Branchen

“Im Bieter-Wettstreit um die insolvente Frankfurter Rundschau sind die ersten Würfel gefallen. Die verlagseigene Druckerei wird schließen müssen, nachdem die Gläubiger ein Angebot des türkischen Verlegers Burak Akbay abgelehnt haben. Zwar kündigte dieser am Freitagabend an, im Rennen bleiben zu wollen und nachzubessern, allerdings schloss die Insolvenzverwaltung eine Übernahme durch den Unternehmer aus. Einziger verbleibender Interessent ist somit die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), wie aus einem Rundschreiben der Insolvenzverwaltung an die Mitarbeiter der Traditionszeitung hervorgeht…Artikel auf Heise-News vom 22.02.2013 externer Link

Die aktuelle Diskussion um den Online-Händler Amazon und sein Umgang mit Leiharbeitern greift zu kurz. Denn das Unternehmen entwickelt sich vom Einkaufsparadies zum Datenverwerter. Artikel von Carsten Knop in der FAZ-Online vom 23.02.2013 externer Link

“Der in die Kritik geratene Internet-Versandhändler Amazon will die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Deutschland verbessern. Geschäftsführer Ralf Kleber sprach sich nach dem Wirbel um die Arbeitsbedingungen bei Amazon für mehr Betriebsräte im Unternehmen aus. “Ich finde Betriebsräte sehr gut und ich ermuntere die Mitarbeiter in unseren Logistikzentren, Betriebsräte mitzugründen”, sagte er Spiegel Online. Eine Abfuhr erteilte Amazon unterdessen der Gewerkschaft Verdi. Amazon wolle mit Verdi nicht über einen Tarifvertrag verhandeln, teilte eine Sprecherin am Donnerstagabend mit...” Meldung auf Heise-News vom 22.02.2013 externer Link

“Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat mit den Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeit ein Verhandlungsergebnis über Branchenzuschläge für Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer, die gewerbliche Tätigkeiten in der Druckindustrie ausüben, erzielt. (…)  Das mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) erzielte Verhandlungsergebnis sieht vor, dass Leiharbeitsbeschäftigte nach vier Wochen Einsatzdauer in einem Kundenbetrieb 8 Prozent Zuschlag auf den Leiharbeits-Tariflohn erhalten, nach drei Monaten gibt es 15 Prozent, nach fünf Monaten 20 Prozent, nach sieben Monaten 35 Prozent und in der Endstufe nach neun Monaten 45 Prozent Zuschlag. Für die Angestelltenbereiche, insbesondere die technischen Angestellten, wurden gesonderte Gespräche vereinbart. Der Vereinbarung müssen noch die zuständigen ver.di-Gremien zustimmen. Der Tarifvertrag soll am 1. Juli 2013 in Kraft treten.” Pressemitteilung von ver.di vom 22.02.2013

  • An alle Beschäftigten in der DGB-RS GmbH! Aufruf zu Warnstreik und Protestkundgebung am 26.2.2013 vor der DGB-Zentrale in Berlin
    “0,9 % mehr ab 1.2.2013 plus 25 (VA) bzw. 35 € Einmalzahlung für Januar 2013 lautet das erste (und „letzte“!) Angebot der GF der DGB-RS GmbH. Ebenso wie die ver.di-Tarifkommission bewertet der VGB-Vorstand dies als völlig unzureichend…” Tarifinformation Nr. 2-2013 vom 19. Februar 2013 für Beschäftigte der DGB-Rechtsschutz GmbH externer Link   beim Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten
  • In der Pressemitteilung des VGB vom 22.2.2013 heißt es hierzu: (weiterlesen »)

In der Berliner Zentrale gehen einen Tag, bevor ein Betriebsrat gewählt wird, Kündigungen raus. Einige Mitarbeiter müssen sofort ihren Arbeitsplatz räumen. An einen Zufall glaubt dabei niemand. Der Zeitpunkt wirkt wie eine Kampfansage an die Belegschaft. Just einen Tag, bevor an diesem Mittwoch 1400 Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale von Air Berlin zum ersten Mal einen Betriebsrat wählen, gingen die ersten Kündigungen raus. Das erfuhr die “Welt” aus dem Unternehmen. Ganze Abteilungen mit 15 bis 20 Mitarbeitern wurden demnach bereits aufgelöst…” Artikel von Hans Evert in Welt online vom 20.2.2013 externer Link

