PSA kauft Opel – “Eigentlich kann es uns egal sein, welches Emblem wir auf den Arbeitsanzügen tragen, Hauptsache die Konditionen stimmen” (Info der GoG Nr. 1 vom Juni 2000)

Dossier

Grafik von Joachim Römer zum Artikel "Schlachtfest. Die Übernahme von Opel durch PSA wird zu einer brutalen Rationalisierungswelle in der gesamten Autobranche beitragen" in der Lunapark21, Heft 37Labournet Germany mag keine Fusionen. Schon allein, weil sie unsere Rubriken durcheinander bringen. Vor allem aber, weil sie die jeweiligen Belegschaften gegeneinander aufbringen – was wohl u.a. ihr Zweck ist. Deshalb erinnern wir in der Überschrift an das Wesentliche, worauf die damalige Standorte-Gruppe bei Opel Bochum (ab 2000 als “Gegenwehr ohne Grenzen”, GoG bekannt) anlässlich der Allianz von GM und Fiat hinwies. In ihrem Diskussionspapier “Auslagerung (Outsourcing)” vom November 1999 schrieb die “Standorte-Gruppe” zudem: “… “Wir wollen Opelaner bleiben!” Was drückt die Forderung aus? Von Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Regel nichts mehr wünschen als 6 Richtige im Lotto, damit sie auf Opel und die ganze Arbeitssuche pfeifen können? (…) Also heißt die eigentliche Forderung der Kolleginnen und Kollegen zunächst nur: “Wir wollen unseren jetzigen Lebensstandard mindestens halten, unsere jetzigen Arbeitsbedingungen nicht noch verschlechtern!”...” Die im Dossier seit der Bekanntgabe der Kaufabsichten von Opel durch PSA gesammelten Informationen mögen vor diesem Hintergrund betrachtet werden!

  • Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall einigen sich auf „Soziale Rahmenvereinbarung für eine nachhaltige Zukunft“ – ohne Leiharbeiter New
    “… Die Opel-Geschäftsleitung und Vertreter des Gesamtbetriebsrates, des Betriebsrates Bochum sowie der IG Metall haben sich nach intensiven Verhandlungen auf eine soziale Rahmenvereinbarung für Deutschland geeinigt. (…) 2. Verlängerung des Altersteilzeitprogramms (…) 4. Vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung durch die Arbeitsagentur planen wir ab dem 1. Januar Kurzarbeit für mindestens sechs Monate in den Bereichen Engineering und Verwaltung. (…) 5. Arbeitsverträge werden auf die tarifvertraglich vereinbarten 35 Stunden pro Woche reduziert. Die Umstellung betrifft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gegenwärtig im Rahmen einer Zusatzvereinbarung mehr arbeiten und in deren Abteilung eine Unterauslastung vorliegt. Sie soll zum 1. April erfolgen…” Pressemitteilung vom 15.12.2017 externer Link

    • Von den Leiharbeitern in dem gesamten Beitrag kein Wort (hingegen zu “Umfassenden Maßnahmen zur Kostensenkung” oder “Es ist unser gemeinsames Ziel, Opel wettbewerbsfähig zu machen”), dabei meldet das Manager Magazin am 15.12.2017 externer Link: “… In den Verwaltungs- und Entwicklungsabteilungen soll für die erste Jahreshälfte Kurzarbeit beantragt werden, während in den Werken Rüsselsheim und Kaiserslautern Leiharbeiter gehen müssen. Im Werk Eisenach werde die bereits genehmigte Kurzarbeit fortgeführt…” Genaue Zahlen weren auch hier nicht genannt
    • LeiharbeiterInnen kommen auch im folgenden Beitrag nicht vor, doch es wird anhand des GBR Wolfgang Schäfer-Klug deutlich, daß sie mal wieder eine für die Stammbelegschaft wichtige Puffer-Rolle spielen: Sanierungsplan: Sozialvereinbarung bei Opel lässt aufatmen
