„Zentrum Automobil e.V.“ – eine neofaschistische Betriebsgruppe bei Daimler Stuttgart

Dossier

Mach meinen Kumpel nicht an!Zu den Betriebsratswahlen bei Daimler in Untertürkheim ist auch in diesem Jahr wieder die Liste „Zentrum“ angetreten. Die dahinter stehende Gruppe „Zentrum Automobil e.V.“ ist eine neofaschistische Betriebsorganisation. Ziel ist gemäß ihrer Satzung der Aufbau von Betriebsgruppen in der Automobilindustrie, ausgehend vom Pilotprojekt beim Autohersteller Daimler. Dort arbeitet die Gruppe am Daimler-Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim seit Jahren. Ihre Aktivitäten richten sich besonders gegen die Arbeiteroffensive und die seit Jahrzehnten dort geleistete marxistisch-leninistische Kleinarbeit. Der Einfluss revolutionärer und klassenkämpferischer Kräfte wächst, wie zuletzt durch den Erfolg der „Offensiven Metaller“ mit sieben Prozent bei den Betriebsratswahlen im März 2014. Das wird vom „Zentrum“ attackiert…” Beitrag der MLPD aus dem Jahr 2014 (kw17) externer Link – siehe dazu:

  • AfD und die rechte Gewerkschaft Zentrum Automobil: Wie Nationalisten Daimler unterwandern wollen New
    Der Einzug der AfD in den Bundestag soll keine Eintagsfliege bleiben. Daher bemüht sich ein Netzwerk aus nationalistischen Aktivisten, den Erfolg in der Gesellschaft zu verankern – durch eine rechte Gewerkschaft. (…) Zwei Aktivisten aus Baden-Württemberg spielen dabei eine Schlüsselrolle. Einer ist Jürgen Elsässer (60). Er stammt aus Pforzheim, früher war er kommunistischer Aktivist in Stuttgart und linker Journalist, heute ist Elsässer Chef des rechten Magazins „Compact“ (…) Der andere Schwabe ist Oliver Hilburger. (…) Früher war Hilburger Gitarrist der Neonazi-Band „Noie Werte“, bis er 2008 kurz vor deren Auflösung ausstieg. Seit 2010 ist er Betriebsrat bei Daimler in Untertürkheim mit seiner ein Jahr zuvor gegründeten Liste „Zentrum Automobil“. Trotz seines wenig mitreißenden Auftritts ist Hilburger bei diesem Treffen der rechten Szene in Leipzig einer der wichtigsten Männer. Die übergeordnete Erzählung dieser Veranstaltung ist es, der „Bewegung“ ein neues Aktionsziel zu verpassen. Die AfD ist der parlamentarische Arm, das „Zentrum Automobil“ soll derjenige in den Betrieben sein. (…) Nach dem Einzug der AfD ins Parlament setzt man sich neue Ziele. Das sollen die Betriebsratswahlen 2018 sein. Oliver Hilburger, dessen Zentrums-Liste im Daimler-Werk Untertürkheim mit zehn Prozent der Stimmen zwei Betriebsräte stellt, will bundesweit expandieren. Dazu schmiedet er neue Allianzen. (…) Die schwäbischen Zentrum-Betriebsräte gelten für Stein als erfahrene Vorzeige-Aktivisten: „Sie kennen die Spielchen der linken Gewerkschaften und stehen uns tapfer zur Seite.“ (…) „Die linken Gewerkschaften haben uns schon lange verraten“, sagt Hilburger in einem Video der Kampagne. Das Fernziel ist, rechte Arbeitnehmer bundesweit in die Betriebsräte zu hieven. Bisher tut sich das Zentrum damit jenseits der Stuttgarter Daimler-Tore noch schwer. Einen Ableger gibt es unter dem unscheinbaren Namen „Interessengemeinschaft Beruf und Familie“ im Leipziger BMW-Werk. Im September vermeldete das Zentrum die Gründung einer Betriebsgruppe bei Mercedes Benz in Rastatt. Bei Opel in Rüsselsheim und in einem VW-Werk kandidieren ebenfalls Zentrums-Vertreter. Motor der alternativen Gewerkschaft bleibt die Stuttgarter Gruppe um Hilburger (…) Wie wichtig dem rechten Strippenzieher der Gewerkschaftsflügel um Hilburger ist, wurde schon bei der Veranstaltung in Mainhardt deutlich: Dort rief Elsässer die „Geburtsstunde einer neuen Bewegung“ aus. Die Kampagne zur Betriebsratswahl mag gemäßigt klingen. Doch bei der Veranstaltung im Gasthof Löwen ließ Elsässer die Maske fallen: „Die Einwanderer der letzten Jahre sind Lumpenpack, das nur schmarotzen und unsere Frauen anmachen will.“…” Artikel von Rafael Binkowski und Sven Ullenbruch vom 01. Dezember 2017 bei den Stuttgarter Nachrichten online externer Link
  • Ein Vertreter der “Alternative” bei DC Untertürkheim zur Liste „Zentrum Automobil“
