Karstadt greift nach Kaufhof. Immobilien im Visier

Dossier

Jetzt wird umstrukturiertDie Zitterpartie der Beschäftigten im Handel geht weiter. Der jetzige Karstadt-Eigentümer René Benko macht einen neuen Versuch sich den Kaufhof einzuverleiben. Der Österreicher Benko hatte dazu schon mehrmals Anlauf genommen. Doch im Oktober 2015 gab es den Zuschlag erst mal für den Kanadier Hudson’s Bay (HBC). Personal und einige Betriebsräte atmeten durch. Doch dies war, wie so oft, ein Trugschluss. Schon kurz nach dem Kauf zeigte HBC, worauf es beim schnellen Geld machen ankommt. Kahlschlag beim Personal, Fremdvermietung von Verkaufsflächen, Lohnverzicht durch erzwungene Teilzeit, waren auch bei HBC die Spielregeln der Personalleiter in den Filialen. Damit machte der Kanadier von Anfang an eine ähnliche Geschäftspolitik, wie sie auch Benko praktizierte…“ Artikel von Herbert Schedlbauer vom 06.07.2018, Erstveröffentlichung am 06.07.2018 in der uz – wir danken! Siehe dazu weitere Informationen

Karstadt greift Kaufhof

Immobilien im Visier

Die Zitterpartie der Beschäftigten im Handel geht weiter. Der jetzige Karstadt-Eigentümer René Benko macht einen neuen Versuch sich den Kaufhof einzuverleiben. Der Österreicher Benko hatte dazu schon mehrmals Anlauf genommen. Doch im Oktober 2015 gab es den Zuschlag erst mal für den Kanadier Hudson’s Bay (HBC). Personal und einige Betriebsräte atmeten durch. Doch dies war, wie so oft, ein Trugschluss. Schon kurz nach dem Kauf zeigte HBC, worauf es beim schnellen Geld machen ankommt. Kahlschlag beim Personal, Fremdvermietung von Verkaufsflächen, Lohnverzicht durch erzwungene Teilzeit, waren auch bei HBC die Spielregeln der Personalleiter in den Filialen. Damit machte der Kanadier von Anfang an eine ähnliche Geschäftspolitik, wie sie auch Benko praktizierte. Regelrecht abgeschrieben von Karstadt wurde die Vorgehensweise, wie der kapitalistische Grundsatz der Höchstprofite erreicht werden sollte. Nach dem gleichen Drehbuch lies sich so am schnellstens Profit für die Aktionäre machen. Die Mieten in den Filialen explodierten beim Kaufhof ebenso wie beim Karstadt Kahlschlag. Filetstücke wurden verkauft. Durch die viel zu hohen Mieten in 41 Filialen rutschte der Kaufhof in die roten Zahlen. Statt auf mehr Beratung und Personal zu setzen, drehte HBC unaufhörlich an der Schraube der Angst. Arbeitserverdichtung und der Vernichtung von Arbeitsplätzen waren die Folge. Doch nun reicht auch das nicht mehr. Die kanadische Heuschrecke und der Investor Simon Property wollen mehr Geld sehen. Die Aktionäre drängen auf einen Verkauf.

Zwischen HBC und Karstadt, der österreichischen Signa des Immobilieninvestors René Benko, gibt es Insidern zufolge deshalb Gespräche über einen neuen Handelskonzern. Man verhandelt darüber, dass Karstadt bei Kaufhof mit 51 Prozent einsteige. Um den jetzigen Verkaufspreis nach oben zu puschen, will das Kaufhof-Management vor dem Verkauf noch einen Sanierungstarifvertrag für die rund 17.000 Beschäftigten der Galeria Kaufhof mit Hilfe der Gewerkschaft ver.di vereinbaren.

Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass Benko, wie nicht anders zu erwarten, als Immobilienspekulant die großen Warenhausfilialen des Kaufhof Konzerns im Visier hat. Diese befinden sich ähnlich wie bei Karstadt in Bestlagen der Innenstädte. Die Fusion der beiden Warenhausketten dürfte zu zahlreichen Schließungen und weiterer Vernichtung von Arbeitsplätzen führen. In München, Hamburg, Essen, Leipzig und Düsseldorf findet man Kaufhof und Karstadt in unmittelbarer Nähe zueinander. Hinzu kommt, dass mit einer neuen Warenhausgesellschaft die Verwaltung und der Einkauf ausgedünnt würde. Was weitere Arbeitsplätze kostet.

