Bolivien

In dem Diskussionsbeitrag “Insurgencia en tregua: la reemergencia de la COBexterner Link am 29. Mai 2013 versucht der Autor, der Soziologieprofessor Arturo D. Villanueva Imaña die jüngste Entwicklung in Bolivien zu analysieren, im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die Renten. Er unterstreicht dabei dass, unabhängig welche Position man zur Rentenfrage einnehme, zunächst konstatiert werden müsse, dass die Gewerkschaftsföderation COB “wieder da” sei. Nach der historischen Niderlage der COB, der Arbeiterbewegung, gegen die neoliberale Politik in den 80er Jahren, repräsentiert in erster Linie von der damaligen Regierung Paz Estenssoro habe die COB rund 20 Jahre lang zwischen Stagnation und Niedergang gelebt. Die Wiederbelebung der Gewerkschaftsbewegung, auch und gerade der immer noch zentralen Bergarbeiter hat nun eine deutliche gesellschaftliche Sichtbarkeit qua Mobilisierungsfähigkeit erreicht. Die Versuche der Regierung, das ganze als ein Komplott trotzkistischer Sekten gegen den Fortschritt darzustellen, und nur dazu dienend die in Vorbereitung befindliche Arbeiterpartei (PT) aufzubauen möge sogar, in weniger geheimbündlerischer Art partiell zutreffend sein – mit der Propagandaoffensive gegen diesen Streik, der auch eine breite gesellschaftliche Debatte über Privilegien erzeugt habe – berge aber die Gefahr, dass die Regierung, nach den vielen indigenen Organisationen im Widerstand gegen das TIPNIS-Projekt, einen weiteren Bündnispartner verliere – die Arbeiterschaft

Gewerkschaftsföderation COB - Generalstreik wegen Renten in Bolivien Seit Mittwoch den 22. Mai gilt zumindest für 30 Tage der Streik als ausgesetzt – die Gewerkschaftsföderation COB gab bekannt, sie hätte ihr Ziel erreicht – 70% Rente (auf die durchschnittliche Höhe der beiden letzten Beitragsjahre) nach 30 Jahren Arbeit für Bergleute, nach 35 für alle anderen. Des weiteren wurde in der Mitteilung betont, die COB habe niemals die 100% gefordert. Was Lehrer- und Erziehergewerkschaften anders sehen, wie aus dem Artikel “COB acepta oferta del Gobierno, se desmoviliza y da tregua de 30 díasexterner Link von Miguel Lazcano, Williams Farfán und Willy Chipana am 22. Mai 2013 in “La Razon” deutlich wird – sie fordern 100% Rente und wollen weiter streiken. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Während alle Versuche fehlschlugen, die Streikmaßnahmen der Central Obrera Boliviana während der – gescheiterten – Verhandlungen am vergangenen Wochenende zu unterbrechen, bezog Boliviens Präsident die hardcore-Position: Es wird die geforderte Gleichstellung der Renten der Arbeiter mit denen der Militärs nicht geben, Punkt. Deswegen blieben zahlreiche Straßen quer durchs Land ebenso total blockiert, wie die Streiks ausgeweitet wurden. Der Bericht “Streik in Bolivien: Regierung lehnt Forderungen der Gewerkschaft abexterner Link am 10. Mai 2013 bei latina press

Siehe dazu auch:

  • Abajo la ley de pensiones 065externer Link von Marcelo Flores Cabrera (Alternativa Socialista Revolucionaria) am 11. Mai 2013 bei rebelion.org, worin der Autor für seine Strömung fordert, das neue Rentengesetz nicht zu verbessern, sondern rundweg abzulehnen

„Die bolivianische Regierung hat am Freitag (10.) die Hauptforderung der Gewerkschaften nach einer Erhöhung der Renteneinkommen von 70 auf 100% rundweg abgelehnt. Am fünften Tag der landesweiten Streiks im südamerikanischen Binnenstaat war es bereits zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Bergarbeitern gekommen. Mehr als 100 Personen wurden festgenommen, Brücken und Straßen sind durch Dynamit zerstört…Meldung auf agência latina press vom 10.05.2013 externer Link

Quelle:  Meldung auf amerika21 vom 29.09.2012 externer Link

„Der Dachverband der bolivianischen Gewerkschaften (Central Obrera Boliviana, COB) hat am Mittwoch einen 72-stündigen landesweiten Streik zur Unterstützung der staatlich beschäftigten Bergleute im Gebiet Colquiri begonnen. Der COB steht hinter dieser Gruppe von Bergarbeitern und fordert die vollständige Verstaatlichung der Zink- und Zinn-Minen von Colquiri. Auf der anderen Seite stehen unabhängigen Bergleute, die in Kooperativen zusammengeschlossen sind und die ebenfalls Schürfrechte fordern. In der vergangenen Woche war es am Regierungssitz La Paz zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen gekommen, in deren Verlauf ein Arbeiter starb…

The Devil’s Miner

Quelle: labournet.tv (trailer! |  spanisch/englisch | 84 min | 2004) externer Link

“Basilio Vargas (14) und sein Bruder Bernardino (12) kennen ihr Metier: Sie sind Mineros, Bergarbeiter. Ihr Arbeitsplatz sind die 450 Jahre alten Stollen des Cerro Rico, des “Reichen Berges” oberhalb von Potosí in 4300 Meter Höhe. Dort, wo es einmal die größten Silbererzvorräte der Welt gab, arbeiten Basilio und Bernardino unter Tage als Lastenschlepper, Schubkarrenfahrer und Sprengloch-Meisler, so wie es schon ihr Vater tun musste, der mit 35 an den Folgen einer Staublunge starb.”(aus der Filmbeschreibung)

Hintergrund: In Potosí wird seit dem 16. Jahrhundert Bergbau betrieben. Damals wurde Silber in unfassbaren Mengen für die spanischen Kolonialherren geschürft. Heute ist der bolivianische Ort ein “Muss” bei Touristen, die den gefährlichen Alltag der Mineros als touristisches Erlebnis konsumieren.