      Kündigungen und Werksschließungen: Das befürchteten die Opelaner in Deutschland angesichts der Sparvorgaben des französischen Mutterkonzerns PSA. Doch Betriebsrat und Unternehmensleitung haben nun einen Vertrag beschlossen, der ohne diese Härten auskommt – und stattdessen andere Maßnahmen vorsieht. (…) Die vom neuen französischen Mutterkonzern geforderten Sparmaßnahmen von mehr als einer Milliarde Euro jährlich sollen demnach über Kurzarbeit, Vorruhestand und Altersteilzeit ungesetzt werden. Nicht jedoch über Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. Wolfgang Schäfer-Klug: “Mit dieser Vereinbarung fällt mir schon ein Stein vom Herzen, das wir die hinbekommen haben. Man hat es auch heute auf der Betriebsversammlung deutlich gesehen. Die Kollegen sind natürlich nicht vollkommen entspannt, sie wollen natürlich wissen, wie am Ende alles ausgeht, wie der gesamte Unternehmensplan aussieht, aber das war jetzt eigentlich das, was wir gebraucht haben, um mal Kraft zu schöpfen in den Weihnachtsferien und deswegen sind die Kollegen jetzt – glaube ich – einigermaßen entspannt in die Ferien gegangen…” Beitrag von Ludger Fittkau vom 15.12.2017 beim Deutschlandfunk externer Link
  • Opelaner bangen um ihre Jobs: Käufer PSA will wegen überhöhter Abgaswerte offenbar Geld von GM zurück 
    “Seit Donnerstagmorgen ist die Aufregung im Rhein-Main-Gebiet groß. Neue Ängste über die Zukunft von Opel machen sich breit. Denn der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën fordert nach Insiderberichten von US-amerikanischen Ex-Opel-Mutter General Motors (GM) rund die Hälfte des Kaufpreises zurück und bereitet entsprechende juristische Schritte vor. PSA hatte erst im vergangenen Sommer Opel erworben und dafür einen Kaufpreis von rund 1,3 Milliarden Euro vereinbart. Nun sehe sich die Pariser PSA-Konzernspitze von Opel wegen zu hoher CO2-Emissionswerte der Verbrennungsmotoren getäuscht, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach liege der durchschnittliche Ausstoß deutlich höher als bei den PSA-Modellen. Offenbar fürchten die Spitzenmanager, dass die schärferen EU-Abgasvorschriften verfehlt werden und dadurch hohe Strafzahlungen mit sich bringen…” Beitrag von Hans-Gerd Öfinger bei neues Deutschland vom 1. Dezember 2017 externer Link
  • Opel bekommt PSA-Kur: Peugeot-Chef verordnet deutscher Tochter Effizienz- und Abbauprogramm. Autobauer soll schnell wieder Profite einfahren 
    “… »PACE!« heißt das neue Programm, das Konzernchef Carlos Tavares und der Opel-Vorstandsvorsitzende Michael Lohscheller am Donnerstag in Rüsselsheim präsentierten. Das soll wohl vor allem Tempo signalisieren: Die Rückkehr zur Profitabilität soll nun ganz schnell gehen. Ab 2020 wird eine operative Marge von zwei Prozent angestrebt, ab 2026 von regelmäßig sechs Prozent. Auch wenn die beiden Manager ihre »Intention« kundtaten, in Europa keine Werke zu schließen und keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, dürfte klar sein: Für die Opelaner wird es ungemütlich. (…) Seit Anfang der 1990er Jahre sind bei dem Autohersteller bereits mehr als 50.000 Arbeitsplätze vernichtet worden. So wird es weitergehen – und zwar wohl noch schneller als bislang. Weitergehen wird es wahrscheinlich auch mit dem Lohnverzicht. Die aktuellen Tarifverträge schließen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 aus. Im Gegenzug hat die IG Metall zugelassen, dass die Bezahlung bei Opel unter das Niveau des Flächentarifvertrags gefallen ist. Eigentlich sollte das nur vorübergehend so sein. Eine neue Vereinbarung – über die ab sofort verhandelt wird – dürfte diesen Zustand aber fortschreiben und womöglich weitere Kürzungen beinhalten. Im Gegenzug sollen darin neben dem Kündigungsschutz Produkte für die einzelnen Standorte zugesagt werden…” Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 10. November 2017 externer Link