Für die Beschäftigten bedeutet dies nichts Gutes. Durch die Zentralisation wird es zu noch mehr wachsender Existenzunsicherheit kommen. Eine ver.di Sprecherin war auf Nachfrage, wie auf die Situation von gewerkschaftlicher Seite reagiert würde, nicht erreichbar.

Herbert Schedlbauer

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Weitere Informationen

  • [Meinung der Beschäftigten] Ausverkauf ohne uns – Nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof New
    “Aus zwei mach’ eins hieß es am 11. September 2018 für die Kaufhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof, beschlossen von ihren Eigentümern, der österreichischen Signa-Holding und der kanadischen Hudson’s Bay Company. Im Januar kündigte die neue Leitung an, dass Galeria Kaufhof aus der Tarifbindung geht und 2.600 Vollzeitstellen – viele davon in der Kölner Verwaltung – abbauen wird. Wegen des hohen Teilzeitanteils verlieren an die 5.000 Menschen ihre Arbeit. Karstadt hat diese Rosskur bereits hinter sich. Das sind die nackten Zahlen. Doch wie geht es den Mitarbeiter*innen in den beiden traditionsreichen Kaufhausketten angesichts neuerlicher massiver Veränderungen, die auch mit materiellen Verlusten einhergehen? ver.di publik hat mit drei Beschäftigten über diese Entwicklungen gesprochen. Zu ihrem Schutz haben wir die Namen verändert und nennen nicht ihren exakten Arbeitsort…” Daraus eine besonders interessante Reaktion: “Andrea Gruber ist wütend – auch immer noch auf die Metro. „Die haben schon im Jahr 2000 einen Teil der Filialen an ein türkisches Unternehmen verkauft, das zwei Jahre später pleite war. Für die betroffenen Beschäftigten gab es keinen Sozialplan, keine Abfindungen – nichts.“Auch beim Verkauf 2015 an HBC sei es der Metro nur ums Geld gegangen, nicht um die Mitarbeiter*innen. „Nach dem Zusammengehen mit Karstadt wäre es an der Zeit, auf uns zu hören.“ Die Verkäufer*innen wüssten, woran es in den Abteilungen fehle. Um die Lage bei Kaufhof zu verbessern, sei mehr und nicht weniger Personal erforderlich. „Vorsprung durch Service“ nennt Andrea Gruber die Beratungskompetenz der Verkäufer*innen und ärgert sich über die Geschäftsleitung, die sich mit Amazon-Abholstationen die Konkurrenz in die eigenen Häuser hole. „Wir könnten das Ruder zusammen mit den Karstadt-Kolleginnen herumreißen. Aber das funktioniert nur, wenn man uns lässt.“ Bericht von Gudrun Giese aus ver.di publik 2/2019 externer Link
  • Fusion Kaufhof/Karstadt: Benko zieht blank 
    Ende Januar gab der Vorstand des fusionierten Warenhauskonzerns Karstadt/Kaufhof die Pläne für die beiden Unternehmen bekannt. Dabei wurde deutlich, dass es beim Kaufhof zu einem erheblichen Arbeitsplatzabbau und ziemlich weitgehenden Änderungen der Arbeitsabläufe kommen soll. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass eine OT-Mitgliedschaft (Ohne Tarifbindung) im Einzelhandelsverband (HDE) angestrebt wird. Mit der Gewerkschaft Ver.di soll ein Sanierungstarifvertrag ausgehandelt werden, der zu einem Abbau der Einkommen und zu Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen führen soll. (…) Der dickste Brocken ist die angekündigte weitgehende Schließung der Kaufhof-Hauptverwaltung in Köln. Bis auf einen kleinen Rest, der in ein Lager verlagert werden soll, soll die Steuerung des Unternehmens aus der Karstadt-Zentrale in Essen heraus geleistet werden. Dies führt zu einem Arbeitsplatzabbau von etwa 1000 Vollzeitkräften, real werden es eher mehr sein, weil es auch in der Hauptverwaltung viele Teilzeitbeschäftigte gibt. In den rund 100 Kaufhof-Filialen sollen 1600 Vollzeitstellen abgebaut werden. Auch hier werden jedoch erheblich mehr Beschäftigte betroffen sein, da es im Verkauf viel mehr Teilzeitbeschäftigte als in der Hauptverwaltung gibt. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten liegt hier oftmals bei 60 Prozent oder darüber. Hier können also mehr als 3000 Beschäftigte vom Personalabbau betroffen sein. Auch die Maßnahmen zum Umbau der Arbeitsorganisation haben es in sich. So soll es eine weitgehende Trennung der Funktionen geben, was u.a. zu einer Dequalifizierung und Abgruppierung der Beschäftigten führen wird. Die Verkäuferinnen und Verkäufer sollen jeweils nur noch für die Kasse, für das Auffüllen der Ware oder für die Bedienung zuständig sein. Die Arbeit wird also erheblich monotomer werden. Es wird eine weitgehende Flexibilisierung der Arbeitszeit angestrebt sowie ein Abbau der Hierarchien. Das wird sicher sowohl die Geschäftsleitungen wie auch die Abteilungsleiter treffen. (…) All diese Maßnahmen bedeuten einen frontalen Angriff auf die Rechte und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Sie bringen auch eine weitgehende Einschränkung der Rechte der Betriebsräte und würden, wenn dies alles ohne nennenswerten Widerstand hingenommen würde, zu einer massiven Schwächung der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretungen führen. Deswegen ist es wichtig, dass die Betriebsräte und Ver.di sich eindeutig positionieren. Hierbei muss vor allem das Geschäftsmodell von Benko angegriffen werden, das ja eine Trennung von Immobilien und Einzelhandel vorsieht. Die Ausgliederung der Filialen in Eigenbesitz in eine eigenständige Immobiliengesellschaft führt zu einer Verlagerung der Profite vom Einzelhandel in die Immobiliengesellschaft. Zu fordern ist aber, dass die Gewinne bei den Immobilien, die ja durch die Mieteinnahmen der Filialen entstehen, offengelegt und der Gesellschaft gutgeschrieben werden. Gegen Personal- und Lohnabbau muss konsequent angegangen werden. Hier dient Karstadt als warnendes Beispiel. (…) Es kommt nun darauf an, gegen dieses knallharte Vorgehen eine Strategie zu entwickeln. Dabei darf es keinen Kuhhandel «Sanierungstarifvertrag gegen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen» geben. Es gilt, gegen Personalabbau und Einkommensverluste eindeutig Stellung zu beziehen. Dabei sollte nicht vergessen werden, die Öffentlichkeit mit einzubeziehen. Die Kunden der beiden Warenhäuser können ein Lied über die fehlende Beratung und die schlechte Personalbesetzung singen und wissen, dass die Einkommen der Einzelhandelsbeschäftigten zu gering sind. Man könnte sich ein Beispiel am Kampf der Pflegekräfte in den Krankenhäusern nehmen. Unter dem Titel «Mehr von uns ist besser für alle» haben sie es geschafft, große Unterstützung in der Bevölkerung zu bekommen. Ver.di steht in diesem Kampf vor der Herausforderung, in Unternehmen mit wenig kampferfahrenen oder kämpferischen Belegschaften, die für sie sicher nicht einfach sind, einen Kampf gegen einen hart auftretenden Unternehmer zu führen. Würde Ver.di dem Konflikt jedoch ausweichen wollen, würde das die Gewerkschaft sicher in eine ziemlich schlechte Position in dem Unternehmen treiben. Die Diskussion um einen Kompromiss für einen neuen Sanierungstarifvertrag ist da mehr als schädlich…” Artikel von Helmut Born in der Soz Nr. 03/2019 externer Link, siehe auch:

    • Kaufhof kürzt die Löhne. Das Management will nach der Fusion mit Karstadt rund 2600 Stellen abbauen und aus dem Flächentarifvertrag aussteigen.
