster externer Link von Christian Bunke am 10. Juli 2014 in der jungen welt, worin auch die – unterschiedlichen – Gründe der verschiedenen Berufgruppen für den Streik berichtet werden. Siehe dazu auch:

  • 10. Juli: Millionen Streikende auf der Straße, Cameron droht mit Einschränkung des Streikrechts
    Quer durchs ganze Land, inklusive Irland und Wales, waren Massen von Menschen unterwegs, um deutlich zu machen, dass sie eine Politik ablehnen, die aus Kürzungen, Lohnbremsen, zahlreichen Schritten, Unternehmen billige stets verfügbare Arbeitskräfte zu besorgen und ähnlichen EU-Segnungen besteht. Die britische Regierung reagierte darauf mit Drohungen – die inhaltlich darauf abzielen, Streiks zu erschweren. In dem Beitrag Up yours, Cameron – one million public servants defy PM to strike externer Link berichtet Autor Tim Lezard am 10. Juli 2014 bei den Union News UK nicht nur von den Demonstrationen am Streiktag, sondern fasst auch zusammen, was für die Streikenden im öffentlichen Dienst die Hauptgründe waren – etwa der errechnete durchschnittliche Einkommensverlust von rund 2.200 britischen Pfund seit Camerons Regierungsantritt. (weiterlesen »)

No to zero hours„Großbritannien, nach wie vor Referenzland für neoliberale Innovationen, zieht die Sanktionsschraube für Arbeitslose an. Die Staatsministerin für Beschäftigung, Esther McVey, hat laut Guardian angekündigt, dass Bezieher von Arbeitslosengeld, die angebotene Nullstundenverträge verweigern, sich künftig auf Sanktionen einzustellen haben…Artikel von Thomas Pany auf Telepolis vom 06.05.2014 externer Link Aus dem Text: „(…)Bislang haben es die Behörden bei der Vergabe von Arbeitslosengeld nicht zur Verpflichtung gemacht, Nullstundenverträge anzunehmen, und auch keine Sanktionen ausgesprochen. Künftig sollen die “Coaches” der Jobcenter die Annahme solcher Verträge mit Verweis auf mögliche Sanktionen anweisen können, wobei sie “mit Besonnenheit” darauf achten sollen, ob die angebotene Stellung zum Arbeitssuchenden passt.“

every-job-matters-stickerNeue Streiks bei der Londoner U-Bahn, zahllose Urabstimmungen, wachsende Mitgliederzahlen: Die britische Transportgewerkschaft RMT gehört zu den erfolgreichsten Gewerkschaften Europas. Artikel von Pit Wuhrer, London, im Neues Deutschland vom 26.04.2014 externer Link. Aus dem Text: „(…) Ab Montagabend steht – sollte das städtische Verkehrsunternehmen Transport for London (TfL) nicht einlenken – der gesamte U-Bahn-Verkehr der Hauptstadt für zwei Tage still. Und ab Dienstagmorgen blieben die Züge zum Flughafen Heathrow 48 Stunden lang in den Depots. Mit dem Ausstand wiederholen die U-Bahn-Beschäftigten ihren zweitägigen Streik von Anfang Februar, der bemerkenswert populär gewesen war. Selbst die vielen Pendler, die vor verschlossenen Tube-Stationen standen, zeigten Verständnis für die Aktion – hatten doch TfL und der konservative Londoner Oberbürgermeister Boris Johnson die Schließung aller Fahrkartenschalter angekündigt: 950 Stellen sollen abgebaut werden. Weniger Personal in den Bahnhöfen aber, das wissen die Londoner, bedeutet weniger Sicherheit und Hilfe – vor allem bei Unfällen oder Anschlägen wie jenen im Juli des Jahres 2005…

Siehe dazu:

Dossier

  • london underground strike 2„Waffenstillstand“ nach zwei erfolgreichen Streiktagen? Wer befolgt ihn?
    Das ausgehandelte Papier sieht Vehandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Transportbehörde vor, die vom 12. Februar bis zum 4. April andauern sollen. Solange wird die Schließung der Fahrkartenschalter ausgesetzt. Es werden keine Kündigungen vorgenommen, auch nicht auf »freiwilliger« Basis“ – aus dem Artikel U-Bahn-Streik bringt Waffenstillstand externer Link von Christian Bunke am 13. Februar 2014 in der jungen Welt. Siehe dazu aber auch:

    • Tube boss Mike Brown: Union talks after strike is called off won’t stop closure of ticket offices externer Link von Matthew Beard am 12. Februar 2014 im Evening Standard, worin der Chef der Londoner U-Bahn mit Aussagen zitiert wird, die jenen im obigen Bericht (v.a. den dort zitierten Äußerungen des Vorsitzenden der RMT Gewerkschaft Bob Crow) diametral widersprechen, der darauf beharrt, die Schließungen würden, bis auf einige besondere Stellen, fortgesetzt und seien unumgänglich
    • Tube strikes: further action called off after last-minute “deal” externer Link von Jim Clark am 11. Februar 2014 bei libcom, wobei in den auf den Artikel folgenden zahlreichen Kommentaren (samt Verweisen auf die relativ breit organisierte öffentliche Unterstützung für den Streik) auch solche Fragen von und mit Streikenden konkret diskutiert werden wie etwa die Bedeutung des ursprünglich für diese Woche geplanten „Schalterstreiks“ (also Fahrten, aber ohne Ticketverkauf, d.h. umsonst) – mit sehr unterschiedlichen Meinungen (weiterlesen »)

iwgbIn London solidarisieren sich Studenten mit Leiharbeitern und Opfern von Polizeigewalt. Die Hochschulleitung verbietet Demos auf dem Campus. Artikel von Sybille Biermann in der TAZ vom 22.01.2014 externer Link Aus dem Text: „An diesem Mittwoch gehen erneut mehrere hundert Studenten in London auf die Straße. Doch diesmal demonstrieren sie nicht wie vor drei Jahren vor allem in eigener Sache – gegen hohe Studiengebühren. Die Studierenden der University of London haben sich mit denjenigen verbündet, die sonst die Flure und Hörsäle ihrer Hochschulen putzen. „Wir unterstützen uns gegenseitig, und zwar zu hundert Prozent“, sagt Henry Chango Lopez von der unabhängigen Arbeitergewerkschaft, der Independent Workers of Great Britain union (IWGB)…“ Siehe dazu auch “Independent Workers Union of Great Britain” – Die Homepage der Gewerkschaft externer Link

zero hours contract„Ein Arbeitskampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen bei einer Großbäckerei des Hovis-Konzerns im nordwestenglischen Wigan könnte Signalwirkung haben. Den Streik konnten die Belegschaft und ihre Gewerkschaft für sich entscheiden…“ Artikel von Christian Bunke im Neues Deutschland vom 27.09.2013 externer Link Aus dem Text: „(…) Doch es brachte nichts. Lkw- Fahrer zeigten sich solidarisch und nahmen an Streiktagen Urlaub. Die Ausfuhr der Brote aus der industriellen Großbäckerei verzögerte sich durch Werkstorblockaden um mehrere Stunden. Und das, obwohl diese Blockaden mehrmals gewaltsam geräumt wurden. Letztendlich knickte das Management nach und nach ein. Zunächst bekamen die 24 auf »Zero- Hour«-Basis Beschäftigten normale Arbeitsverträge. Am Dienstag dieser Woche wurden dann auch weitreichende Zugeständnisse bei der Leiharbeit ausgehandelt. Von nun an bekommt jeder Leiharbeiter, der in zwölf aufeinanderfolgenden Wochen für mindestens 39 Wochenstunden in der Bäckerei arbeitet, das gleiche Gehalt wie die festangestellten Kollegen. Dieses Ergebnis könnte ein Startpunkt für weitere Kämpfe gegen prekäre Arbeitsbedingungen sein. Die Botschaft: Auch unter widrigen Bedingungen kann man erfolgreich kämpfen.

zero hours contract„Der Streik gegen sogenannte Zero-Hours-Verträge und den Einsatz von Leiharbeitern bei der Hovis-Großbäckerei im nordwestenglischen Wigan wird ab dem 25. September in seine dritte Woche gehen. Der Ton der Auseinandersetzung wird rauer. Der bisherige Höhepunkt der Eskalation war in den frühen Morgenstunden des 16. September, als ein Großaufgebot der Polizei eine Blockade des Werkstores gewaltsam auflöste. Drei Streikende wurden verhaftet. Die Blockade bewirkte, daß der erste LKW 40 Minuten benötigte, um 500 Meter zurückzulegen. Erst nach zwei Stunden hatten alle LKWs das Produktionsgelände verlassen…“ Artikel von Christian Bunke, Manchester, in der jungen Welt vom 24.09.2013 externer Link

