PEPP stoppen – Für eine humane Psychiatrie und Psychosomatik“… Manchmal, wenn Julia Keil an ihre Situation denkt, steigt die Wut in ihr hoch. Die viele Arbeit, die Verantwortung, wenn sie Teile des Arztbriefs schreibt oder psychologische Gespräche führt, und dann die 240 Euro, die sie dafür im Monat bekommt. 240 Euro brutto, nach sechs Jahren Studium. “Das kann nicht sein”, denkt sie dann. Aber was sollte sie auch tun? Ihre Ausbildung hinwerfen? Niemals, schließlich ist Psychotherapeutin ihr Traumjob. So wie Keil geht es vielen, die psychologische Psychotherapeuten werden wollen: Sie haben oft mehrere Nebenjobs, stehen samstags an der Supermarktkasse oder hinter einem Tresen. Viele machen Schulden oder sind mit Ende 20 noch auf ihre Eltern angewiesen. Die Ausbildung kostet zwischen 20 000 und 60 000 Euro. Und die Kliniken, in denen sie ihre Pflichtstunden ableisten, zahlen ihnen oft nichts oder nur wenig. Es sind prekäre Verhältnisse, denen jedes Jahr Tausende Auszubildende ausgeliefert sind – und das, obwohl die Nachfrage nach Therapie ständig steigt. Dass es so nicht weitergehen kann, darüber sind sich Verbände und Politiker einig. Doch jetzt, wo die Reform der Ausbildung nach langem Hin und Her in greifbarer Nähe ist und bereits ein Entwurf des Gesundheitsministeriums vorliegt, scheinen sich manche nicht mehr sicher zu sein, ob die Veränderung, die darin festgehalten ist, die richtige ist. Seit Wochen diskutieren Ärzte und Psychotherapeuten darüber…” Beitrag von Michaela Schwinn vom 18. Februar 2019 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link