    sagte dem LabourNet Germany gegenüber, im Betrieb trete sie mit einer sehr nationalen Haltung bezogen auf Arbeitsplätze auf. Die Fraktion Zentrum habe sich in den letzten Jahren konzentriert auf IGM-Bashing; “Alle gekauft von der UL, es braucht eine Opposition, eine andere patriotische Gewerkschaft…” Sie haben gegen alle wichtigen Vereinbarungen der letzten Jahre gestimmt, auch gegen die Vereinbarungen, mit denen im Zusammenhang mit dem Transformationsprozess zur neuen Antriebswelt/E-mobilität Produktionsumfänge gesichert wurden…
  • [„Ein Prozent” dazu:] Zentrum Automobil: betriebliche Oppostion
    Die alternative Gewerkschaft „Zentrum Automobil e.V.“ wird am 10. September mit COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer in Ludwigsburg bei Stuttgart über die Zukunft der Automobilbranche sprechen. Diese Veranstaltung ist ein regelrechter Geheimtipp, doch warum? Zentrum Automobil ist eine neuartige Arbeitervertretung – mit klarer Ausrichtung gegen das Establishment! (…) Zentrum Automobil  hatte vor einigen Jahren die Idee einer unabhängigen – nur allein dem Wohle des Arbeiters verpflichtenden – Arbeitnehmervertretung, ganz ohne Parteigünstlinge oder zwielichtige Aktienspenden. Aus dieser revolutionären Idee ist mittlerweile die größte fundamental-oppositionelle Gewerkschaft in der Automobilbranche geworden: Oliver Hilburger und seine Kollegen sind gewählte Betriebsräte bei der Daimler-AG, dem Mutterkonzern von Mercedes Benz! Dort wirken sie direkt in den Betrieb hinein und stärken den Arbeitnehmern den Rücken. Jetzt expandiert Zentrum Automobil: Der Samen einer betrieblichen Opposition wurde vor kurzem im Automobilwerk von BMW in Leipzig gepflanzt, wir von „Ein Prozent” werden dieses zarte Pflänzchen ordentlich gießen!…” Beitrag vom 06. September 2017 bei „Ein Prozent” externer Link
  • Rechte Interessenvertretung. Mit dem „Zentrum Automobil e.V.“ hat sich beim Daimler-Konzern eine Betriebsratsliste mit extrem rechten personellen Wurzeln etabliert.
    Gegründet wurde das „Zentrum Automobil“ Anfang 2010 von Oliver Hilburger (46), der zuvor wegen seiner rechtsextremen Aktivitäten die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) 2007 verlassen musste, mit einigen weiteren Personen, die teilweise der extrem rechten Szene angehören. (…) Der Instandhalter Hilburger war seit 2006 freigestellter CGM-Betriebsrat beim Untertürkheimer Daimler-Werk, stellvertretender Vorsitzender der CGM-Betriebsgruppe Daimler(Chrysler) und Mitglied des baden-württembergischen Landesvorstands der CGM. (…) Kurz nach der Gründung von „Zentrum Automobil“ gelang bei der ersten Teilnahme an den Betriebsratswahlen im Jahr 2010 Hilburger und Christian Schickardt (32), trotz betriebsinterner Proteste gegen deren Kandidatur, der Sprung in das Gremium im Daimler-Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim. Die dünne Programmatik weist die neue Liste nicht als explizit rechtsextrem aus. Insgesamt 43 Personen fanden sich auf dem Wahlvorschlag des „Zentrums“ wieder. Neben aktiven und ehemaligen Angehörigen der rechtsextremen Szene kandidierte auch eine Reihe von Migranten auf der Liste. (…) Zuletzt gelang dem selbst ernannten Querdenker mit brauner Vergangenheit gemeinsam mit Schickart und zwei weiteren Kandidaten 2014 die Wiederwahl in den Daimler-Betriebsrat in Stuttgart-Untertürkheim. Dabei erzielte das „Zentrum Automobil“ einen Achtungserfolg mit 9,55 Prozent der Stimmen. Mit den errungenen vier Sitzen war das Zentrum die erfolgreichste der kleinen Listen. Der sechstplatzierte Scharfy verfehlte knapp ein Betriebsratsmandat. Insgesamt kandidierten 145 Personen für die Liste, von denen einige eine besondere öffentliche Beachtung verdienen.” Artikel von Thomas Trueten vom 25.9.2015 bei joindiaspora externer Link
  • Rechtsaußen im Betriebsrat
