Auch bei Ford: Sinkende Stückzahl und Entlassungen

Dossier

Produktionsstopp: Endlich echte Klimapolitik?Mancher witzelt schon: ‘Die sollen im Kalender lieber die Wochen markieren, in denen wir noch arbeiten’. So leitet die Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Ford in Köln “Scheinwerfer” den folgenden Artikel ein: “Im Herbst eine Woche ohne Produktion, einzelne Tage im Oktober; November und Dezember; die tägliche Stückzahl ist von 1.400 auf 1.300 gesenkt. Die Begründung ist meist sehr global. Kaufzurückhaltung wegen Brexit, Inflation in der Türkei, etc. Und natürlich gehen die Dieselverkäufe zurück, weil jeder zu Recht Angst hat, für den kriminellen Abgasbetrug der Autobosse die Zeche zahlen zu müssen. Eine Frage treibt viele von uns um. Das alles war abzusehen, warum reagiert Ford derart kurzfristig und hektisch? (…) Für 2019 ist bereits Kurzarbeit im Gespräch. Wenn die Produktion sinkt, ist für Ford wie eine Naturgesetz, dass sie weniger Leute brauchen. Das können wir nur durchbrechen, wenn wir die Arbeit anders verteilen. Es ist Zeit für die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Nehmen wir an, wir sind 2.000 Kollegen in der Produktion … Die Reduzierung der Arbeitszeit von 36 auf 30 Stunden würde dann über 300 Arbeitsplätze schaffen oder jetzt eben vor der Vernichtung sichern.“ Beitrag vom 27.11.2018 bei Rote-Fahne-News externer Link: “Ford: Sinkende Stückzahl – Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!”, siehe zum Hintergrund auch weitere Infos:

