Arbeitskämpfe

Lehrerinnen demonstrieren in Buenos Aires am 22.3.2017Die Gewerkschaften der Lehrerinnen und Lehrer Argentiniens hatten zum landesweiten „Marsch des Erziehungswesens“ aufgerufen – und alleine in der Hauptstadt Buenos Aires beteiligten sich 400.000 Menschen: Eine unerwartet massive Mobilisierung, die sowohl die Regierung Macri, als auch ihre „Speerspitze“ im Kampf gegen die LehrerInnen, die Gouverneurin von Buenos Aires, erheblich in Bedrängnis bringt. Seit Wochen gab es immer wieder Streiktage an den Schulen – im Widerstand gegen eine Bildungspolitik, die nur auf Kostenreduzierung und Ausweitung des Privatschulensystems abzielt. Deswegen hatte die Regierung auch die „Paritarias“ faktisch die Tarifverhandlungen im Schulbereich boykottiert, ausgesetzt, wie auch immer und versucht, per Diktat sich durchzusetzen, ein Vorgehen, dessen Gelingen jetzt sehr fraglich geworden ist. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge und einen Verweis auf frühere Berichte: (weiterlesen »)

Polizeiaufmarsch vor der besetzten Clarin Druckerei in Buenos Aires am 8.3.2017In einer dringenden Pressemitteilung vom Mittwochabend weist die Belegschaft der AGR-Druckerei, die ihren Betrieb seit nunmehr beinahe zwei Monaten besetzt hält, darauf hin, dass es einen Beschluss zur Räumung gebe – ein Marschbefehl an die Polizei liegt ebenso vor, wie Dokumente, die beweisen, dass auch Schlägerbanden „unter Vertrag“ genommen wurden – eine in Argentinien durchaus nicht seltene Konstellation. Am Donnerstag hatten – nun endlich – zahlreiche Gewerkschaftsgremien ihre Solidarität mit den 400 besetzenden Kollegen öffentlich unterstrichen. Am Freitag soll es eine gemeinsame Pressekonferenz der Besetzer – beziehungsweise des gewerkschaftlichen Betriebsgremiums – geben mit verschiedenen Gewerkschaftsorganisationen, mit dem Ziel, die Räumung zu verhindern. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Argentinischer Lehrerstreik: Demonstration Buenos Aires am 7.3.2017Am Montag, den 6. März 2017, dem Tag des Ferienendes, begann in Argentinien ein neuerlicher, diesmal zweitägiger Streik der LehrerInnen: Die Regierung Macri hatte alle formalisierten Gespräche darüber („Paritarias“) für abgeschafft erklärt, und stattdessen eine landesweite Gehaltserhöhung von maximal 18% diktiert – im Angesicht der Inflation weitaus eher eine Lohnkürzung. Im ganzen Land waren über 100.000 Lehrerinnen und Lehrer auf den Straßen, bei der größten Streikkundgebung in der Hauptstadt waren es 70.000 TeilnehmerInnen. Der Protest richtet sich sowohl gegen den Konfrontationskurs dieser neoliberalen Musterregierung, die entsprechend ihrer Ideologie nur Diktate kennt, als auch gegen die konkrete Einkommenssenkung, die Macri den Menschen, die im Bildungswesen arbeiten, aufzwingen will. Gerade in Buenos Aires aber richtete sich massiver Protest auch gegen die Führung des Gewerkschaftsbundes CGT (vor allem), der zwar große Worte von Generalstreik sprach, diesen aber weder beschloss, noch gar ein Datum dafür setzte, was zu recht allgemein als Voraussetzung für eine wirkliche Mobilisierung gesehen wird. Die CGT hatte am zweiten Streiktag zu einer Großkundgebung aufgerufen, an der Hunderttausende teilnahmen – und bei der Vorstandsredner am Ende wegen Pfiffen und Eiern abhauen mussten… Siehe dazu vier aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Demonstration vor der besetzten Clarin Druckerei in