  • Strategie eines Neuntklässlers: Auch unter der Regie des französischen PSA-Konzerns setzt Opel auf Arbeitsplatzvernichtung, um aus den roten Zahlen zu kommen 
    “Die Angst geht um bei Opel – wieder einmal. Seit vielen Jahren folgt bei dem Autohersteller ein Abbauplan auf den anderen. Die Zahl der Jobs an den deutschen Standorten sank unter der Direktion des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) seit Anfang der 1990er Jahre von mehr als 50.000 auf noch etwa 19.000. Die Fabriken in Antwerpen und Bochum wurden dichtgemacht, die Löhne so weit gekürzt, dass sie mittlerweile unter dem Flächentarif der Metallindustrie liegen. Wer gehofft hatte, mit der Opel-Übernahme durch den französischen PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) im August werde alles besser, sieht sich bitter enttäuscht. Statt dessen werden die nächsten Einschnitte angekündigt. Nach Äußerungen von PSA-Chef Carlos Tavares zu urteilen, könnten sie noch radikaler ausfallen als die bisherigen. (…) Statt Alarm zu schlagen und die Belegschaften auf entschlossene Gegenwehr vorzubereiten, richtete Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug seine Kritik vor allem gegen den früheren Eigentümer General Motors. Ursachen der Probleme bei Opel seien »insbesondere die überkomplexen GM-Plattformen, auf denen die Fahrzeuge stehen, und die überzogenen GM-Prozessvorgaben für die Werke«, sagte er gegenüber dpa am 21. Oktober. Über 80 Prozent der Entscheidungen für Opel seien seinerzeit am GM-Sitz in Detroit getroffen worden. »Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Opel und PSA«, glaubt Schäfer-Klug. Womöglich sind die Vorgaben aus Frankreich weniger detailliert. Es sieht im Moment aber nicht danach aus, als würden sie auch weniger rigoros ausfallen.” Artikel von Daniel Behruzi bei der jungen Welt vom 1. November 2017 externer Link
  • Schlachtfest. Die Übernahme von Opel durch PSA wird zu einer brutalen Rationalisierungswelle in der gesamten Autobranche beitragen
    Lunapark21, Heft 37 vom März 2017“… Doch gleichgültig, ob solche Allmachtphantasien im Spiel sind oder ob es zunächst „nur“ bei dem Dreimarken-Zusammenschluss Peugeot-Citroen-Opel bleibt: Auf der Tagesordnung steht ein massives Rationalisierungsprogramm bei Opel und PSA. Zehntausende Arbeitsplätze sind akut bedroht. Tamares hat seit seinem Antritt als PSA-Boss 2013 gezeigt, dass er ein harter Sanierer ist.  Pro Jahr werden dort 2000 PSA-Jobs vernichtet. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde auf bis zu 44 Stunden erhöht. Nachtarbeit und Flexibilisierung wurden deutlich gesteigert. Die Garantien, die PSA bei Opel abgab, reichen gerademal ein paar Monate über die Bundestagswahl hinaus. Spätestens im Frühjahr 2018 wird Tamares Werksschließungen verkünden. Dann hoffen die deutschen Opel-Vertreter, es möge die britischen Vauxhall-Leute treffen. In Eisenach mag man erwarten, dass es zunächst Kaiserlautern an den Kragen geht. Die Bandarbeiter werden argumentieren, dass die Entwicklungsabteilung in Rüsselheim aufgebläht ist. Und die Opel-Beschäftigten im polnischen Gliwice können darauf verweisen, dass sie im Vergleich zu den Opel-Kollegen im spanischen Saragossa weniger als die Hälfte kosten und an den moderneren Anlagen malochen. Diese Art Teile-und-herrsche Spiele gab es nach dem beeindruckenden Streik bei Opel in Bochum 2004: Die Solidarität der anderen Opel-Standorte blieb aus; das Werk in Bochum wurde geschlossen…” Kolumne von Winfried Wolf aus der gerade erscheinenden Lunapark21, Heft 37 . Wir danken für den Vorabdruck und empfehlen das gesamte Heft, zu bestellen auf der Homepage der Lunapark21 externer Link
  • Opelaner schauen mit bangem Blick auf 2019. Peugeot-Konzern PSA kauft Autobauer Opel / Beschäftigte fürchten um Jobs und Standorte
    Trotz der zu spät erfolgten Information, Einbindung und Konsultation hätten Gesamtbetriebsrat, Bochumer Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall im Bezirk Mitte zentrale Forderungen durchsetzen können, erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug am Montag in einem Pressestatement, dass die Betriebsräte gemeinsam mit dem für die Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zuständigen IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger veröffentlichten. (…) Tatsächlich läuft der vertraglich mit GM vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für die drei deutschen Opel-Werke bis Ende 2018 und damit für nur noch 21 Monate. Lediglich im Bochumer Ersatzteillager mit derzeit rund 700 Beschäftigten läuft die schriftliche Jobgarantie erst Ende 2020 aus…” Artikel von Hans-Gerd Öfinger vom 07.03.2017 in neues Deutschland online externer Link
  • Spielball ihrer Herren. General Motors verkauft Opel an PSA
    “… Wird die Verfügungsgewalt der Kapitalisten nicht angetastet, bestimmen sie weiterhin über das Schicksal der Belegschaften. Deren Vertreter im Aufsichtsrat können am Ende nur zuschauen oder, wie in Bochum, hilflose Versuche starten, die Unternehmensentscheidungen juristisch zu Fall zu bringen. Denn die sogenannte Mitbestimmung ist so angelegt, dass die Beschäftigten stets den Kürzeren ziehen, wenn sie sich allein auf ihre formalen Rechte beschränken. Daher bedürfte es grundlegender Debatten, wie sie der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger mit seiner Forderung angestoßen hat, Opel zu verstaatlichen und in einen zukunftsträchtigen Mobilitätskonzern umzubauen. Für die allermeisten Opelaner dürfte das zwar sehr weit weg sein. Ohne eine Vorstellung davon, dass es auch anders gehen kann, bleibt ihnen aber nur, zu hoffen und zu bangen. Und Spielball zu bleiben. (…) Angesichts des zu erwartenden Jobabbaus – nichts anderes bedeutet es, wenn PSA-Chef Carlos Tavares jährliche »Synergien« von 1,7 Mil­liarden Euro bis 2026 ankündigt – ist die Rückbesinnung auf ein weiteres Kernanliegen der Arbeiterbewegung vonnöten: die Verkürzung der Arbeitszeiten. Denn die Existenz von Überkapazitäten in der europäischen Automobilindustrie ist nicht wegzudiskutieren…” Artikel von Daniel Behruzi in junge Welt vom 07.03.2017 externer Link – eines der besten Beiträge hierzu, allerdings betrachten wir die Forderung von Bernd Riexinger nach Verstaatlichung von Opel mit tiefer, anti-nationalistischer Skepsis…
  • OFFENSIV: “Verkauf an PSA: Erstmal abwarten, was kommt?”