Wie viele Kolleg/innen seid ihr? Und wie viele müsstet ihr sein, um die Arbeit in der notwendigen Qualität machen zu können?“ Diese Fragen haben ver.dianer/innen am 19. Februar 2013 bundesweit den Beschäftigten in insgesamt 200 Kliniken gestellt. Nicht nur den Pflegekräften und dem ärztlichen Personal, sondern auch den Beschäftigten in den Klinikküchen und Wächereien, den Reinigungs- und den Technikkräften. Insgesamt müssten, so das Ergebnis, in den deutschen Kliniken rund 162.000 Kräfte mehr eingestellt werden. Allein im Krankenhaus Sulzbach im Saarland kam beim Testlauf heraus, dass 146 Beschäftigte fehlten, um die Qualitätstandards gewährleisten zu können. Eine Stationsleiterin dort antwortete zum Beispiel: „Als ich 1999 hier angefangen habe, waren wir morgens mit acht Kolleginnen und Kollegen da. Heute sind es oft nur vier – obwohl die Arbeit mehr geworden ist.“ ver.di-Meldung vom 20.2.2013 zur Kampagne externer Link

Kurzer Film über die drohende Schließung des Peugeot-Citroën Werkes in Aulnay und den Widerstand der Belegschaft bei labournet.tv (franz. mit dt. UT | 10 min | 2013) externer Link

Das Arbeitsgericht Osnabrück hat dem Betriebsrat der Ameos-Kliniken Osnabrück recht gegeben. Ameos hatte reguläre Arbeitsplätze mit Leiharbeitern besetzen wollen, der Betriebsrat stellte sich quer. Den grundsätzlichen Konflikt aber hat das Urteil nicht gelöst.
Der Kern der Auseinandersetzung ist die Ameos-Sozialdienstleistungsgesellschaft. Schon vor Jahren ist der Verband dazu übergegangen, neue Mitarbeiter dort anzustellen, um sie anschließend als Leiharbeiter an den Kliniken zu beschäftigen. Der Vorteil für Ameos ist: Die Leiharbeiter verdienen weniger als ihre Kollegen – und zwar etwa 20 bis 30 Prozent, wie es vonseiten der Dienstleistungsgesellschaft Verdi heißt
…” Artikel von Michael Schiffbänker  in der Osnabrücker Zeitung online vom 19. Februar 2013 externer Link

Private Security-Firmen scheinen, wie im Fall von Amazon wieder deutlich wurde, eine eigentümliche Anziehungskraft auf Neonazis auszuüben – trotz der schlechten Arbeitsbedingungen und der miesen Bezahlung
Der US-amerikanische Internet-Versandhandel Amazon kommt derzeit aus den Schlagzeilen nicht wieder raus. Zum einen wegen der abenteuerlichen Bedingungen, unter denen die ausländischen Saisonarbeiterinnen in der bundesdeutschen Hauptfiliale in Hessen leben und arbeiten müssen. Und nicht zuletzt wegen der offenbar rechten Gesinnung der Wachleute, die im Auftrag des von Amazon angeheuerten Subunternehmens Hensel European Security Services (H.E.S.S.) die Unterkünfte der Saisonarbeiterinnen bewachen, und die ARD-Reporterin Diana Löbl und ihren Kollegen Peter Onneken einzuschüchtern versuchten
…” Artikel von Birgit Gärtner in telepolis vom 19.02.2013 externer Link. Aus dem Text: (weiterlesen »)