Buenos Aires am 24.1.2017Zwei Versammlungen zu Wochenbeginn markieren die weitere Entwicklung des Kampfes der AGR-Drucker gegen die Betriebsschließung durch den Clarin-Konzern. Zum einen gab es am Montag eine Versammlung im besetzten Betrieb, während der die gewerkschaftliche Betriebskommission einen weiteren Aktionsplan vorstellte und zur Abstimmung brachte – wo er auch nahezu einstimmig angenommen wurde. Dieser Plan besteht zum einen aus einer Reihe weiterer öffentlicher Aktionen und zum anderen aus Überlegungen, wie die bisher eher nicht vorhandene reale Unterstützung der großen Gewerkschaftsverbände erzwungen werden kann. Ein erster wesentlicher Fortschritt dabei ist, dass die Föderation der betrieblichen Druckereigewerkschaften in Buenos Aires nun endlich den Kampf ernsthaft unterstützt, was keineswegs von Beginn an der Fall gewesen war. Siehe dazu zwei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Demonstration vor der besetzten Clarin Druckerei in Buenos Aires am 24.1.2017Am Mittwoch, 15. Februar 2017 hat die Belegschaft der AGR-Druckerei der Clarin-Mediengruppe eine erneute Protestaktion im Zentrum von Buenos Aires organisiert, die abermals mit der Unterstützung Tausender Basis-GewerkschafterInnen und linker Gewerkschaftsströmungen zur Massenaktion wurde. In dem Bericht „AGR-Clarín. Corte en el Obelisco: “Ni calor, ni choque, es la lucha”“ von Liliana Giambelluca am 16. Februar 2017 bei aregtina.indymedia externer Link wird aber auch erneut unterstrichen, dass es an Unterstützung offizieller Gewerkschaftsgremien – über Worte hinaus – weiterhin fehlt. Die Belegschaft nutzt deswegen die Gelegenheit großer Öffentlichkeit, um ihren – zu Beginn der Betriebsbesetzung verfassten – offenen Brief an die ArbeiterInnen und den Gewerkschaftsbund CGT zu verbreiten – und zu einem  Kulturfestival am Abend des 16. Februar einzuladen, einen Monat nach Beginn der Betriebsbesetzung.  Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Im Kampf gegen Clarin: Strassenblockade in Buenos Aires am 9.2.2017Seit 14. Januar 2017 dauert die Betriebsbesetzung der Belegschaft der Druckerei AGR des Clarin-Konzerns nunmehr bereits an (wir berichteten) – und sie wird allmählich zu einer Art Wasserscheide des Widerstands gegen den Kurs des plump neoliberalen Präsidenten Macri (und seiner Wahlkampfmaschine Clarin). War bereits bei der Demonstration am 4. Februar, die zum Arbeitsministerium führte, aufgefallen, dass Gewerkschaftsverbände durch Abwesenheit „glänzten“, so geschah dies erneut am Donnerstag, 9. Februar. An diesem von zahlreichen Kräften beschlossenen Aktionstag gab es in vielen Städten – vor allem, aber nicht nur, rund um Buenos Aires – Strassenblockaden, zu denen die Belegschaft aufgerufen hatte. Zahlreiche gewerkschaftsoppositionelle Kräfte folgten diesem Aufruf ebenso, wie eine ganze Reihe von Einzelgewerkschaften und linken Gruppierungen. Die Belegschaft wendet sich nun mit einem offenen Brief an die Gewerkschaftsbewegung mit dem Aufruf, ihren Kampf nicht als alleinstehend zu betrachten, sondern, im Gegenteil, als exemplarisch für zahlreiche aktuelle Auseinandersetzungen, für wachsenden Widerstand gegen die Entlassungswelle und als Protest gegen die Teuerungswelle –  beides Ergebnis des Wunsches der Unternehmen und seiner Erfüllung durch Macri. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge und den Verweis auf bisherige Berichte: (weiterlesen »)

