Bangladesch

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Repression gegen streikende Textilarbeiter_innen in Bangladesh. In Ashulia, einem Zentrum der Textilindutrie naha Dhaka sind seit Ende Dezember 2016 3.500 Arbeiter_innen entlassen worden, weil sie gestreikt haben! Auf einen Streik am 12. Dezember, der sich in den folgenden Tagen auf 25 Fabriken ausweitete, reagierten die Arbeitgeber, indem sie am 21. Dezember alle Textilfabriken in der Industriezone vorübergehend schlossen und so 200.000 Arbeiter_innen aussperrten. Daraufhin wurden Polizei und paramilitärische Grenzschutz-Einheiten in die Region gebracht, um die Streiks zu beenden und Aktivist_innen und Streikende einzuschüchtern und zu verhaften. Am 27. Dezember wurden die Fabriken wieder geöffnet. Die Streikenden hatten die Wiedereinstellung von entlassenen Kolleg_innen und die Erhöhung des Mindestlohnes von umgerechnet 63 auf 180 Euro im Monat gefordert. In den Fabriken wird u.a für #Gap #Zara und #HM produziert. Video bei labournet.tv externer Link (englisch mit dt. UT |2 min |2017)

Abwrackwerft - Friedhof für Arbeiter. Werftarbeiter in Pakistan protestieren nach Gasexplosion in Großbrand auf altem Öltanker (November 2016, IndustriALL)Die Abwrack-Werften in Bangladesch (wie auch jene in Pakistan und Indien) sind eine Todeszone für die Menschen, die da arbeiten (müssen). Immer wieder neue Meldungen über sogenannte Unfälle – die es, wenn überhaupt, nur dann in die Kommerz-Medien schaffen, wenn es Todesopfer gibt, solange sie „nur“ verletzt sind, ist das keine Meldung wert – und es wäre auch schwer, dabei mit diesen Vorkommnissen Schritt zu halten. In der Gefährlichkeit höchstens noch überboten von den Textil-Unternehmen des Landes sind in dieser einst eher zufällig entstandenen Branche sowohl die Untätigkeit von Seiten der Regierung und den Behörden dieselbe wie in der Textilbranche, als auch die Einspar-Bestrebungen der Unternehmen mit tödlichen Folgen verbunden. Weder die Einhaltung des Bangladesh Ship Recycling Act von 2018 wird kontrolliert, noch hat die Regierung bisher die gewerkschaftliche Forderung nach Unterzeichnung der Hong Kong International Convention for the Safe and Environmentally Sound Recycling of Ships erfüllt. Zur Situation auf den Abwrack-Werften drei aktuelle Beiträge – und ein Beitrag, der die Entwicklung dieser Branche skizziert: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019Die Kampagne „No Victims For Fashion!“ bietet vom 22. April bis 4. Juni die Möglichkeit verfolgte Bekleidungsarbeiter*innen mit dem Kauf fair und genossenschaftlich genähter T-Shirts oder einem freien Betrag zu unterstützen. Im Zuge der Forderungen nach einem höheren Mindestlohn läuft in Bangladesch derzeit die größte Repressionswelle seit 10 Jahren. Mehr als 11.000 Arbeiter*innen sind entlassen worden. Gegen mehr als 3.000 von ihnen – 69 waren zwischenzeitlich im Gefängnis – sind jetzt hanebüchene und willkürliche Verfahren anhängig…“ – so beginnt die Pressemitteilung „Solidaritäts-Kampagne mit verfolgten Bekleidungsarbeiterinnen in Bangladesch“ von dann merch am 22. April 2019, die wir im folgenden dokumentieren. Das Unternehmen dna merch führt diese Kampagne zusammen mit der National Garment Workers Federation (NGWF) aus Bangladesch durch, und begleitet diesen Aufruf mit dem Hinweis „Unterstütze verfolgte Bekleidungsarbeiter*innen in Bangladesch mit dem Kauf fair genähter T-Shirts oder einem freien Betrag deiner Wahl“. Siehe dazu die Pressemitteilung und den Link zur Aktionsseite, sowie den Hinweis auf einen unserer Beiträge über die Verfolgung streikender TextilarbeiterInnen in Bangladesch: (weiterlesen »)