      Die Ziele sind ehrgeizig. Kaufhof-Chef Stephan Fanderl will schon im Geschäftsjahr 2019/2020 mit der angeschlagenen Warenhauskette wieder Gewinne einfahren. Die neue Periode beginnt am 1. Oktober. Er hat also gut ein halbes Jahr Zeit, um die Voraussetzungen für Profite zu schaffen. Am Mittwoch wurden die Beschäftigen in bundesweit 96 Betriebsversammlungen über die Pläne des Managements unterrichtet. Kern des Konzepts ist eine massive Senkung der Personal-Aufwendungen. Dazu soll die Belegschaft mit rund 32 000 Beschäftigten um rechnerisch 2600 Vollzeitstellen verkleinert werden. Außerdem sind Lohnkürzungen und der Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag geplant…” Artikel von Frank-Thomas Wenzelvon vom 28.02.19 bei der FR online externer Link
  • Fusion mit Karstadt: Bei Galeria Kaufhof gehen 2600 Jobs verloren 
    Der neue Eigentümer will bei Galeria Kaufhof 2600 Stellen streichen und aus der Tarifbindung aussteigen. Der Konzern legt auch seine Pläne zu den Filialen offen. Bei der kriselnden Kaufhauskette Kaufhof sollen im Zuge der Fusion mit dem Rivalen Karstadt rund 2600 Stellen abgebaut werden. Das kündigte Karstadt in Essen an. Damit ist etwa jede fünfte Stelle betroffen. Wegen der hohen Teilzeitquote seien damit die Jobs von 4000 bis 5000 Mitarbeitern bedroht, berichtete die “Süddeutsche Zeitung”. Rund tausend Vollzeitstellen sollen auf der Führungsebene und in der Verwaltung wegfallen, weitere 1600 Vollzeitstellen in den Filialen, teilte der Konzern mit. (…) Der Konzern will die wichtigsten Führungs- und Verwaltungsstrukturen beider Warenhäuser künftig in der bisherigen Karstadt-Zentrale in Essen bündeln. Am Standort Köln, bisher der Sitz der Kaufhof-Zentrale, soll ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung und E-Commerce aufgebaut werden. Außerdem soll von hier aus das Gastronomie- und Lebensmittelgeschäft gesteuert werden. Sanierungsbedingte Filialschließungen soll es zunächst nicht geben…” Meldung vom 25.01.2019 beim Spiegel online externer Link, siehe dazu ver.di:

    • Kaufhof-Karstadt: Schlechter Start der neuen Konzernholding – ver.di fordert ein tragfähiges Zukunftskonzept mit Tarifbindung, Beschäftigungs- und Standortsicherung
      Die heute (25. Januar) bekannt gewordenen Sanierungspläne der neuen Kaufhof-Karstadt-Warenhausholding sind aus Sicht der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) untragbar. „Das ist ein schlechter Start für die neue Warenhausholding: Ein Sanierungsplan ohne Einbeziehung des Betriebsrates und die Ankündigung des Ausstiegs aus der Tarifbindung – das lehnen wir ab und werden um die Arbeitsplätze kämpfen”, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Dass die Unternehmensleitung derart tiefe Einschnitte plant und nach Medienberichten tausende von Arbeitsplätzen abbauen will, sei nicht hinnehmbar. „Wir lassen keine Sanierung zu, die ein Gesundstoßen des Konzerns allein auf dem Rücken der Beschäftigten vorsieht“, so die bei ver.di für den Handel zuständige Gewerkschafterin. Was völlig fehle, sei ein tragfähiges Zukunftskonzept. „Wo sind die Vorschläge, wie es in Zukunft weitergeht? Wie viel und wo soll investiert werden? Welchen Beitrag leistet das Management? Nichts davon wird angepackt. Stattdessen wird ein Ausstieg aus der Tarifbindung angekündigt. Dem wird die Arbeitnehmerseite nicht zustimmen“, so Nutzenberger. Die Tarifkommissionen von Kaufhof und Karstadt würden sich zeitnah treffen und über Aktivitäten beraten…” ver.di-Pressemitteilung vom 25.01.2019 externer Link
  • Karstadt-Kaufhof nach der Zustimmung des Bundekartellamtes: ver.di und Gesamtbetriebsräte fordern Beteiligung an Zukunftskonzepten 