    “OFFENSIV – Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit” bei Opel in Bochum setzt sich in ihrem aktuellen Flugblatt vom 1. März 2017 externer Link  mit dem PSA-Opel-Deal auseinander: “Seit wir alle von den ersten Meldungen überrascht wurden, wird überall heiß diskutiert. Auch wenn wir die Details nicht kennen – PSA wird Opel auf jeden Fall nicht kaufen, um unsere Arbeitsplätze und Löhne zu sichern! PSA-Chef Tavares spricht schon vom Sanierungsplan, den Opel jetzt aufstellen soll! Wie jeder Kapitalist will auch PSA maximalen Profit aus uns (und unseren französischen Kollegen) rausholen und sich mit der Ampera-Technologie auf den Umbruch in der Autoproduktion einstellen. Die Zusammenlegung von Plattformen bedroht Tausende Arbeitsplätze und ganze Werke. Und auch das Ersatzteilgeschäft ist allein schon durch die Umstellung auf Elektromobilität erheblich betroffen! Völlig unklar ist auch, was mit unseren Löhnen und Betriebsrenten werden soll!… Viele fragen, was jetzt zu tun ist. Der schlechteste Rat aber ist, jetzt ‘erstmal abzuwarten’, weil man ja noch nicht genau weiß, ‘was kommt’. Aus dem jahrelangen Kampf gegen die Schließung von Werk 1 wissen wir, dass die Vorstände uns nie freiwillig ihre wahren Pläne und Angriffe mitteilen – bis es zu spät und alles unter Dach und Fach ist. Sie müssen immer mit unserem Widerstand rechnen. Nur wenn wir uns bewegen, können wir unsere Interessen durchsetzen und Einfluss nehmen auf das, was kommt. Wer etwas anderes erzählt, der ist entweder grenzenlos naiv – oder er sitzt lieber auf der anderen Seite des Tisches!
    Unsere Meinung hierzu: Jeden Arbeitsplatz kann und soll man nicht retten wollen! 6-Stundentag mit vollem Lohn ist durchaus eine richtige, aber nicht einfache Parole, mit Blick auf die Gewerkschaftsführung sowie das Bewusstsein vieler Gewerkschaftsmitglieder… Siehe dazu:

    • Freunde der Internationalen Automobilarbeiterkonfernz Sindelfingen e.V. ” – Solidarisch an Eurer Seite: Opelaner – PSA Beschäftigte
      Wir, die Sindelfinger Freunde der 1. IAC, erklären uns solidarisch mit Euch Opelaner und PSA Kolleginnen und Kollegen und stehen an Eurer Seite. Im Oktober 2015 haben wir auf der 1. Automobilarbeiter Konferenz bei uns in Sindelfingen, uns gegenseitig kennen und schätzen gelernt. Auch waren Kolleginnen und Kollegen von uns, vom Daimler Werk Sindelfingen, bei der beeindruckenden Kundgebung seinerzeit in Bochum. Wir sind sehr beeindruckt vom Beitrag des Kollegen Fröhlich im ARD Morgenmagazin 20.2.2017. Danke für die klaren Worte und für die richtungsweisenden Aussagen zur Zukunft die uns verbinden!
      Nicht auf irgendjemanden Hoffen und Warten, sondern über die Betriebs- und Ländergrenzen hinweg, alle Automobiler zusammenstehen und gemeinsam um die Arbeitsplätze kämpfen. So wie es der Opel Kollege Fröhlich im Morgenmagazin ausführte, mit dem gemeinsamen Bande der Automobilarbeiter Konferenz Sindelfingen. Und unsere größte gemeinsame Band ist der Kampf um die 30 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich! In unserer IG Metall müssen wir dafür mehr werben, Mitstreiter gewinnen und das Thema auf die Tagesordnung bringen.
      Die strukturelle Veränderung in der Automobilindustrie, bei uns beim Daimler durch die Folgen der E – Mobilität und Industrie 4.0. , bedroht abertausende Arbeitsplätze auch bei uns. Strukturkrise in der gesamten Automobilindustrie, drohende Vernichtung von abertausenden Arbeitsplätzen auch bei den Zulieferern, erfordern unser gemeinsamen Handeln. Wir müssen unsere Stirn den Vorständen der Automobilbranche bieten. Die kassieren Millionen EURO s an Gehältern/Abfindungen und Renten, und wir alle sollen zahlen. NEIN. Kampf um jeden Arbeitsplatz – egal ob in Deutschland oder Frankreich. Ob bei Opel / PSA / VW oder bei uns beim Daimler. Statt Werkschließung / Auslagerungen / Fremdvergaben / totale Flexibilisierung – 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Solidarische Grüße: Eure Sindelfinger Daimler Leute / Verein der „Freunde der 1. Internationalen Automobilarbeiter Konferenz e. V.“” am 20.2.2017 per e-mail an die LabourNet-Redaktion
  • Flitterwochen für Peugopel. Bei der Verkündung des Deals in Paris zeigen sich alle Akteure optimistisch. Doch sie verschweigen auch Fakten.