Rana Plaza 3 Jahresdemo in Bangladesch - mit Waisenkindern qm 24.4.2016Am 24. April 2013 starben 1.134 TextilarbeiterInnen als in Bangladesch das Rana Plaza Gebäude einstürzte. Am Tag davor war das Gebäude evakuiert worden, weil Risse in den Wänden festgestellt wurden. Trotzdem zwangen die Betreiber von fünf Textilfabriken, die in dem Gebäude produzierten, die ArbeiterInnen, wieder an ihren Arbeitsplatz zu gehen. Verschlossene Türen und blockierte Fluchtwege haben das Ausmaß der Katastrophe vergrößert. Dank eines Abkommens (Bangladesch ACCORD), das nach der Katastrophe in Kraft trat, wurde es möglich, die Sicherheit mehrerer bangladeschischer Fabriken regelmäßig zu kontrollieren. Aktuell besteht jedoch die Gefahr, dass diese unabhängigen Kontrollen nicht mehr durchgeführt werden können. Und dass die ArbeiterInnen niemanden mehr haben an den sie Sicherheitsrisiken melden können…“ aus dem Text der Kampagne für Saubere Kleidung zu einer Veranstaltungsreihe „Rana Plaza Gedenktag – 6 Jahre danach“ externer Link zum 6. Jahrestag des Massakers, die mit 10 unterschiedlich gearteten Veranstaltungen in 6 Städten vom 23. bis zum 27. April 2019 organisiert wird (die genauen Angaben auf der Webseite der Kampagne). Siehe dazu auch eine gewerkschaftliche Stellungnahme zur Politik der Regierung Bangladeschs, das Sicherheitsabkommen nicht zu verlängern, und die wichtigsten der vielen Hintergründe im LabourNet: (weiterlesen »)

Streikende Jutearbeiterin in Bangladesch am 4.4.2019 - Strassenblockaden waren weit verbreitet an diesem TagIn der vergangenen Woche haben Tausende Beschäftigte in neun staatlichen Jute-Spinnereien einen dreitägigen Proteststreik wegen ausstehender Lohnzahlungen und der Forderung nach verbesserten Zuschlägen durchgeführt. Nachdem am Wochenende ein Treffen mit einer Regierungskommission ohne Ergebnis blieb, wurde die Fortsetzung der Streikbewegung beschlossen: In der nächsten Zeit sollen ein weiterer dreitägiger Streik und, falls danach immer noch keine positive Reaktion kommt, ein viertägiger folgen. Der Streik hatte vor allem Aufmerksamkeit über die Landesgrenzen hinaus erregt, weil er zum einen quer durchs Land stattfand und zum anderen von Blockaden von Eisenbahnlinien und Autobahnen begleitet war. In dem Artikel „Jute mill workers set fresh protest schedule“ von Hedait Hossain Molla am 07. April 2019 in der Dhaka Tribune externer Link – der aus Khulna, dem Zentrum der Proteste berichtet – wird über die neuen Streikbeschlüsse berichtet, die die “Jute Mills Workers League” nach den ergebnislosen Gesprächen gefasst hat. Siehe zur Streikbewegung in den Jutefabriken Bangladeschs zwei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019„Die H&M Group hat eine Erklärung zu den Unruhen in Bangladesch abgegeben, nachdem sie wegen der Zusammenarbeit mit Bekleidungsfabriken im Land kritisiert wurde. Im vergangenen Monat führten Tausende von Arbeitern einer Bekleidungsfabrik einen achttägigen Streik durch, in dem sie faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen forderten. Sie behaupteten, dass die Fabriken es versäumt hätten, eine vom Staat im September angekündigte Erhöhung des Mindestlohns umzusetzen. Die Polizei benutzte