Branchen

Quelle:  Meldung in DerStandard vom 07.10.2012 externer Link

„Im Entwicklungszentrum des koreanischen Automobilherstellers Hyundai haben Beschäftigte und Betriebsrat wenig zu lachen. Das Gesetz gibt der IG Metall aber immer wieder recht und die Geschäftsleitung muss vor Gericht eine Schlappe nach der anderen einstecken…Bericht auf der Seite der IG Metall vom 29.10.2012

Quelle:  Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 30.10.2012 externer Link

„Die erneute Krise in der Automobilindustrie hat gerade erst begonnen. Doch schon jetzt ist klar: Wieder sollen die Folgen auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Das zeigt nicht nur das rabiate Abbauprogramm des Ford-Konzerns, der in Belgien und Großbritannien insgesamt drei Werke schließt. Auch die aktuellen Vereinbarungen bei Opel und BMW dokumentieren, wie sich die Unternehmen zu Lasten ihrer Belegschaften auf die Rezession vorbereiten – unter tätiger Mithilfe der Gewerkschafts- und Betriebsratsspitzen. Diese hoffen auf ein ähnliches Szenario wie 2008/2009, als der Absatzeinbruch durch flexible Arbeitszeiten, Kurzarbeit und auf Kosten von Leiharbeitern und Befristeten überbrückt wurde, die Stammbelegschaften aber von Entlassungen weitgehend verschont blieben…

Vor über einem Jahr gaben wir bekannt, dass d ie Redaktion des LabourNet Germany einen Kollegen aus dem VW-Werk in Kassel betreut, der sich gegen mangelnden Gesundheitsschutz und Mobbing wehrt, und (leider erfolglos) um Zuschriften über ähnliche Erfahrungen gebeten. Nun gibt es Neues: Nach erfolgloser Beschwerde gemäß der gültigen “BV für Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz” reichte der Kollege nun Klage beim Arbeitsgericht Kassel ein. Der erste Termin findet am 05.11.2012 um 9:30 vor dem Arbeitsgericht Kassel statt. Den Tatbestand des Mobbing gibt es in Deutschland nicht. Somit kann ein Betroffener nur Klage auf Schadensersatz und ggf. Schmerzensgeld einreichen. Eine strafrechtliche Verfolgung ist oft schwierig. Wenn nur ein Teil der Vorwürfe wahr ist, erwartet uns ein guter Einblick hinter die Kulissen. Ziel von Mobbing ist es, jemanden aus dem Betrieb / der Gemeinschaft auszustossen. Oft werden die Betroffenen langfristig krank und leiden noch Jahre danach an den Folgen. Existenzen und Familien zerbrechen. Die letzte Station ist oftmals “Hartz IV”, benannt nach dem ehemaligen Arbeitsdirektor von Volkswagen… Zuvor hatte der Kollege seine zweite “krankheitsbedingte Kündigung” erhalten. Wie bereits bei der ersten Kündigung 2004 hatte der Landeswohlfahrtsverband der Kündigung zuvor zugestimmt. Der Kollege hat Widerspruch gegen die Zustimmung zur Kündigung eingelegt und Kündigungsschutzklage eingereicht. Die Güteverhandlung blieb am 28.08.2012 erfolglos. Der neue Verhandlungstermin ist für den 15.11.2012 um 9:45 vor dem Arbeitsgericht Kassel angesetzt. Der Kollege würde sich über Unterstützung in Form von Prozessbeobachtern freuen – und die Redaktion über Prozessberichte!

  • LabourNet Germany bittet um Informationen
    Die Redaktion des LabourNet Germany betreut aktuell einen Kollegen aus dem VW-Werk in Kassel, der sich gegen mangelnden Gesundheitsschutz und Mobbing wehrt. Im Rahmen dieser Recherche bitten wir alle KollegInnen aus dem Werk (oder auch anderen von VW), uns evtl. ähnliche Erfahrungen zu nennen ( redaktion@labournet.de ) – Zuschriften werden selbstverständlich vertraulich behandelt!

