Zentrum Automobil schürt Hass in Untertürkheim mit skandalöser Hetzkampagne gegen die IG Metall und einzelne Betriebsräte – Alternative und Report Mainz berichten

Dossier

T-Shirts mit der Aufschrift "Kein Platz für NAZIS" - Aktion auf der Betriebsversammlung bei Daimler in Untertürkheim am 22.3.2018Wie das Magazin “stern” und das ARD-Politikmagazin “REPORT MAINZ” berichten, hatte der Konzern im Jahr 2018 zwei Arbeiter des Werks Untertürkheim entlassen, nachdem diese einem türkischstämmigen Kollegen und IG-Metall-Vertrauensmann über Monate Hitler- und Hakenkreuz-Bilder sowie verächtliche Bilder über Moslems zugesandt hatten. Die rechte Mini-Gewerkschaft “Zentrum Automobil”, die in Untertürkheim im Betriebsrat vertreten ist, nutzt diesen Fall nun für eine Kampagne aus. So veröffentlichte der Verein auf Facebook und Youtube einen 35 Minuten langen Film, in dem die Vorwürfe gegen die beiden Entlassenen als “völlig absurd” abgetan werden. Schuld seien korrupte Praktiken bei der IG Metall. (…) Das Arbeitsgericht Stuttgart hatte die Kündigungen der zwei Arbeiter in erster Instanz als rechtmäßig bestätigt. In einem Aushang für die Mitarbeiter wies Daimler jetzt auch die Vorwürfe des “Zentrum Automobil” zurück. (…) Solche Nazi- und Hassposts seien auch zwischen anderen Daimler-Mitarbeitern geteilt worden, berichten mehrere IG Metall-Betriebsräte: “Also in dieser Massivität hat’s mich definitiv überrascht. Ich meine, dass es diese Aussagen, diese Bilder, diese ganzen Inszenierungen gibt, das wissen wir. So realistisch sind wir alle miteinander. Aber dass es so massiv hier im Betrieb zugeht, das war schon extrem überraschend.”, sagte Roland Schäfer, stellvertretender IG Metall-Betriebsratsvorsitzender von Untertürkheim. (…) Mehrere IG Metaller berichten weiterhin, dass das Geschehen den Betriebsfrieden störe bzw. ihn gefährde. Im baden-württembergischen Stammwerk Untertürkheim arbeiten rund 20.000 Mitarbeiter. Sie stammen aus rund 100 Nationen. Vor diesem Hintergrund spaltet die Aktivitäten von Hilburgers ultrarechter Gewerkschaft die Belegschaft…” Text zum Beitrag der Sendung am 30.7.2019 beim SWR externer Link – nun mit Video des Beitrags und Wiederholung am 2.8.2019, 5:30 Uhr im SWR – siehe dazu Hintergrundinformationen in Alternative: Belegschaftszeitung Untertürkheim,  Ausgabe Nr. 176 vom 19. Juli 2019 und weitere Infos und Bewertungen:

  • Konkurrenz von rechts: »Zentrum Automobil« wirbt in Betrieben um Zustimmung. IG Metall ist gefordert. Ein Gespräch mit Martin Röll, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart New
    “… Wenn man sieht, was da für Bilder via Whatsapp verschickt wurden, muss man von einer neuen Qualität sprechen. Geradezu unverschämt ist es, wenn »Zentrum Automobil« im nachhinein so tut, als seien die beiden Mitarbeiter die eigentlichen Opfer in diesem Fall. (…) Wir verfolgen zwei Ansätze. Zum einen schulen wir unsere Vertrauensleute und Funktionäre verstärkt in der Frage, wie man rechte Argumente in direkten Gesprächen entkräften kann. Zum anderen wollen wir uns um die Leute im Betrieb kümmern und zeigen, dass es bei Gewerkschaftsvertretern nicht um eine abgehobene Elite geht. [Von rechts wird interessanterweise genau hier Kritik geübt: Gewerkschaften wie die IG Metall seien zu unternehmerfreundlich und würden nicht die Interessen der Arbeiter vertreten (siehe jW vom 11.9.2018). Müssten Sie sich an der Stelle nicht selbstkritisch hinterfragen, ob es hier eine offene Flanke gibt und es an Kampfbereitschaft fehlt?] Wenn ich mir die Arbeitsbedingungen in der Automobil- oder Metallindustrie ansehe, sprechen die Tatsachen gegen diese Behauptung. Wir haben enorm viel für die Beschäftigten herausverhandelt, sei es beim Entgelt oder bei der Arbeitszeit. Beim letzten Tarifabschluss gab es Beifallsstürme von allen Seiten. Damals haben wir im Rahmen eines Tagesstreiks auch gezeigt, dass wir uns mit der Unternehmensführung anlegen. Klar ist, dass wir am Ende kompromissfähig sind. Eine Gewerkschaft darf aus meiner Sicht nicht nur Konflikte hochziehen, sondern muss Lösungen für die Menschen erarbeiten. Das erwarten mindestens 90 Prozent der Mitglieder von uns…” Interview von Jan Greve in der jungen Welt vom 07.08.2019 externer Link – das ausführliche Zitat dient der Kenntlichmachung der Ohnmacht
  • [MLPD] Keinen Fußbreit faschistischen Umtrieben im Betrieb! 
    “… Der Clip entspricht der Methode von „Zentrum“ im Betrieb. Scheinbar kümmern sie sich da um ein paar Kollegen, denen „Unrecht“ getan wird. In der Regel sind das auch konkrete Probleme. Gar nicht so harmlos ist aber das Ziel der faschistischen „Zentrum“-Führer wie Oliver Hilburger. Es ist die menschenverachtende Politik der Unterdrückung von Völkern und allem, was tatsächlich gegen die Herrschaft des internationalen Finanzkapitals gerichtet ist. Verbal geben sie sich als Kritiker eines korrupten Systems. Dabei meinen sie aber die IG Metall. Kein Wort hört man dagegen von „Zentrum“ zur Entlassung Tausender Leiharbeiter oder der Aufspaltung des Konzerns. (…) Zwei Kollegen wurden gekündigt, aber dem Drahtzieher Hilburger gewährt Daimler Spielraum, vielleicht wird er ja eines Tages noch brauchbar für das Management? Tatsächlich unterstützt und vertuscht Hilburger mit dem Film aber die faschistische Volksverhetzung. Deswegen muss in dieser Situation auch seine Entlassung gefordert werden: Keine Faschisten im Betrieb!Beitrag der Kreisleitung Stutgart-Sindelfingen der MLPD vom 01.08.2019 bei Rote-Fahne-News externer Link
  • [Daimler] Für Toleranz und Respekt – Gegen Rassismus und Diskriminierung 
    In den Medien wird seit einigen Tagen über einen Film der Betriebsratsgruppierung „Zentrum Automobil“ berichtet, der im Internet zu sehen ist. Der Film befasst sich mit zwei Kündigungsfällen des Jahres 2018 am Standort Untertürkheim. Grund für die Kündigungen waren massive rassistische und fremdenfeindliche Beleidigungen – auch unter Verwendung von Nazisymbolen – gegenüber einem Kollegen, die wir in keiner Weise dulden. Daimler hat die Kündigungsverfahren in erster Instanz gewonnen. Das Gericht hat in den Urteilsbegründungen das rassistische und fremdenfeindliche Verhalten bestätigt. In der Regel äußern wir uns nicht zu Kündigungen und laufenden Kündigungsschutzverfahren. Der Film und die danach von „Zentrum Automobil“ vor dem Werk Untertürkheim verteilten Flugblätter verursachten aber Irritationen. Zahlreiche Behauptungen im Film stellen die Tatsachen verzerrt da. Einige sind schlichtweg unwahr. Im Film kommt es aus Unternehmenssicht zu einer äußerst bedenklichen Verzerrung der Wahrnehmung zwischen Opfern und Tätern. Vor diesem Hintergrund ist es dem Vorstand ein wichtiges Anliegen, klar Stellung zu beziehen. Daimler steht für Toleranz, Offenheit, Vertrauen und Fairness. Unser Unternehmen stärkt denjenigen den Rücken, die sich GEGEN Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit und FÜR einen respektvollen Umgang miteinander einsetzen.” Daimler-Mitteilung vom 31. Juli 2019 externer Link
  • Alternative: Zentrum verharmlost beleidigende, diskriminierende und rechtsextreme Botschaften: Wer rechtsextreme Hetze verteidigt, steht selber dort!
    Seit einer Woche betreibt die Zentrums-Fraktion mit Videos und Flugblättern eine neue skandalöse Hetzkampagne gegen die IG Metall. Im Zusammenhang mit zwei Kündigungsfällen werden nicht nur einzelne IGM-Betriebsräte namentlich denunziert, sondern wie üblich die komplette IG Metall mit ihren vielen Funktionären in die Korruptionsecke gestellt. (…) Was war tatsächlich passiert? Letztes Jahr wurden zwei Beschäftigte von Daimler gekündigt, weil sie zuvor über mehrere Monate einem Arbeitskollegen mit türkischem Migrationshintergrund whatsApp – Nachrichten und Videobotschaften mit eindeutig rassistischem und fremdenfeindlichen Inhalt zugeschickt hatten. Darunter waren auch zahlreiche Nachrichten mit nach Strafgesetzbuch eindeutig verbotenen Nazi-Symbolen. Irgendwann wurde es unerträglich. Als dann eben auch noch persönliche Beleidigungen gegenüber dem türkischen Arbeitskollegen und seiner Familie hinzukamen, hat der Kollege sich an seinen Vorgesetzten gewandt. Dieser hatte dann eine entsprechende Untersuchung eingeleitet und die Personalabteilung informiert. Im Juni 2018 schließlich kündigte Daimler dann fristlos. Opfer wird zum Täter gemacht… Da es sich bei dem türkischen Kollegen zufällig um einen IG Metall-Vertrauensmann handelt, wird wieder einmal die typische Zentrumslegende gestrickt. Kurzer Hand wird er durch die Zentrumspublikationen unter totaler Verdrehung der Tatsachen vom Opfer zum Täter gemacht. Von legalisierter Korruption im Unternehmen und mafiösen Strukturen der IG Metall ist da die Rede. (…) Zur Veranschaulichung zeigen wir hier einen Teil der nachgewiesenen geposteten WhatsApp-Nachrichten, die Hilburger bagatellisiert (…) Gericht bestätigt Kündigungen. Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage der beiden Gekündigten abgewiesen. Eines der beiden Urteile liegt nun zwischenzeitlich schriftlich mit Urteilsbegründung vor und ist über diesen QR-Code im Internet abrufbar…” alternative – Belegschaftszeitung Untertürkheim – 176 vom 19. Juli 2019 
  • Der Link zum angesprochenen Video (“Der Vertrauensmann”) von Zentrum Automobil kann bei der Redaktion angefordert werden, wir möchten ungern zur Verbreitung und Klicks beitragen… Gleiches gilt für eine Pressemitteilung der “Gewerkschaft Zentrum” zum Film