Amazon

ver.di: Amazon nur mit TarifvertragSeit Beginn der Frühschicht am heutigen Dienstag wird bei Amazon Bad Hersfeld gestreikt. Der Ausstand wird über alle Schichten bis Mittwochnacht fortgesetzt. ver.di ruft im Rahmen der Tarifrunde 2019 des Einzel- und Versandhandels Hessen auch Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Unternehmen wie Amazon Bad Hersfeld auf, für eine Lohnerhöhung und für die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen Druck zu machen. „ ‚Ohne uns kein Geschäft!‘ ist das Motto in der diesjährigen Tarifrunde und man muss immer wieder betonen, dass das Geschäft bei Amazon außerordentlich gut läuft, aber für die Mitarbeiter zu wenig getan wird”, so die zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. „Wir haben jetzt Ferienzeit und bei Amazon wird kein Urlaubsgeld bezahlt. Tarifverträgliche Bezahlung bedeutet mehr Urlaubstage und Urlaubsgeld. Die Mitarbeiter von Amazon haben das verdient, denn sie sorgen dafür, dass die Waren zu den Kunden kommen.” ver.di fordert in der laufenden Tarifrunde für den Einzel- und Versandhandel Hessen eine Erhöhung der Löhne- und Gehälter von 1- Euro mehr pro Stunde und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen. Amazon ist nach wie vor nicht tarifgebunden und zahlt weniger als ver.di bei Anwendung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels in Hessen fordert. In den letzten Jahren hat Amazon Lohnerhöhungen gewährt, die sich an den an den Tarifsteigerungen im Einzelhandel orientiert haben.” Pressemitteilung des ver.di Landesbezirk Hessen vom 02.07.2019 externer Link

"We are no robots" - UNI bei Amazon„… Maarten N. ist bei Amazon nicht mehr erwünscht: So sieht es zumindest der Niederländer selbst. Beim erst im vergangenen Herbst eröffneten Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf war er von Anfang an dabei. Jetzt hat er genug. Vor einigen Tagen hat er sich an die Gewerkschaft gewandt, weil ihm die Arbeitsbedingungen außerordentlich gegen den Strich gingen. Der Mann erhebt schwere Vorwürfe gegen den Onlineriesen, berichtet von Überwachung, Disziplinierungsmaßnahmen und erniedrigenden Vorschriften. Maarten N. ist bei Amazon als Leiharbeitskraft beschäftigt, wie mehr als 150 Beschäftigte vor Ort. Nur 16 Filialmanager seien bei Amazon direkt angestellt, sagt Barbara Teiber, Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft GPA-djp, bei einem Pressegespräch in Wien. Operativ arbeite der Onlineriese ausschließlich mit Leiharbeitern. Das Problem dabei laut N.: Beschwere man sich bei den Vorgesetzten vor Ort, werde die Verantwortung hin und her geschoben – zwischen dem unmittelbaren Arbeitgeber, der Leiharbeitsfirma, der Amazon-Zentrale in Seattle und dem für den Österreich-Ableger zuständigen Amazon Deutschland. Die Beschwerden liefen deswegen ins Leere. Dabei hat N. einiges anzumerken. Der Scanner, der als Arbeitsgerät benützt wird, registriere exakt die Arbeitsleistung der einzelnen Mitarbeiter, sagt er. Seien diese nicht produktiv genug, so müssten sie gehen…“ – aus dem Bericht „Amazon-Mitarbeiter prangert harsche Bedingungen in Austro-Niederlassung an“ von Regina Bruckner am 12. Juni 2019 in Standard.at externer Link über die Amazon-Wirklichkeit in Österreich. Siehe dazu auch drei weitere Erfahrungsberichte aus der letzten Zeit – und aus verschiedenen Ländern: (weiterlesen »)

