Blockade bei Halberg Guss in Leipzig unter Polizeidrohung aufgehoben – ein Lehrstück darüber, was in der BRD „erlaubt“ ist: Kampfmaßnahmen nein, Trillerpfeifen ja

Dossier

Halberg Streik in Leipzig im Juni 2018Die Streikenden beim Automobilzulieferer Neue Halberg-Guss lassen wieder Lkw durchs Werktor fahren. Wie die Polizei mitteilte, haben die Mitarbeiter die Blockade freiwillig aufgelöst und vereinbarten, dass sie die Ein- und Ausfahrt zum Werksgelände für Lkw gewähren. Sie kamen damit einer möglichen Räumung durch die Polizei zuvor. Die Beschäftigten von Neue Halberg-Guss hatten seit dem Wochenende die Zufahrt blockiert und damit verhindert, dass Lkw bereits fertige Teile für die Autoindustrie abholen. (…)Seit Tagen sind die Mitarbeiter am Standort in Leipzig im Ausstand, blockierten die Einfahrt von Lastwagen und bildeten Menschenketten. Am Dienstagmorgen waren Angaben der IG Metall zufolge etwa 250 bis 300 Beschäftigte erneut im Ausstand. Beamte und das Kommunikationsteam der Polizei haben das Gespräch mit den Streikenden gesucht. Auch Polizeipräsident Bernd Merbitz war vor Ort. Bei dem Konflikt geht es um die geplante Schließung des Leipziger Standortes mit rund 700 Beschäftigten Ende 2019 sowie um einen erwogenen Abbau von etwa 300 der 1500 Arbeitsplätze in Saarbrücken. Das Unternehmen stellt vor allem Motorblöcke und Antriebswellen für Autos und Nutzfahrzeuge her. Durch den Streik gibt es mittlerweile auch Produktionsausfälle in anderen Werken, etwa bei Opel in Eisenach und bei VW“ – aus der Meldung „Mitarbeiter lösen Blockade bei Halberg-Guss auf“ am 26. Juni 2018 beim MDR externer Link dessen Berichterstattung zufällig genauso freudig ist, wie eine darin zitierte Bekundung der Polizei, die sich auch gefreut hat, dass die Drohung ausreichte… Siehe zum Streik bei Halberg Guss IG Metall Leipzig externer Link und die IG Metall Saarbrücken externer Link und hier weitere aktuelle Beiträge:

  • Auch das Landesarbeitsgericht Frankfurt lehnt einstweilige Verfügung gegen Streik ab New
    IG Metall fordert die Neue Halberg Guss GmbH erneut zu raschen Verhandlungen auf. Der erneute Antrag der Geschäftsführung der Neue Halberg Guss GmbH (NHG) auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Streik in Saarbrücken und Leipzig ist heute auch vom Landesarbeitsgericht in Frankfurt abgelehnt worden. Unterdessen läuft der Streik in Saarbrücken auch in den am Wochenende begonnenen Werksferien weiter. IG Metall fordert die Neue Halberg Guss GmbH erneut zu raschen Verhandlungen auf. Der erneute Antrag der Geschäftsführung der Neue Halberg Guss GmbH (NHG) auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Streik in Saarbrücken und Leipzig ist heute auch vom Landesarbeitsgericht in Frankfurt abgelehnt worden. Unterdessen läuft der Streik in Saarbrücken auch in den am Wochenende begonnenen Werksferien weiter…” Pressemitteilung vom 16.07.2018 von und bei IG Metall Bezirk Mitte externer Link – ob die IG Metall derart auf den Verhandlungstisch drängt, weil sie befürchtet, die Kontrolle bei ihren bescheidenen Sozialplan-Forderungen zu verlieren?
  • IG Metall Leipzig am 16.07.2018: “Solidarität ist nicht selbstverständlich. In den 33 Tagen haben die Streikenden Solidarität in den verschiedensten Formen erlebt. Diese Art der Unterstützung muss weitergehen, um den Kampf der Belegschaft von Halberg Guss zu unterstützen.” Mehr dazu in der Ausgabe 28 der Streikzeitung externer Link
  • Neue Halberg Guss: Sieg für Streikende vor Gericht 
    „Das Arbeitsgericht Frankfurt hat amFreitag den Antrag der Geschäftsführung auf einstweilige Verfügung zurückgewiesen. Die Geschäftsführung der NHG wollte die Fortsetzung des Streiks gerichtlich untersagen lassen. Mehr dazu in der Ausgabe 27 unserer Streikzeitung.“ Meldung vom 14.07.2018 bei der IG Metall Leipzig externer Link und weitere Infos in der Ausgabe 27 der Streikzeitung externer Link
  • »Die Intensität der Klagen gegen den Streik überrascht« 