    “Nach der Zustimmung des Bundekartellamtes zum Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) gefordert, die Beschäftigten, Betriebsräte und ihre Gewerkschaft an der Zukunftsplanung zu beteiligen. (…) Die Gewerkschaft werde die Tarifkommissionen von Kaufhof und Karstadt zusammenholen, um über weitere Schritte zu beraten. Dabei hätten Standort- und Beschäftigungssicherung sowie die Anwendung der Flächentarifverträge hohe Priorität. Für die Tarifbindung an den Flächentarifvertrag wollen sich auch die Gesamtbetriebsräte von Karstadt und Kaufhof einsetzen. “Wir werden uns nicht gegeneinander ausspielen lassen”, hieß es. Jürgen Ettl, Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender bei Karstadt, fordert den Eigentümer und das Management auf, alles für den Erhalt der Arbeitsplätze und der Existenzgrundlage aller Beschäftigten und ihrer Familien zu tun: (…) Vor einem deutlichen Turnaround dürfe es keine Belastungen des Betriebsergebnisses durch Mieterhöhungen oder ähnliche Eingriffe der Eigner geben. “Es muss jetzt darum gehen, die Unternehmen erfolgreich aufzustellen und nicht allein auf ‚Optimierung durch Restrukturierung‘ zu setzen. Wir brauchen Investitionen in Arbeitsplätze statt permanentem Personalabbau. Ein wichtiger Schritt dazu ist das Weiterbestehen der beiden Warenhäuser in einer Holding”, erklärte die Gewerkschafterin.“ Pressemitteilung von ver.di vom 09.11.2018 externer Link
  • Fusion von Karstadt/Kaufhof  –  Weitere Konzentration im Einzelhandel 
    “… In einem von ver.di verbreitetem Flugblatt, dass kurz nach Bekanntgabe der Fusion erschienen ist, wird an die „Soziale Verantwortung“ der Eigentümer, Signa und HBC, appelliert und gefordert, dass beide Unternehmen eigenständig bleiben und beide Gesamtbetriebsräte erhalten bleiben sollen. Es wird eine breite Beteiligung der Beschäftigten und Betriebsräte an der Neuausrichtung der beiden Unternehmen eingefordert sowie eine Standort- und Beschäftigungssicherung. Zu guter letzt wird eine Tarifbindung für beide Unternehmen eingefordert. Ob damit allerdings die geltenden Tarifverträge des Einzelhandels gemeint sind und damit diese auch bei Karstadt gelten sollen, ist nicht so richtig klar. Es müsste klar sein, dass sowohl bei Karstadt wie bei Kaufhof diese wieder/weiter zu gelten haben. Wer 1 Milliarde € für solch eine Fusion hat, kann auch locker die nicht gerade üppigen Gehälter der Beschäftigten bezahlen. Im übrigen sollte ver.di sich die Appelle an die „Soziale Verantwortung“ der Unternehmer sparen, die auch in der Vergangenheit bewiesen haben, das bei ihnen die Profitmacherei über allem steht. (…) Wenn es eine erfolgreiche Durchsetzung der Forderungen geben soll, braucht es auch hier eine Änderung der Haltung – mit Co Managment sind keine Erfolge zu erzielen. Für kämpferische Kolleg*innen ist hier eine bedeutende Aufgabe. Erfolgreich kann nur mit einer klaren Haltung gekämpft werden, die sich auch in den Forderungen ausdrücken müssen. Diese liegen klar auf der Hand:     Schluss mit dem Sanierungstarifvertrag bei Karstadt, vollständige Anwendung der Tarifverträge des Einzelhandels  in beiden Unternehmen. Eine Standort- und Beschäftigungssicherung muss auch den Kampf gegen schleichenden Personalabbau beinhalten – deswegen Kampf um jeden Arbeitsplatz.Artikel von Helmut Born aus der SoZ vom Oktober 2018  – wir danken!
  • Karstadt kauft ein. Fusion mit Kaufhof kostet 7.000 Arbeitsplätze 
    Für die Beschäftigten bedeutet dies nichts Gutes. Unmittelbar nach bekannt werden der Fusion beider Warenhausgiganten befürchten die Gesamtbetriebsräte der Warenhäuser einen weiteren Kahlschlag in der dann neuen Warenhaus AG. „Kosten kann man überall sparen. Beim Personal, der Logistik, dem Einkauf und bei den Hauptverwaltungen“ ist von dort zu hören. Auf der Strecke bleibt nach neusten Insiderberichten nicht nur die Hauptverwaltung des bisherigen Karstadt Konzerns in Essen. Regiert werden soll zukünftig von der Kölner Kaufhof Zentrale aus. Gefährdet sind die Löhne und Gehälter der Kaufhof Kolleginnen und Kollegen schon seit fast einem Jahr. Seit November versucht HBC aus dem Flächentarifvertrag auszutreten. Anscheinend, wie sich jetzt herausstellt, um den Verkaufspreis zu erhöhen. Es ist zu erwarten, dass der neue Besitzer, ähnlich wie bei Karstadt, einen Haustarifvertrag durchsetzt. Seit vielen Jahren verzichten die noch rund 18.000 Beschäftigten von Karstadt auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie andere Sozialleistungen. Neben den Lohnkürzungen und der Tarifflucht sehen die Kaufhof Gesamtbetriebsräte 6.000 der 20.000 Arbeitsplätze gefährdet. „Mehr als verharmlosende Informationen gibt es nicht aus Köln. Die Sozialpartnerschaft kannst du knicken“, so ein Betriebsrat aus Norddeutschland…” Artikel von Herbert Schedlbauer aus der uz Nr. 38 vom 21.09.2018  – wir danken!
