ArcelorMittal

Stalarbeiter Protest gegen 4.000 Entlassungen in Genua am 9.10.17

Der Plan wurde am Freitag, 06. Oktober verkündet und die Selbstherrlichkeit demonstriert: Die Übernahme des italienischen Stahlerzeugers Ilva durch Arcelor Mittal (im Mai 2017 aufgekauft) bedeute 3.000 Entlassungen in Taranto und 600 in Genua, insgesamt 4.000 der bisher 14.000 Beschäftigten sollen auf die Straße geworfen werden. Was die Diktatoren beschlossen und verkündet hatten, rief sogar bei der katholischen Kirche erhebliche und lautstark geäußerte Kritik hervor – bei den Belegschaften aktiven Widerstand: Protest-Streik am Montag, 09. Oktober 2017. Das Ganze ist natürlich nicht nur ein selbstherrliches Diktat, sondern auch ein direkter Erpressungsversuch: Der Plan müsse von den Gewerkschaften mitgetragen, unterschrieben werden, sonst sei der ganze Übernahmedeal in Frage gestellt. Einige Gewerkschaften und politische Linke fordern die italienische Regierung auf, gerade anders herum zu reagieren: Die ganze Übernahme rückgängig zu machen und das Unternehmen zu verstaatlichen. Siehe dazu fünf aktuelle Beiträge:

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Beitrag von Erich Kassel vom April 2016

ArcelorMittalVon KollegInnen im Werk von ArcelorMittal (AMB) in Bremen wurde ich aufgefordert, et was zur heutigen Stahlkrise zu sagen – mit den Erfahrungen der ständigen Krisen der 70er Jahre bis heute im Warmbreitbandsektor der Stahlindustrie. Kurz gefasst ist festzustellen, dass es keine Kurzarbeit gibt und diese Aktionen zur Verbesserung der Profite und dem Abtrag der Bankschulden dienen. Bei AMB hatten die in Berlin Protestierenden am 11.4.16 keinen Lohnausfall, AMB sponserte das. Die Antworten der Betriebsräte und der IG-Metall auf die Stahlkrise sind Standortpolitik – sie lassen sich darauf ein und für die Kapitalinteressen einspannen. Bei AMB gab es ein Sparprogramm mit Verlust von Einkommen. Dazu dient das folgende ausführliche Schreiben. Ich schrieb das so auf, wie die Stahlkrise nach unserem Kenntnisstand  zu beurteilen war, es fehlen genaue Zahlen zur politischen Beurteilung. Wer besseres weiß sollte Korrekturen anbringen, es gibt für uns Informationsdefizite durch die IG-Metall und die Betriebsratsspitze bei AMB. (weiterlesen »)

Seite 245“Im Oktober informierte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Hering in großer bunter Aufmachung in „NEWS für die Bremer Belegschaft“ über die Absicht des Eigentümers Mittal, unter dem Namen  AMBITION 2020 ein umfangreiches Rationalisierungsprogramm den Arbeitnehmern in seinem Konzern aufzuzwingen. Ohne Abstimmung und Beschluss des Betriebsrats gingen Herings Zeilen unter der Überschrift INTERESSEN AUSGLEICHEN und GESUNDEN EHRGEIZ ENTWICKELN an die Bremer Belegschaft. Schon am 25.September 2014 wurden die Mitglieder des Aufsichtsrates, zu denen Hering gehört, vom Vorstand über das Rationalisierungsprogramm „Ambition 2020“ unterrichtet. Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat verfassten dazu eine Stellungnahme, die in den News an die Belegschaft veröffentlicht wurde. Der Betriebsratsvorsitzende wartete mit der Information an die Kollegen bis Ende Oktober. Erklärt sich daraus auch sein Verhalten in Sachen ARTE-Film?” Stellungnahme von Bonno Schütter an die Labournet Redaktion am 12.01.2015 . Aus dem Text: (weiterlesen »)

Arbeiterpolitik Nr. 3-2014Folgender Text ist die Tonbandabschrift eines internen Referates von Bonno Schütter, von 1959 bis 1970 als Vermessungstechniker auf der Hütte tätig, zuletzt im Betriebsrat, nach dem selbst organisierten Streik 1969 fristlos gekündigt…” Artikel aus der Arbeiterpolitik Nr. 3-2014 – wir danken der Redaktion!

Stellungnahme von G.B. vom 21.1.2014 zur Rationalisierungspolitik, die im Buch „Globale Unternehmen  lokale Interessenvertretung. Stahl-Betriebsräte „vor Ort“: machtvoll & ohnmächtig?  Bremen als Beispiel“ beschrieben ist (VSA 2013, ISBN 978-3-89965-436-3)
Ein Beispiel aus der Stahlindustrie mit aktuellem Bezug: Einer Belegschaft wird mit angeblich drohender Werksschließung Angst gemacht. Betriebsrat und Firmenleitung stellen einen riesigen Abbau von Arbeitsplätzen als alternativlos dar, um möglichen Widerstand in der Belegschaft nicht aufkommen zu lassen. Über Jahre wird die Intensivierung der Arbeit enorm gesteigert und  neue Arbeitsformen bilden sich heraus  – für Betriebssoziologen ein interessantes Beispiel.  Der Autor meint, die Stahlwerke in Bremen waren nicht in Gefahr geschlossen zu werden, die Angst um die Arbeitsplätze wurde vielmehr genutzt, um die Rationalisierung durchzuführen. Nach Jahren des Stillhaltens fangen nun  vor der Betriebsratswahl KollegInnen an, sich gegen diese Betriebsratspolitik zu stellen.
Kontaktaufnahme zum Autor ist über die Redaktion des LabourNet Germany möglich.

„In der Nähe des Europaparlaments in Straßburg haben rund tausend Stahlarbeiter demonstriert. Es ging um geplante Werksschließungen und Entlassungen beim Stahlkonzern Arcelor Mittal. Die Demonstranten wollten zum abgesperrten Parlamentsgebäude durchbrechen. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Eine Abordnung von Arbeitern traf sich aber im Parlament mit Abgeordneten. Sie beendeten das Treffen aber, als sie von den Zusammenstößen draußen hörten.“ Das Video bei Euronews vom 07.02.2013 externer Link