Demonstration vor der besetzten Clarin Druckerei in Buenos Aires am 24.1.2017Zum Arbeitsministerium ging der Demonstrationszug der Belegschaft der AGR-Druckerei, die besetzt bleibt, weil die größte Mediengruppe des Landes, Clarin, diese Belegschaft los werden will: Um billiger zu produzieren, trotz allen Profits. Schon zu Beginn des Widerstands Mitte Januar hatte es einen Polizeiüberfall auf Familien, Freunde und Solidaritätsaktivisten vor den Toren der Druckerei gegeben, und auch an diesem Freitag, 3. Februar 2017, wurden die DemonstrantInnen von einem enormen Polizeiaufgebot empfangen. Allerdings auch von zahlreichen Beschäftigten des Arbeitsministeriums, die massiv und öffentlich ihre Unterstützung für die AGR-Belegschaft bekundeten. Im Unterschied zu einer Reihe von Gewerkschaften, die Unterstützung für diese Demonstration zugesagt hatten, aber nicht sichtbar waren. Auf der Kundgebung sagte der Sprecher des betrieblichen Gewerkschaftsgremiums, dass bisher der Vorstand der Druckergewerkschaft von Buenos Aires noch nicht mit der Belegschaft gesprochen habe – ein wesentliches Indiz für die gespaltene Situation in den Gewerkschaften, da gleichzeitig zur Abwesenheit der Föderationen auch zahlreiche Einzelgewerkschaften und betriebliche Vertretungen sehr wohl zur Beteiligung an der Demonstration mobilisiert hatten. Siehe zu diesem Kampf vier aktuelle Beiträge vom Wochenende:

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Demonstration vor der besetzten Clarin Druckerei in Buenos Aires am 24.1.2017Am 16. Januar 2017 wurde die Belegschaft der Artes Gráficas Rioplatense (AGR) in Buenos Aires – Druckerei des größten argentinischen Medienkonzerns Clarin, mit der gleichnamigen Tageszeitung als „Flagschiff“, von verschlossenen Türen überrascht, als sie zur Frühschicht kamen. Aussperrung, ohne Ankündigung. Die Reaktion darauf war: Betriebsbesetzung. Die rund 400 Beschäftigten haben für diese Aktion nicht nur Hilfe und Rückendeckung durch die lokale Gewerkschaft (die von einem oppositionellen Netzwerk geführt wird), sondern auch die Solidarität anderer Belegschaften und Gewerkschaften: Eine Matratzenfabrik „lieferte“ die nötige Ausrüstung, um im Betrieb schlafen zu können, und, nun ja, die KollegInnen von Coca Cola versorgten sie mit Trinkbarem. Zwei Solidaritätsdemonstrationen fanden bereits statt, die zweite, naheliegenderweise besser vorbereitete und bekannte, hatte eine Beteiligung mehrerer Tausend Menschen. Sowohl vor den Toren der Druckerei, als auch – aus Anlass des Besuchs einer Delegation der BesetzerInnen bei der Arbeitsinspektion – wurden Familienangehörige und Menschen, die sich solidarisch zeigten, von der Polizei überfallen. Die Gewerkschaft hat – einstweilen – einen Gerichtsbeschluss gegen Polizeiaktionen erwirkt, auf der anderen Seite sagen zuständige Stellen, sie könnten nichts tun, der unsägliche Präsident Macri meinte, so sei dies eben, ein Unternehmen schließe, ein anderes öffne. Wobei selbst dies von der Belegschaft bestritten wird: Es gehe nicht um Schließung, sondern ausschließlich darum, eine andere, billigere Belegschaft in den hochprofitablen Betrieb zu bekommen… Siehe dazu drei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Trucker: Ohne uns läuft nichts!Argentinien wurde von einer Welle von Streiks gegen die Austeritätspolitik erfaßt. Als vor einige Monaten Regierung Milliarden an Hedgefonds zahlte und zugleich Preise für Nahverkehr, Wasser und Gas erhöhte, kündigten die Gewerkschaften Gegenmaßnahmen an. Ölarbeiter traten in einen 48 stündigen Streik mit der Forderung einer Lohnerhöhung um 42%. Sollte es zu keiner Einigung kommen, kündigte die Gewerkschaft einen Folgestreik über 72 Stunden an.
Über 180.000 Fahrer im Soya-, Mais- und Weizentransport traten unangekündigt Mitte des Monats Juli in einen ubefristeten Streik. Auslöser für den Streik waren um 31% erhöhte Dieselpreise und die um 400% erhöhte Straßenmaut. Argentinien ist der drittgrößte Getreideexporteur weltweit. Die Trucker drohen die Exporthäfen zu blockieren. Zu ihren Forderungen gehört die Erhöhung der Frachtpreise um 31%.
” Bericht von Karsten Weber vom 24.7.2016 – wir danken!