    Völkischen Antikapitalismus wollen extreme Rechte nicht nur auf der Straße propagieren. Mitunter lassen sie sich auch in Betriebsräte wählen. Bei Daimler wurde jetzt ein Ex-Mitglied der bundesweit bekannten Rechtsrockband „Noie Werte“ in den Betriebsrat des Werks in Untertürkheim gewählt. Nicht nur auf der Straße (siehe Artikel), sondern auch im Betrieben versuchen Neonazis ihre Inhalte zu verbreiten – natürlich abgeschwächt und populistisch formuliert. Eine Strategie von Rechtsextremen ist es, sich in den Betriebsrat wählen zu lassen, um von da aus agieren zu können.  Jüngstes Beispiel sind die Betriebsratswahlen bei Daimler in Untertürkheim. Für die neu gegründete Liste „Zentrum Automobil“ kandidierte bei den Betriebsratswahlen 2010 auch Oliver H., bis 2009 Mitglied bei „Noie Werte“, einer der bekanntesten deutschen Rechtsrockbands. Schon 2006 hatte er sich – erfolgreich – um einen Sitz im Betriebsrat beworben, damals noch auf der Liste der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM). 2007 machten Mitglieder der IG Metall und der Betriebsratsliste „Alternative“ dies öffentlich. Doch nach Angaben der Liste „Alternative“ hielt ihm die CGM zunächst die Treue, kurze Zeit später trat er dann jedoch von seinem Amt zurück. Ein Jahr später musste H. auch seinen Job als Laienrichter in Stuttgart aufgeben, nachdem das Landesarbeitsgericht Baden Württemberg ihm untersagt hatte weiter sein Amt auszuüben. (…) Jetzt, drei Jahre nach seinem erzwungenen Rückzug aus dem Betriebsrat, ist er erneut in diesen gewählt worden, diesmal nicht für die CGM, sondern für die Liste „Zentrum“, dessen Vorsitzender er ist. (…) Gegen die erneute Kandidatur von Oliver H. regte sich im Vorfeld in Untertürkheim Protest. In Veröffentlichungen, der in der IG Metall organisierten Liste „Alternative“, wurde auf Hilburgers rechtsextreme Gesinnung hingewiesen und als H. Anfang März seine Liste auf der Betriebsversammlung vorstellte, standen MitarbeiterInnen des Werks vor dem Rednerpult mit Großbuchstaben auf ihren T-Shirts und formten damit den Satz “Kein Applaus für Nazis!”. Genutzt hat der Protest wenig, mit immerhin zwei Personen ist die Liste Zentrum nun in den nächsten vier Jahren im Daimler-Betriebsrat in Untertürkheim vertreten...”  Artikel von Jan Riebe vom 19. März 2010 bei “Belltower.News” externer Link
  • Weitere wichtige Informationen im Beitrag der MLPD aus dem Jahr 2014 (kw17) externer Link: “… „Zentrum“ entfaltet eine nicht immer leicht zu durchschauende sozialfaschistische Demagogie unter der Belegschaft, z. B. auf Betriebsversammlungen oder mit ihrer Betriebszeitung „Kompass“. Dabei nützt sie an der Basis vorhandene Kritiken an der Klassenzusammenarbeitspolitik der rechten Gewerkschafts- und Betriebsratsspitze aus. Sie stilisiert sich – wie es ihre Hauptlosung zu den Betriebsratswahlen ausdrückte – zur „Opposition gegen das Co-Management“.  Diese Pseudo-Ablehnung des reformistischen Co-Managements wächst jedoch aus neofaschistischen Wurzeln, was vielen Kollegen und selbst verschiedenen Kandidaten auf der Betriebsratsliste des „Zentrum“ nicht wirklich bewusst ist. Das „Zentrum“ vertritt als ,Alternative‘ die faschistische Betriebsgemeinschaft und Volksgemeinschaft – und damit die offenste und brutalste Unterdrückung nach dem Vorbild der NSDAP Hitlers. (…) Der reaktionäre, nationalistische und aggressiv antikommunistische Kurs der Gruppe „Zentrum“ richtet sich auch in der aktuellen betrieblichen Auseinandersetzung gerade im Werk Untertürkheim keineswegs gegen Leiharbeit und Werkverträge sowie für die Gleichstellung dieser Kollegen mit den Stammbeschäftigten. Konkret wird allein die bestehende Leiharbeitsquote von acht Prozent kritisiert, aber nur im Sinne einer angeblichen Verhinderung des „Ausblutens deutscher Standorte“. Was sich dahinter verbirgt, ist die Forderung der NPD: „Fremdarbeiter stoppen – Arbeit für Deutsche!“ In der Konsequenz heißt das, wie ebenfalls von der NPD propagiert, ausländische Kollegen aus jeglicher Sozialversicherung in Deutschland herauszuwerfen und sie – wenn überhaupt – alle sozialen Kosten selbst finanzieren zu lassen. (…) Neben der offenen Feindschaft zu revolutionären, sozialistischen und internationalistischen Positionen und Kräf- ten geht von der Gruppe „Zentrum“ eine fortgesetzte und penetrante gewerkschaftsfeindliche Hetze aus. Vom neofaschistischen Prinzip her lehnt sie Gewerkschaften als Klassenorganisationen ebenso wie die NPD ab, denn sie gelten als eine Form „übertriebener Einzel- und Gruppeninteressen“, die sich gegen das Funktionieren der „Volksgemeinschaft“ richten würden. Konkret ist das verbunden mit typisch sozialfaschistischen und zynischen Verleumdungen, z. B. die IG Metall als „IG Möchtegern“ und den DGB als „Dämlichen Geheim Bund“ zu diskreditieren…”