amazon strikers meetDas 8. Internationale Treffen von Amazon-Beschäftigten fand vom 15. bis 17. März 2019 in Poznan (Polen) statt. Es beteiligten sich über 50 Menschen aus sechs verschiedenen Gewerkschaften (unter anderem CGT Spanien, Sud Solidaires Frankreich, ver.di BRD, IP und Solidarnosc Polen) aus Spanien, Frankreich, Polen und der BRD. Seit dem letzten Treffen waren die KollegInnen aus Spanien zum Kreis dazu gestoßen, die die Erfahrungen ihrer Streikbewegungen in Madrid mitbrachten. Neben dem Austausch von Erfahrungen und Zuständen und Planungen für weitere Vorhaben (unter anderem die Erstellung einer gemeinsamen Dokumentation über Arbeitsbedingungen, aber auch die Planungen für das nächste Treffen im September 2019 in Leipzig) standen zwei inhaltliche Punkte im Zentrum von Debatten und Überlegungen: Die Forderung nach einem einheitlichen europäischen Mindestlohn, die durchaus kontrovers diskutiert wurde und der Widerstand gegen die massive Nutzung von Zeitarbeit, mit oftmals sehr kurzen Verträgen (was nur in der BRD weitgehend erfolgreich bekämpft werden konnte), weswegen auch eine Protestaktion bei adecco in Poznan gab. In dem kurzen Bericht „Final Declaration of the Cross-border Meeting of Amazon Workers – Poznań March 2019“ am 26. Mai 2019 bei der Transnational Social Strike Platform externer Link wird auch noch gemeldet, dass weitere gegenseitige Besuche einzelner Belegschaften geplant sind. Siehe zuletzt: 28. September 2018: Versammlung und Veranstaltung mit Amazing Workers in Bad Hersfeld

Amazon-Arbeitsroboter“700 Päckchen verpacken in einer Stunde – das schafft nur eine Maschine. In den ersten Logistikzentren setzt Amazon jetzt auf Pack-Maschinen. Für die Angestellten gibt es dagegen neue Anreize, Paketlieferant zu werden. Amazon hat etwa 650.000 Angestellte – deutlich mehr als die anderen großen Tech-Konzerne. Bei Apple arbeiten etwa 130.000 Menschen, bei Google knapp über 100.000 und Facebook hat nur etwa 30.000 Angestellte. Das liegt natürlich am Geschäftsmodell. Päckchen einpacken und verschicken ist aufwendiger und weniger leicht zu automatisieren, als eine Plattform zu betreiben. Dafür braucht es schließlich vor allem Informatiker, nicht auch Logistiker wie bei Amazon. Es verwundert deshalb wenig, dass Amazon mit neuen Maschinen und Logistikkonzepten Projekte startet, die die Anzahl seiner Mitarbeiter reduzieren kann. So führt das Unternehmen in seinen Logistikzentren in Deutschland, anderswo in Europa und in Amerika Schritt für Schritt Packmaschinen ein. In den meisten Logistikzentren sind dafür bisher noch Menschen zuständig. (…) Gleichzeitig trat das Unternehmen aber Befürchtungen entgehen, die neuen Roboter könnten zu Entlassungen führen – eine Sorge, die bei Automatisierungen häufig geäußert wird. (…) Tatsächlich teilte das Unternehmen am Dienstag mit, sein Angebot für die Angestellten auszuweiten, selbst Unternehmen zu gründen, die für Amazon die Pakete ausliefern. Neben Zugang zu Amazons Liefertechnologie, einem Trainingsprogramm und Versicherungen gibt der Konzern seinen Angestellten jetzt auch 10.000 Dollar, wenn sie selbst Lieferunternehmer werden. Das soll einen Teil der Kosten für die Unternehmensgründung decken…” Beitrag von Gustav Theile vom 14. Mai 2019 bei der FAZ online externer Link