Inspiriert durch die Arbeit der International ethecon Blue Planet Award Preisträgerin des Jahres 2011, die US-amerikanische Bürger- und Menschenrechtsaktivistin Angela Davis, wendet sich ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie gegen die voranschreitende Ausbeutung von Gefängnisinsassen. Vor allem Großkonzerne profitieren sowohl durch die Arbeit von Strafgefangenen als auch durch die Privatisierung von Gefängnissen. Noch ist das in erster Linie ein US-amerikanisches Phänomen. Doch diese Unterwerfung der Gefängnisse unter Ausbeutung und Profit findet zunehmend weltweite Nachahmung. Auch in Deutschland wird bereits darüber debattiert, das Gefängniswesen in dieser Weise zu „reformieren“…“ Pressemitteilung von ethecon vom 24.09.2012 externer Link. (weiterlesen »)

Quelle: Artikel von Edgar S. Hasse und Janina Harder in Die Welt Online vom 26.10.2012 externer Link

„Die Belegschaft des bekannten Horrorkabinetts Hamburg Dungeon streikt, weil sie sich für unterbezahlt hält. Im Hamburg Dungeon arbeiten voll ausgebildete Schauspieler für 7,50 Euro pro Stunde. (…) Das Hamburg Dungeon (englisch für Verlies) ist eine Ausstellung in der historischen Speicherstadt von Hamburg. In einer Kombination von Gruselkabinett, Show und Fahrgeschäften wird die Geschichte Hamburgs von Schauspielern dargestellt. Das Hamburg Dungeon wurde am 3. Mai 2000 am Kehrwieder 2 eröffnet und gehört der Merlin Entertainments Group…“

„In monatelangen Verhandlungen wurde ein neuer Tarifvertrag zwischen der Adam Opel AG und der IG Metall ausgehandelt. Am Freitag, 26. Oktober 2012 haben die Mitglieder der Tarifkommission einstimmig diesem Tarifvertrag zugestimmt. In Mitgliederversammlungen in Rüsselsheim, Kaiserslautern und jetzt am 28. Oktober in Bochum wurde mit hunderten IG Metall-Mitgliedern dieser Tarifvertrag ausführlich vorgestellt und diskutiert. Er fand an allen Standorten und bei allen Beteiligten eine breite Zustimmung. Als Fazit bleibt: Das Ziel eines abschließenden Ergebnisses mit Perspektive für alle Werke wurde noch nicht erreicht. Aber zur Stundung der 4,3% Tariferhöhung wurde eine akzeptable Lösung gefunden. Wichtig ist, dass die Unternehmensleitung sich zu weiteren Verhandlungen über ein Zukunftskonzept für alle Standorte verpflichtet hat. Die drohende Ford-Lösung – Schließung von Werken – wurde ebenfalls verhindert. Wir haben Zeit gewonnen – und die muss jetzt im Sinne einer langfristigen Perspektive schnell genutzt werden. Nachfolgend einige Eckpunkte des neuen Tarifvertrages. Die IG Metall wird den neuen Vertrag zur Verteilung bringen.
Einmalzahlung:
Die gestundete tabellenwirksame Entgelterhöhung von 4,3 % wird für die Monate Mai bis einschließlich Oktober 2012 als Einmalzahlung fällig und wird mit der Entgeltabrechnung für November ausgezahlt.
Weitere Stundung:
Ab 01.11.12 erfolgt eine Stundung der tabellenwirksamen Entgelterhöhung. Jede der Parteien kann diese Stundung jedoch mit einer Frist von 2 Monaten widerrufen.
Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen:
Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 31.12.2016 ausgeschlossen. Beim Scheitern der Verhandlungen entfällt dieser zusätzliche Kündigungsschutz.
Verhandlungsverpflichtung:
Die Parteien verpflichten sich, die Verhandlungen mit folgenden Zielen fortzusetzen: Zukunftskonzept für alle deutschen Standorte; Beschäftigungssicherung über 2016 hinaus; Langfristige Komponentenstrategie; Abfindungsprogramme auf freiwilliger Basis sowie Altersteilzeitregelungen; Eckpunkte eines Wachstumkonzepts Opel 2022; Finanzierungskonzept für Opel; Sanierungsbeiträge der Beschäftigten“ Vollständige Meldung von Rainer Einenkel auf seiner Webseite vom 28.10.2012 externer Link. Siehe dazu:

  • Opel-Vertrag löst in Bochum nicht nur Freude aus
    Aus dem Text: „(…) Eine Abstimmung der Opel-Belegschaften zu diesem neuen Tarifvertrag wird es nicht gegeben, er ist bereits am letzten Freitag von Geschäftsleitung, Betriebsräten und IG Metall unterschrieben und damit besiegelt worden…Artikel von Rolf Hartmann auf DerWesten vom 28.10.2012 externer Link

Quelle:  Agenturmeldung in der Frankfurter Rundschau vom 25.10.2012 externer Link

2012 rechnet Ford mit einem Verlust von 1,5 Milliarden Dollar und kündigt an, in Europa drei Werke dicht zu machen. Neben der schon bekannten Schließung des Werkes in Genk, sind zwei Standorte in Großbritannien betroffen.

Quelle:  Artikel von Thomas Fromm und Anna Matt in der Süddeutschen Zeitung vom 27.10.2012 externer Link

Die schwache Konjunktur erreicht einen der größten Lkw-Hersteller Europas: MAN schaltet nach SZ-Informationen für vier Wochen an den Standorten München und Salzgitter die Bänder ab – in Teilen der Verwaltung wird in dieser Zeit nur noch ein Notbetrieb aufrecht erhalten. Betroffen sind mehr als 15.000 Mitarbeiter.  (weiterlesen »)

Quelle:  Ein Kommentar von Andrea Rexer in der Süddeutschen Zeitung vom 27.10.2012 externer Link

Der Lkw-Hersteller MAN läuft auf Notbetrieb, Tausende Zeitarbeiter werden sofort ihren Job verlieren. Man kann dem Unternehmen seine falsche Unternehmenspolitik durchaus vorwerfen – doch MAN überbringt auch eine schlechte Nachricht für die gesamte Wirtschaft.

Quelle:  Artikel von Tino Zippel in der OTZ vom 26.10.2012 externer Link

Seit 1994 arbeitet Tilo Mattasch in der Jenaer Filiale der Handelskette “Dänisches Bettenlager”. Doch am 23. Mai sah er sich mit einer Kündigung konfrontiert. Das 2010 gewählte Betriebsratsmitglied soll unberechtigt Daten weitergegeben und auf seinem Privatcomputer gespeichert haben. Später folgten weitere Kündigungen, da er mit “gefälschten Faxen unzulässige Wahlwerbung für den Betriebsrat” betrieben habe. Insgesamt vier fristlose Kündigungen liegen heute auf dem Tisch. Der Betriebsrat vertritt die 6800 Mitarbeiter in den 840 Filialen der Kette. Mattasch und weitere vier Mitglieder sollen gehen. (…) Weil die gütliche Einigung scheiterte, hielt der Arbeitnehmer die Klage auf Weiterbeschäftigung aufrecht. Mit Erfolg. Die Kammer um den Vorsitzenden Harald Maiwald erklärte drei Kündigungen für unwirksam. Der Kläger habe keine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten begangen. “Selbst wenn er sich eventuell Verfehlungen als Betriebsrat geleistet hätte, wäre die Sanktion der Ausschluss aus dem Betriebsrat und nicht der Verlust des Arbeitsplatzes gewesen”, begründete der Richter das Urteil, gegen das Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Erfurt möglich ist. Eine weitere Verhandlung steht aber wegen der vierten Kündigung aus dem August an, die gestern nicht Verfahrensgegenstand war. Für diese ist ein Kammertermin am 31. Januar 2013 angesetzt…

Quelle:  Pressemitteilung von ver.di vom 27.10.2012 externer Link

„Die Praktiker-Tarifkommission der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Arbeitgeberseite haben sich nach zweitägigen Verhandlungen in Maintal am Freitagabend auf einen Sanierungsbeitrag der Beschäftigten der angeschlagenen Baumarkt-Kette verständigt. „Als Gegenleistung für eine weitestgehende Beschäftigungssicherheit verzichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Praktiker für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes“, fasste ver.di-Verhandlungsführer Rüdiger Wolff das Ergebnis zusammen. Der Beitrag speise sich im Wesentlichen aus dem Verzicht auf das Weihnachtsgeld, die monatlichen Entgelte der Beschäftigten blieben dagegen unangetastet, so Wolff…