    “… Zu den einzelnen Opel-Standorten in Deutschland, England und Spanien erklärt Tavares, dass er nicht einzelne Fabriken im Visier habe. Vielmehr wolle er eine „europäische Benchmark“ anlegen, die von jeder Opel-Einheit zu erfüllen sei. Mit diesem Vorgehen hatte er die Fast-Pleite von PSA im Jahr 2013 binnen zwei Jahren in schwarze Zahlen verwandelt. Das Geheimnis sind sogenannte „Wettbewerbs-Abkommen“ mit den Gewerkschaften. Das spart massiv Kosten ein und baut Überkapazitäten ab, ohne ganze Werke zu schließen…” Artikel von Stefan Brändle vom 7.3.2017 in der FR online externer Link
  • Übernahme von Opel durch Peugeot: Die Import-Braut
    Der Opel-Deal zeigt, dass das altbackene fossile Denken prächtig in Europas Autoindustrie lebt. Es bleibt wenig Zeit, das zu überwinden. (…) Es ist das bekannte Spiel. Nach Verstreichen einer Schamfrist, so die Expertenprognosen, wird Peugeot „Doppelstrukturen“ ins Visier nehmen, also Standorte und Arbeitsplätze abbauen. „Die Automobilindustrie befindet sich in einem mörderischen Konkurrenzkampf mit hohen Überkapazitäten“, sagt Stephan Krull, früherer Betriebsrat bei VW. Heute leitet er das Projekt „Zukunft der Automobilindustrie“ bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Haben die deutschen Opel-Standorte und die 18.000 Mitarbeiter eine gute Zukunft? Wohl kaum. Krull gibt Opel noch zwei Jahre Restlaufzeit, dann spätestens würden Arbeitsplätze abgebaut; „vernichtet“, wie Krull es formuliert. Peugeot-Chef Carlos Tavares hat Kanzlerin Angela Merkel diese Woche eine Bestands- und Jobgarantie für die deutschen Standorte und Mitarbeiter bis Ende 2018 gegeben. „Das sind knapp zwei Jahre, das ist lächerlich“, sagt Krull. „Albern“ nennt auch der angesehene Verkehrsberater Axel Friedrich, die Peugeot-Zusage. Der ehemalige Beamte im Umweltbundesamt ist einer der Chefankläger der Autoindustrie im Zusammenhang mit der Abgasaffäre. Krull und Friedrich wissen: Auch GM hat sich nach der letzten großen Krise 2009 nicht an die Zusagen gehalten; das Opel-Werk Bochum wurde 2014 geschlossen und ist heute nur noch Ersatzteilzentrum…Artikel von Manfred Kriener vom 25.2.2017 bei der taz online externer Link
  • Halbseidene Zusagen für Opel. Geplante Übernahme durch französischen Autobauer PSA: Wirtschaftsministerin Zypries fordert Vertrag über Job- und Standorterhalt
    Das erste Zugeständnis von Carlos Tavares ist eigentlich keines. Der Chef des französischen Autokonzerns PSA hat Politikern, Gewerkschaftern und Betriebsräten versichert, die Investitions- und Standortzusagen des bisherigen Opel-Eigentümers General Motors (GM) nach einer Übernahme einzuhalten. Das ist im Grunde selbstverständlich, da die vom Opel-Management unterzeichneten Verträge formell ohnehin weiter gelten. Allerdings nur bis 2018 bzw. 2020. Eine dauerhafte Sicherung der Arbeitsplätze ist damit also nicht gemeint. Stattdessen droht Tavares mit einem neuen »Sanierungsplan«, dem weitere Jobs zum Opfer fallen dürften. (…) Opel bleibe nach der Übernahme »ein deutsches Unternehmen mit einer deutschen Marke, einem deutschen Management und deutscher Ingenieurskunst«, kündigte Tavares an. Gemeinsam habe man die Chance, einen »europäischen Champion« zu schaffen. Bei der Bundesregierung – die sich im Jahr der Bundestagswahl als engagierte Verteidigerin von Jobs präsentieren will – kommt er mit dieser Rhetorik gut an…Artikel von Daniel Behruzi vom 25.02.2017 in der jungen Welt externer Link
