Arbeitsbedingungen der slowakischen Autoindustrie im Vergleich

VW Werk in Bratislava, mit knapp 13.000 Beschäftigten der größte Betrieb des Landes - erster Streik am 20.6.2017Der Streik bei VW in Bratislava im Juni 2017, als 6 Tage lang über 8.000 Kolleginnen und Kollegen mit der Betriebsgewerkschaft für höhere Löhne und Gleichbehandlung die Arbeit niederlegten, hat zu einer allgemein größeren Aufmerksamkeit (nicht nur) der Linken und GewerkschafterInnen auf die Niedriglohnländer, die die Autoindustrie in Europa nutzt, gerichtet, sondern – dank der Propaganda gegen den Streik – auch auf den Vergleich zwischen den Arbeitsbedingungen in der Autobranche und in der Region Bratislava und jenen in anderen Branchen und Regionen des Landes. Siehe zu diesem Thema drei Beiträge

  • „No work, no bread. I know what that means“  von Jana Sivičeková und Michael Augustín am 30. Juni 2017 bei Political Critique externer Link ist ein Gespräch mit einer 60-jährigen Autoarbeiterin aus Bratislava – die in die Hauptstadt migriert ist, weil dort Jobs zu bekommen sind, im Gegensatz zu ihrer Herkunftsregion. Denn während die Erwerbslosenquote in Bratislava deutlich unter 4% liegt, beträgt sie in ihrer Heimat ein Vielfaches davon. Sie hatte zuvor 35 Jahre lang als Näherin gearbeitet, keine andere Chance gesehen, etwas Anderes zu machen, als nach Bratislava zu gehen, wo sie zunächst als Leiharbeiterin beschäftigt war, aber vor einigen Monaten fest angestellt wurde. In dem Gespräch wird deutlich, dass sie mit ihrer Arbeit zufrieden ist – kritisch Würdigungen gibt es eben dort, wo sie vom Zwang spricht, die Familie zu verlassen.
  • „Problems with the car industry in Slovakia“ von Jakub Groszkowski am 28. Juni 2017 bei OSW externer Link ist ein Beitrag über die Probleme der  Autoindustrie in der Slowakei, vom Unternehmensstandpunkt aus gesehen. Die Bemühungen der slowakischen Regierung, die innere Migration zum Zentrum hin zu fördern, habe nicht dazu geführt, dass die Knappheit an ArbeiterInnen habe überwunden werden können – und eine von den Autounternehmen geforderte Anwerbung im Ausland werde von der Regierung und den sie tragenden Parteien abgelehnt. Diese Situation habe dazu geführt, dass der Streik bei VW sowohl bei der Regierung, als auch in den meisten Medien ein positives Echo hervor gerufen habe – was ansonsten bei Streiks auch in der Slowakei keineswegs der Fall ist. Auch nach dieser Lohnerhöhung bleibe die Slowakei, wie auch die benachbarte Tschechische Republik, für die westeuropäischen Autokonzerne ein Land mit niedrigen Kosten – und Umstrukturierungen, etwa in der Ausbildung, werden von der Bundesregierung (!) gefördert, auch in Zusammenarbeit mit bundesdeutschen Gewerkschaften.