Gummigeschosse, Wasserwerfer und Tränengas, um die Demonstration aufzulösen. Dabei wurde eine Person getötet und Dutzende verletzt. Der Streik endete, nachdem eine Einigung von einem Gremium aus Arbeitern, Regierungsvertretern, Fabrikanten und Gewerkschaftsführern unterzeichnet wurde. Seitdem wurden jedoch etwa 7.000 Arbeiter wegen ihrer Teilnahme am Streik entlassen, berichteten mehrere internationaler Medien. “Auch wenn wir die Frustrationen der Textilarbeiter verstehen und voll und ganz nachvollziehen können, können wir Vandalismus und Gewalt nicht als Mittel zum Zweck unterstützen. Wir setzen uns nachdrücklich für eine friedliche Konfliktlösung für alle Parteien in allen Situationen ein und verstehen uns als Mittler, dies zu ermöglichen”, schrieb das Unternehmen auf seiner Website…“ – aus dem Beitrag „H&M verteidigt Partnerfabriken nach Aufständen in Bangladesch“ von Marjorie van Elven am 14. Februar 2019 bei Fashion United externer Link (in der Übersetzung von Barbara Russ), worin auch noch die Aufkündigung des Bangladesch-Accords zur Sicherheit am Arbeitsplatz durch die dortige Regierung (beziehungsweise gerichtliche Anordnungen) Thema sind. Zur Entlassungswelle in Bangladesch Textilindustrie drei weitere Beiträge und der Hinweis auf unseren bisher letzten Bericht zu diesem Revanchefeldzug: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019Ganz offensichtlich empfinden die Unternehmen von Bangladeschs Textilindustrie das Ergebnis, das in der dreiseitigen Kommission zum Mindestlohn aufgrund der massiven Streikbewegung erzielt wurde, als eine herbe Niederlage, die ihre Geschäfte stört. Anders kann man sich die unglaubliche Entlassungswelle, mit der sie jetzt die Belegschaften terrorisieren, nicht erklären. Was bereits unmittelbar nach Streik und Kommissions-Entscheid begonnen hatte (siehe unsere Meldung dazu) wurde in den rund zwei Wochen seitdem immer heftiger fortgesetzt: Über 5.000 Entlassene seines es bisher, berichten verschiedene Quellen. In der Meldung „Almost 5,000 Bangladeshi garment workers sacked over strikes“ am 29. Januar 2019 bei Al Jazeera externer Link waren es noch knapp unter 5.000 Betroffene des Entlassungsterrors. Die Gewerkschaften – deren Rolle in der Streikbewegung „nicht unumstritten“ war – halten dem entgegen, dass es mindestens 7.000 Arbeiterinnen und Arbeiter seien, die bisher entlassen wurden – und nicht weniger als 3.000 polizeiliche Untersuchungen gegen „Unbekannt“ eingeleitet, wegen angeblichen Vandalismus, wobei „unbekannt“ zumeist als Drohung gegen Alle verstanden wird… Siehe dazu einen weiteren aktuellen Beitrag und den Hinweis auf unseren bisher letzten Bbericht zur Streikbewegung in der Textilindustrie von Bangladesch: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019Das „Verfahren“ der Textil-Unternehmen zur Bestrafung streikender Arbeiterinnen und Arbeiter in den industriellen Zentren rund um die Hauptstadt Bangladesch ist ziemlich einfach: An den Werkstoren werden Listen aufgehängt von Beschäftigten, die den Betrieb nicht mehr betreten dürfen. In den verschiedenen Berichten diverser Medien über den Beginn dieses Rachfeldzuges für die erlittene faktische Niederlage wird nirgends die Frage aufgeworfen, ob solch selbstherrlliches Vorgehen in irgendeiner Weise mit Arbeitsgesetzen vereinbar wäre – weswegen man davon ausgehen kann, dass diese Gesetze solches Vorgehen entweder zulassen, oder eben dass die