ver.di: Amazon nur mit Tarifvertrag“… Ich denke, in Rheinberg haben wir es geschafft, auch mit Andersdenkenden respektvoll umzugehen. Aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass immer noch ganz viele Leute gegen unseren Weg sind. [Warum? Weil sie zufrieden mit den Arbeitsbedingungen sind?] Ja, das möchte ich gar nicht abstreiten. Wenn man überlegt, dass manche Leute aus einer langen Zeit der Arbeitslosigkeit kommen, dann sind die froh, wieder einen Job zu haben und pünktlich am Ende des Monats ihr Geld zu kriegen. Das bedeutet aber nicht, dass die vorherrschenden Arbeitsbedingungen innerhalb des Unternehmens in Ordnung sind. (…) Rheinberg gehört zu den am stärksten organisierten Standorten in Deutschland. Es geht voran. Im Moment ist auch der Weg das Ziel. Die Streiks haben die Kolleginnen und Kollegen verändert. In den Anfangstagen waren viele verschüchtert und ängstlich. Heute haben sie keine Angst mehr, mit einem Manager in die Diskussion zu treten oder für Streiks aus dem laufenden Betrieb herauszugehen. Das ist ja etwas völlig anderes, als morgens gar nicht erst am Arbeitsplatz zu erscheinen. Sie müssen Flagge zeigen und ihrem Vorgesetzten direkt ins Gesicht sagen: Ich beende meine Arbeit und streike. (…) Ich finde, beides ist gleichrangig. Auf jeden Fall fehlt es vielen Führungskräften an Respekt. Die Leute müssen jeden Tag unter großem Druck arbeiten und die Launen der Manager über sich ergehen lassen. Sie riskieren durch einen Streik, mit einer schwereren oder schlechteren Arbeit bestraft zu werden. Außerdem werden sie zu Einzelgespräche einbestellt. Dieser Druck macht krank. So ist der Krankenstand nach wie vor sehr hoch. Amazon geht auch massiv mit krankheitsbedingten Kündigungen gegen die Mitarbeiter vor…” Interview von Ines Wallrodt vom 13.05.2019 beim ND online externer Link

ver.di: Amazon nur mit TarifvertragVor ziemlich genau sechs Jahren gab es erstmals in deutschen Versandzentren des Onlinehändlers Amazon Streiks. Den Auftakt machten mehrere hundert Beschäftigte an zwei Standorten im nordhessischen Bad Hersfeld, wo sich der älteste und größte dieser Logistikstützpunkte des Konzernriesen befindet. Zuvor hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) das Unternehmen zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels aufgefordert. Kurz nach den Hersfeldern traten auch Beschäftigte am Amazon-Standort Leipzig (Sachsen) in den Ausstand. Inzwischen ist aus den Anfängen des Frühjahrs 2013 eine bundesweite kämpferische Streikbewegung geworden. (…) Immerhin hat der seit sechs Jahren anhaltende Arbeitskampf mittlerweile diverse Entgelterhöhungen und Sonderzahlungen für die Beschäftigten ausgelöst. Gerade die Streiks anlässlich des Schnäppchentages »Black Friday« sowie vor Feiertagen treffen den Onlinehändler empfindlich – auch wenn Unternehmenssprecher regelmäßig behaupten, dass die Ausstände keine Umsatzeinbußen bewirkt hätten. Während die Mitarbeiter in Deutschland dank ihres Einsatzes und der gewerkschaftlichen Unterstützung Teilerfolge erreicht haben, geht Amazon im Stammland USA mit harten Bandagen gegen vermeintlich faule Beschäftigte vor: Sie erhielten die Kündigung – von einem Algorithmus, wie lebensmittelzeitung-online Anfang Mai berichtete…” Artikel von Gudrun Giese in der jungen Welt vom 10.05.2019 externer Link, siehe auch ein Gespräch mit Orhan Akman von ver.di: (weiterlesen »)

Somalische Lagerarbeiter bei Amazon in Minneapolis im Streik gegen Arbeitsbedingungen am 7.3.2019“… Um weiterhin fette Gewinne einstreichen zu können, sollen Amazon Kunden künftig noch schneller mit ihrer Ware beglückt werden. Man arbeite daran, Lieferungen binnen 24 Stunden zum Standard für Prime-Kunden zu machen – zunächst in Nordamerika und dann weltweit, kündigte Finanzchef Brian Olsavsky an. Wie das erreicht werden soll, ist kein Geheimnis: Beschäftigte in den Versandzentren von Amazon sind – egal ob in Deutschland oder anderen Ländern – mit enormer Arbeitshetze, Kontrolldruck und der Missachtung von Arbeitsrechten konfrontiert. Mittels rigoroser Kontrolle strafft Amazon kontinuierlich die bereits blitzschnellen Arbeitsabläufe in seinen Lagerhallen. Der Onlinehändler erwartet, dass Lagerarbeiter 240 bis 250 Aufgaben pro Stunde meistern. Jegliche Ausfallzeit, ob zum Wasser trinken oder zum Austreten, wird von der Produktionszeit abgezogen. Diese unmenschlichen Arbeitsmethoden blieben nicht ohne Gegenwehr. Anfang März kam es zu einem ersten organisierten Streik in einer Lagerhalle im US-Bundesstaat Minnesota. 50 Arbeiter legten ihre Arbeit während der Nachtschicht nieder. (…) Nun wird am 29. und 30. April 2019 in Berlin ein Treffen des UNI-Amazon-Netzwerkes mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 16 Ländern stattfinden, um sich über gemeinsame Strategien auszutauschen…” Artikel von Efthymis Angeloudis in der jungen Welt vom 27.04.2019 externer Link, siehe dazu ver.di und Berichte:

  • Treffen in Berlin: Amazon-Gewerkschafter von Polen bis Pakistan vernetzen sich New (weiterlesen »)

ver.di: Amazon nur mit TarifvertragDie Beschäftigten an den Amazonstandorten Rheinberg und Werne (NRW), Bad Hersfeld (Hessen), Koblenz (Rheinland-Pfalz) und Leipzig (Sachsen) sind erneut in den Streik getreten. Die Arbeitsniederlegungen dauern vorläufig bis zum 3. Mai (Koblenz) bzw. bis zum 4. Mai 2019 (Rheinberg, Werne, Bad Hersfeld, Leipzig) an. „Die Beschäftigten streiken, weil sie existenzsichernde Löhne und gute Arbeitsbedingungen durchsetzen wollen. Sie verlangen, dass Amazon nicht mehr einseitig die Arbeitsbedingungen diktiert. Die Streiks finden auch im Zeichen der aktuellen Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel statt. Die Beschäftigten beim Versandhändler Amazon verlangen Reallohnsteigerungen und die Tarifbindung, damit das Unternehmen nicht zulasten aller Beschäftigten und anderer Unternehmen die Löhne und Arbeitsbedingungen drückt. (…) ver.di fordert für den Einzelhandel in dieser Tarifrunde externer Link 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 163 Euro bzw. einen Euro mehr pro Stunde.” ver.di- Pressemitteilung vom 02.05.2019 externer Link

Postkartenaktion „Solidarität mit den Streikenden bei Amazon!“Für das Osterwochenende hatte ver.di an zahlreichen Standorten zum Streik aufgerufen. Außenstehenden mag der Arbeitskampf bei Amazon als müßig erscheinen. Seit Jahren kämpfen tapfere Frauen und Männer vergeblich für einen Tarifvertrag. Der erscheint heute so weit weg zu sein wie zu Beginn der organisierenden Arbeit. (…) Die Streiks haben (…) Amazon heute schon verändert. Entfristungen, Weihnachtsgeld, Lohnerhöhungen, neue Kantine – vieles, was ein Tarifvertrag abschließend und zu oft unbefriedigend klären würde, ist zweifellos erstreikt worden, ganz ohne die im deutschen Arbeitsrecht drohende Friedenspflicht mitzeichnen zu müssen. (…) Was wäre in den letzten Jahren alles nicht geschehen, wenn sich Amazon in Deutschland zum Abschluss eines Tarifvertrags durchgerungen hätte: kein Streik am Frauenkampftag, keine Solidarisierung an gemeinsamen Streiktagen mit Kolleg*innen der Post, keine internationale Vernetzung von der Basis aus mit Kolleg*innen bei Amazon in Polen (…) und Spanien. Tatsächlich gibt es bei Amazon mittlerweile Hunderte proletarisch geprägte Aktivist*innen, die eine Ahnung davon geben, wie eine revitalisierte Arbeiter*innenbewegung aussehen wird. So platt das von der Riege aller orthodoxen, marxistischen wie anarchistischen Traditionen überzeichnete und überstrapazierte Bild des Streiks als Ort der massenhaften Entwicklung von Klassenbewusstsein ist, so deutlich zeigt sich, welche Potenziale dieser Klasse heute innewohnen, wenn sie weder von der Gegenseite herzlich umarmt ihren Biss verliert, noch von den eigenen Leuten in ein allzu bürokratisches und legalistisches Korsett gesteckt wird…” Artikel von Violetta Bock vom 25. April 2019 bei neues Deutschland online externer Link