Dossier

Amazon-Gelände LeipzigNach dem Film „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ bei der ARD war die Reaktion des Publikums und die Darstellung in der Presse für Amazon vernichtend. Das Unternehmen reagiert halbherzig und kündigt einer Sicherheitsfirma, dass muß erstmal reichen. Man verdient ja schließlich mit der Ausbeutung seiner Mitarbeiter viel Geld und darauf zu verzichten wär ja nun auch irgendwie doof. Wir haben Artikel, Kommentare, eine Stellungnahme vom Amazon sowie einen Artikel von Peter Nowak zum Zusammenhang zwischen Scheiß-Arbeitsbedingungen und Scheiß-Hartz-IV zusammengestellt. Ach ja, nicht nur viele Privatkunden, auch ein Literatur-Verlag kündigt die Zusammenarbeit auf und der Verleger schreibt einen offenen Brief an den Amazon Vorstand. Am wichtigsten erscheint uns aber die Frage, wem die Empörung gelten und die Verantwortung zufallen sollte – und ob sich gewerkschaftliche Organisierung durch Petitionen ersetzen sollte… Siehe dazu unser Dossier und als Beleg, dass all dies nicht so überraschend ist, unsere Amazon Seite samt dem Link zu unserem Archiv. (weiterlesen »)

Earlier this year, Volker Eick spoke with two experts on private security in Germany representing the industry and the unions, respectively. Oliver Arning, spokesman of the Federal Association of the German Security Industry (BDSW) and Peter Bremme, United Service Union (ver.di), shared their views with policing-crowds.org on Germany’s so-called new ›security architecture‹ including both state police and rent-a-cops.”
Mitte 2012 führte Volker Eick zwei Interviews mit Peter Bremme (ver.di, Hamburg) und Oliver Arning (Sprecher des BDSW).  Der Autor meint: “Auch wenn es absurd klingt, es gibt sie tatsächlich nur in englischer Sprache, sie könnten aber angesichts der aktuellen Konflikte vielleicht gleichwohl (oder gerade deshalb) relevant bzw. interessant sein.” Sie sind beide auf Englisch als pdf-Dateien verfügbar bei Policing Crowds – Privatizing Security externer Link

Arbeitskämpfe an Berliner Charité haben Gewerkschaft gestärkt. Nun steht ein neuer Konflikt an. Ein Interview von Daniel Behruzi mit Carsten Becker externer Link , Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe am ­Berliner Uniklinikum Charité, in der jungen Welt vom 19.02.2013 (weiterlesen »)

Beitrag von Rico Rodriguez vom 15. Februar 2013 im Netzwerk-Info Gewerkschaftslinke Nr. 45 vom FebruarDer Streik bei Neupack und seine Bedeutung

Der Streik bei Neupack hat in den vergangenen Wochen überraschende Wendungen genommen. Nachdem die Situation in Hamburg-Stellingen und Rothenburg Mitte Januar ruppiger geworden war, hatte die IG-BCE den Streik überraschend ausgesetzt und die Anwendung einer „Flexi-Streik-Taktik“ angekündigt. Die Streikenden wurden darauf in einer zweitägigen Versammlung eingeschworen. Nach Berichten waren viele am Anfang dagegen, am Ende jedoch hätten fast alle zugestimmt. Seitdem werden die KollegInnen abwechselnd zur Arbeit oder zum Streik gerufen.

Die Bedeutung des Streiks

Obwohl die Forderung nach einem Haustarifvertrag eine Schwäche des Streiks ist, geht seine  Bedeutung weit über Neupack hinaus. Zunächst einmal ist der Streik seit langer Zeit wieder ein Arbeitskampf, der in der Offensive geführt wird. Praktisch seit den 90ern kennen wir in Deutschland Arbeitskämpfe fast nur noch aus der Defensive heraus. Mit Neupack wurde ein Betrieb organisiert, in dem vorher jahrzehntelang eine Alleinherrschaft der Kapitalisten, der Krüger-Familie, bestand. Die Beschäftigten waren unorganisiert und prekär. Dass sie sich organisiert haben und in einen entschlossenen Arbeitskampf gegangen sind, ja einen Streik organisiert haben, ist ein wichtiges Signal an alle Belegschaften, alle ArbeiterInnen in Deutschland! Leute, es ist möglich, es geht was, wir können gemeinsam für Verbesserungen kämpfen! Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen! Genauso zeigt der Konflikt, dass es durchaus viele ArbeiterInnen in diesem Land gibt, die kämpfen wollen. (weiterlesen »)