Regierung und die Behörden ungesetzliches Vorgehen der Textilunternehmen einmal mehr unterstützen. In dem Bericht „Hundreds sacked after Bangladesh garment strikes“ am 17. Januar 2019 beim Business Recorder externer Link wird ein Gewerkschaftssprecher mit der Aussage zitiert, in den ersten drei Tagen nach Beendigung des Streiks hätten mindestens 750 Beschäftigte verschiedener Unternehmen so von ihrer Entlassung erfahren: Auf Zettel an den Toren, inklusive Namensnennung und Foto. Die Polizei, so der Gewerkschafter weiter, habe ihm „geraten“ keinen Ärger zu machen (woran sich offenbar die Gewerkschaften zu halten gedenken), alle Entlassenen hätten Akte des Vandalismus begangen, was diese feine Truppe ja nur von ihren besitzenden Freunden wissen kann… Siehe dazu auch den Hinweis auf unseren bisher letzten Beitrag zur Streikbewegung in Bangladesch, worin die beginnende – besser: fortgesetzte – Repression nach Streikende bereits Thema war: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019Während es nach wie vor unterschiedliche Berichte darüber gibt, wie die Reaktion der streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter der Textilindustrie in Bangladesch auf die am Sonntag, den 13. Januar 2019 von der dreiseitigen Kommission vorgenommene „Nachbesserung“ der Mindestlohn-Erhöhung genau aussieht, scheint es so zu sein, dass mindestens die Mehrheit der Streikenden mit diesem Ergebnis zufrieden ist – jedenfalls so weit, dass sie ihren Streik beendet und die Arbeit wieder aufgenommen haben, wozu ja auch mehrere Gewerkschaften aufgerufen hatten. (Siehe dazu den Verweis auf unseren Bericht über die Ereignisse am Sonntag am Ende dieses Beitrags). Andererseits gibt es auch Berichte über ein Andauern des Streiks auch nach dem erneuerten Abkommen. Was in jedem Falle unstrittig ist, ist dass die Textilunternehmen, auch hier massiv unterstützt von der Polizei, wie während des ganzen Streiks, mit ihrem „Revanche-Feldzug“ begonnen haben: Hunderte von Streikenden wurden bereits gekündigt und viele sollen strafrechtlich verfolgt werden, wegen angeblicher vandalistischer Akte während des Streiks. Siehe zur aktuellen Lage in Bangladeschs Textilindustrie drei Beiträge und den Verweis auf unseren letzten Bericht dazu: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019Sie nähen unsere Kleidung, gehören aber zu den Ärmsten der Welt. Tagelang hatten Tausende Textilarbeiter in Bangladesch für bessere Bezahlung protestiert, nun erhöhte die Regierung den Mindestlohn. Nach tagelangen Protesten Tausender Textilarbeiter in Bangladesch hat die Regierung höhere Löhne angekündigt. Sie sollen rückwirkend von Dezember an gezahlt werden, wie Handelsminister Tipu Munshi nach einem Treffen mit Vertretern der Gewerkschaften und Fabrikbesitzern sagte. Die Regierung hofft nun, dass die seit 6. Januar anhaltenden Proteste aufhören. Erst am Wochenende hatte die Polizei in der Hauptstadt Dhaka Tausende Textilarbeiter, die für bessere Bezahlung protestierten, mit Wasserwerfern und Tränengas auseinandergetrieben. Nach Polizeiangaben mussten wegen der Streiks rund 50 Fabriken zeitweise schließen. (…) Die Arbeiter hatten unter anderem mit Blockaden von Straßen gefordert, dass eine bereits 2018 beschlossene Lohnerhöhung der Textilarbeiter auch umgesetzt werde. Das Arbeitsministerium teilte nun mit, das gesetzliche Mindestgehalt für Berufseinsteiger bleibe bei monatlich 8000 Taka (knapp 83 