Arbeitsunrecht-Amazon-Kampagne zu Ostern: Der Osterhase bestellt nicht bei AmazonDie Beschäftigten der Amazonstandorte in Rheinberg und Werne (beides NRW), Bad Hersfeld (Hessen) sowie Koblenz (Rheinland-Pfalz) haben in der Nacht von Sonntag auf Montag die Arbeit niedergelegt. Sie streiken in Rheinberg und Werne bis einschließlich diesen Donnerstag (18. April 2019), in Bad Hersfeld bis einschließlich diesen Dienstag (16. April 2019) und in Koblenz am heutigen Montag (15. April 2019) für einen Tarifvertrag und deutliche Lohnerhöhungen. Die Streiks finden auch vor dem Hintergrund der Einzelhandelstarifrunde in den Ländern statt, in der Beschäftigte auch in anderen tariflosen Unternehmen die Arbeit niederlegen werden. (…) Während der Osterzeit kann es auch an anderen Standorten von Amazon jederzeit zu Arbeitsniederlegungen kommen. ver.di fordert in der Tarifrunde des Einzelhandels 2019 externer Link neben Lohn- und Gehaltssteigerungen auch, die ausgehandelten Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären zu lassen.” ver.di-Pressemitteilung vom 15.4.2019 externer Link

UK-Petition „Amazon: Drop all targets by 15%“Am Donnerstag, den 11. April, findet der Tag der Logistik statt, den die Bundesvereinigung Logistik (BVL) ins Leben gerufen hat. Auch Amazon beteiligt sich und öffnet die Pforten seiner zwölf deutschen Logistikzentren für Besucher. Die einzelnen Standorte sind auf unterschiedliche Aspekte spezialisiert. In Frankenthal und Winsen (Luhe) arbeiten moderne Roboter, Pforzheim und Werne kümmern sich vor allem um schwere Artikel, Bad Hersfeld um Schuhe und Bekleidung. Dortmund ist ein sogenannter Inbound-Cross-Dock: Die Artikel werden von den Lieferanten gebracht und dann innerhalb von 24 Stunden an andere Logistikzentren verteilt. „Wir freuen uns sehr, am Tag der Logistik, Menschen in allen unseren 12 Logistikzentren in ganz Deutschland zu empfangen. Wir wollen, dass Interessierte selbst an die Standorte kommen und hinter die Kulissen schauen. Wir zeigen, was passiert, nachdem man auf ‘Jetzt Kaufen’ klickt“, erklärt Armin Cossmann, Regionaldirektor Amazon Operations Deutschland. Auch Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der BVL, wirbt für den Tag: „Logistik fasziniert. Am Tag der Logistik bieten Unternehmen allen interessierten Menschen die Möglichkeit, diese Faszination aus erster Hand zu erleben. Wir freuen uns sehr, dass Amazon wie in den Vorjahren am Aktionstag teilnimmt und diesmal sogar alle Standorte öffnet.“ Wer einen Blick in die Zentren werfen will, kann sich unter https://www.tag-der-logistik.de/veranstaltungen externer Link anmelden…” Meldung von Markus Gärtner vom 7. März 2019 beim amazon-watchblog externer Link – nix wie hin! Natürlich nur solidarisch mit den KollegInnen…

Somalische Lagerarbeiter bei Amazon in Minneapolis im Streik gegen Arbeitsbedingungen am 7.3.2019Die Kleinstadt Shakopee im US-Bundesstaat Minnesota liegt unweit von Minneapolis und am Ort gibt es ein Amazon-Logistikzentrum, das in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde. Das Besondere daran: Ein Großteil der ebenfalls angewachsenen Belegschaft sind Menschen die (zumeist als Flüchtlinge) aus Somalia kommen. Und die sich seit Monaten darüber erregt hatten, dass ihnen die vom Unternehmen aufgezwungenen Arbeitsbedingungen weder den Gang zur Toilette noch ein Gebet ermöglichen. In dem Bericht „Amazon Workers in Minnesota Hold Overnight Strike for Better Conditions“ von Bryan Menegus am 08. März 2019 bei Gizmodo externer Link wird nun informiert, dass in der Nacht zuvor einige Dutzend Beschäftigte des Logistikzentrums in den Streik getreten seien. (Was in einer Pressemitteilung von Amazon, wie üblich, herunter gespielt wurde). Organisiert hat die Aktion – wie auch schon die Proteste in den Monaten zuvor – das Awood Center der ostafrikanischen Gemeinde vor Ort (Awood ist somalisch für Power), das wiederum darauf hinwies, der dreistündige Proteststreik sei von der Mehrheit einer zentralen Abteilung im Zentrum befolgt worden, die Hauptforderung sei eine Absenkung der Arbeitsintensität. Siehe dazu auch einen Beitrag zu den vorhergehenden Aktionen, eine Vorstellung des Centers und ein Dokument der Streikenden: (weiterlesen »)