    Der Automobilzulieferer Neue Halberg Guss will vor Gericht den Arbeitskampf verbieten lassen – und gießt damit weiter Öl ins Feuer (…) Beim Ringen um die Zukunft der Beschäftigten stehen sich die Manager und Beschäftigten feindselig gegenüber. In dieser Woche ist die vierte Verhandlungsrunde gescheitert. Das Unternehmen hatte sogar noch weniger als zuvor angeboten. Doch nicht nur das: Vor Gericht geht der Zulieferer auch gnadenlos gegen den Arbeitskampf der Belegschaft vor. Zuletzt am Freitag vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main. Das Ziel: Den Streik verbieten zu lassen. Es war bereits der dritte Gang vor Gericht – die stets zu Gunsten des Arbeitskampfs ausgingen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits in Leipzig und in Saarbrücken, wo die Produktionsstandorte von der Neue Halberg Guss liegen, versucht, den Streik für illegal zu erklären. Doch das Unternehmen lässt nicht locker. Ein Sprecher des Unternehmens kündigte an, in zweiter Instanz vor dem hessischen Landesarbeitsgericht in Berufung gehen zu wollen. (…) Laut Informationen des Handelsblatts werfen die NHG-Anwälte der IG Metall vor, rechtswidrig einen Eigentümerwechsel erzwingen zu wollen und daher illegale Ziele zu verfolgen. Dieser Einschätzung schlossen sich die Richter nicht an. Die Streikziele seien nicht auf die wirtschaftliche Vernichtung des Unternehmens gerichtet, sondern sollten Nachteile der Beschäftigten ausgleichen, hieß es zur Begründung beispielsweise in Frankfurt. »Die Intensität der Klagen gegen den Streik überrascht schon«, sagt IG-Metall Mitte Sprecher Michael Ebnau. »Der Streik für einen Sozialtarifvertrag ist schon oft von Gerichten als legitim erklärt worden. Er ist das gute Recht der Beschäftigten.« Zudem hätten die Klagen das Potential, weiter Öl ins Feuer zu gießen. »Das ist ein Vorgehen, das die Beschäftigten empört.« Auch Arbeitsrechtler sind von dem Vorgehen des Unternehmens erstaunt. (…) Auf »nd«-Anfrage wollte sich ein Unternehmenssprecher von NHG nicht dazu äußern, ob ihre Tour durch die Gerichte, den Konflikt nicht zusätzlich befeuert. Doch eine Pressemitteilung des Unternehmens klingt genau so. Dort droht NHG sogar mit Werksschließung in Saarbrücken. Das Werk soll bislang erhalten bleiben…” Artikel von Alina Leimbach vom 13.07.2018 beim ND online externer Link
  • NHG Streik zeigt Wirkung: Kunden beklagen Lieferausfälle und Management droht weiter  
    „Beim bestreikten Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) wird die Lage aus Sicht des Managements kurz vor den Verhandlungen mit der Gewerkschaft immer brenzliger. „Die einzelnen Kunden machen jetzt ernst und sagen: Entweder ihr fangt nächste Woche die Produktion an, oder wir ziehen die Werkzeuge ab“, sagte NHG-Geschäftsführer Barbaros Arslan der Deutschen Presse-Agentur. Laut dem Manager wackeln dann auch diejenigen Jobs, die der Zulieferer im Werk Saarbrücken nicht streichen wollte. (…) Die Geschäftsleitung hatte in einem Brief an die Mitarbeiter schon versucht, die andere Seite mit dem Verweis auf negative Folgen des Streiks für die Kunden zum Einlenken zu bewegen. Kunden bestätigten bereits Lieferausfälle. Seit dem 14. Juni – also seit mehr als drei Wochen – werden die Werke in Leipzig und Saarbrücken bestreikt. Das Unternehmen stellt vor allem Motorblöcke und Antriebswellen für Autos und Lastwagen her. Sowohl Opel als auch VW gehören zu den Kunden. (…) Nun stehe es mit dem von Kunden angedrohten Abzug von Werkzeugen Spitz auf Knopf, meinte Arslan: „Die Gleichung ohne Kunde funktioniert nicht.“ Rechtlich könne er das nicht verhindern. „Ich kann die Kunden ja nicht daran hindern, ihr Eigentum mitzunehmen.“ Für die Fertigung von spezifischen Teilen stellen Abnehmer aus der Autoindustrie den Zulieferern häufig Werkzeugmaschinen zur Verfügung, die aber ihr Eigentum bleiben.“…“ Meldung vom 11.07.2018 bei der Mitteldeutschen Zeitung online externer Link, siehe dazu auch: Deutz mit Gewinnsprung – Streik bei Neue Halberg Guss belastet. Deutz kann sich über gute Quartalszahlen freuen. Trotzdem trübt der anhaltende Streik beim Zulieferer Neue Halberg Guss die Aussichten… Artikel vom 11.07.2018 beim Handelsblatt online externer Link
  • Unterstützung der Streikenden bei Halberg Guss in Leipzig und Saarbrücken: Aufruf zur Solidaritätsdemonstration am 12.07.2018 in Frankfurt/M. 
