E-Mobilität: Unterwegs zu mehr Ressourcengerechtigkeit?

Elektro-MobilitätVor dem Hintergrund des Klimawandels ist klar: Vom Verbrennungsmotor müssen wir weg. Doch mit der Vision von einer simplen Umstellung des Verkehrs auf Elektromobilität ist es nicht getan. Auch der Umstieg auf Elektromobilität geht mit einem enormen Bedarf an metallischen und mineralischen Rohstoffen einher, die zu oft unter menschenrechtlich und ökologisch desaströsen Bedingungen gewonnen werden. Eine aktuell gängige E-Auto-Batterie mit einer 50 kWh Batterie und einer Reichweite von 300 km wiegt über 400 kg. Sie enthält in etwa 8 Kilogramm Lithium externer Link (Metall), ca. 13 Kilogramm Kobalt externer Link und ebenso viel Nickel externer Link und Mangan, sowie ca. 32 Kilogramm Graphit.  Die Nachfrage nach diesen Rohstoffen steigt durch den Umstieg auf E-Mobilität rapide an. Die Abbauländer geraten unter Druck, die gefragten Mengen sehr schnell zu fördern. Viele Länder, aus denen diese Rohstoffe stammen, stehen in der Kritik bei der hastigen Förderung der wertvollen Mineralien Menschenrechte und Umweltschutz zu übergehen: Dorfgemeinschaften müssen weichen, werden Opfer von Vertreibungen, leiden unter gefährlichen Umweltverschmutzungen durch Schwermetalle und Schwefelbelastung oder Wasserkonkurrenz der Bergbauriesen. Menschen schuften in Kobaltminen, ohne sich und ihre Familien dadurch ausreichend versorgen zu können, weil Alternativen zum Einkommen fehlen. Wie beim herkömmlichen PKW geht auch die Herstellung von Elektroautos für den wachsenden Individualverkehr auf Kosten von Mensch und Natur im globalen Süden. Wir verlagern unsere Umweltprobleme anstatt sie zu lösen! Allein durch den Umstieg auf E-Mobilität wird unser Verkehr also nicht automatisch nachhaltiger sein als heute. Wenn wir Klimaschutz, Umweltschutz und den Schutz der Menschenrechte zusammendenken, ist das private PKW ein Auslaufmodell. Klar ist deshalb: Weiterhin die Automobilbranche zu fördern und den Verkauf von privaten PKWs anzukurbeln ist der falsche Weg – egal, ob die Autos elektrisch betrieben werden oder mit dem klassischen Verbrennungsmotor …“ Einführender Beitrag zur neuen Kampagne von und bei Inkota externer Link. Siehe dazu:

  • Elektrisch in die Sackgasse. Das Elektroauto rettet das Klima. Dieser Eindruck könnte entstehen, glaubte man den Verheißungen von Industrie und Politik. Viel zu kurz gesprungen… New
    “… Das Auto ist nicht ökonomisch: Der aktuelle Golf hat ein Totgewicht von 1,3 Tonnen und befördert in der Regel 80 kg Menschenfleisch und Blut. Das Verhältnis zwischen Transport- und Leergut von 1:16 ist krass; kein Kapitalist würde das im normalen Business akzeptieren. Beim E-Auto sind es dann 1,9 Tonnen zu 80 kg oder 1:24. Übrigens: 1970, beim Käfer, waren es noch 700 kg zu 80 kg oder eins zu neun. Das Auto ist nicht effizient: Die Durchschnittsgeschwindigkeit im Autoverkehr in Los Angeles liegt bei 17 km/h, in Stuttgart vielleicht bei 25 km/h. Das ist die Geschwindigkeit eines latent unsportlichen Radfahrers. Das Auto ist stadtzerstörerisch: Der Autoverkehr beansprucht mindestens vier Mal mehr Fläche je Transporteinheit wie der Verkehr mit Öffis. Das Auto ist mit Blick auf Klima und Umwelt nicht vertretbar: Rund ein Fünftel der das Klima schädigenden Gase sind Pkw und Lkw zuzurechnen. Das Auto ist mörderisch: Jahr für Jahr kostet der Autoverkehr in der EU 25 000 Menschen das Leben. Weltweit sind es jährlich mehr als eine Million. (…) Die Autokonzerne bilden, zusammen mit den Öl- und Energieunternehmen, die entscheidende Macht in der Weltwirtschaft. Ausgeklammert ist dabei der Finanzsektor, der jedoch eng mit den jeweiligen Konzernen verflochten ist. Ausschlaggebend für die Bedeutung sind aber nicht in erster Linie die Jobs. In der Weltautobranche gibt es “nur” zehn Millionen davon, die Zulieferer bereits eingeschlossen. In der Welttextilbranche etwa sind drei Mal mehr Menschen beschäftigt. Doch die Autoindustrie ist so mächtig, weil sie ihre Hauptquartiere in den wichtigsten kapitalistischen Ländern hat, und weil “das Auto” in der bestehenden Gesellschaftsordnung, die massenhaft Entfremdung produziert, eine große Rolle in der Massenpsychologie und für Ersatzbefriedigungen spielt…” Beitrag von Winfried Wolf vom 13. März 2019 in der Kontext Ausgabe 415 externer Link

    • Zum Thema erscheint ein neues Buch von Winfried Wolf: Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum die E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt. Promedia Verlag, 220 Seiten, 17,90 Euro.