Ölarbeiter blockieren Autobahnen im Süden Argentiniens am 7.5.201660.000 Menschen beteiligten sich am Freitag, 6.5.16, an den ganztägigen Protesten in der argentinischen „Ölhauptstadt“ Comodoro Rivadavia im Süden Argentiniens. Der Protest galt den privaten Ölfirmen, die die Vereinbarungen mit Gewerkschaften über die Beibehaltung der Produktion trotz Ölkrise schlicht vom Tisch fegen und Hunderte Entlassungen vornehmen wollten. Eine Auseinandersetzung, die sich seit Januar entwickelt, als die verabredeten 2 Monate vorgezogene Ferien zu Ende gegangen waren. Der Beitrag „Histórica movilización en Comodoro Rivadavia en defensa de los puestos de trabajo“ am 07. Mai 2016 bei argentina.indymedia externer Link ist eine Pressemitteilung der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Gewerkschaftsbundes CTA über die massive Mobilisierung und ihre Gründe. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge (weiterlesen »)

Historische Streikversammlung der Ölarbeiter Argentiniens am 18.1.2016Die Provinz Chubut gehört zu Patagonien – und ist schon deshalb relativ wenig besiedelt. Die Bevölkerung aber wächst – nicht zuletzt zusammen mit der Ölförderung, bei der Cubut längst die wichtigste Förderprovinz ist. Was bedeutet, dass hier auch die weltweit bekannten dubiosen Unternehmungen zu finden sind, die dieses Geschäft weitgehend beherrschen. Nun, da der Ölpreis sinkt und mit ihm die Profite, soll wer wohl nach Ansicht der Unternehmensleitungen die Zeche bezahlen? Eben. Und natürlich soll auch „der Staat“ seine Kassen einmal mehr für sie öffnen – für die Unternehmen wohlgemerkt, für andere ist einsparen angesagt. „“Esta es la movilización de un pueblo trabajador, la Patagonia Rebelde”“ externer Link am 21. Januar 2016 bei der Gewerkschaft Sindicato del Petróleo y Gas Privado del Chubut ist ein Bericht über die größte Versammlung von Ölarbeitern, die jemals in der Provinz stattgefunden hat – und ein Dokument des Kampfeswillens, denn die Ölunternehmen wollen nicht nur eine halbe Milliarde Dollar aus der Staatskasse, sondern auch bis zu 6.000 Ölarbeiter entlassen, was ungefähr 40% aller Beschäftigten bedeuten würde und für die gesamte Provinz einen regelrechten Kahlschlag. Siehe dazu weitere aktuelle Beiträge, darunter ein internationales Anschreiben der Gewerkschaftsbasis: (weiterlesen »)

Dossier

Übernahme der US-amerikanischen Druckerei Donnelley in Buenos AiresWie reagierten die Arbeiter auf die Schließung? – Die Antwort der Angestellten war schlagkräftig. Sie debattierten in einer Vollversammlung, an der alle 400 Arbeiter teilnahmen, und in weniger als 24 Stunden entschieden sie sich, die Kontrolle über die Fabrik zu übernehmen und weiterzuproduzieren. Eine Gruppe von Kollegen kontaktierte die Kunden, um anzukündigen, daß die Fabrik ihre Aktivität nun unter Arbeiterkontrolle weiterführen würde, weil die Unternehmer sich zurückgezogen haben“ – aus dem Interview »Sie übernehmen die Kontrolle über die Fabrik« externer Link von Wladek Flakin und Stefan Schneider mit Leo Amendola von der argentinischen PTS am 18. August 2014 in der jungen Welt. Siehe dazu auch:

  • Donnelley in Buenos Aires: Claudio Gonzales
    Als am 11. August die Arbeiterinnen und Arbeiter von RR Donnelley, einer der größten Druckerei Argentiniens, mit ihrer Schicht beginnen wollten, standen sie vor verschlossenen Türen. Per Aushang verkündete der US-amerikanische Mutterkonzern, sein Werk in Buenos Aires sei pleite und würde folglich geschlossen. Von einem Tag auf den nächsten standen 407 Angestellte – Drucker_innen ebenso wie Verwaltung und Management – auf der Straße. Unter der Hotline-Nummer, die sie wegen der Abwicklung ihrer Arbeitsplätze anrufen sollten, meldete sich nur ein Spruchband. Auch bei einer von der Provinzregierung von Buenos Aires einberufenen verbindlichen Schlichtungsrunde erschien die Arbeitgeberseite nicht. Untersuchungen des Betriebsrats zeigen, dass es sich um eine Scheininsolvenz handelt – Gerichte und Regierung haben sich mittlerweile der Sache angenommen. Von der Flucht des Unternehmens ließen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter nur kurz schocken. Dank langjähriger Organisationsarbeit im Betrieb konnten sie auf die Situation reagieren und kurbelten innerhalb weniger Tage die Produktion wieder an. Seither betreiben sie mit 320 Kolleginnen und Kollegen die Druckerei in Eigenregie. In dem Kurzprotrait schildert der 22-jährige Claudio Gonzalez, was sich seither verändert hat und welches die Forderungen der Arbeiter_innen sind. Das Video bei labournet.tv (cast. mit dt. UT | 1,3 min | 2014) externer Link (weiterlesen »)

DossierArbeiter beim deutschen Autozulieferer Kromberg und Schubert in Argentinien kämpfen gegen Entlassungen und miserable Arbeitsbedingungen

Die 700 Arbeiter in der argentinischen Niederlassung in einem großen Industriepark im Norden von Buenos Aires (Pilar) des deutschen Konzerns Kromberg & Schubert, der elektrische Kabelbäume für Volkswagen und Mercedes Benz produziert, kämpfen seit Mitte 2013 gegen ihre Entlassung und für das Recht auf echte, nicht “gelbe” gewerkschaftliche Organisierung. Siehe dazu:

  • Nach einem Jahr Kampf: Erfolg argentinischer Arbeiter bei deutschem Autozulieferer
    Kromberg & Schubert: Erfolg argentinischer Arbeiter bei deutschem AutozuliefererSeit rund 15 Jahren produziert Kromberg & Schubert im Industriezentrum von Pilar – einem der grössten Industrieparks Argentiniens mit insgesamt rund 20.000 Beschäftigten – für VW und Daimler. 2013 gab es erstmals Proteste und Aktionen der Belegschaft, denen mit dem „Herr im Hause“ Standpunkt begegnet wurde – 50 AktivistInnen wurden entlassen. „Nie wieder“ würden sie das Gelände der Fabrik betreten, liess das Unternehmen mitteilen und mobilisierte dafür auch seine Hausgewerkschaft UOyEP (Unión Obrera y Empleados Plásticos) – die einer der Gründe für die Aktivität war, die Beschäftigten wollten endlich eine richtige Gewerkschaft. Die Entlassung von Daiana Álvarez, Analía Martínez und Maximiliano Torres stand im Zentrum der Auseinandersetzungen, denn diese zwei Kolleginnen und der Kollege waren jene, die für die Gründung einer neuen Gewerkschaft repräsentativ standen. Am 19. Januar mussten sie wieder eingestellt werden. In dem Bericht „Histórico triunfo obrero en Kromberg“ von Dardo Ocampo Lizondo am 23. Januar 2015 bei der PTS externer Link wird noch einmal nachgezeichnet wie der Widerstand gegen die Entlassungen immer breiter wurde – sowohl in der Zusammenarbeit mit anderen Belegschaften aus dem Industriepark, als auch durch die Gründung eines prominent besetzten Unterstützungskomitees – so dass die Geschäftsleitung schliesslich einknicken musste und nachgeben – was ein Beispiel für ähnliche Auseinandersetzungen werden könnte