    Seit dem 14. Juni stehen die Kolleginnen und Kollegen bei Neue Halberg Guss im Arbeitskampf um einen Sozial-Tarifvertrag. Sie kämpfen um die Existenz ihres Unternehmens, um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze (siehe beigefügter Flyer). Aus diesem Grund findet am 12.7.2018 ab 9:45 eine Solidaritätskundgebung mit anschließender Demonstration ab Hauptbahnhof Frankfurt, Bahnhofsvorplatz, statt (Demo geht um 10 Uhr pünktlich los!). Ziel ist der Opernturm in der Bockenheimer Landstraße, in dem die Verhandlungen stattfinden und vor dem eine weitere Kundgebung, unter anderem mit Jürgen Kerner, stattfinden wird. Wir rufen Euch auf, Euch möglichst zahlreich an dieser Aktion zu beteiligen. Bitte bringt wenn möglich Solidaritätstransparente mit. Auch über Geldspenden freuen sich die Kolleginnen und Kollegen, da eine Reihe von ihnen kein Streikgeld bekommen (sie sind erst vor kurzem der IG Metall beigetreten). Ihr könnt das Geld am Lautsprecherwagen abgeben. „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ und hilft siegen!Aufruf vom 10.7.2018 bei der IG Metall Frankfurt/M. externer Link

    • Tarifverhandlung bei Neue Halberg Guss ohne Ergebnis. “Halberger” demonstrieren für ihre Zukunft 
      Beim Autozulieferer Neue Halberg Guss ist auch nach fast vier Wochen Arbeitskampf kein Ende in Sicht. Heute verhandelten IG Metall und Management in Frankfurt wieder um einen Sozialtarifvertrag, begleitet von Hunderten Demonstranten. Es gab kein Ergebnis…” Bericht vom 12.07.2018 bei der IG Metall externer Link
    • Ein Kampf gegen die Gier. Die Beschäftigte des Autozulieferers NHG demonstrierten am Main für ihre Arbeitsplätze
      Laut, geschlossen, klassenkämpferisch und kapitalismuskritisch gaben sich rund 500 Streikende des Autozulieferers Neue Halberg Guss (NHG) am Donnerstag bei einer Demonstration durch das Bankenviertel in Frankfurt am Main. Sie waren bereits in den frühen Morgenstunden vor den NHG-Werkstoren in Leipzig und Saarbrücken in Busse gestiegen, um nach vier Wochen Arbeitskampf der IG-Metall-Verhandlungsdelegation in der Tarifverhandlung mit dem NHG-Management den Rücken zu stärken. Die Gespräche endeten nach vier Stunden ohne Annäherung. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es nach IG-Metall-Angaben derzeit nicht.  Mit dem Streik, der offenbar bereits Lieferengpässe bei großen Fahrzeugbauern wie Opel und Deutz-Fahr ausgelöst hat, möchte die Gewerkschaft das drohende Aus der beiden NHG-Standorte in Leipzig und Saarbrücken verhindern. (…) Die Gewerkschafter werfen der Prevent-Gruppe, die sich auf den Erwerb von Autozulieferern spezialisiert hat, klassisches »Heuschreckengebaren« vor. »Hast du Hastor erst im Haus, gehen bald die Lichter aus«, hieß es in Anlehnung an die Unternehmerfamilie Hastor, die den Prevent-Konzern leitet. »So etwas gehört verboten und solchen Anteilseignern gehört der Laden weggenommen«, rief Michael Erhardt von der Frankfurter IG Metall unter Beifall. »Mit unserer Solidarität werden wir das Diktat des Kapitals durchbrechen.« Der Metaller erinnerte daran, dass der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Renditevorgaben von bis zu 25 Prozent Konzerne wie Prevent in ihrer »Profitgier« ermutigt habe. Als die Demonstration die Zentrale der Großbank passierte, erklang die Parole »Brecht die Macht der Banken und Konzerne« – und die Demonstranten streckten ihre Fäuste in die Höhe.” Bericht von Hans-Gerd Öfinger vom 12.07.2018 beim ND online externer Link
  • Streikende von Halberg Guss legen Verkehr in Leipzig lahm 
    In der vierten Streikwoche sind Mitarbeiter von Halberg Guss am Dienstag auf die Straße gegangen, um sich für ihre Forderungen stark zu machen – und es sind noch weitere Aktionen geplant. (…) Am Mittwoch ab 13 Uhr soll es einen Autocorso zwischen Jahnallee und Karl-Tauchnitz-Straße auf dem Innenstadtring geben. Danach fahren die Leipziger gemeinsam mit Kollegen aus Saarbrücken, wo ebenfalls Jobs gestrichen werden sollen, nach Frankfurt. In der Mainstadt gehen die Sozialtarifverhandlungen in eine neue Runde. „Dort wird es ebenfalls eine Aktion geben“, kündigt der Gewerkschaftsfunktionär an.” Meldung mit Videos vom 10.07.2018 bei der Leipziger Volkszeitung online externer Link
  • „Wenn wir sterben, dann so teuer wie möglich“ – zum Streik bei Halberg Guss 
