Die Explosion von Tianjin im August 2015

Die Explosion in Tianjin am 13. August 2015 hat auch über 1.000 neue Autos zerstört - der belieferten deustchen MarkenDie Explosion im Hafen von Tianjin am 13. August 2015: Keine tödliche kapitalistische Katastrophe, wie sie täglich weltweit vorkommen. Und auch in der VR China keineswegs alltäglich. Nicht in einer “alten Branche” (etwa: Bergwerke) und auch nicht weit weg, sondern in einer Renommierzone, Hightechzone – sozusagen im Hafen von Beijing. Sonderwirtschaftszone. In einer Riesenstadt, die zu jenen zählt, die die höchsten Durchschnittseinkommen in China haben, einer der größten Häfen der Welt. Dementsprechend funktioniert das übliche Vorgehen nur schlecht: Die geopferten Feuerwehrleute zu Helden zu machen und sie zu loben – tot sind sie eben. Nachrichtensperre – funktioniert auch nicht so recht und die allmächtige Partei hat ganz offen, für jedermensch sichtbar, keine Ahnung, was da gelagert war, und wer die ganzen gesetzlichen Bestimmungen warum umgangen hat – da helfen jetzt auch die üblichen drakonischen Strafen nichts mehr…

Chinesische Feuerwehrleute suchen nach vermissten Opfern in Tianjin - in der Mehrzahl ihre Kollegen August 2015Nein, es gehe keineswegs um “normale” Korruption bei der Frage, wie die Ruihai International Logistics die Erlaubnis bekommen habe, das gefährliche Lager viel näher an Wohnorten zu betreiben, als gesetzlich erlaubt. Die Auflösung der Frage, wie das geschehen konnte, liegt in einem privaten Unternehmen “Tianjin Zhongbin Haisheng Safety and Health Evaluation Of Detection Co. Ltd” das Ruihai – im Gegensatz zu einer ersten von Ruihai beuaftragten Agentur – sozusagen den Unbedenklichkeitsstempel überreichte. Eine von Hunderten von Beratungs- und Evalutionsagenturen, die es für verschiedenste Bereiche in verschiedenster Form gibt, die aber allesamt dadurch gekennzeichnet sind, dass sie jeweils von einem Netzwerk aus Parteifunktionären und Behördenvertretern gegründet und betrieben wurden und werden. Diese und weitere Informationen sind in dem Artikel “An Explosion of Bureaucratic Capital – On the Tianjin Blast” von AU Loong-Yu vom 25. August 2015 im LabourNet China externer Link enthalten, der einiges dazu beiträgt, solche Netzwerke aufzuschlüsseln – und ihre Wirkung ebenfalls. Siehe dazu drei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Der Krater im Hafen von Tianjin am 15. August 2015Die chinesische Regierung hat infolge der tödlichen Explosionen von vergangener Woche 275 Unternehmen, die mit gefährlichen Chemikalien arbeiten, in Tianjin im Bezirk Binhai New Area inspiziert und 70 von ihnen, bei denen es Sicherheitsprobleme gab, geschlossen, wie Zhang Yong, Leiter des Bezirks Tianjin Binhai New Area, am Freitag auf einer Pressekonferenz erklärte. Die Inspektion, die gemeinsam von verschiedenen Behörden durchgeführt wurde, sei derzeit im Gange. Unternehmen um die Wohngebäude und Schulen herum hätten oberste Priorität” – so beginnt die Meldung “70 Unternehmen aus Sicherheitsgründen nach tödlichen Explosionen geschlossen” am 23. August 2015 bei den German China News externer Link, worin der stellvertretende Bürgermeister von Tianjin mit der Aussage zitiert wird “Wir haben einen umfassenden Plan, aber zur Zeit kann keine Frist bekannt gegeben werden“. Siehe dazu zwei weitere Beiträge zur Aktion von Partei und Gewerkschaft: (weiterlesen »)

