Rumänen der Bostalsee-Großbaustelle schildern, wie sie seit Monaten ohne Lohn über die Runden kommen müssen

Politik und Gesellschaft haben empört auf die Behandlung von rumänischen Arbeitern auf der Ferienanlage Bostalsee reagiert. Wochenlang bekamen sie keinen Lohn und müssen in Notunterkünften hausen. Nun schaltet sich die Landesregierung ein. Artikel von Matthias Zimmermann in der Saarbrücker Zeitung vom 26.03.2013 externer Link

Aus dem Text: „(…) Die Mainzer Firma ist eines von zahlreichen Subunternehmen. Es ist für Malerarbeiten und Innenausbau der 500 Ferienhäuser zuständig. Einige Männer legen Arbeitsverträge vor. Montagepartnerverträge genannt, wie sie mit Selbstständigen abgeschlossen werden. Dabei habe ein Arbeitsvermittler in Bukarest ihnen eine Festanstellung bei deutschen Betrieben zugesagt. „Die haben uns einen guten Job in Aussicht gestellt, 1000 bis 2000 Euro pro Monat“, übersetzt Balan einen weiteren, der sich aus der Reserve traut. Viel Geld für jemanden aus einem Land, in dem der Mindestlohn bei 175 Euro liegt. Aber dieses Geld hätten sie nie gesehen. Seit Dezember sei überhaupt kein Lohn mehr geflossen. Einige hätten sich in ihrer Heimat sogar verschuldet, wie sie dem Dolmetscher berichten, um die Reise nach Deutschland antreten zu können. Mussten zudem 200 Euro Vermittlungsgebühr zahlen. Im Saarland wollten sie dann so viel verdienen, um den Kredit abzustottern und ihre Familien daheim zu unterstützen. Doch jetzt leben sie selbst am Rande des Ruins…“

Siehe dazu:

  • Solidarität mit den rumänischen Wanderarbeitern am Mittwoch 27.3. um 17 Uhr vor dem Wirtschaftsministerium
    Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ruft anlässlich der unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen beim Vorzeige-Bauprojekt “CenterParcs am Bostalsee” zu einer Solidaritätskundgebung mit den betroffenen Wanderarbeitnehmern auf. Das Geschäftsmodell derBetreibergesellschaft nutzt gezielt Schwächen der europäischen Gesetzgebung aus, um Sozialstandards und Mindestarbeitsbedingungen zu unterlaufen. Durch die undurchsichtige Gesellschaftsstruktur wird die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten geschwächt, so dass viele derArbeitnehmer, die mit falschen Versprechungen aus Rumänien angelockt wurden, bereits seit Monaten nicht den ihnen zustehenden Lohn erhalten und deshalb buchstäblich nichts mehr zu essen haben. Das Prinzip Amazon gibt es jetzt auch am Bostalsee.  Gegen diese Praxis ruft die IG BAU anlässlich der Verhandlungen im Wirtschaftsministerium, die am Mittwoch 27.3.2013, um 17 Uhr beginnen, zu einer Solidaritätsbekundung vor dem Wirtschaftsministerium in Saarbrücken, Franz-Josef-Röder-Str. 17-19, auf. Ab 16:30 Uhr treffen wir uns vor dem Haupteingang, um den berechtigten Forderungen der rumänischen Arbeitnehmer Nachdruck zu verleihen. Die ausstehenden Löhne müssen sofort bezahlt werden. Die Betroffenen haben es verdient, im Saarland nicht als Arbeitnehmer zweiter Klasse abgespeist zu werden.“ Meldung der IG BAU vom 26.03.2013