    Es wird gestreikt in Leipzig – genauer gesagt bei dem Automobilzulieferer „Neue Halberg Guss GmbH“ im Westen der Stadt. Und zwar so richtig – alle und unbegrenzt. 98% der Belegschaft haben zugestimmt die Arbeit in der Gießerei bis auf weiteres niederzulegen. Und das tun sie seit mittlerweile vier Wochen. Grund ist die angekündigte Werkschließung in Leipzig. Und auch im Werk in Saarbrücken sollen bei Halberg Guss 300 Stellen abgebaut werden. Diesen Donnerstag gibt es einen weiteren Verhandlungstag in Frankfurt, zu dem die Streikenden anreisen wollen, um Druck auszuüben. Sie fordern unter anderem einen Sozialplan, der die Beschäfitgten nach dem Jobverlust finanziell absichern soll. Wir haben dazu mit Bernd Kruppa von der IG Metall Leipzig gesprochen. Zuerst haben wir ihn nach den Gründen für den Streik und ihre Forderungen gefragt.Beitrag vom 10. Juli 2018 bei Radio Corax externer Link Audio Datei
  • Neue Halberg-Guss: Der Kampf geht weiter 
    Es ist Freitag, der 6. Juli. Tag 23 des Arbeitskampfes. Gegen Mittag schiebt sich die Sonne durch die Wolken. Am Werkszaun hängen Plakate der IG Metall und Grußbotschaften, zum Beispiel vom »Zweieck«, einem alternativen Laden in Leipzig. Auf einer Bank hinter dem Eingang sitzt Ehis mit seinen Angehörigen. Ein Kollege klopft dem Nigerianer auf die Schulter. Sie unterhalten sich laut und lachen. Etwa 200 Arbeiter mit ihren Angehörigen und Kindern sitzen an Holztischen, sie essen und diskutieren. Es gibt Getränke, Burger und Obst. »Das ist die Frühschicht«, erläutert Maik und schimpft: »Da machen sich ein paar reiche Investoren auf unsere Kosten die Taschen voll und glauben, wir lassen uns das gefallen.« Gefallen lassen will sich hier niemand mehr etwas. Die Wut richtet sich gegen die Zulieferergruppe Prevent der bosnischen Familie Hastor. Man nennt sie hier »die Ausbeuter«. (…) »Die Solidarität ist Wahnsinn«, fällt Armin ihm ins Wort. Die Beschäftigten vom Aluminiumwerk nebenan waren da. Delegationen von Siemens, Opel und Porsche kamen. »Überall geht es ja den Leuten an den Kragen mit Stellenabbau und Leiharbeit«, weiß er. (…) Besonders gefreut hat er sich über den Besuch von Kollegen aus dem Volkswagenwerk in Wolfsburg. »Die Eigentümer sollen ihren Krieg alleine führen, damit haben wir doch nichts zu tun.« Man müsse eben gegen die Ausbeuter zusammenhalten. Armin zeigt auf einen großen Haufen Feuerholz: »Zwölf Tonnen waren das, eine Spende für die Streikposten der Nachtschicht.« (…) Frank schimpft über einige Medienberichte. Zum Beispiel die Geschichte mit den Gabelstaplern, die würde nicht stimmen: Geschäftsführer Alexander Gerstung hatte den Streikenden öffentlich Sabotage vorgeworfen. Sie hätten am Strom manipuliert, Fahrzeuge lahmgelegt und damit einen Schaden in sechsstelliger Höhe verursacht. In einem Schreiben an die Streikenden setzte Gerstung sogar eine Belohnung von 2.500 Euro für Denunzianten aus. »Saboteure« werde er juristisch verfolgen, kündigte er an und drohte bei fortgesetztem Streik mit vorzeitiger Schließung des Werks. » Ob sie jetzt oder in anderthalb Jahren schließen, ist am Ende auch egal«, winkt Frank ab. Und die Sabotagevorwürfe sind »völliger Blödsinn« in seinen Augen. »Wir können doch nichts dafür, wenn die nicht mal die richtigen Knöpfe drücken oder einen Gabelstapler bedienen können.« Überhaupt: Gerstung gehe es nur darum, die Belegschaft zu kriminalisieren. Auf den Brief haben die Arbeiter auf ihre Weise reagiert: Sie verbesserten Rechtschreibfehler und pinnten ihn draußen an. »Peinlich für die Ausbeuter«, lacht Frank. (…) Um eins beginnt die Streikversammlung. Bernd Kruppa begrüßt Kollegen von Siemens, Porsche und Schnellecke. »Es geht um alles«, ruft der IG-Metall-Sekretär den Umstehenden zu und kündigt eine Demonstration und einen Autokorso an. Auch wenn man die Chefs zu neuen Verhandlungen an diesem Donnerstag bewegt habe, »ist das Ende des Streiks wohl nicht in Sicht«, so Kruppa. Das Angebot der Firma sei »nach wie vor ein Witz. Mit einem halben Monatslohn pro Arbeitsjahr wollen sie euch abspeisen«, ruft er. Die Gewerkschaft verlangt ein dreieinhalbfaches Gehalt für jedes Jahr, finanziert aus einem Fonds, in den neben Prevent auch die Kunden einzahlen. Immerhin schließe das Werk ohne materiellen Zwang. »Und Geld ist massenhaft da«, konstatiert Kruppa. Er findet, es stehe denen zu, die es erwirtschaftet haben…“ Artikel von Susan Bonath vom 10.07.2018 in der jungen Welt externer Link
  • Halberg Guss: Dritte Woche Streik – vor wichtiger Entscheidung 