Euro) – bereits im Dezember war es um gut 50 Prozent erhöht worden. Ein Arbeiter mit einschlägiger Berufserfahrung soll nun aber 18.257 Taka pro Monat statt der bisher geltenden 17.510 Taka bekommen. Die Löhne in den dazwischen liegenden vier Stufen würden entsprechend angepasst…“ – aus der Meldung „Bangladesch erhöht Löhne für Textilarbeiter“ am 13. Januar 2019 in der tagesschau externer Link über Zugeständnisse der Regierung (nach sieben Streiktagen mit stetig wachsender Beteiligung und bleibender Entschlossenheit) – und ihre damit verbundenen Hoffnungen auf ein Ende der Streikbewegung. Ob es reicht? Siehe zu den Entwicklungen am Wochenende vier weitere aktuelle Beiträge über Polizeirepression und Streikbeteiligung, die Begründung der Regierung für ihren Schritt und die Drohungen der Unternehmen mit Massenaussperrung, wie auch den abermaligen gewerkschaftlichen Aufruf zum Streikende – sowie den Hinweis auf unseren bisher letzten Bericht vom Samstag: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiterinnen demonstrieren in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch am 11. Januar 2019In den Satellitenstädten der Hauptstadt Dhaka reißen Demonstrationen und Straßenblockaden nicht ab – ihre Teilnahmezahlen wachsen beständig seit Wochenbeginn. Inzwischen werden über 100 Textilunternehmen bestreikt, über 50.000 zumeist Textilarbeiterinnen haben die Arbeit niedergelegt im Kampf um einen Mindestlohn, der zum Leben reicht. Nachdem dieser Mindestlohn seit Jahren nicht mehr erhöht worden war (und seinem Namen insofern schon gar keine Ehre macht, als es auch noch zahlreiche Ausnahmen davon gibt, wie etwa einen Einstiegslohn, der deutlich niedriger liegt), hatte die dreiseitige Kommission auf Initiative der Ministerpräsidentin im Herbst letzten Jahres – nicht zuletzt aufgrund der massiven Streiks zum Jahresbeginn 2018 – den Mindestlohn auf 8.000 Takas erhöht. (Ganz grob: 100 Taka sind etwa 1 Euro). Voraus gegangen war dem ein „Angebot“ des Verbandes der Textilunternehmen (zuständig für etwa 80% der Exporte des Landes), den Mindestlohn auf 7.000 Takas zu erhöhen – die Gewerkschaften hatten 12.000 gefordert. Während einige Gewerkschaften dieses Abkommen unterstützten, wurde es von anderen sofort kritisiert – und ganz offensichtlich von einem bedeutenden Teil der Betroffenen massiv abgelehnt, die sich auch von gewerkschaftlichen Aufrufen, Ruhe zu bewahren, nicht abhalten ließen, für ihre Forderungen einzutreten. Neben der simplen viel zu geringen Höhe des neuen Mindestlohns kritisieren sie vor allem zahlreiche Bestimmungen und Verfügungen, die selbst Umfang und Zugang zu diesem neuen Hungerlohn noch beschränken. Zur Entwicklung der Streikbewegung in Bangladesch zwei aktuelle und zwei Hintergrundbeiträge, sowie der Verweis auf unseren bisher letzten Beitrag zum Kampf um “echten” Mindestlohn: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiter blockieren die Hauptstrasse in Bangladeschs Hauptstadt am 6.1.2019Die Polizei antwortete mit Wasserwerfern und Tränengas auf rund zehntausend wütende Arbeiter, die die Hauptverkehrsstraßen in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka blockiert hatten. Arbeiter warfen mit Ziegelsteinen und setzten Fahrzeuge in Brand. Mehrere Dutzend Menschen wurden verletzt, darunter auch Polizisten. Ein Arbeiter starb. Der deutsche Botschafter in Dhaka, Peter Fahrenholtz, rief die Polizei auf Twitter dazu auf, nicht gegen