Proteste gegen die Steuergeschenke, die Amazon nach New York locken sollten waren erfolgreich, am 14.2.2019 erfolgte die Streichung des GroßprojektsSowohl die Dienstleistungsgewerkschaft SEIU (siehe auch unseren ersten Beitrag dazu), als auch der Zusammenschluss der Bauarbeitergewerkschaften “Building and Construction Trades Council of Greater New York” und – nach anfänglichen Kritiken – die Einzelhandelsgewerkschaft “Retail, Wholesale and Department Store Union” haben den Entschluss des Unternehmens, das Hauptquartier 2 nicht in New York zu bauen, allesamt öffentlich „bedauert“. Mit Argumenten, die weitgehend für sich selbst sprechen – oder gegen sie selbst, um es genauer zu sagen. Wenn etwa der SEIU-Vorsitzende von New York die verlorenen Steuermilliarden bedauert – die es dem beabsichtigten Deal entsprechend zumindest lange Jahre nicht gegeben hätte. Oder wenn die Bauarbeitergewerkschaft jammert, welche Investoren wohl nach diesem Vorgang noch nach New York kommen wollten – eine wahrhafte Interessenvertretung. Nur: Für wen eigentlich?  In dem Artikel „After early divisions, organized labor laments loss of Amazon HQ2 deal in Long Island City“ von Bill Parry am 19. Februar 2019 bei QNS externer Link wird dieses allgemeine Lamento noch mit kühnen Behauptungen untermauert, wie etwa, man hätte hier dafür sorgen können, dass es endlich Gewerkschaften bei Amazon gegeben hätte (die Art der Argumentation der Gewerkschaftsversprecher lädt einen schon dazu ein, zu denken, „schade um die schönen Mitgliedsbeiträge“) und dabei „elegant“ darüber hinweg sieht, dass das berüchtigt antigewerkschaftliche Unternehmen keine Anzeichen geboten hatte, diese Haltung irgendwie eventuell vielleicht irgendwann ein bisschen zu verändern… Siehe dazu auch einen Beitrag, der die Kritiken und Wirkungen der zahlreichen Initiativen aus dem betroffenen Stadtbezirk Queens nochmals zusammenfasst – als Gegenpol zu diesen gewerkschaftlichen Lobpreisungen des Unternehmens – und den Hinweis auf unseren ersten Beitrag zu Amazons Rückzug: (weiterlesen »)