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Eine erstarkte Arbeiterbewegung in Argentinien - in der ila Nummer 382 Ausgabe Februar 2015Entlassene ArbeiterInnen des Autozulieferers Lear campierten 2014 monatelang vor der Fabrik, immer wieder blockierten sie die Autobahn Panamericana und fuhren für Demonstrationen ins Stadtzentrum. Viele gaben auf, aber ein Kern hielt hartnäckig durch und konnte die Wiedereinstellung durchsetzen. Sie hatten nicht nur gegen den US-Multi und staatliche Repression zu kämpfen, sondern auch gegen die Gewerkschaft SMATA. In anderen Betrieben dieses großen Industriegebietes gab es ähnliche Konflikte. Außerdem wurde dort angesichts drohender Schließung im August die Großdruckerei Donnelley besetzt und in Selbstverwaltung übernommen. Und 2014 meldeten sich die ArbeiterInnen in Argentinien mit zwei Generalstreiks zu Wort. Anzeichen für eine neue Tendenz unabhängiger Arbeiterbewegung?“ – das ist die Einleitung zu dem Gespräch „Buenos Aires, Zona Norte: Heftige Kämpfe gegen Entlassungen“ von Alix Arnold mit dem Gewerkschafter und Zanon-Arbeiter Raúl Godoy in der ila Nummer 382 Ausgabe Februar 2015   worin auch die Rolle der politischen Linken innerhalb dieser Entwicklung zur Wiedererstarkung Thema ist – wir danken der ila-Redaktion für den Vorabdruck!

Dossier

Kampf gegen Entlassungen bei LEAR in ArgentinienAm Ende des Monats Mai stellte der multinationale Automobilzulieferer LEAR Corporation 330 ArbeiterInnen des Betriebs in Pacheco, im Norden von Buenos Aires, auf unbestimmte Zeit auf Kurzarbeit um, ohne die notwendigen legalen Schritte dafür einzuleiten. Die ArbeiterInnen lehnten dieses Vorgehen ab und organisierten Versammlungen und Straßenblockaden. Daraufhin erklärte das Arbeitsministerium die Kurzarbeit für illegal. Trotzdem verschärfte das Unternehmen seinen Angriff, indem es 200 der 330 ArbeiterInnen beurlaubte, ohne ihnen das Geld für einen Monat zu bezahlen. Einige Tage später wurden 100 von 200 ohne Gehaltszahlungen entlassen. Sie wurden ohne die nötigen Mittel, um sich um ihre Familien und die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse kümmern zu können, zurückgelassen. Das stellt einen Angriff auf die grundlegenden Menschenrechte der ArbeiterInnen und ihrer Familien dar. LEAR Corporation ist ein US-amerikanischer Konzern mit mehr als 120.000 Angestellten in 226 Fabriken in 36 Ländern. Der einzige Abnehmer der Elektrokabel, die in Pacheco hergestellt werden, ist Ford Argentinien, dessen Produktion sich im vergangenen Jahr nicht veränderte“ – so beginnt der Aufruf Solidarität mit den ArbeiterInnen von LEAR in Argentinien! externer Link dokumentiert am 12. Juli 2014 bei Klasse gegen Klasse (RIO). Siehe dazu auch:

  • Lear: Dem Unternehmen sind argentinische Gesetze egal – es verweigert schlicht die Wiedereinstellung der Entlassenen
    Kampf um die Wiedereinstellung der Entlassenen bei Lear in ArgentinienAm 19. Januar waren die Weihnachtsferien vorbei – auch bei Lear. Hunderte von Kollegen, aber auch Solidaritätsdelegation zahlreicher anderer Betriebe, Aktivisten verschiedener linker Organisationen und Prominente hatten sich vor dem Tor versammelt um die per Gerichtsbeschluss wieder zu beschäftigenden Arbeiter (wie das Urteil besagte in derselben Funktion und unter denselben Bedingungen) zu begleiten – allein, die Unternehmensleitung verweigerte die Befolgung eines gültigen Gerichtsurteils rundweg. Stets unterstützt von Funktionären der Metallgewerkschaft Smata – wie immer. In dem Bericht „Lear: la empresa no acató el fallo y los trabajadores convocan nuevas medidas“ am 20. Januar 2015 bei La Izquierda Diario externer Link wird unterstrichen, dass der nunmehr 8 Monate dauernde Kampf um die Wiedereinstellung am Donnerstag den 22. Januar mit neuen Protesten fortgesetzt werden soll, die Lear zwingen sollen, der gesetzlichen Vorgabe zu folgen

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