Dumpinglöhne in der Bio-Branche des Einzelhandels: Glückliche Kühe statt glückliche Mitarbeiter

Bio-LebensmittelSie stehen für umweltschonende Landwirtschaft und fairen Handel, aber auch bei Öko-Märkten gibt es niedrige Löhne. Glückliche Kühe auf Kosten der Mitarbeiter. Nach Alnatura sorgt nun die Bio-Kette Denn’s für Unruhe. Es sind Vorwürfe, denen sich sonst die Billiganbieter im Handel ausgesetzt sehen. Vorwürfe, die so gar nicht zum guten und anthroposophischen Image in der Bio-Szene passen wollen und die leider auch kein Geheimnis mehr sind. Viele Öko-Händler, die auf eine angemessene Bezahlung und Behandlung von Kleinbauern in Entwicklungsländern pochen, bezahlen ihre eigenen Mitarbeiter teils schlechter als die konventionellen Läden. Sogar die Discounter Lidl und Aldi zahlen Tarif, aber der Biofachhandel nicht. (…) Schnell taucht in der Debatte um das Lohnniveau in der Bio-Branche deshalb immer auch der Hinweis auf sogenannte weiche Faktoren auf: Der Verkauf von Bio-Lebensmitteln sei schließlich eine sinnvolle und befriedigende Tätigkeit. Das Arbeitsklima sei gut, die Hierarchien flach, die Arbeitszeiten flexibel gestaltbar und die Möglichkeit, Abläufe selbständig zu gestalten, sei höher als in konventionellen Betrieben…” Artikel von Carina Groh-Kontio im Handelsblatt online vom 28.05.2013 externer Link. Siehe auch:

  • Schlechte Bedingungen in vielen Ökosupermärkten – „Bio“ ist nicht automatisch fair New
    “… Der Handel mit Biolebensmitteln boomt seit Jahren, und Supermarktketten wie Alnatura, Denn’s Biomarkt und Bio Company expandieren Jahr für Jahr. Doch wenn es um Bezahlung und Arbeitszeit nach Tarif sowie um die Mitbestimmung geht, erweist sich die Branche als sehr abweisend, wie Orhan Akman, Leiter des ver.di-Bundesfachbereichs Einzelhandel kritisiert. Doch in anderen Teilen der Branche tut sich seit einiger Zeit eine Menge: im Großhandel nämlich. Mitte Mai wählten die Beschäftigten aus Warenlager und Zentralverwaltung beim Bio-Großhändler Dennree im oberfränkischen Töpen erstmals einen 15-köpfigen Betriebsrat. (…) Orhan Akman kritisiert die Bio-Einzelhandelsketten mit deutlichen Worten. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet in einem Zweig des Einzelhandels, der sich Nachhaltigkeit, Tierwohl und Regionalität auf die Fahnen schreibt, eine Politik gegen Arbeitnehmerrechte gefahren wird“, sagte er im April gegenüber den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Seit Jahren kämpfe ver.di beispielsweise um die Wahl eines Betriebsrates in einer Bremer Alnatura-Filiale – bisher ohne Erfolg. Viele Beschäftigte in Bio-Supermärkten müssten mehr als 37,5 Stunden wöchentlich arbeiten und bekämen dafür weniger Lohn und weniger Urlaubstage als die Tarifverträge des Einzelhandels vorsehen…” Beitrag von Gudrun Giese aus ver.di publik vom Juni 2019 bei ver.di externer Link