    „Der Streik ist die Antwort auf die Ankündigung des Eigentümers Prevent, den Standort Leipzig 2019 ganz zu schließen und in Saarbrücken 300 Arbeitsplätze zu vernichten. Der Streik wird von den Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr diszipliniert organisiert. Leiharbeiter, auch bereits Gekündigte und Auszubildende nehmen selbstverständlich teil. Die Empörung über Prevent ist riesig: „Firmen aufzukaufen um sie dann in den Ruin zu treiben ist eine Frechheit“, kritisiert ein Kollege. Die Familien unterstützen den Streik, auch die Bevölkerung. (…) Der Streik bei Prevent spiegelt wie in einem Brennglas den verschärften Konkurrenzkampf unter den Autokonzernen und zwischen den Autokonzernen und Autozulieferern, aber auch die krisenhaften Entwicklung der Autokonzerne als Folge ihrer kriminellen Abgasmanipulationen wider. Dazu kommen die Auswirkungen der sich anbahnenden Strukturkrise mit der Umstellung auf die E-Mobilität. Unter den Kolleginnen und Kollegen gibt es von Beginn an eine Auseinandersetzung über das Streikziel. Für viele ist dies eindeutig: „Wir wollen unsere Arbeitsplätze erhalten, deshalb müssen wir streiken.“ Im Gegensatz dazu steht der Kampf um einen Sozialtarifvertrag – mit dem Inhalt von Abfindungen und einer Qualifizierungsgesellschaft -, wie er auf Vorschlag der IG Metall-Führung geführt wird. Der Abschluss eines Sozialtarifvertrages setzt aber die Zustimmung zur Arbeitsplatzvernichtung voraus – er regelt lediglich, wie die Vernichtung der Arbeitsplätze durch Abfindungen, Transfergesellschaften usw. „abgefedert“ wird. Viele Belegschaften haben die bittere Erfahrung machen müssen, dass mit einem Sozialtarifvertrag ihre Arbeitsplätze nicht zu retten waren. Das hängt damit zusammen, dass es in Deutschland nur ein auf Tarifverhandlungen beschränktes Streikrecht gibt. Das verbietet den Gewerkschaften, einen Streik zur Verteidigung der Arbeitsplätze oder gegen eine Werksschließung zu führen! Diese weitgehende Einschränkung eines Grundrechts der Arbeiterklasse ist Ausdruck der Diktatur der Monopole in unserer Gesellschaft. Eine Schlussfolgerung ist der Kampf für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht – den kann und muss jeder Gewerkschafter unterstützen. Auf Antrag von NHG hat ein Gericht die Aufhebung der Torblockade in Leipzig angeordnet. Seit zwei Wochen werden die Streikenden Tag und Nacht von einem Polizeiauto überwacht. Das Gerichtsurteil sollte notfalls mit einer angerückten Hundertschaft der Polizei durchgesetzt werden. Es wurde deutlich: wer den freien Zugang zur Produktion verhindert oder gegen das Hausverbot verstößt, „gefährdet die öffentliche Ordnung“ der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Nach den neuen Polizeigesetzen künftig ein Grund, Kolleginnen und Kollegen bereits zu verhaften, wenn die Polizei sie verdächtigt, „gegen die öffentliche Ordnung“ zu verstoßen…“ Beitrag vom 08.07.2018 bei Rote-Fahne-News externer Link
  • Autozulieferer Halberg-Guss wirft Streikenden Sabotage vor und droht mit Anzeige 
    „Der seit drei Wochen andauernde unbefristete Streik beim Automobilzulieferer Neue Halberg-Guss GmbH (jW berichtete) setzt dem Unternehmen und dessen Abnehmern immer mehr zu. Geschäftsführer Alexander Gerstung versucht dies auf seine Weise zu lösen. In einem Brief erhob er den Vorwurf, Streikende hätten in den Werken Leipzig und Saarbrücken Produktionsmittel sabotiert. Beschäftigten bot er bis zu 2.500 Euro an, wenn sie Sabotageakte meldeten und Kollegen denunzierten. Zudem kündigte er an, deshalb Strafanzeige zu stellen. Angeblich habe das Unternehmen eine sechsstellige Summe ausgeben müssen, um während des Streiks verursachte Schäden zu beheben, sagte Gerstung am Mittwoch in einem Interview mit Bild. Gegenüber dem MDR hatte er zuvor erklärt, Arbeiter hätten die Elektrik manipuliert und mit Gabelstaplern die Feuerwehreinfahrten des Betriebes in Leipzig blockiert. Auch diese Fahrzeuge seien beschädigt. »Das ist kein Kavaliersdelikt mehr oder Streikfolklore, sondern ein Straftatbestand«, wetterte Gerstung. (…) Die Vorwürfe der Geschäftsleitung seien »komplett an den Haaren herbeigezogen«, hielt Bernd Kruppa von der IG Metall Leipzig am Mittwoch im Gespräch mit jW dagegen. Die Gabelstapler seien einsatzfähig, und bei der angeblichen Blockade habe es sich um eine angemeldete Demonstration gehandelt, erklärte er. Deren Ende habe das Unternehmen per einstweiliger Verfügung erzwingen wollen. Fraglich sei, »ob das überhaupt rechtmäßig war«, führte Kruppa aus. Darüber verhandelte das Arbeitsgericht Leipzig am Montag, fällte aber keine Entscheidung. Fakt sei, so der Gewerkschafter: »Statt ernsthaft mit den Streikenden zu verhandeln, setzt Halberg-Guss auf juristische Scharmützel. Es geht der Firmenleitung nur darum, uns einzuschüchtern und zu kriminalisieren.« (…)Kruppa betonte: »Zur Zeit stehen beide Standorte still, und es gibt keine Streikbrecher.« Das wirkt sich bereits auf die Abnehmer der dort produzierten Motorenteile aus. Aufgrund der Lieferengpässe ruht seit letzter Woche die Produktion bei Opel in Eisenach. Man habe wegen des Arbeitskampfes bei Halberg-Guss die Sommerschließtage vorgezogen, bestätigte ein Firmensprecher am Dienstag gegenüber dem MDR. Beeinträchtigt ist demzufolge auch die Produktion bei VW in Hannover und beim zur Volkswagen-Gruppe gehörenden schwedischen Lkw-Hersteller Scania. Artikel von Susan Bonath vom 05.07.2018 in der jungen Welt externer Link