Protest der wegen der Chemieexplosion evakuierten AnwohnerInnen von Tianjin am 16. August 2015Wenig ist in der Mainstream-Berichterstattung zu erfahren über die Rolle, die nahezu alle großen Unternehmen aus USA und Europa spielen, die in der wirtschaftlichen Boomstadt Tianjin präsent sind – und mit den diversen Logistikfirmen im Hafen der Riesenstadt problemlos zusammenarbeiten. Die unternehmerische Freiheit der Firmen wie Rui Hai International Logistics ist es, die dazu führt, dass in Pressekonferenzen Behördenvertreter zugeben müssen, keine Ahnung davon zu haben, was in den Containern im Hafen alles so gelagert ist: “Wer mit dem Auto von der Innenstadt der 15-Millionen-Metropole Tianjin über die Autobahn nach Binhai kommt, stößt auf ein Industriegebiet, das selbst chinesischen Stadtplanern den Atem raubt. Und sie sind Gigantonomie eigentlich gewohnt. Lebten hier vor wenigen Jahren noch Fischer, reiht sich nun auf einer Fläche, das fast der halben Fläche der Schweiz entspricht, eine moderne Fabrikanlage neben der anderen. 121 der weltweiten Top-500-Unternehmen haben sich mit Fabriken in dieser Wirtschaftszone mit dem Namen Binhai New Area angesiedelt, darunter auch Firmen wie Airbus, Volkswagen und Nestlé. Dahinter erstreckt sich der ebenfalls erst vor wenigen Jahren modernisierte Hafen. Gemessen am Containerumschlag ist er der zehntgrösste der Welt” – so ist die Ausgangslage in dem Beitrag “Niemand hat die Feuerwehrkräfte über die Gefahren informiert” von Felix Lee am 17. August 2015 in den Blogs der Zeit-Online externer Link umrissen. Siehe dazu auch weitere aktuelle Artikel und Hintergrundbeiträge: (weiterlesen »)

Die Explosion in Tianjin am 13. August 2015 hat auch über 1.000 neue Autos zerstört - der belieferten deustchen MarkenSonntagabend lagen die offiziell angegebenen Zahlen der menschlichen Verluste aufgrund der Explosionen in den Lagerhallen Tianjins in der Mittwochnacht bei 112 Todesopfern, 95 Vermissten und über 700 verletzten Menschen. Alle nichtoffiziellen Informationen deuten auf noch üblere Zahlen hin. Die offenbar weit über erlaubte Höchstwerte hinaus gelagerten explosiven Chemikalien weisen, laut einer zweiten E-Mail des LabourNet China vom 17. August 2015 ebenso wie die Tatsache der ebenfalls illegalen Nähe der Lagerhallen zu Wohngebieten darauf hin, dass das Unternehmen über politische Beziehungen verfügt – Familienmitglieder eines Expolitbüromitglieds sollen unter den Großaktionären der Logistikfirma sein. Ausserdem empfehlen die KollegInnen den Artikel “Tianjin explosions: sodium cyanide on site may have been 70 times allowed amount” von Fergus Ryan am 16. August 2015 im Guardian externer Link – der bestätigt nicht nur die Aussage, dass die Nähe zu Wohngebieten illegal sei, sondern berichtet auch von aktuellen Ängsten jener BewohnerInnen, die nicht evakuiert wurden, vor Luft und Wasservergiftung. Ausserdem wird von der Schliessung zahlreicher Webseiten und Accounts durch die Behörden berichtet – wie auch von Protesten von AnwohnerInnen und Angehörigen der Opfer vor dem Hotel, an dem am Sonntag eine Pressekonferenz der regionalen Behörden und der Staatsanwaltschaft zu der Katatstrophe stattfand (weiterlesen »)

Die Explosion in Tianjin am 13. August 2015 hat auch über 1.000 neue Autos zerstört - der belieferten deustchen MarkenDie Zahl der Toten sei bei inzwischen 50 Opfern angekommen, wird in dem Bericht “Anzahl der Todesopfer bei der Explosion in Tianjin klettert auf 50″ am 13. August 2015 in den German China News externer Link vermeldet und hinzugefügt “Selbst aus einer weiten Entfernung konnte man gegen 3 Uhr morgens am Donnerstag immer noch kleinere Feuer und Explosionen wahrnehmen“. (In einer kurzen Eil-mail von LabourNet China vom 13. August 2015 wird darauf hingewiesen, dass das wichtigste Unternehmen in dem Hafen-Logistikbereich der Stadt Tianjin die Firmen CITIC Dicastal, Mercedes-Benz, Volkswagen, Audi, Mazda, Ford und Honda beliefert). Siehe dazu auch zwei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)