In Bursa der dritte Metallbetrieb im Streik: 11.000 streiken, 4.000 verlassen die Gewerkschaft

RenaultstreikIm Verlaufe des Samstag ist die Belegschaft eines dritten Metallbetriebs in Bursa – nach den Joint Ventures von Fiat und Renault – in den Streik getreten, bei dem Zulieferbetrieb Coşkunöz. Zahlreiche Belegschaften in Bursa hielten Versammlungen ab, um darüber zu diskutieren, ob und wie sie sich dieser Bewegung anschliessen sollen. Unsere aktuelle kleine Materialsammlung “Der Streik der Metallarbeiter in Bursa weitet sich aus” vom 18. Mai 2015 umfasst im wesentlichen die Entwicklungen seit dem letzten Beitrag am Samstag den 16. Mai sowie eine Übersetzung eines Artikels über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Streiks – etwa bei Renault in Rumänien.

Der Streik der Metallarbeiter in Bursa weitet sich aus

Alle bestreikten Firmen haben veröffentlicht, dass sie bis zum heutigen Montag 18. Mai die Produktion einstellen – und dies, unisono mit den entsprechenden Unternehmerverbänden mit immer lautstärkeren Drohungen verknüpft, stets betonend, die Streiks seien illegal. Die Legalität um die sie sich solche Sorgen machen ist die der Metallgewerkschaft, die – verschiedenen Angaben zufolge – in den letzten Tagen mehrere Tausend Mitglieder verloren hat. Der Bericht “Workers’ strikes halt production in Turkey’s industrial hub” vom Abend des 17. Mai 2015 bei Today’s Zaman externer Link unterstreicht vor allem, dass die Streikenden sowohl von ihren Familien als auch der generellen Öffentlichkeit massiv unterstützt werden – und dass die Gewerkschaft Türk Metal sich laut ihrem Sprecher bisher darauf beschränkt hat, die Oberbosse Renaults in Frankreich zu kontaktieren, die aber jedwede Lohnerhöhung abgelehnt hätten.

  • Über die Auswirkungen des Streiks am 17. Mai 2015 der folgende Beitrag auf www.kizilbayrak.net, hier ins Deutsche übersetzt:
    Der Widerstand der Mataller legt die Automobilmonopole lahm!”
    Der Widerstand von Tausenden Metallarbeitern gegen den Arbeitgeberverband der Metallindustrie MESS und die Bande der Gewerkschaft Türk Metal führt zu Einbußen beim Kapital.
    Die Aufnahme des Widerstandes in Form der Produktionseinstellung durch Tausende Arbeiter in den Fabriken Renault, Tofaş und Coşkunöz ist ein großer Schlag gegen den Automobilsektor.
    Die kapitalistischen Firmen, die jedes Jahr hohe Gewinne verkündet haben, haben durch die Produktionseinstellung hohe Produktionsverluste erlitten. Die Produktionseinstellung der über 5 Tausend Arbeiter in allen Arbeitsschichten bei Renault führte dazu, dass aus Bursa keine Motoren die Bänder verließen und dies wiederrum zum Produktionsstop in Rumänien. Es wurde auch bekannt, dass sich in den Renault-Werke in Spanien die Produktion verlangsamte.
    Renault produzierte 318.249 Autos im Jahre 2014 und der Unternehmens-Anteil beläuft sich bei der Automobilproduktion auf 43 %. In der Fabrik in Bursa wurden täglich 872 Autos produziert. Seit der Produktionseinstellung beläuft sich demzufolge die Produktionseinbuße auf 2.616 Autos.
    Auch die zur Koç Holding gehörende Firma Tofaş hat große Einbußen erlitten. Im Jahre 2014 wurden 59.109 Autos, 163.698 Kleintransporter, also insgesamt 222.807 Fahrzeuge produziert. 2014 machte das 8% der Automobilproduktion und 45% der Kleintransporterproduktion aus. Bei Tofaş wurden täglich 610 Fahrzeuge produziert. Seit der Produktionseinstellung beläuft sich die Produktionseinbuße auf 1871 Fahrzeuge
  • Zum Hintergrund und der Bedeutung von Bursa als Zentrum der Autoindustrie ist der Artikel “Autohersteller bauen auf Bursa” von Thomas Seibert bereits vom 03. Oktober 2010 im Tagesspiegel externer Link immer noch lesenswert, worin unter vielem anderen zur wirtschaftlichen Bedeutung Bursas hervorgehoben wird “Die ehemalige osmanische Hauptstadt rund hundert Kilometer südlich von Istanbul und auf grünen Hügeln zwischen dem Marmarameer und dem Berg Uludag gelegen, ist das Zentrum der türkischen Autoindustrie. Zwei Drittel der rund 800 000 Fahrzeuge, die türkische Fabriken pro Jahr in alle Welt exportieren, werden hier gebaut. Insgesamt produziert Bursa, das auch ein wichtiger Standort der Textilwirtschaft ist, 20 Prozent der türkischen Ausfuhren, die 2009 trotz globaler Krise bei 100 Milliarden Dollar lagen und im kommenden Jahr laut den Erwartungen türkischer Experten auf 130 Milliarden Dollar steigen könnten