  • Opel-Experte des Tages: Ferdinand Dudenhöffer
    Der Leiter des CAR-Centers an der Uni Duisburg-Essen hat mal wieder erklärt, wo für die deutschen Opel-Fabriken das Problem liegt: Nicht beim jahrelangen Missmanagement des bisherigen Mutterkonzerns General Motors, nicht bei den Überkapazitäten oder der Umweltzerstörung durch den Individualverkehr. Statt dessen sind es – große Überraschung – zu hohe Löhne. (…) Was will der Cheffachmann den Opelanern damit sagen? Dass sie erneut auf Lohn verzichten sollen, um ihre europäischen Kollegen zu unterbieten? Arbeitsplätze hat das in den vergangenen 25 Jahren nicht gerettet. Im Gegenteil. Seit Anfang der 1990er Jahre haben Betriebsratsspitzen und IG Metall bei Opel einen »Sanierungsplan« nach dem anderen unterschrieben. Immer in der Hoffnung, so die Jobs zu sichern. Das Ergebnis: Die Bezahlung liegt mittlerweile unter dem Flächentarifvertrag der Metallindustrie…Artikel von Daniel Behruzi vom 25.02.2017 in der jungen Welt externer Link
  • Eins ist sicher: Jobabbau – Wirtschaftsministerium verhandelt mit französischem Konzern um Erhalt der Opel-Standorte in Deutschland. Experte: Jede dritte Stelle in Gefahr
    “Eine Garantie von Peugeot-Citroën (PSA), die 19.000 Stellen an den drei verbliebenen Opel-Standorten in Deutschland zu erhalten, gab es auch am Montag nicht. Und es wird sie wohl auch kaum geben. Vor einer Woche war öffentlich geworden, dass der französische Konzern den Autobauer vom US-Mutterkonzern General Motors (GM) übernimmt. (…) Gleichwohl bemühten sich Vertreter der Bundesregierung am Montag, Optimismus zu verbreiten. So berichtete Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nach Gesprächen mit Vertretern von PSA, GM und der französischen Regierung von »ersten konstruktiven Signalen«. (…) Ferdinand Dudenhöffer, Chef des »CAR-Center« der Uni Duisburg-Essen, machte den Beschäftigten unterdessen wenig Hoffnung auf einen langfristigen Erhalt ihrer Stellen. Jeder dritte deutsche Opel-Job sei infolge der Übernahme in Gefahr, erklärte er am Montag. Daran änderten auch die von GM gegebene Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018 und die Investitionszusagen für die deutschen Werke bis 2020, zu deren Einhaltung sich PSA bekannt hat, nichts. 2018 könne es »mit den Abfindungen losgehen«, so Dudenhöffer. (…) Von den Kartellbehörden ist kein Veto gegen die Fusion zu erwarten. »Derzeit haben PSA wie auch Opel einen Marktanteil im Pkw-Markt in Europa von jeweils unter zehn Prozent. Das ist für sich genommen keine kritische Größe«, sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der Rheinischen Post (Montagausgabe). Mehreren Medienberichten zufolge sollen die Verträge zur Übernahme spätestens bis zum Genfer Autosalon in zweieinhalb Wochen unterzeichnet sein…” Beitrag von Jana Frielinghaus bei der jungen Welt vom 21. Februar 2017 externer Link
  • IG Metall und Opel-Gesamtbetriebsrat reagieren mit Empörung
