Outsourcing von Logistiktätigkeiten im Mercedes-Benz-Werk Mannheim von Daimler – Logistikunternehmen Transco betreibt Sozialdumping auf Kosten der Beschäftigten – IG Metall prüft rechtliche Schritte gegen Transco -Forderung nach Abschluss eines Tarifvertrags bei Transco
“Große Investitionen am Standort Mannheim – das ist die Zusage der Daim-ler AG für das Mercedes-Benz-Werk im Stadtteil Waldhof. Gleichzeitig gibt es aktuell aber eine sehr kritische Entwicklung”, erklärt Reinhold Götz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Mannheim. “Das Unternehmen hat entschieden, dass ein Teil der Logistiktätigkeiten, die bisher von Daimler-Beschäftigten und Leiharbeitnehmern gemacht wurden, mit einem Werkvertrag an das Unternehmen Transco übergeben wird.” In einem ersten Schritt werde Transco ab dem 1. August 2015 auf dem Werksgelände im Gebäude 109 von Daimler in Mannheim Teile der operativen Logistik (Lager und Sequenzierung) übernehmen und dabei etwa 120 bis 150 Beschäftigte einsetzen. Davon sind nach Informationen der IG Metall Mannheim ca. 100 Stammbeschäftigte betroffen. Der Rest bestehe aus Leiharbeitnehmern. In einem zweiten Schritt soll Transco im Frühjahr 2016 außerhalb des Werksgeländes weitere Teile der bisher von Daimler betriebenen Logistik übernehmen
…” Pressemitteilung der IG Metall Mannheim vom 22.07.2015 externer Link. Siehe dazu:

  • Chaos in Mannheim
    Anfang August kam es zu Schichtausfällen und -absagen in Wörth. Grund dafür waren Lieferprobleme des Werkes Mannheim. Auch wir in Kassel waren davon betroffen!! In Mannheim wurde im Zusammenhang mit der berühmt-berüchtigten SITE-Strategie die Fremdvergabe von Logistikaufgaben durchgeführt. Nachdem diese Aufgaben dann Anfang August von einer Firma Namens „Transco“ übernommen wurde, kam es zu Stillständen der Produktion in Mannheim. Transco konnte wohl nicht genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen bzw. finden. Sowohl Sprecher vom Daimler, als auch Transco wiesen diesen aufkommenden Vorwurf erstmal zurück. (…) Leider wird es aber wieder einmal so kommen, dass die Leidtragenden dieser Geschichte die Kolleginnen und Kollegen der Produktion in den betroffenen Standorten sind. Sie dürfen dann mal wieder „die Suppe auslöffeln“, die Andere Ihnen eingebrockt haben, d.h. die ausgefallenen Schichten werden Sie „nachholen“ müssen. Es bleibt damit wieder einmal festzustellen: Um die „Gewinnmargen“ zu „optimieren“ geht dieses Unternehmen jeden Weg, selbst wenn es in den Abgrund führt! Es interessiert niemand dieser Herrschaften dort oben, wie es den Kolleginnen und Kollegen auf dem Hallenboden dabei ergeht.” Beitrag von Klaus Cornelius aus: Nachrichten vom Mercedesplatz – Meldungen und Meinungen von Kollegen für Kollegen der DaimlerChrysler AG Werk 69 Kassel – vom September 2015

  • Auslagerung der Logistik bei Mercedes-Benz in Mannheim: Grundstein für bessere Arbeitsbedingungen gelegt
    Mercedes-Benz in Mannheim hat einen Großteil seiner Logistik an das Unternehmen Transco ausgelagert. Die IG Metall hat nun eine Vereinbarung mit dem Dienstleister geschlossen – und so erste Voraussetzungen für bessere Arbeitsbedingungen geschaffen…” Meldung der IG Metall vom 03.09.2015 externer Link. Darin: “Abarbeiten von abgegrenzten Spezialaufträgen? Nein, damit hat das, was bei Mercedes-Benz in Mannheim geschehen ist, nichts zu tun. Sondern einzig und allein damit, Kosten zu sparen und Mitbestimmung zu umgehen: Seit August ist ein Großteil der Logistik des Motorenwerkes ausgelagert und per Werkvertrag an das Unternehmen Transco vergeben worden. Im Frühjahr 2016 sollen weitere Teile der bisher von Daimler betriebenen Logistik außerhalb des Werksgeländes folgen. Insgesamt sind 300 Beschäftigte betroffen. Rund 100 Stammbeschäftigte mussten ihren Arbeitsplatz bereits räumen und eine andere Stelle im Unternehmen antreten. Transco besetzt diese Stellen nun selbst. Darüber hinaus wandern bis zu 50 derzeit noch bei Daimler angesiedelte Leiharbeitsplätze zu Transco. Zu deutlich schlechteren Bedingungen, sagt Reinhold Götz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Mannheim: “Uns lagen zu Anfang Arbeitsverträge von Transco vor, bei denen das Lohnniveau um ein Drittel unter dem der bisherigen Leiharbeitnehmer lag und um die Hälfte unter dem der Stammbeschäftigten. Und das Ganze bei fünf Stunden längerer Wochenarbeitszeit und drei Tagen