Quelle:  Agenturmeldung in der TAZ vom 26.10.2012 externer Link

Die Lufthansa will mehr Geld verdienen und streicht Stellen in Deutschland. Verwaltungsaufgaben sollen künftig in Bangkok oder Mexiko erledigt werden. Aus dem Text:

„(…) Insgesamt will die Lufthansa von weltweit 16.800 Stellen in der Verwaltung 3500 abbauen, davon 2500 im Inland. Welcher Anteil mit der Verlagerung erreicht werden könne, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher. Derzeit werden die Pläne mit den Personalvertretungen besprochen. Nach einer Einigung könnten die ersten Arbeitsplätze im ersten Quartal des kommenden Jahres verlagert werden, kündigte Lauer an. Betriebsbedingte Kündigungen sollten nach Möglichkeit vermieden werden, ergänzte Finanzvorstand Simone Menne. Betriebsbedingte Kündigungen könnten aber weiterhin nicht ausgeschlossen werden. „Leider ist aber absehbar, dass auch verdiente Mitarbeiter ihre heutige Tätigkeit bei Lufthansa verlieren werden“, hieß es…

Billig produzieren. Billig sterben…

Kommt KiK in Bewegung? Nach nd-Informationen will der Textildiscounter aus dem nordrhein-westfälischen Bönen Entschädigungen in Höhe von 500 000 Euro in einen Hilfsfonds einzahlen. Das Geld ist für die Hinterbliebenen der über 250 beim Brand in einer Textilfabrik im pakistanischen Karachiam 11. September umgekommenen Arbeiterinnen und Arbeiter – knapp 2000 Euro pro Mensch, schreibt der »Spiegel«. Die benötigte Summe für die Familien der Getöteten dürfte weit höher liegen…” – aus “Tote Arbeiter kosten knapp 2000 Euro” externer Link – ein Artikel von Jörg Meyer im Neues Deutschland vom 24. Oktober 2012. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

DAS ERSTE MAL … UND DOCH EIN GELUNGENER AUFTAKT

Sie stehen draußen – ein fremdes Gefühl. Denn sie streiken zum erstenmal in ihrem Leben. Die Wut über die Zustände in ihrem Betrieb gärt seit Jahren. Es ist eine Familienbetrieb mit vier Eigentümern (zwei Generationen der Familie Krüger). Viele kriegen seit zehn bis 12 Jahren keine Lohnerhöhung mehr, andere werden weit über Tarif bezahlt, wieder andere werden sehr unterschiedlich für die gleiche Arbeit bezahlt, auch bei der Urlaubsregelung herrscht Willkür.

Die am Montag um 12 Uhr rausgegangen sind, das sind die Kolleginnen und Kollegen der Firma Neupack Verpackungen GmbH & Co KG in Hamburg-Stelllingen. Die KollegInnen aus dem Zweigwerk Rotenburg/Wümme kommen zwei Stunden später mit dem Bus in Stellingen an. Sie werden freudig begrüßt. Insgesamt sind es 196 Beschäftigte. Sie stellen Verpackungen für Lebensmittel her. Von den Angestellten streikt keine/r.

Heute jedoch ruht die Produktion, in Hamburg fast ganz, in Rotenburg ganz!

Schon Anfang Mai standen sie kurz vor einem Warnstreik, da boten die Eigentümer einen Tag vorher Verhandlungen über einen Tarifvertrag an. Wie sich herausstellte, war es reine Zeitverzögerung. Jeder Monat ohne Haustarifvertrag bringt ihnen Geld. Nun war die Geduld der KollegInnen zu Ende.

Heute, am Montag hatte die Verhandlungskommission getagt wie seit Mai so oft. Wieder ohne konkretes Ergebnis. Nun war die Geduld der Aktivisten endgültig zu Ende. Sie brachen die Verhandlungen ab. Schnell beriefen die Eigentümer noch eine Betriebsversammlung ein. Einer der Eigentümer appellierte an die Belegschaft: Wir Eigentümer müssen auch leben (bei 800 000 Euro Gewinn im letzten Jahr). Dies Argument muß wohl nicht sehr überzeugt haben, denn fast alle gingen raus. Die KollegInnen in Rothenburg/Wümme, eine gute Autostunde von Hamburg entfernt, wurden informiert und gebeten nach Hamburg zu kommen. Zur Unterstützung der Streikenden waren etliche KollegInnen vom Soli-Kreis Neupack zum Tor gekommen, darunter etliche Kollegen der IGBCE aus anderen Betrieben und von DIDF informierte KollegInnen.