zero hours contract„Wegen der Ankündigung, zukünftig Leiharbeiter beschäftigen zu wollen, wird die Großbäckerei Hovis im nordwest­englischen Wigan seit dem 28. August bestreikt. Bis Anfang Oktober sind mehrere Streikwellen geplant. Die Bäckergewerkschaft Bakers, Food and Allied Workers Union (BFAWU) schließt weitere Kampfmaßnahmen nicht aus. Die Leiharbeiter bei Hovis sollen auf Basis von sogenannten zero-hours-contracts (Null-Stunden-Verträge) angestellt werden. Diese ermöglichen es Unternehmen, Personal zu beschäftigen, ohne eine Mindestzahl von Wochenstunden zu garantieren. Trotzdem müssen die Beschäftigten innerhalb bestimmter Zeiträume auf Abruf bereitstehen. Bezahlt werden nur tatsächlich gearbeitete Stunden. Anspruch auf Urlaub und Krankengeld gibt es nicht…Artikel von Christian Bunke in der jungen Welt vom 03.09.2013 externer Link        (weiterlesen »)

labournet.tv

Dokumentarfilm über den Streik im Grunwick Filmlaboratorium in Nord-London 1976-78; – Ein Film über den Modernen “zivilisierten” Staat, so der Untertitel des Films.

Die vorwiegend migrantische und weibliche Belegschaft des Filmlaboratoriums fängt im August 1976 an zu streiken, wegen den langen Arbeitszeiten (8 bis 22h), der schlechten Löhne und der permanenten Arbeitshetze. Sie finden sich mit einer geschlossenen Front aus Unternehmern, Regierung, Polizei und Medien gegenüber. Zum ersten Mal kommen paramiltärisch organisierte Spezialeinheiten der Polizei zum Einsatz, die äußerst gewalttätig vorgeht und 550 Personen verhaftet.

Andererseits gab es viel Solidarität von anderen Arbeiter_innen, u.a. den Hafenarbeiterinnen und den Angestellten der Post, die sich weigerten die Post für Grunwick auszuliefern. Die wichtigste Forderung war die Anerkennung der Gewerkschaft APEX. Der Streik endete mit der Schließung des Betriebes. Das Gelände wurde an die Londoner Polizei verkauft.

Der Film, der viel Material aus der zeitgenössischen Berichterstattung einfließen lässt, ist nicht nur die Dokumentation eine Streiks, sondern auch das Portrait der historischen Periode des Übergangs zum Thatcherismus.

Der Film bei labournet.tv (englisch mit dt. ut. | 78 min | 2012) externer Link

2011 organisierten die Elektriker_innen (sparks, zu deutsch: Funken) eine Reihe von Protesten und Streiks in verschiedenen Teilen Großbritanniens. Sie kämpften damit gegen ihre Dequalifizierung und Lohnkürzungen von bis zu 35 Prozent. Die Proteste begannen, als Elektroinstallationsfirmen und andere Bauunternehmen im Mai 2011 ankündigten, neue Verträge für ihre Arbeiter_innen einzuführen. Im August kündigten sie an, dass die bisherigen Verträge zum 7. Dezember auslaufen würden. Sie ließen den Arbeiter_innen nur die Wahl, die neuen Verträge zu akzeptieren oder gekündigt zu werden. Gewerkschaftsmitglieder von der Basis protestierten und brachten im ganzen Land Baustellen zum Stillstand. In London wurden mehrmals auch Baustellen blockiert und besetzt. Im Februar 2012 musste eine der großen Baufirmen, Balfour Beatty, ihre Pläne für die Einführung der neuen Verträge zurückziehen” – das Video “Sparks : Wilde Streiks in Großbritannien” externer Link  auf labournet.tv (englisch | 12 min | 2011)

Quelle: Meldung “Streik in Arbeitsvermittlungen” externer Link am 15. August 2012 bei Randzone Online

Am Montag streikten in Großbritannien 6.000 Beschäftigte in 32 Callcentern der Arbeitsvermittlungen gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschafter der PCS wehren sich gegen eine Reform, die durch unrealistische Zielvorgaben wachsenden Druck auf die Beschäftigten und die Arbeitslosen ausübt. Bereits im Januar hatte es in Schottland deswegen einen 48-Stunden-Streik gegeben” – das ist die Meldung “Streik in Arbeitsvermittlungen”  am 15. August 2012 bei Randzone Online.

Siehe dazu auch: “Job Centre Plus workers strike in face of management tactics” externer Link am 14. August 2012 im Socialist Worker, wo mehrere Streikende zu Wort kommen.

Und: “Jobcentre call handlers strike over oppressive target-driven culture” externer Link die Streikberichte bei der Dienstleistungsgewerkschaft PCS vom 13. August 2012 – in denen vor allem deutlich wird, dass es den Streikenden keineswegs nur um ihre eigenen Arbeitsbedingungen geht, sondern dass die permanente Kontrolle, gegen die sie sich vor allem wehren, dazu da ist, Kontrolle über die Erwerbslosen zu intensivieren, was sie verweigern.