  • Es geht um die Immobilien 
    Bitte jetzt nicht weinen, weil die Signa Holding des Österreichers René Benko mit Karstadt nun Galeria Kaufhof »frisst« (neudeutsch auch Joint-venture genannt). Am Niedergang der einstiegen »Konsumtempel« Karstadt und Galeria Kaufhof sind nicht ausschließlich die Onlineshops um Amazon und Zalando verantwortlich, sondern vieles ist selbstverschuldet. Waren Mitte der 80er Jahre im Schnitt noch 400 Vollzeitkräfte in den Kauf- und Warenhäusern beschäftigt, die in der Zeit von neun Uhr bis 18.30 alle Artikel von »A« wie Anzüge bis »Z« wie Zubehör verkauft haben, so werden heute maximal noch 100 Teilzeitkräfte oder Aushilfen beschäftigt, die in der Zeit von 9.30 Uhr nis 20 Uhr zu 75 Prozent Konfektion, darüber hinaus etwas Schmuck und Parfüm verkaufen. Lebensmittelabteilung weg (oder verpachtet an einen Discounter), Funk- und Fernsehen weg, Bücher weg, Autozubehör weg, Restaurant weg (oder verpachtet an einen Billiganbieter) … Alles, was früher einmal einen »Konsumtempel« für die ganze Familie ausgemacht hat, ist zu einer »Ramschbude« in Sachen Konfektion verkommen. Und nachdem das Seysche Theorem, nämlich »Das Angebot bestimmt die Nachfrage«, noch seinen Einzug in den Warenhäusern gehalten hat, ist auch der Umsatz rapide rückläufig. Bei Karstadt, in der Ära Berggruen, gab’s nur englische Mode, bei Galeria Kaufhof gibt’s jetzt kanadisch/amerikanische Mode, geliefert über Zuteilungen durch die Zentrale, ein Einfluss durch die jeweilige Filiale ist ausgeschlossen. Es herrscht die Meinung, dass der Kunde/die Kundin wohl kaufen (müssen), weil’s sonst nichts anderes gibt. Irrtum! Der finanzkräftige Kunde deckt sich im Fachhandel ein, der weniger finanzkräftige Kunde bei KiK, Takko oder im Internet.
    Gut, der Verbund bringt Einkaufsmacht. Aber darum geht’s Herrn Benko nicht. Er will die Immobilien verwerten. Da sich der größte Teil der Filialen seit Jahren in einem »Investionsstau» befindet, wird die Signa Holding nicht nur einen Tropfen Öl in den Antrieb der Rolltreppe geben oder die Klimaanlage entstauben, sondern lukrative Häuser werden entkernt und von Grund auf neu aufgebaut. Zukünftig besteht das Warenhaus im Erdgeschoss aus einer Einkaufspassage mit kleinen Geschäften, Restaurants und Fitness Studio, im 1. Stock werden Büroflächen vermietet und im 2. und 3. Stock wird’s hochpreisige Mietwohnungen geben (siehe dazu auch den ehemaligen Karstadt in der Stuttgarter Fußgängerzone).