Die IG BCE hat für einen Wagen mit Brötchen, Kaffee und anderen Getränken gesorgt, ein Lautsprecherwagen ist auch da. Viele der Streikenden haben wie man so sagt einen Migrationshintergrund, haben verschiedene Religionen. Die sich verschlimmernden Verhältnisse im Betrieb haben Streit und Differenzen der letzten Jahre beseitigt. Alle wollen das eine: Verbesserungen durch einen Tarifvertrag, damit sie Regelhaftigkeit und Verläßlichkeit erlangen und die beleidigende Willkür aufhört.

Demgegenüber stehen die Eigentümer mit ihrem Herr-im-Hause-Standpunkt, den sie so verinnerlicht haben, daß er zum Teil ihrer Identität geworden ist. Deshalb fühlen sich die vier Eigentümer durch die Forderung nach Tarifverhandlungen persönlich angegriffen. Solche Konstellationen gibt es wohl noch häufiger in Betrieben in Deutschland. Die Maßnahmen der Geschäftsleitung waren zum regelrechten Kleinkrieg ausgeartet, besonders gegen den Betriebsrats-Vorsitzenden Murat Günes. Er erhielt zweimal eine fristlose Kündigung. Vor dem Arbeitsgericht mußte sich der Anwalt der Arbeitgeber ein großes Verwundern der Arbeitsrichterin gefallen lassen. Andere Betriebsräte erhielten Abmahnungen. Die in dieser Weise Angegriffenen ließen sich nicht provozieren.

Alle Streikenden sind neugierig, ob der Warnschuß des Warnstreiks ausreicht, daß die Arbeitgeber ihre Forderungen erfüllen. Oder ob es demnächst mit einen unbefristeten Streik weitergeht. Jedenfalls war es ein gelungener Auftakt.

Dazu beigetragen hatten auch kurze Solidaritäts-Statements von Kollegen aus anderen Betrieben und von Unterstützern.

Der Landesleiter der IG BCE Nord, Ralf Becker sprach vom gemeinsamen Weg von Belegschaft und ihrer Gewerkschaft und dass der nächste Schritt der unbefristete Streik sei, falls die Eigentümer nicht einlenkten. Er bedauerte, daß sie den Weg der Sozialpartnerschaft verlassen hätten und argumentierte mit dem Grundgesetz.

Bereichert wurde der Nachmittag durch spontane Tanzeinlagen von türkisch-stämmigen KollegInnen. Wir Deutschen und die KollegInnen aus anderen Ländern wippten nur mit, keine/r brachte es über sich, sich einzureihen. Vielleicht beim nächsten Mal?

In den sechs Stunden hatten die Beschäftigten Zeit die ganze Umgebung des Werkes, ein Gemisch von vielen Wohnhäusern und circa hundert kleineren Betrieben mit Flugblättern der IG BCE zu “versorgen”. Ebenso wurde kein parkendes Auto “verschont”. Jedenfalls sind NachbarInnen und KollegInnen der umliegenden Betriebe informiert über die Zustände bei Firma Neupack und die Gründe des Streiks.

Vor dem Tor entwickelten sich interessante Gespräche zwischen den Beschäftigten und den Unterstützern. Wir hörten von ihren Arbeitsbedingungen und unterschiedlichen Löhnen am gleichen Arbeitsplatz, welche Produkte sie herstellen, wer die Lieferanten und wer die Abnehmer sind. Waren die KollegInnen in diesen Firmen eigentlich schon informiert über diesen Streik hier? Wir überlegten gemeinsam, was weiter zur Unterstützung möglich und nötig ist, an Ideen mangelte es nicht.

Dieter Wegner, Hamburg
(Verdi-Mitglied)

Quelle:  Artikel in der FTD vom 24.10.2012 externer Link

Peugeot braucht den Staat und Opel. VW meldet maue Zahlen. Ford muss ein Werk schließen. Aus Europas Autobranche kamen am Mittwoch jede Menge schlechte Nachrichten. Die Schuldenkrise erwischt sie schwer.