weniger Urlaub im Jahr.” Erst auf Druck der IG Metall führte Transco Logistiktarifverträge ein – allerdings liegen diese rund 50 Prozent unterhalb der Konditionen, die für entsprechende Tarife in der Metall- und Elektroindustrie gelten. Die Kolleginnen und Kollegen bei Transco werden aber nicht nur schlecht ­bezahlt, sie sind auch ohne den Schutz von Betriebsräten. (…) Mittlerweile haben IG Metall und Transco eine Verein­barung geschlossen. Transco verpflichtet sich dafür zu sorgen, dass bei Einstellungsgesprächen nicht nach Gewerkschaftszugehörigkeit gefragt wird und sagt für den Fall, dass Betriebsratswahlen eingeleitet werden, zu, allen gesetzlichen Pflichten nachzu­kommen. Zudem verpflichtet sich Transco mit der IG Metall Tarifverhandlungen bis Ende des Jahres aufzunehmen. Dazu erhalten die Beschäftigten schon vorab eine Einmalzahlung von 400 Euro…”
  • Schlank und profitabel. Mercedes knackt Renditemarke von zehn Prozent. Ende des Sparkurses auf Kosten der Belegschaften dennoch nicht in Sicht
    Die Eigentümer von Daimler können sich mal wieder freuen. Konzernchef Dieter Zetsche verkündete am Donnerstag in Stuttgart für das zweite Quartal nicht nur einen erneuten Absatzrekord, sondern auch eine deutlich höhere Profitabilität. In der Pkw-Produktion erreichte der Autobauer erstmals seit vier Jahren seine anvisierte Marge von zehn Prozent operativer Umsatzrendite. Ermöglicht hat dies unter anderem das zwei Milliarden Euro schwere sogenannte Sparprogramm »Fit for Leadership«, das in diesem Jahr voll durchschlägt. Dabei wird es freilich nicht bleiben. »Jetzt geht es darum, dieses Niveau nachhaltig zu sichern«, tat Zetsche kund. Zu spüren bekommt das aktuell zum Beispiel die Belegschaft im Mannheimer Motorenwerk, wo Logistiktätigkeiten an ein billigeres Subunternehmen vergeben werden...” Artikel von Daniel Behruzi in junge Welt vom vom 24.07.2015 externer Link. Aus dem Text: “… Ein Konflikt um Fremdvergabe entwickelt sich nun auch in Mannheim, wo gut 5.000 Beschäftigte Motoren und Gießereiprodukte für Mercedes-Pkw herstellen. Die örtliche IG Metall wies am Mittwoch auf einer Pressekonferenz darauf hin, dass Daimler einen Teil der Logistiktätigkeiten, die bislang von Stammkräften oder Leiharbeitern ausgeführt wurden, an die Firma Transco vergeben will. In einem ersten Schritt soll das Unternehmen ab dem 1. August Teile der auf dem Werksgelände angesiedelten operativen Logistik übernehmen, wodurch 100 Arbeitsplätze bei Daimler und weitere bei Leiharbeitsfirmen verlorengehen. In einem zweiten Schritt sollen weitere Arbeiten außerhalb des Werks an den Speditions- und Logistikdienstleister übertragen werden. Laut IG Metall sind die Konditionen für die Transco-Beschäftigten gravierend schlechter als bei Daimler und selbst als die für Leiharbeiter geltenden Regelungen…”
  • Zudem im Text der Pressemitteilung der IG Metall Mannheim vom 22.07.2015 externer Link: “… Nach Informationen der IG Metall Mannheim unternimmt das Unternehmen Transco vielfältige Aktivitäten, um Beschäftigte daran zu hindern, ihre Grundrechte wahrzunehmen. So wurden Bewerberinnen und Bewerber beim Einstellungsgespräch nach ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit befragt und bei Bejahung der Frage anschließend aussortiert. (…) Die Arbeitskonditionen bei Transco seien gravierend schlechter als die bisher bei Daimler geltenden Regelungen für die Beschäftigten in der Logistik und lägen noch weit unter den Bedingungen für Leiharbeitnehmer. Bislang erhalten Leiharbeitnehmer in der Logistik aufgrund der tarifvertraglichen Branchenzuschläge und der Vereinbarungen mit dem Gesamtbetriebsrat etwa 19 EUR Stundenlohn bei 35 Wochenstunden. Darüber hinaus gelten weitere Bestimmungen aus dem Tarifvertrag Leih- und Zeitarbeit in der Metall- und Elektroindustrie wie zusätzliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Überstunden- und Schichtzuschläge. “Nach uns vorliegenden Informationen zahlt Transco etwa 6 Euro weniger pro Stunde bei einer um fünf Stunden längeren Arbeitszeit. Außerdem enthalten die Arbeitsverträge die Anforderung von Arbeitsbereitschaft oder Überstunden auch an Wochenenden. Es gibt drei Tage weniger Urlaub. Zu-sätzliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll es überhaupt nicht geben. Zuschläge für Mehrarbeit, Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit sind nicht geregelt”, ergänzt Götz…”