die streikenden Arbeiter vorzugehen. Die Regierung hatte im September versprochen den Mindestlohn um bis zu 51 Prozent auf 8.000 Taka (84 Euro) pro Monat anzuheben. Kritiker bemängeln jedoch, dass davon nur ein Teil der Arbeiter wirklich profitieren würde. Obwohl die Regierung am Dienstag versprach, sie würde sich mit den Forderungen der Protestierenden auseinandersetzen, gingen weiter Tausende auf die Straße. Am Donnerstagabend tagt ein von der Regierung ins Leben gerufenes Komitee aus Regierungsvertretern, Fabrikbesitzern und Arbeitern, das den Konflikt beilegen soll…„ – aus dem Beitrag „Textilarbeiterinnen demonstrieren“ von Verena Hölzl am 10. Januar 2019 in der taz externer Link, aus dem abermals die enge Verbundenheit der Regierung Bangladesch mit dem wichtigsten Exportsektor des Landes deutlich wird. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge zur Entwicklung von Streikbewegung und Repression, sowie den Hinweis auf unseren ersten Beitrag zum diesjährigen Streik um Mindestlohn: (weiterlesen »)

Streikende Textilarbeiter blockieren die Hauptstrasse in Bangladeschs Hauptstadt am 6.1.2019Seit dem 6. Januar 2019 breitet sich erneut eine Streikwelle in Bangladeschs Textilindustrie aus: Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter in inzwischen über 20 größeren Betrieben kämpfen um einen Lohn, der zum Leben reichen soll. Und wie immer, wenn in Bangladesch wichtigstem Wirtschaftszweig gestreikt wird, ist die Staatsmacht in vollem Einsatz: Für die Interessen der Unternehmen, gegen die Streikenden. In dem Bericht „RMG workers protest for 3rd day, block Dhaka roads“ von Ashif Shaon am 08. Januar 2019 in der Dhaka Tribune externer Link werden vor allem die verschiedenen Straßenblockaden in und um die Hauptstadt dargestellt: An diesem Tag selbst in der Innenstadt, am Tag zuvor die Straße zum Flughafen. Aber auch über Demonstrationen und Blockade-Aktionen in Gazipur und Savar wird berichtet, wobei es in Gazipur zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Polizei gekommen sei, die auf beiden Seiten Verletzte ergeben hätten, wie entsprechende Meldungen zeigten. Siehe dazu auch einen Bericht über den Beginn der Streikwelle im Dezember und die (seltsame) Haltung der Gewerkschaften: (weiterlesen »)

Dossier

Ein Opfer des Fabrikeinsturzes in Bagladesch 2013Die internationalen Gewerkschaftsverbände IndustriALL und UNI, Vertreter von Markenunternhemen und Einzelhändler einigen sich auf eine Verlängerung des Accord on Fire and Building Safety in Bangladesch. Der Accord ist ein bahnbrechendes, rechtlich verbindliches Abkommen mit dem Ziel, Sicherheitsmängel in Zulieferfabriken von internationalen Textilunternehmen zu beseitigen. Bis jetzt haben H&M, Inditex (Zara), Otto, KiK, Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Tchibo und fünf weitere internationale Unternehmen das neue Abkommen unterzeichnet. Acht Unternehmen, darunter Esprit, haben versprochen zu unterschreiben. IndustriALL und UNI werden heute gemeinsam mit den Unternehmensvertretern von C&A und LC Waikiki das neue Abkommen beim OECD Global Forum on Responsible Business Conduct in Paris vorstellen. Die Mitglieder des jetzigen Accord treffen sich zur selben Zeit in Amsterdam um über das neue Abkommen zu beraten. Es wird erwartet, dass die meisten von ihnen es unterzeichnen werden“ – so beginnt die Pressemitteilung „Bangladesh Accord für weitere 3 Jahre verlängert“ am 29. Juni 2017 bei der Clean Clothes Campaign externer Link in der auch eine Reihe von Fakten genannt werden, die die erreichten Verbesserungen der Sicherheit für die Beschäftigten dokumentieren. Siehe dazu aber auch zwei Beiträge über das neue Sterben von TextilarbeiterInnen in Bangladesch direkt nach dieser Unterzeichnung, die Vorgeschichte und aktuelle Entwicklung:

  • Gefahren für TextilarbeiterInnen in Bangladesch – Brandschutzabkommen kündigen wäre verheerend New (weiterlesen »)

Busproteste in Bangladesch:Nach dem PolizeieinsatzEntgegen verschiedener Nachrichten in bundesdeutschen Medien gehen die Jugendproteste gegen die Opfer einer auf Profit orientierten Verkehrspolitik in Bangladesch weiter, trotz aller Repressionsversuche und bestärkt durch massive Solidarität nicht nur im eigenen Land. In dem Artikel „Bangladesh: Challenge of the Students Uprising – Its historical background“ von Lal Khan am 10. August 2018 bei Europe Solidaire dokumentiert externer Link wird die Entwicklung nachgezeichnet, die zu diesen Protesten führte – vor allem eben zu der unglaublich breiten Beteiligung daran. Dabei wird ein wesentlicher Schwerpunkt darauf gelegt, nachzuzeichnen, dass in den letzten Jahren – im Unterschied zu ersten Zeit als eigenständiger Staat – die linken Protestbewegungen an den Universitäten wesentlich engere Verbindungen zu den Gewerkschaften, vor allem in entscheidenden Textilsektor, etabliert haben. Siehe dazu zwei weitere Beiträge zur aktuellen Entwicklung und zu Hintergründen, sowie den Verweis auf unseren bisher letzten Beitrag zu den Protesten in Bangladesch: (weiterlesen »)

Busproteste in Bangladesch:Nach dem PolizeieinsatzDer Anlass für die Proteste ist ein Unfall. Ein Bus raste in eine Gruppe Schüler, zwei von ihnen starben. Alltag in Dhaka. “Der Zustand der Straßen in Bangladesch ist mit Deutschland nicht zu vergleichen. Die Fahrbahnen sind gekennzeichnet, aber niemand hält sich daran. Keiner beachtet die Verkehrsordnung, keiner die Ampeln”, sagt Dennis Schuster. Einen Führerschein braucht man nicht, um sich in Dhaka fortzubewegen. Unregistrierte Fahrzeuge sind Normalität – und Busse, die sich im dichten Verkehr der 18-Millionen-Einwohner-Stadt Wettrennen liefern. Zustände, die vor allem Jugendliche und Studenten wohl nicht mehr länger hinnehmen wollen. Zehntausende sind inzwischen auf der Straße. Der komplette Verkehr Dhakas liegt lahm – und die Sicherheitskräfte reagieren mit brutaler Härte. Sie greifen nicht nur die Demonstranten tätlich an, sondern offenbar auch Journalisten, die über die Proteste berichten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat das Vorgehen der Regierung verurteilt. Ein Problem sind offenbar auch gewaltbereite, regierungsnahe Gegendemonstranten, die Chaos stiften. Medienberichten zufolge handelt es sich bei ihnen um Mitglieder der Bangladesh Chhatra League (BCL), einer Studentenorganisation, die über Verbindungen zur herrschenden Partei, der Awami-Liga, verfügt…“ – aus dem Bericht „Zehntausende Jugendliche legen Dhaka lahm“ von Carolin Werthmann am 09. August 2018 in SZ Online externer Link, worin eine weitere Fortsetzung der Proteste als wahrscheinlich angesehen wird. Siehe dazu auch eine Solidaritätserklärung von über einem Dutzend asiatischen linken Organisationen verschiedenster Strömungen mit den Jugend-Protesten in Bangladesch und den Verweis auf unseren ersten Beitrag zu den Protesten: (weiterlesen »)