Proteste gegen die Steuergeschenke, die Amazon nach New York locken sollten waren erfolgreich, am 14.2.2019 erfolgte die Streichung des Großprojekts„Doch nun ist die Goldgräberstimmung so plötzlich verflogen, wie sie aufloderte. Amazon hat den Bau des 400.000-Quadratmeter-Campus in New York storniert – dem Konzern wurde der Widerstand vor Ort gegen HQ2 zu lästig. Zwar hätten 70 Prozent der New Yorker die Pläne unterstützt, erklärte das Unternehmen beleidigt, aber: “Eine Reihe von Lokal- und Bundesstaatspolitikern haben klar gemacht, dass sie unsere Präsenz ablehnen und nicht mit uns an den notwendigen Beziehungen arbeiten wollen, um das Projekt fortzusetzen”. Anders gesagt: zu unseren Bedingungen oder gar nicht. Tatsächlich hatten viele Anwohner, Gemeindevertreter und Aktivisten dagegen protestiert, dass die Stadt für Amazon den roten Teppich ausrollt. Sie fürchteten, dass die Ansiedlung von bis zu 25.000 Tech-Jobs in dem schnell wachsenden Stadtteil eine Turbo-Gentrifizierung zu Lasten der sozial Schwachen und den Kollaps der ohnehin überlasteten U-Bahn auslösen würde. (…) Doch das wollte Amazon nicht abwarten. Bezos’ Konzern ist es gewohnt, umschwärmt zu werden. 238 Städte und Gemeinden hatten sich während des 14-monatigen Bieterwettbewerbs um das HQ2 dem Unternehmen aus Seattle angedient. Sie hatten mit Steuernachlässen, preiswertem Bauland und anderen Vergünstigungen geworben. Am Ende entschied sich Amazon für die üblichen Verdächtigen: die Metropolen New York und Washington. Die ewigen Verlierer in der Provinz gingen leer aus…“ – aus dem Bericht „Annahme verweigert“ von Ines Zöttl am 15. Februar 2019bei Spiegel online externer Link über diesen (diesmal gescheiterten) Musterfall des heutigen Kapitalismus: Die Diktatur der „Investoren“… Siehe dazu zwei weitere Beiträge über die Entwicklung zu dieser Vorhaben-Streichung, darunter einer, in dem lokale AktivistInnen zu Wort kommen – sowie, als Drittes, ein Beispiel für Journalismus im Dienste der „Investoren“…und, neu ergänzt am 18. Februar: Wer Amazons Entscheidung bedauert? Die Gewerkschaft natürlich… (weiterlesen »)

Februar-Ausgabe des neuen Magazins von Lernen im Kampf“… Unsere Schichten bestehen aus einer Serie von Kommandos, die schmierig getarnt als anfeuernde Worte daher kommen, aus abwertenden Kommentaren des mittleren Managements und aus dem Versuch, freundliche Konversationen einzuschmuggeln, während man sich durch den Dschungel aus hohen, mit Paketen gefüllten Karren kämpft, die bis 20 Uhr bei jemandem zu Hause ankommen müssen. Die meisten meiner Kolleg*innen haben zwei Jobs: als Elektriker*innen, Apothekenhelfer*in­nen, Fahrer*innen, Reinigungskräfte und – obendrauf noch – als alleinerziehende Mütter. Die meisten sprechen mehrere Sprachen, inklusive Englisch. Dennoch werden sie behandelt, als seien sie blöd. (…) Meine Kolleg*innen sind nicht zufrieden mit ihren Löhnen, nicht damit, wie man mit uns umgeht oder wie wir im amerikanischen Kapitalismus behandelt werden, der so ganz andere Versprechungen macht. Doch die Idee, dass sich etwas ändern könnte, erscheint weit weg. (…) Es ist eine große Herausforderung, in einem Amazon-Logistikzentrum eine Gewerkschaft aufzubauen. Die Zentren sind zu groß. Es ist schwierig, mit Kolleg*innen zu reden. Harte körperliche Arbeit bedeutet, dass viele versuchen, so schnell wie möglich eine bessere Arbeit zu finden und dann weg sind. Saisonarbeit heißt, dass viele keine Möglichkeit haben, länger zu bleiben. Selbst wenn es gelingen sollte, ein Logistikzentrum zu organisieren – Amazon hat das alles so organisiert, dass kein Verteilzentrum unersetzlich ist, sondern zahlreiche freie Kapazitäten bestehen. Und am schlimmsten: Beschäftigte – nicht nur bei Amazon – haben sich daran gewöhnt, unter schlechten Bedingungen zu arbeiten. (…) Um diese kollektive Macht aufzubauen, müssen wir in den Pausenräumen quer über die USA diskutieren, was anders laufen soll. Zum Beispiel, wenn jede*r etwas zu einem gemeinsamen Picknick mitbringt. Das Selbstbewusstsein, das wir gewinnen, die Erfolge, die wir erzielen, die Erwartungen, die wir vergrößern – das sind Schritte zu einer Gewerkschaft, die wir bei Amazon aufbauen werden.” Artikel von einer Beschäftigten in einem Amazon-Logistikzentrum in den USA vom 13. Februar 2019 bei Lernen im Kampf externer Link – es ist ein Artikel der Februar-Ausgabe des neuen Magazins externer Link von Lernen im Kampf, empfehlenswert!