Dossier

rynair lowest wages“Niedriglöhne und Knebelverträge für das fliegende Personal bringen die Billig-Airline aus Dublin in Erklärungsnot. Der Druck, die Probleme zu lösen, ist größer denn je. Das fliegende Personal von Ryanair verstärkt seinen Widerstand gegen die Arbeitsbedingungen in der Fluglinie. Nachdem unlängst die Piloten des Billigfluganbieters gegen Niedriglöhne und Knebelverträge rebellierten und bessere Arbeitsverträge forderten, zieht das Kabinenpersonal nach: Zumindest für die bis zu 1000 in Deutschland tätigen Flugbegleiter der irischen Gesellschaft sollten nationale Tarifverträge gelten, heißt es. Die Branchengewerkschaft Ufo forderte Ryanair daher zu Verhandlungen über ein solches Regelwerk auf. (…) Ufo-Vertreter sind überzeugt, dass Ryanair in Deutschland auf „schlicht illegale“ Arbeits- und Vergütungs-Bedingungen setzt. „Mit Bruttolöhnen von rund 1200 Euro im Monat und bei ständiger Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit ist es ohnehin schwer, in Deutschland finanziell über die Runden zu kommen“, sagte Ufo-Chef Alexander Behrens am Dienstag. Was die aktuelle Misere des fliegenden Personals verschärft: Viele Kabinen-Mitarbeiter würden in jedem Winter für mehrere Wochen unbezahlt freigestellt, um so Personalkosten zu sparen. (…) Damit nicht genug. Nach Angaben der Vereinigung Cockpit (VC) sind in der von Dublin aus gesteuerten Gesellschaft auch vertragliche Zusatzvereinbarungen üblich, wonach die Teilnahme an Arbeitskämpfen mit dem Wegfall von Bonuszahlungen und schlechteren Arbeitszeiten „bestraft“ wird…” Beitrag von Ulrich Friese vom 24. Oktober 2017 bei der FAZ online externer Link, siehe dazu:

  • Ryanair entlässt Mitarbeiter nach Infos an Medien New
    Nachdem ein Flugbegleiter von Ryanair in den letzten Wochen öffentlich gegenüber Zeitung und Fernsehen über die Arbeits- und Vergütungsbedingungen bei seinem Arbeitgeber Rede und Antwort stand, folgte nun die Reaktion seitens Ryanair. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO), die als Gewerkschaft des Kabinenpersonals in Deutschland auch die Interessen des betroffenen Mitarbeiters und dessen Kollegen hierzulande vertritt, teilt mit, dass Ryanair den Flugbegleiter fristlos entlassen habe. Diese Kündigung sei rechtswidrig. Deshalb soll das Mitglied dabei unterstützt werden, gerichtlich dagegen vorzugehen. Schließlich sei es in Deutschland Arbeitnehmern nicht verboten, über ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen, erklärt Stefan Fluck, UFO-Vorstand für Recht und Rechtsschutz. Dennoch sei man bei UFO über diese Maßnahme von Ryanair nicht überrascht. Sie passe gar zum bisherigen Gebaren der Airline gegenüber ihren Mitarbeitern. Wer sich über unhaltbare Zustände beschwert, fliege raus…” Beitrag vom 20.11.2017 bei Aerosieger.de externer Link, siehe auch:

    • Ryanair entlässt Flugbegleiter, der Missstände aufdeckte
      Die Post aus der Firmenzentrale ließ nicht lange auf sich warten. Nur einen Tag, nachdem der Ryanair-Flugbegleiter Enrico Ursi im Oktober in der WELT und der ZDF-Sendung „Frontal 21“ offen über seine Arbeitsbedingungen berichtet hatte, erhielt er einen Brief aus der Firmenzentrale, der „streng und vertraulich“ an ihn gerichtet war. Ursi hatte im Interview in deutlichen Worten geschildert, zu welchen prekären Lebensbedingungen sein Anstellungsverhältnis und das der rund 700 anderen Ryanair-Flugbegleiter an den deutschen Standorten führt. (…) Jetzt hat die irische Billig-Airline ernst gemacht: Am 3. November kündigte sie Ursi den Arbeitsvertrag mit sofortiger Wirkung (…) Besonders anstößig fand man in der Konzernzentrale demnach, dass Ursi sich und seine Kollegen im Fernsehbeitrag als „moderne Sklaven“ bezeichnet hatte. „Ihre Aussagen sind nicht nur falsch, sondern auch höchst verleumderisch, und sollten dazu dienen, den Ruf dieser Firma, Ihres Arbeitgebers, zu schädigen“, hatte das Unternehmen schon in der ersten Androhung der Kündigung auf Englisch geschrieben – und Ursi zu einem „Untersuchungsgespräch“ nach Dublin gebeten…” Artikel von Anette Dowideit vom 21.11.2017 bei der Welt online externer Link
    • Besonders interessant darin: “… Doch das ist nicht das einzige Problem: Bis 2015 war Ursi indirekt über die Personalvermittlungsfirma Crewlink bei Ryanair beschäftigt. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO schätzt, dass derzeit rund die Hälfte des Kabinenpersonals der Firma auf diese Weise dauerhaft an Ryanair „verliehen“ werden. Den Recherchen zufolge besitzt Crewlink die Genehmigung hierfür erst seit Anfang 2017. Die Personalvermittlung kommentierte dies auf Anfrage der Redaktionen damit, dass es sich um ein Geschäft zwischen zwei irischen Firmen handele und somit keine Genehmigung notwendig sei. Was wiederum die Frage aufwirft, warum Crewlink diese Genehmigung trotzdem mittlerweile erfolgreich beantragt hat.
    • Dürfen Beschäftigte Arbeitsbedingungen öffentlich kritisieren?
      Die Arbeitsbedingungen in Unternehmen sind immer wieder Anlass zur Klage. Die Mitarbeiter bei Siemens bangen derzeit um ihre Zukunft. Ryanair steht schon länger in der Kritik. Manch ein Betroffener macht seinem Ärger in der Öffentlichkeit Luft. Einem Ryanair-Flugbegleiter wurde deshalb jetzt gekündigt. Dürfen sich Beschäftigte in Deutschland öffentlich über ihren Job äußern? Und wenn ja wie? (…) Alexander Bredereck ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Er weiß, worauf Beschäftigte achten müssen, wenn sie Missstände anprangern wollen: “Der Arbeitnehmer muss zunächst wie ein Staatsanwalt Ermittlungen aufnehmen zu den Missständen und muss dann versuchen, erst einmal innerbetrieblich Abhilfe zu schaffen. Erst wenn das nicht geht, darf an die Öffentlichkeit wenden.” Das hat das Bundesarbeitsgericht so entschieden. Bredereck hält diese Rechtsprechung für verfehlt. Das habe auch schon der europäische Gerichtshof festgestellt. Whistleblower seien damit nicht genug geschützt. Viele Missstände würden deshalb nicht ans Tageslicht kommen. (…) Auch die Verletzung von Loyalitätspflicht könne unter Umständen zu einer Kündigung führen…” Beitrag von Anja Dobrodinsky vom 21.11.2017 externer Link
  • Ryanair: Freibeuter der Lüfte
    Die Billigfluggesellschaft Ryanair beschäftigt nach Meinung von anerkannten Arbeitsrechtlern rund 700 in Deutschland stationierte Flugbegleiter offenbar zu rechtswidrigen Konditionen. Das zeigen gemeinsame Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 und der Welt. (…) Den Redaktionen liegen rund 50 Seiten an Verträgen und firmeninternen Memos vor. Darin steht zum Beispiel, dass das Kabinenpersonal unbegrenzt unbezahlten Zwangsurlaub akzeptieren müsse. Zudem dürfe Angestellten jederzeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. (…) So erzählt es auch Enrico Ursi, Flugbegleiter bei Ryanair. Ursi ist Italiener, 33 Jahre alt, verheiratet, er hat zwei Kinder und wohnt mit seiner Familie in Süddeutschland. Laut Arbeitsvertrag ist seine Heimatbasis Baden-Baden. Obwohl er seit fünf Jahren in Deutschland lebt, pocht Ryanair darauf, dass sein Arbeitsvertrag irischem Recht unterliege. Das hat für Ursi Folgen. Die Kündigungsfrist beträgt maximal acht Wochen, er muss unbezahlten Zwangsurlaub nehmen und gegenüber dem Ryanair-Betriebsarzt eine Schweigepflichtenbindung akzeptieren. Ursi ist nach mehreren Jahren bei Ryanair überzeugt: “Wir sind die neuen modernen Sklaven“ so der Flugbegleiter. “Die Verträge, die Bezahlung, die fehlende Unterstützung, die Konditionen, die Kosten – ich glaube nicht, dass man das mit Würde machen kann.” Deutsche Arbeitsrechtler sind sicher, dass die Vertragsgestaltung bei Ryanair illegal ist...” Frontal 21 exklusiv-Reportage von Jörg Göbel, Markus Reichert und Christian Rohde vom 24.10.2017 beim ZDF externer Link