  • An den Tisch gestreikt. Im Arbeitskampf bei Neue Halberg Guss wird nächste Woche wieder verhandelt 
    Im Arbeitskampf beim Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) in Saarbrücken und Leipzig sind nach einer wochenlangen Verhärtung der Fronten jetzt offenbar Verhandlungen in Sicht. So wollen Geschäftsleitung und IG Metall am kommenden Donnerstag in Frankfurt am Main über den von der Gewerkschaft geforderten Sozialtarifvertrag verhandeln. »Wir erwarten ein verhandlungsfähiges Angebot«, so der erste Bevollmächtigte der Saarbrücker IG Metall, Hans Peter Kurtz. (…) Der jüngsten Einladung von Unternehmenschef Barbaros Arslan zu einem »Runden Tisch« mit Akteuren der betroffenen Autokonzerne war die IG Metall nicht gefolgt. Sie bestand auf formellen Tarifverhandlungen. Arslans Vorstoß deutet darauf hin, dass der Arbeitskampf Wirkung zeigt. Nach jüngsten Meldungen wurde für das Eisenacher Opelwerk aufgrund von Lieferengpässen bereits der Beginn der Betriebsferien vorgezogen. Beim Landmaschinenhersteller Deutz-Fahr wird es nach Insiderangaben »demnächst kritisch«. (…) In der Saarbrücker City erregte am Mittwoch ein Autokorso der Streikenden mit 400 Pkw und 60 Motorrädern Aufsehen. Viele Passanten bekundeten ihre Solidarität. Am Donnerstag besuchten Gewerkschafter aus Automobilwerken in Kaiserslautern, Baunatal und Kassel die Streikenden in Saarbrücken…” Bericht von Hans-Gerd Öfinger vom 05.07.2018 beim ND online externer Link
  • Small Talk mit dem IG-Metall-Streikleiter Bernd Kruppa zum Arbeitskampf bei Halberg-Guss in Leipzig 
    „Wie geht es nach zwei Wochen mit dem Arbeitskampf bei Halberg-Guss in Leipzig weiter? Der Streik wird unbefristet und mit unverminderter Härte fortgesetzt – rund um die Uhr. Bei dem Konflikt geht es um die geplante Schließung des Standorts Leipzig mit 700 Beschäftigten Ende 2019. Warum soll das Werk dichtmachen? Der Kunde Volkswagen hatte bereits angekündigt, die überhöhten Preise des Zulieferers Prevent, der Halberg im Januar gekauft hat, nicht mehr zu zahlen. Wir haben uns deshalb entschieden, von der Rolle der Zuschauer in die aktive Rolle zu wechseln, und sind in den Arbeitskampf getreten. Es kann ja nicht sein, dass zwischen den Großen das Geld hin und her geschoben wird und wir am Ende eh nur die Arbeitsplätze verlieren. Jeder Delinquent verdient ein ehrbares Verfahren und wir geben nicht kampflos auf. Kapitalismus ist halt nicht logisch– aber veränderbar. Inwiefern verändern Sie den Kapitalismus? Wir werden das Wirtschaftssystem nicht durch einen Streik verändern. Aber wir richten den Blick auf die Widersprüche des Systems und heben den Konflikt auf eine gesellschaftspolitische Ebene. Weder die Kunden noch die Eigentümer haben damit gerechnet, dass sich Belegschaften in der Form wehren. Wir haben nicht nur Sympathien in der Bevölkerung und bei betroffenen Belegschaften, auch die mediale Berichterstattung ist breit. Was fordert die Belegschaft? Wir fordern einen Sozialtarifvertrag. Für den Verlust des Arbeitsplatzes sollen hohe Abfindungen geleistet werden. Und wir fordern die Einrichtung einer Qualifizierungsgesellschaft mit Nettoabsicherung für die IG-Metall-Mitglieder für zwölf Monate und die Einrichtung eines Treuhandfonds, an dem sich alle Beteiligten, also auch die Kunden wie beispielsweise VW, beteiligen müssen…“ Interview von Julia Hoffmann vom 05.07.2018 in der Jungle World externer Link
  • [Lesenswerter Besuchsbericht] „Jetzt geht‘s ums nackte Überleben“ 