  • Ford plant Werksschließungen und Tausende von Entlassungen in Europa New
    Am Donnerstag kündigte der Autobauer Ford an, dass der Konzern im Rahmen seiner europäischen Umstrukturierungsmaßnahmen in Europa „Tausende“ von Arbeitsplätzen abbauen wolle. Es ist der jüngste von zahlreichen Angriffen der globalen Autokonzerne auf die Arbeiter. (…) In der Erklärung, die Ford am Donnerstag, den 10. Januar, von Köln aus veröffentlichte, gab der Konzern bekannt, er wolle „die Wirtschaftlichkeit des gesamten Produktportfolios“ steigern. Um „strukturelle Kostenverbesserungen“ zu erzielen, werde er „überschüssige Arbeitskräfte“ in allen Bereichen der Produktion und Verwaltung verringern. Abgesehen vom Arbeitsplatzabbau wies die Erklärung auch auf bereits angekündigte „Effizienzmaßnahmen“ hin. Dazu gehört zunächst die Werksschließung von Ford Aquitaine Industries im französischen Blanquefort im August 2019, durch die 800 Stellen direkt und 3.000 indirekt vernichtet werden. Außerdem wurde die geplante Umstrukturierung des Ford-Werks in Saarlouis bestätigt. Auch soll das Joint Venture Ford Sollers in Russland „strategisch neubewertet“ werden. Die Ergebnisse sollen im zweiten Quartal bekanntgegeben werden. (…) In der Erklärung vom Donnerstag spricht Ford offen aus, dass die europäischen Gewerkschaften, die zurecht als „Partner“ bezeichnet werden, eine integrale Rolle für die Unterdrückung des Arbeiterwiderstands spielen werden: „Ford berät sich mit seinen Gewerkschaftspartnern und anderen wichtigen Interessengruppen über die Umsetzung einer umfassenden Umbaustrategie.“ An anderer Stelle heißt es, Ford hoffe, die Lohnkosten soweit möglich durch freiwillige Kündigungen der Beschäftigten in Europa senken zu können. Das Unternehmen kündigt an, um dieses Ziel zu erreichen, werde es „eng mit seinen Sozialpartnern [d.h. den Gewerkschaften] zusammenarbeiten“. (…) Die Haltung der Gewerkschaften gegenüber den Arbeitern zeigt sich kurz und prägnant in der Aussage des Betriebsratschefs von Ford Köln, Martin Hennig, vom letzten August. Er erklärte über den Verkauf von kleinen und mittleren Fahrzeugen: „Die laufen gut, und wir verdienen gut mit ihnen. Es bleibt aber nichts von dem Gewinn übrig. Da müssen wir die Kosten in den Blick nehmen. Das muss die wichtigste Aufgabe des Topmanagement sein.“ Hennig beklagte außerdem, dass so viele Arbeiter älter als 50 Jahre sind: „In dem Alter haben die Mitarbeiter schon Wehwehchen.“ Während Ford seinen geplanten Arbeitsplatzabbau präzisieren wird, werden die Gewerkschaften in ganz Europa darauf beharren, dass die Arbeiter letzten Endes Opfer bringen müssen, um „wettbewerbsfähig“ zu bleiben. Vor allem werden sie daran arbeiten, jeden gemeinsamen Kampf der Arbeiter über nationale Grenzen hinweg zu verhindern, indem sie Arbeiter der verschiedenen Länder gegeneinander aufhetzen und das Gift des Nationalismus verbreiten. (…) Während die Profite der Wirtschafts- und Finanzelite höher sind als jemals zuvor, fordern die großen Finanzinstitute eine Verschärfung des Angriffs auf die Arbeiter. Am Donnerstag veröffentlichte der Investmentanalyst Adam Jonas von Morgan Stanley eine Erklärung, laut der „Ford Europe seine Kapazitäten und seine Belegschaft möglicherweise um 20 bis 30 Prozent verringern muss“. Das würde den Abbau von 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätzen bedeuten. Letzten Dezember hatte Jonas von Ford Europe für ein „Fitness-Programm“ die Streichung von 25.000 Arbeitsplätzen gefordert…” Artikel von Will Morrow vom 12. Januar 2019 bei wsws externer Link
  • Betriebsversammlung bei Ford Köln: “Einzige Option für die Arbeiterinnen und Arbeiter ist der Kampf” – Betriebsrat will Verhandlungen 
    “Nach GM in den USA und VW in Hannover und Emden werden jetzt auch bei Ford die Pläne zur Vernichtung von Arbeitsplätzen konkreter. Sie werden jedoch vom Vorstand verschleiert. Entsprechend gespannt waren die Kolleginnen und Kollegen auf die Belegschaftsversammlung bei Ford am 11. Dezember in Köln. (…) Absage der Fahrzeugproduktion an mehreren Tagen mit Abzug bei Urlaub und Freischichten; Versetzung von Kolleginnen und Kollegen aus dem Getriebewerk und Presswerk in andere Produktionshallen aufgrund der Reduzierung der Stückzahlen; Rausschmiss von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern und befristeten Kollegen. Und dann kam am Montag, 10. Dezember, noch die Info, dass im zweiten deutschen Ford-Werk in Saarlouis die Nachtschicht abgeschafft werden soll.“ Ford will in Saarlouis nächstes Jahr die Produktion des C-Max wegen sinkender Nachfrage einstellen. Saarlouis ist mit 6.300 Beschäftigten das zweitgrößte Ford-Werk in Deutschland. Kolleginnen und Kollegen befürchten den Abbau einer Schicht, das wären 1.600 Arbeitsplätze! Davon wären als erstes 500 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter betroffen! (…) Hermann versuchte mit einer Hinhalte- und Verschleierungstaktik einer offenen Konfrontation mit der Belegschaft auf der Versammlung aus dem Weg zu gehen. (…) Ausführlich legte er die Pläne zur Arbeitsplatzvernichtung bei anderen Herstellern dar, sagte aber zu Ford nur, dass man ‘vorerst’ keinen großen Kahlschlag fürchten müsse. (…) Im Frühjahr hatte der neue Ford Chef, Jim Hackett, bereits angekündigt bis 2022 22,5 Milliarden Dollar “einzusparen”. Er versprach den Investoren eine „Maximierung der Rendite“. Dazu drohte er „Bereichen mit unterdurchschnittlicher Leistung“, die „nicht fit gemacht werden könnten“, das Geld zu streichen. Dabei haben die Manager alle Möglichkeiten Bereiche fit oder schlapp zu rechnen. Ganz nach ihren Profitinteressen. (…) Weiter berichtet unser Korrespondent: „Auch der Betriebsrat ging mit keinem Wort auf die Arbeitsplatzvernichtung in Saarlouis ein. Kein Wunder, hatte er doch vor drei Jahren ähnlichen Maßnahmen zur Vernichtung von Arbeitsplätzen in Köln zugestimmt. Interessant wurde es allerdings, als er seine Möglichkeiten des Umgangs mit der derzeitigen Situation erläuterte. Man habe drei Optionen. Erstens: Abwarten und sich zur Schlachtbank führen zu lassen. Zweitens: Wild zum Streik aufzurufen, so wie es ‚verschiedene politische Gruppierungen derzeit vor den Toren machten‘. Wohin das führe, habe man ja bei Opel in Bochum gesehen. Oder Drittens: Mit der Geschäftsleitung in Verhandlungen zu treten und das Beste für die Kollegen rauszuholen. Er stehe klar für die dritte Option!…” Korrespondenz aus Köln vom 13.12.2018 bei Rote-Fahne-News externer Link
  • siehe zum Hintergrund auch: “Chaos bei Ford – nicht mehr abwarten, jetzt in die Offensive gehen”. Der “Scheinwerfer”, die Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Ford Köln, hält es für entscheidend, vollendeten Tatsachen zuvorzukommen. Beitrag vom 26.11.2018 bei Rote Fahne News externer Link