    “Die IG Metall und der Opel-Gesamtbetriebsrat reagierten in einer ersten Stellungnahme mit Empörung auf die Übernahmegerüchte. Wenn tatsächlich Gespräche mit dem Ziel geführt würden, Opel/Vauxhall zu verkaufen, „wäre das eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte“. Aber die Arbeitnehmervertreter fügen auch hinzu, dass man aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit PSA Peugeot Citroën eine Übernahme „vorbehaltlos prüfen“ werde…” Beitrag von Frank-Thomas Wenzel vom 15. Februar 2017 beim Weser-Kurier online externer Link
  • Im Niedergang: General Motors plant Opel-Verkauf
    “Die USA sind dieser Tage immer für eine Überraschung gut. Das gilt nicht nur für den Präsidenten, sondern auch für den Autobauer General Motors (GM). Die offenbar selbst für das hiesige Management überraschenden Verhandlungen über einen Verkauf von Opel an Peugeot (PSA) sorgen für Verwunderung, zum Teil auch Empörung. Die neue Volte ist der vorläufige Höhepunkt einer wirren Strategiesuche. Zuletzt wollte GM seine europäischen Töchter Opel und Vauxhall in der großen Krise 2008/2009 loswerden. Doch nach einer monatelangen Hängepartie blies der Konzern den schon vereinbarten Verkauf an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna plötzlich ab. Die neue GM-Chefin Mary Barra verkündete am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim: »Opel ist eindeutig ein lebenswichtiger Teil unseres Unternehmens.« Jetzt ist wieder alles anders. (…) Den GM-Bossen wird man bei Opel in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern trotzdem keine Träne nachweinen. In Bochum, wo die Produktion schon Ende 2014 eingestellt wurde, ohnehin nicht. Von den über 50.000 Beschäftigten Anfang der 1990er Jahre sind weniger als ein Drittel übrig. Hinzu kommt: Immer wieder hat die GM-Spitze mit der Drohung von Werksschließungen Zugeständnisse der Belegschaften erpresst. Spätestens jetzt steht fest: Sie haben sich für die Beschäftigten nicht gelohnt.” Kommentar von Daniel Behruzi bei der jungen Welt vom 16. Februar 2017 externer Link

Siehe zuvor im LabourNet Germany:

Siehe zu den Hintergründen:

  • Ein Betrieb – eine Belegschaft!
    Mit der Arbeitsniederlegung (erg. von 5 Schichten)… hat die Bochumer Belegschaft ein wichtiges Zeichen.. gesetzt…. Auf der Betriebsversammlung müssen nicht nur alle Informationen über die konkreten Pläne der GM/FIAT-Manager auf den tisch, wir müssen auch beraten, wie wir gemeinsam weiter in die Offensive gehen! … Eigentlich kann es uns egal sein, welches Emblem wir auf den Arbeitsanzügen tragen, Hauptsache die Konditionen stimmen. Wenn GM die Eigentumsverhältnisse ändert um durch Verschieben von Gewinnen und Verlusten extra-Profite zu erzielen, haben wir darauf recht wenig Einfluss. Nicht egal sein kann uns die Zerschlagung der gewachsenen Belegschaft, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und die Vernichtung von Arbeitsplätzen. Die Schwächung unserer Kampfkraft dürfen… wir nicht zulassen…. Hauptschiene muss sein, ein Betrieb, eine Belegschaft, auf unsere eigene Kraft vertrauen.” in GOG Nr 1 vom Juni 2000 (der Streik 2000 wurde von Opel Bochum ja trotz vorheriger Einigung des GBR mit GM geführt und als Erfolg erlebt, da mit dem “gemeinsamen Betrieb” die Belegschaft, VK, BR einheitlich blieb, obwohl 1.700 dann zu “Powertrain” gehörten, und auf Dauer alle BVs erhalten wurden; der Streik 2000 war eine wichtige Voraussetzung für 2004, den 11-Schichten-Streik) – siehe Juni 2000: Streik in Bochum gegen die Ausgliederungen durch die Allianz von GM und Fiat