    Seit beinahe drei Wochen wird der Automobilzulieferer „Neue Halberg Guss GmbH“ in Leipzig bestreikt. Zwischenzeitlich drohte die Situation zu eskalieren. Nach wie vor ist die Lage sehr angespannt und die Belegschaft äußerst kämpferisch. Loti Gimpel und Tamer Le Gruyere vom Transit Magazin besuchten die Streikenden, um ihre Solidarität auszudrücken und mit den Kolleg*innen ins Gespräch zu kommen. Als wir am späten Samstagnachmittag den Streikposten vor dem Betriebsgelände der „Neuen Halberg Guss“ am Rande von Leipzig betreten, treffen wir zunächst nicht auf eine Menge wütender Arbeiter. Die Stimmung entspricht eher der verkaterten Ruhe nach einer langen Party. Ein paar Männer schauen Fußball, anderen sitzen im Schatten, langgestreckt auf Plastikstühlen und plaudern. Bernd Kruppa, der uns am Infostand der IG Metall in die Arme läuft, wirkt trotzdem aufgekratzt und klärt uns auf: Die letzten Tage sei es hier „wie in Nordirland“ zugegangen, aber jetzt bräuchten die „Kumpel mal eine Mütze Schlaf“ und seien fast alle nach Hause gefahren. (…) Anfang 2018 hatte der Konzern „Prevent“, einer der größten Volkswagen-Zulieferer, die Neue Halberg Guss GmbH mit Stammsitz in Saarbrücken aufgekauft. Zwischen Prevent und Volkswagen schwelt seit Jahren ein intensiver Streit um Preise und Lieferbedingungen. Prevent verfolgt die Taktik, Zulieferer-Firmen von VW aufzukaufen, um eine Monopolstellung gegenüber dem Automobilkonzern einzunehmen und die Preise hoch zu treiben. Die Lage spitzte sich zu und Volkswagen kündigte die Verträge. Daraufhin gab die Prevent-Geschäftsführung bekannt, Halberg Guss in Leipzig bis zum Ende des Jahres 2019 schließen zu wollen. Der Streit zwischen den beiden Großkonzernen wird auf Kosten der Beschäftigten ausgetragen. Die Geschäftsführung dürfte aber nicht damit gerechnet haben, dass die Kolleg*innen vor Ort wild entschlossen sind, entweder den Standort zu erhalten oder den Preis für die Schließung massiv nach oben zu treiben. Kruppa erklärt das so: „Wir sollen auf dem Altar der kapitalistischen Interessen geopfert werden. Da stellen wir uns dazwischen. Wir werden alles tun, um unseren Arsch so teuer wie möglich zu verkaufen.“ (…) Was der Streik mit den Kollegen gemacht hat, wollen wir wissen. Helge antwortet: „Jetzt geht’s ums nackte Überleben und das schweißt zusammen.“ Manche von den Kollegen würde man nicht wieder erkennen, „jetzt wo die Kacke am Dampfen“ sei. Gerade bei den „Höhergestellten“, von denen man den Eindruck gehabt habe, dass sie manchmal „auf einen herab gucken“, sei das so. Kruppa ergänzt: Die Leute hätten nun die Gelegenheit sich wirklich kennenzulernen. Im Betriebsalltag sei das kaum noch möglich, jetzt aber könnten sie sich austauschen und machen gemeinsame solidarische Erfahrungen: „Die denken jetzt übers Leben nach“. Im Betriebsalltag sind die verschiedenen Abteilungen voneinander getrennt. Allein das wirkt schon einer kollektiven Solidarisierung entgegen. Aber der Streik durchbricht diese Vereinzelung. Für die Dimension rassistischer Zuschreibungen scheint das durchaus auch zu gelten. Kruppa über Arbeiter_innen mit und ohne Migrationshintergrund: „Das Dilemma ist: die kennen sich nicht“. Der Streik eröffnet eine Möglichkeit, das zu ändern und gemeinsame Interesse zu entdecken. (…) Eine drohende Räumung wurde dadurch verhindert, dass vor dem Werkstor eine Dauerdemonstration angemeldet wurde und die Streikenden zeitweise von links nach rechts (und wieder zurück) liefen. Die Geschäftsführung bemängelt zudem, dass die Stromzufuhr im Werk sabotiert worden sei. Neuerdings lobt sie sogar Prämien für diejenigen aus, die die Saboteure namentlich benennen und/oder die Stromzufuhr im Werk wiederherstellen. (…) Auch wenn die Szenerie am heutigen Nachmittag sehr entspannt wirkt, so versichern Helge und Kruppa, dass die Belegschaft weiterhin hoch motiviert sei, den Streik fortzusetzen. Anstrengender als dreimal die Woche Schichtarbeit sei der Streik auch nicht und schließlich gehe es ja für die einzelnen Kollegen ums Ganze. Tatsächlich erzielen die Provokationen der Geschäftsführung in keiner Weise den gewünschten Effekt, die Zermürbung der Streikenden. Im Gegenteil sind wir beeindruckt von der kämpferischen Entschlossenheit der Streikenden. Nach wie vor läuft im Werk keine Maschine, nach wie vor ist der Streikposten ununterbrochen besetzt und die Möglichkeit, dass irgendjemand aus der Belegschaft auf die Bestechungsversuche der Geschäftsführung eingeht, scheint ausgeschlossen. Auf dem Gelände finden sich unzählige Grußbotschaften und Solidaritätserklärungen, nachts lodern die Feuertonnen mit gespendetem Holz und vorbeifahrende Autofahrer_innen bekunden ihre Sympathie durch Hupen. „Hier sind Leute aus der Bevölkerung, die fragen, ob wir was brauchen, aber mir fällt nüscht ein.“ Am Tisch steht plötzlich der IG-Metall Kollege vom Infostand mit zwei jungen Menschen, die äußerlich eher – so scheint es – einem linksalternativen studentischen Milieu entstammen. Kruppa antwortet: „Liebe! Und Schlaf! Habt ihr das mitgebracht?