    Und die Beschäftigten? Geschätzt werden 5.000 Arbeitsstellen abgebaut, auf 1.000 mehr oder weniger kommt’s dabei auch nicht mehr an. Karstadt hat ja in den zurückliegenden Jahren ohne großes »Getöse« der Arbeitnehmervertretungen schon mehrere tausend Stellen abgebaut, und da wird das doch auch bei Galeria Kaufhof funktionieren … Das ist zwar bedauerlich, aber wer in den letzten 15 Jahren nicht erkannt hat, wohin der Weg geht, und sich etwas anderes gesucht hat, dem ist jetzt auch nicht mehr zu helfen
    …” Leserbrief von Peter Balluff externer Link zum Artikel “Elefantenhochzeit: Schlechte Partie für Beschäftigte” vom 12.09.2018 in der “Jungen Welt”
  • Was kürzlich mit Air Berlin passierte, geschieht jetzt mit Kaufhof 
    Ein Unternehmen, das den Kapitaleignern nicht genug Gewinn bringt, wird zum Schnäppchenpreis verscherbelt. Ein Viertel der Arbeitsplätze werden eingestampft. Die restlichen Angestellten werden nur zu Billigkonditionen vom neuen Eigentümer übernommen. Da es sich hier um einen Deal zwischen zwei Kapitaleignern handelt, haben die Gewerkschaften keinen Einfluss und kein Mitspracherecht.
    In der „Deutschen Warenhaus Holding“ verbinden sich ein Blinder mit dem Lahmen. Der Österreicher René Benko, der Karstadt erst im Jahr 2014 nach der Pleite übernommen hatte, und seither nur in einem einzigen Geschäftsjahr schwarze Zahlen erreicht hatte, kauft für wenig Geld die Mehrheitsanteile am Kaufhof, übernimmt die ganze Macht und stellt das Management für den neuen Konzern.
    Der Alteigentümer von Kaufhof, das kanadische Konsortium HBC behält aber den Großteil der Kronjuwelen: Kaufhof-Immobilien im Wert von 2,6 Mrd Euro, die weiter von HBC mit überhöhten Mieten gemolken werden können.
    Ein Bankenkonsortium unter Führung der Landesbank Baden-Württemberg hat den schmutzigen Deal mit sanftem Druck eingefädelt, weil die LBBW, die Helaba, die HSH und andere Banken sonst fast 2 Milliarden an Altkredite sowohl an HBC wie an René Benko als verloren abschreiben müssten.
    Die Banken hoffen auf einen Jahresumsatz des neuen Konzerns von 5 Milliarden Euro. Diese Zielvorgabe liegt sogar über dem aktuellen summierten Umsatz der beiden Konzerne. Auch daran lässt sich erkennen, dass die Eltern dieses Deals Schreckhans und Krisengrete heißen, und dass die Strampelhöschen des Kindes mit der heißen Nadel gestrickt sind
    .” Kommentar von Wal Buchenberg vom 6.9.2018
  • Kaufhof und Karstadt: Beschäftigte nicht in die Planungen einbezogen 
    „Mit Kritik an den Eigentümern von Karstadt und Galeria Kaufhof hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) auf nicht bestätigte Medienberichte über angebliche Einzelheiten der Übernahmegespräche reagiert. „Die Beschäftigten von Galeria Kaufhof und Karstadt sowie ihre Gewerkschaft ver.di erwarten, dass sie jetzt unverzüglich von den Eigentümern über die Planungen eines möglichen Zusammengehens der beiden Unternehmen informiert und in die Planungen einbezogen werden“, sagte das für den Handel zuständige ver.di Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Sowohl die Gewerkschaft wie auch die Betriebsräte beider Unternehmen seien bisher über die Zukunft der Beschäftigten im Unklaren gelassen worden. „Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, sagte Nutzenberger. „Hier geht es um die Zukunft von 20.000 Beschäftigten und ihre Familien. Ein Warenhaus, dass auf Lohndumping aufgebaut werden soll, wird keine Zukunft haben“. Eine wichtige Zukunftsinvestition wäre die schnelle Rückführung der Karstadt-Beschäftigten in den Flächentarifvertrag. Nutzenberger: „Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie die Tarifbindung für Kaufhof und für Karstadt sind keine unerfüllbaren Forderungen“. Die Handelskette HBC (Galeria Kaufhof) und die Signa Holding des österreichischen Investors Rene Benko (Karstadt) müssten ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. ver.di spreche sich gegen eine Verschmelzung der beiden Unternehmen aus. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Galeria Kaufhof, Uwe Hoepfl erklärte: „Es ist skandalös, als Vertretung der Beschäftigten über Medien erfahren zu müssen, dass angeblich 5.000 Stellen gestrichen werden sollen“. Kaufhof habe bereits im letzten Jahr fast 1.300 Stellen gestrichen. „Wie wollen wir eine sichere Zukunft für das Unternehmen planen, wenn es immer weniger Menschen auf der Verkaufsfläche gibt“, so Hoepfl. Der Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl erklärte: „Es geht hier um Menschen. Wir erwarten, dass man mit unseren Kolleginnen und Kollegen verantwortlich umgeht.“ An Medien-Spekulationen würde sich der Betriebsrat nicht beteiligen.“ Pressemitteilung von ver.di vom 06.09.2018 externer Link
