Dossier

Immer noch in Japan: Zu Tode arbeiten.... Foto von Coal Miki/Flikr.Bevor die Deutsche Post AG befristete Mitarbeiter fest anstellt, zählt sie deren Krankheitstage. Aus einem vertraulichen “Entfristungskonzept” der Post, das die Bild am Sonntag veröffentlichte, geht hervor, dass Brief- und Paketboten binnen zwei Jahren nicht mehr als 20 Tage krank gewesen sein dürfen, wenn sie einen Festvertrag möchten. Insgesamt dürfen sich die Zusteller demnach nur sechsmal abgemeldet haben. Das “Entfristungskonzept” macht den Leitern der Post-Niederlassungen außerdem Vorgaben zur Leistung der Postboten. In drei Monaten dürfen diese nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen. Auch Mitarbeiter, die mehr als zwei Autounfälle verursacht oder einen Schaden von über 5000 Euro verursacht haben, sollen demnach keine Festanstellung bekommen. Ein Post-Sprecher bestätigte den Kriterienkatalog und nannte die Vorgaben eine “Orientierung” für die Zweigstellen der Post….” Beitrag von Kristiana Ludwig vom 6. Mai 2018 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link, siehe dazu auch:

  • Die Post bleibt stur: Wir brauchen körperlich fitte Mitarbeiter New
    „Die Deutsche Post will ungeachtet aller Kritik nicht von der umstrittenen Praxis bei der Entfristung von Arbeitsverträgen abrücken. Der Bonner Konzern übernimmt Angestellte nur dann unbefristet, wenn sie zuvor innerhalb von zwei Jahren nicht mehr als 20 Krankheitstage hatten und nicht mehr als zwei selbst verschuldete Unfälle mit konzerneigenen Fahrzeugen. “Wir werden an den Eckpunkten festhalten, denn sie haben sich in der Praxis bewährt und sind arbeitsrechtlich nicht zu beanstanden”, sagte Thomas Ogilvie, 41, im Vorstand der Post für Personal zuständig, der Süddeutschen Zeitung. An der Praxis hatte es zuvor massive öffentliche Kritik gegeben. Das sei “nicht in Ordnung”, hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz gesagt und eine Intervention angekündigt. Der Bund hält noch knapp 21 Prozent der Aktien des ehemaligen Staatskonzerns. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil appellierte an die soziale Verantwortung der Post. Reiner Hoffmann, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), sagte, es sei “moralisch höchst verwerflich, dass man die Entfristung von Arbeitsverträgen daran koppelt, wie gesund oder wie selten krank die Beschäftigten bei der Deutschen Post sind”.Ogilvie will all das nicht gelten lassen und beharrt auf der Praxis. “Unsere Mitarbeiter, die auch bei Wind und Wetter rausmüssen, brauchen eine gewisse körperliche Fitness”, argumentiert er. Die Kriterien seien auch nur Anhaltspunkte.“ Artikel von Caspar Busse vom 17.05.2018 in der Süddeutschen Zeitung online externer Link
  • Post praktiziert blanke Willkür mit Zeitbeschäftigten: Selbst das ist gesetzlich nicht verboten 
    „”Herr Fischer, die Post hat für großen Wirbel gesorgt, weil sie die Entfristung von Arbeitsverträgen von den Krankheitstagen der Mitarbeiter abhängig machen will. Sind die Praktiken eine Ausnahme in der deutschen Unternehmenslandschaft? SCHEKIB FISCHER: Nein. Der befristete Arbeitsvertrag ist in der Praxis sehr verbreitet. Die Post hat lediglich ausgesprochen, was andere Unternehmen ohnehin schon praktizieren. (…) Die Unternehmen können mit dem Instrument der Befristung das Kündigungsschutzgesetz umgehen. (…) Es ist gut, dass über den Fall der Post – mal wieder – über befristete Arbeitsverträge diskutiert wird. Es wird sich an der Situation aber nichts ändern, wenn der Gesetzgeber die Position der Arbeitnehmer nicht stärkt. Denn nach derzeitiger Rechtslage haben Unternehmen im Bereich des Befristungsrechts nach wie vor sehr großen Spielraum. Dennoch ist es sinnvoll, dass Arbeitnehmer den befristeten Arbeitsvertrag prüfen lassen, da die Praxis auch zeigt, dass viele Unternehmen nicht dazu in der Lage sind, wirksame Befristungsabreden zu vereinbaren. Viele scheitern schon an den Formalien.” – aus „Ein Arbeitsrechtler klärt auf über befristete Verträge und den „Fall Post““ am 12. Mai 2018 in der Frankfurter Neuen Presse externer Link, ein Gespräch von Dieter Hintermeier mit dem Frankfurter Arbeitsrechtler Schekib Fischer.

  • Sachgrundlose Befristungen von Arbeitsverhältnissen umgehend abschaffen – Deutsche Post AG: ver.di lehnt pauschale Kriterien bei Entfristung ab
    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert die Regierung auf, umgehend für ein Ende der Möglichkeit sachgrundloser Befristungen von Arbeitsverhältnissen zu sorgen. „Es ist höchste Zeit, das Teilzeit- und Befristungsgesetz entsprechend zu ändern. Auch die Sachgründe gehören auf den Prüfstand, um die missbräuchliche Nutzung zu verhindern“, sagte die stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende Andrea Kocsis. Der Bundestag habe es in der Hand, für Klarheit zu sorgen. Ohne die Möglichkeit, Unternehmen die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen gesetzlich zu erlauben, hätte es die Auseinandersetzungen um Entfristungskriterien nicht gegeben. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen habe die Deutsche Post AG ein Entfristungskonzept, so die Gewerkschaft. Der Gesamtbetriebsrat und ver.di sagen Ja zu dem Entfristungskonzept, sprechen sich aber eindeutig gegen pauschale Kriterien zur Beurteilung von Beschäftigten durch die Konzernleitung aus. Es müsse in jedem Fall eine individuelle Beurteilung der Betroffenen geben, fordert die Gewerkschaft…” ver.di-Pressemitteilung vom 07.05.2018 externer Link
  • Deutsche Post: DGB bezeichnet Entfristungskriterien als höchst verwerflich
    “… Es sei rechtlich zwar nicht angreifbar, aber moralisch höchst verwerflich, sagte DGB-Chef Hoffmann in Berlin. Er begrüße, dass Bundesfinanzminister Scholz sich dafür einsetzen wolle, diese Praxis zu ändern. Der SPD-Politiker hatte gestern Abend im ARD-Fernsehen erklärt, er werde nicht hinnehmen, dass Arbeitnehmer Probleme bei unbefristeten Arbeitsverträgen bekämen, weil sie zu oft krank seien oder zu langsam arbeiteten. Der Bund werde seinen Einfluss im Aufsichtsrat nutzen…” Meldung vom 7. Mai 2018 beim Deutschlandfunk externer Link
  • Entfristung bei der Deutschen Post Wer zu oft krank ist, muss gehen
    Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen offenbar von der Krankheitsdauer ihrer Mitarbeiter abhängig. Laut einem Medienbericht hat der Konzern dafür eine klare Obergrenze für Fehltage definiert…” Meldung vom 06.05.2018 beim Spiegel online externer Link