“ Alle lachen. Die beiden bieten an, Bier und Bratwürste vorbei zu bringen. An der Verpflegung mangelt es nicht, das zeigen die prall gefüllten Essens- und Getränkevorräte, aber: „Gut wäre, wenn ihr möglichst viele Leute herholt. Nehmt euch die Streikzeitung mit und verbreitet die Infos in euren Netzwerken. Es geht um die politische Unterstützung.“ (…) Bemerkenswert ist auch: Es gibt den Versuch, Arbeitskämpfe mit Themen wie Gentrifizierung zusammen zu denken, wie etwa beim Kunst-und-Kultur-Straßenfest „Bohei & Tamtam“ auf der Karl-Heine-Straße. Dort gab es eine „Parade der Werktätigen“, an der auch Kolleg_innen von Siemens und Halberg Guss teilnahmen. Spannend wird auch das weitere Verhalten der IG Metall sein. Der Geschäftsführer der IG Metall Leipzig setzt darauf, dass in sehr naher Zukunft Fernwirkungen bei den großen Automobilherstellern, wie etwa VW, eintreten werden und die Produktion ins Stocken geraten wird. Für die IG Metall, die selten über einen Warnstreik hinauskommt, geht es hier auch um Glaubwürdigkeit: Lässt man es zu, dass eine Belegschaft zwischen zwei Riesen zermalmt wird oder zeigt man Zähne und geht in die Offensive? Kruppa sagt, man komme nun von der Zuschauerrolle in die Beteiligtenrolle und werde dadurch zum Machtfaktor. Ob das die ganze IG Metall so sieht oder ob nicht doch große Nervosität zu Tage tritt, wenn die „Heilige Kuh“ VW ins Wanken gerät, wird abzuwarten zu sein...” Bericht von Loti Gimpel und Tamer Le Gruyere vom 2. Juli 2018 beim lowerclassmag externer Link
  • Neue Halberg Guss Streikzeitung: Oberbürgermeister Jung zu Gast bei Halberg – und wichtiger: 12 Tonnen Feuerholz als Geschenk
    “Der 17. Streiktag brachte für die Beschäftigten von Halberg Guss wieder Besuche der Solidarität und eine große Spende: Bereits zu Beginn der Nachtschicht am Mittwochabend lud ein Lkw zwölf Tonnen Holz ab, um die Feuertonnen warm zu halten. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung war am Donnerstag zu Gast und sicherte den Streikenden seine Solidarität zu…” Hinweis der IG Metall Leipzig auf die neue Streikzeitung Nr. 14/15 vom 29. Juni 2018 externer Link
  • Kontrollierter Einlass von Lkw – Streikende protestieren lautstark
    Der 14. Streiktag bei Halberg Guss in Leipzig begann mit Stress am Werktor. Begleitet von der Polizei und wütendem Protest der Beschäftigten fuhren am Dienstagvormittag sechs Lkw aufs Gelände, um die letzten Motorblöcke zu laden. Auf den Streik hat das keine Auswirkungen. Er geht unvermindert weiter. Nachzulesen ab sofort in der Streikzeitung Nummer 12.“ Beitrag vom 27.06.2018 bei der IG Metall Leipzig externer Link zur Streikzeitung Nr. 12 externer Link
  • „Neue Halberg Guss: Droht bei Streik bei Autozulieferer die Räumung?“ am 26. Juni 2018 in neues deutschland externer Link war eine (Agentur) Meldung, worin es unter anderem hieß: „…“In Leipzig blockierten die Streikenden am Montag we iter das Werk. Sie bildeten eine Menschenkette, um die Einfahrt von Lastwagen ins Lager zu verhindern. Die Sperrung der Zufahrt solle bis Freitag dauern, so lange sei eine Versammlung angemeldet, teilte die IG-Metall-Streikleitung mit. Die Gewerkschaft will »maximalen ökonomischen Druck« erzeugen. Es werde noch am Dienstagmorgen eine Versammlung mit den streikenden Mitarbeitern geben, sagte Heinz Volkmer, Mitglied der IG-Metall-Streikleitung. Die Polizei will nach Angaben des IG Metall am Vormittag das Gelände räumen. Die Polizei konnte das zunächst nicht bestätigen. Seit Tagen sind die Mitarbeiter am Standort in Leipzig im Ausstand, blockieren die Einfahrt von Lastwagen und bilden Menschenketten. Am Dienstagmorgen waren den Angaben zufolge etwa 250 bis 300 Beschäftigte erneut im Ausstand. Die Gewerkschaft sei gesprächsbereit, sagte Selzer. Voraussetzung sei aber, dass das Unternehmen belastbare Daten und Fakten zu einem Konzept für die Zukunft vorlege.“…“
  • „Halberg Guss Streikzeitung Nummer 11“ der IGM Leipzig vom 26. Juni 2018 externer Link dementsprechend vor der Aufhebung der Blockade erschienen, berichtet von den Kommunikationskünsten der Polizei: „Am späteren Nachmittag drohte dann die Eskalation. Nach einem Gespräch mit der Rechtsanwältin der Geschäftsleitung verkündete der Leipziger Polizeichef Bernd Merbitz, dass man räumen müsse, wenn die Streikenden das Tor nicht freigeben…“ . Die Notiz ist dann wohl ein Beispiel für Ursache und Wirkung…(vorherige Ausgaben der Streikzeitung ebenfalls bei der IGM Leipzig).
  • „IG Metall Jugend Leipzig – NHG Film“ externer Link ist ein kurzes Video über den Streik aus der letzten Woche mit einer ganzen Reihe von Aussagen von Streikenden über ihre Gründe für diese Aktion – und über ihre Erwartungen