  • Karstadt übernimmt Kaufhof – Tausende Arbeitsplätze sollen wegfallen 
    „Karstadt und Kaufhof, die letzten großen Warenhauskonzerne Deutschlands, legen ihre Geschäfte zusammen. Die Banken haben einer Fusion der beiden Unternehmen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zugestimmt. Damit ist nach monatelangen Verhandlungen der Weg für einen Zusammenschluss der Kaufhaus-Ketten frei. Karstadt-Eigentümer Signa soll die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Insider gehen davon aus, dass der Fusionsvertrag zwischen Signa und der Kaufhof-Mutter, der kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC), bis zum 15. September unterzeichnet wird. Wegen der desolaten Finanzsituation bei Kaufhof und HBC sollen beim Kölner Warenhauskonzern etwa 5000 der insgesamt knapp 20 000 Arbeitsplätze wegfallen. Eine Jobgarantie gibt es nicht, stattdessen sollen Sozialpläne erstellt werden. Auf die verbleibenden Mitarbeiter kommt ein Sanierungstarifvertrag mit schlechteren Konditionen zu…“ Artikel von Michael Kläsgen in der Südeutschen Zeitung online vom 06.09.2018 externer Link
  • Realer Horror. Tarifflucht von real = Generalprobe für ver.di – und Kaufhof-Karstadt als Zugabe? 
    express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und GewerkschaftsarbeitIm April hatten wir über den Schachzug von Metro berichtet, durch Tarifflucht in eine Konzerntochter die »Wettbewerbsfähigkeit« gegenüber Konkurrenten wieder herzustellen. Angesichts der Sprachverwirrungen bis in höchste Regierungskreise ist derzeit zwar weltweit nicht ganz klar, wieviel Wahrheit auch in Versprechungen, pardon Versprechern steckt. Aber die Meldung der Wirtschaftswoche vom 12. Juli, dass ver.di dagegen für den 13./14. Juli zu Streiks für »wettbewerbsfähige Personalkosten« aufruft, halten wir dann doch für Wunschdenken der WiWo-Redaktion – oder sollte es sich um eine neue, ausgefeilte Kampfstrategie des Bundesfachbereichsvorstands handeln? Lange war unklar, ob es, wie von Aktiven im Fachbereich Handel gefordert, vor den Sommerferien noch zu Protesten, gar Streiks der Beschäftigten kommen würde. Am Ende fanden diese zeitgleich zum Aktionstag »Freitag, der 13.« statt, zu dem die »Aktion Arbeitsunrecht« regelmäßig ein be­sonders skandalöses Unternehmen küren lässt und öffentlich an den Pranger stellt. Unter dem Motto »Der Horror ist real« trat z.B. »der wahre Martin« von der »wirklichen SPD« auf, es gab ein »Endspiel für die real-Beschäftigten« gegen das Management, real-Punk gegen Metro-Jazz u.v.m. Ob dies die Generalprobe für eine Verbindung von ver.di, Beschäftigten, KundInnen und Engagierten in sozialen Bewegungen war?...” Siehe den Artikel von Anton Kobel , erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit: Ausgabe 7/2018
  • Karstadt/ Kaufhof: ver.di fordert Sicherheit für Beschäftigte durch Tarifverträge
    Stefanie Nutzenberger, Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), äußert sich zu Karstadt/Kaufhof wie folgt: „Die Beschäftigten sind durch die Meldungen in der Presse verunsichert und machen sich Sorgen. Wir fordern deshalb die Eigentümer auf, umfassend zum Sachstand zu informieren. Die Beschäftigten müssen bei einer möglichen Fusion der Unternehmen im Mittelpunkt stehen, einen wirksamen Schutz gibt es nur durch Tarifvertrag. Beschäftigungssicherung, Standortsicherung – nicht nur im Hinblick auf Doppelstandorte – und die Tarifbindung sind für ver.di und die Beschäftigten von größter Bedeutung.“” ver.di-Pressemitteilung vom 05.07.2018 externer Link

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